Gebrauchte Fahrzeuge begehrt Gebrauchtwagen: Online-Plattformen bieten günstige Alternativen zu Neuwagen

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Freie Leasinggesellschaften, Autovermieter und spezielle Plattformen gehören zu den Vermarktern gebrauchter Fahrzeuge, denen Handwerksbetriebe kaum Beachtung schenken. Dabei können gerade diese Angebote eine Alternative zu Neuwagen sein, insbesondere bei Ersatzbedarf oder dringender Erweiterung des Fuhrparks.

Uwe Fetzer Bosch Service
Uwe Fetzer, Geschäftsführer des Bosch Service Fetzer in Gießen, hat mit dem ­Remarketing-Kanal einer Leasinggesellschaft sehr gute Erfahrungen gemacht. – © Tim Wegner

Lange Lieferzeiten aufgrund der Chip­krise – das hören kleine und mittelständische Firmen derzeit oft, wenn sie neue Firmenwagen für ihre Fuhrparks leasen oder kaufen wollen. Bei manchen Modellen sprechen Autohändler schon von 2023. Alternativen sind deshalb gefragter denn je. Kein Wunder, dass sich Unternehmen vermehrt auf dem Gebrauchtwagenmarkt umschauen. Doch auch in diesem Segment schrumpft die Auswahl. Es gibt allerdings noch Lieferanten jenseits des Kfz-Handels und der bekannten Online-Börsen, welche die Auswahl vergrößern. Damit sind die Remarketing-Kanäle freier Leasinggesellschaften sowie der Autovermieter und etwa Angebote wie Zollauktionen gemeint (siehe Download). Hier können Handwerksbetriebe in der Palette an Gebrauchtwagen fündig werden.

Geprüfte Fahrzeuge fix beschafft

So ist kürzlich ein Bauunternehmen in Hessen zu seinem schnell benötigten weißen VW Caddy gekommen. Mit der Recherche und Beschaffung hatte es Uwe Fetzer beauftragt, der als Geschäftsführer des Bosch Service Fetzer in Gießen auch zentraler Ansprechpartner bei Werkstattarbeiten für den Flottenbetreiber ist. „Die Lieferzeiten für ein entsprechendes neues Modell waren zu lang und der Händler konnte kein adäquates gebrauchtes liefern“, erläutert Fetzer. „Deshalb hat sich der Verantwortliche an uns gewendet. Wir haben bei der Auto Expo ein passendes Fahrzeug gefunden, gekauft und an unseren Kunden weiter­vermarktet.“ Solche Geschäfte tätigt er ebenso für andere Firmen wie Haus­meisterdienste. Nach seinen Beobachtungen befeuert die Mangelsituation am Markt die Nachfrage.

Für den Diplom-Betriebswirt liegen die Vorteile des alternativen Beschaffungs­weges auf der Hand: „Der Kauf kann in wenigen Tagen abgewickelt werden, die Fahrzeuge sind scheckheftgepflegt und werden standardmäßig von Prüforganisationen gecheckt und bewertet.“ (siehe Tipps von einem Sachverständigen). Daneben baut der Werkstattinhaber auf die Erfahrungen, die sein Team in rund 15 Jahren als Reparaturdienstleister der Remarketing-Gesellschaft gewonnen hat.

Günstig zu Firmen- und Ersatzwagen

Bosch Service Fetzer sucht und erwirbt auch Fahrzeuge für den eigenen Bedarf über den Kanal. Zu den bisherigen Errungenschaften zählen etwa ein Audi A6, den Uwe Fetzer als Dienstwagen nutzt, sowie zwei Transporter. Seine Richtlinie: Der Tacho soll beim Kauf nicht mehr als 50.000 Kilometer aufweisen. Denn die insgesamt sieben Pkw in der Flotte dienen vorwiegend als Ersatzwagen bei Werkstattaufenthalt von Kundenautos und sind wie die drei leichten Nutzfahrzeuge im Bestand stark ausgelastet. „Da die Ausleihe außerdem nur zu verträg­lichen Tagessätzen gut angenommen wird, berücksichtigen wir das bei der Anschaffung und setzen Gebrauchtwagen ein“, sagt Fetzer.

Gleichzeitig sollen die Autos aber den Kunden ein Erlebnis verschaffen. Zu diesem Zweck fahndet der Kfz-Experte immer wieder nach ungewöhnlichen Exem­plaren. Ein VW Lupo GTI ist daher genauso Bestandteil des Fuhrparks wie ein BMW 5er mit starker Motorisierung und andere besondere Modelle. Auto Expo fungiert dafür als Zugangskanal. „Es hat mir noch niemand gezeigt, wie ich günstiger an diese Fahrzeuge komme“, ergänzt Fetzer.

Tipps vom Kfz-Sachverständigen

Ob über Autohäuser oder andere professionelle Wege: KMU sollten bei der Anschaffung von Gebrauchtwagen bestimmte Kriterien festlegen und technische Aspekte beachten. Kfz-Meister und -Sachverständiger Hans Limpert, der viele Jahre als Fuhrparkleiter eines Automobilzulieferers tätig war, nennt folgende:

  • Definieren Sie bestimmte Parameter vor dem Kauf: maximales Alter, maximale Laufleistung unter Berücksichtigung der voraussichtlichen Haltedauer/Laufleistung des Leasingvertrages sowie der voraussichtlichen jährlichen Kilometer, dem Einsatzzweck und daraus folgend die Mindest-Ausstattung sowie Anforderungen an den Kfz-Zustand.

  • Nehmen Sie Checklisten zum Gebrauchtwagenkauf als Orientierungshilfe zur Hand. Solche bieten beispielsweise ADAC, TÜV Nord oder die Allianz Autowelt zum Download.

  • Die Gebrauchtwagen sollten stets scheckheftgepflegt sein, …

  • … möglichst noch in der Garantiezeit liegen oder eine -verlängerung mitbringen, …

  • … beim Leasinggeber, Vermieter oder Händler vor Verkauf durch Experten einer Prüforganisation gecheckt und mit einem Prüfzerti­fikat respektive GW-Siegel ausgestattet sein.

  • Führen Sie – wenn möglich – auch eine Probefahrt durch und testen Sie das Kfz.

Individuelle Parameter festzurren

Generell rekrutieren sich die Leasing­rückläufer im Markt aus Fahrzeugen, die in der Regel durchschnittlich drei Jahre alt sind. Die Laufleistungen bewegen sich zwischen 20.000 und über 100.000 Kilometern. Bei Autovermietern sind die Kfz nur wenige Monate alt und weisen geringere Laufleistungen auf. Für Pkw und Transporter aus diesen Quellen vertritt Fetzer das Prinzip, das bei allen Gebrauchtwagen gilt: so wenig Kilometer wie möglich. Den Spielraum bestimmt dabei das Anforderungsprofil. „Wenn gewerbliche Kunden ein Fahrzeug lediglich für ein halbes Jahr zur Überbrückung brauchen oder pro Jahr nur 15.000 bis 20.000 Kilometer zurückgelegt werden, kommen auch Modelle mit 60.000 Kilometern oder mehr in Betracht. Damit kann dann noch fünf bis sechs Jahre gefahren werden“, meint ­Fetzer. Spätestens ab einer Laufleistung von 200.000 Kilometern würde er allerdings in jedem Fall die Finger von einem Kauf lassen.

Konkrete Vor- und Nachteile

Welche betrieblichen Mehrwerte der Einsatz von Gebrauchtwagen im Fuhrpark mit sich bringt, erläutert Marcus Hen­necke. Der Gründer der gleichnamigen Fleet Consulting in Friedberg bei Augsburg hat sich unter anderem viele Jahre im Bereich Fuhrparkmanagement, Kfz-Gutachten und Gebrauchtwagen-Service mit diesem Thema beschäftigt. Ein klares Plus für ihn: „Gebrauchte Kfz sind aufgrund des Wertverlustes deutlich güns­tiger als Neuwagen. Schon im ersten Jahr verliert ein Fahrzeug 25 Prozent seines Wertes. Zudem sind Neuwagen momentan schlichtweg knapp und teilweise nicht erhältlich.“

Dem gegenüber stehen einige Nachteile, die kleine Unternehmen in Erwägung ziehen sollten. Etwa die mit der Fahrleistung steigenden Reparatur­kosten. Hennecke gibt zu bedenken: „Die Reparaturkosten steigen natürlich an, aber nur langsam. Der momentane Preisanstieg sowohl für ­Neu- als auch für Gebrauchtwagen relativiert die Unterhaltskosten zusätzlich.“ Ein anderes Kontra-Argument: Die Fahrzeuge sollen zur Mitarbeitermotivation dienen. Die Gebrauchtwagen „sind durch die Nutzer nicht individuell konfigurierbar und insgesamt weniger attraktiv“, meint der ­Diplom-Kaufmann. Und was, wenn E-Fahrzeuge gewünscht sind? „Dann ist das Angebot an Gebrauchten noch rar. Es besteht ferner eine höhere Unsicherheit, wie gut der Zustand ist, weil die Erfahrungswerte fehlen.“

Zudem steckt die Auswahl bei der Beschaffungsform enge Grenzen. „Gebrauchtwagen-Leasing ist nicht so verbreitet und wird vor allem bei der Direktvermarktung durch Leasing- und Vermietgesellschaften nicht immer geboten“, berichtet Hen­necke. Gleichwohl empfiehlt er den Einkauf bei diesen, weil dort großes Volumen professionell gehandelt werde.

Kosten-Vergleiche und andere Faktoren

Sollen KMU die Gebrauchten nun kaufen oder leasen? Welche der Anschaffungsformen sich am besten eignet, macht Hennecke vom Kosten-Vergleich und anderen Faktoren abhängig. Für Leasing sprechen seiner Meinung nach die Kostensicherheit und die Bequemlichkeit. „Feste Raten werden über einen bestimmten Zeitraum gezahlt, es fällt kein hoher Einmalbetrag wie beim Kauf an, der Leasingnehmer hat kein Vermarktungsrisiko und zumindest beim Full-Service-Leasing verringert sich sein Fuhrparkmanagement-Aufwand“, so Hennecke. „Umgekehrt sind die direkten Kosten des Leasings höher, weil die Leasingrate auch Personalaufwand und Marge der Leasinggesellschaft enthält.“ Entscheidende Argumente für die eine oder andere Beschaffungsform seien daher oft die Liquiditätslage und die Frage, wie viel man sich als KMU mit operativem Fuhrparkmanagement beschäftigen will.

Ein weiterer Punkt pro Kauf sind seiner Meinung nach die höhere Flexibilität mit Blick auf Laufleistung und Nutzungsdauer. Hennecke betont: „Bei Leasing sind Minder- und Mehrkilometer teuer zu bezahlen, ebenso Änderungen der Vertragsdauer. Mit Kauf bin ich bei unvorhergesehenen Situationen flexibler. Jetzt in der Pandemie zum Beispiel fahre ich die Fahrzeuge mit weniger Kilometern einfach länger.“

Nutzung beeinflusst Abschreibung

Bei Thomas Kreiter, der seit 45 Jahren in der Kreishandwerkerschaft Marburg arbeitet und sich in dieser Zeit zum Steuerberater qualifiziert hat, und seinen Mandanten kommt das Für und Wider von Gebrauchtfahrzeugen regelmäßig auf die Agenda. „Erst vor einigen Tagen hat ein Dachdecker einen Lkw aus zweiter Hand in einem Autohaus erworben, weil das Lieferdatum für einen neuen im Herbst liegt.“ Einen steuerlichen Nachteil sieht Kreiter darin nicht. Im Gegenteil. Während die Abschreibungsdauer bei neuen Pkw mit sechs Jahren und bei neuen Lkw mit neun Jahren an die AfA (Absetzung für Abnutzung)-Tabelle gebunden ist, sind Gebrauchte gemäß Einzelfall anzusetzen. Kreiter führt aus: „Wenn ein beispielsweise zwei Jahre ­alter Pkw eine hohe Laufleistung von 50.000 Kilometern pro Jahr hat, muss der Restwert nicht über die verbleibenden vier Jahre, sondern kann auch über zwei oder drei Jahre degressiv respektive linear abgeschrieben werden.“ Es besteht somit eine gewisse Flexibilität zugunsten des Nutzers.

Allgemeiner steuerlicher Rahmen

Ansonsten gelten fast dieselben Vor­gaben wie für Neuwagen. So lässt sich ein Investitionsabzugsbetrag (IAB) von 50 Prozent des Kaufpreises in den Vorjahren bilden. „Bei einem in Anspruch genommenen IAB kann der Betrieb dann die verbliebenen Anschaffungskosten über die Restnutzungsdauer linear abschreiben und gegebenenfalls noch eine Sonder-AfA von 20 Prozent nutzen“, beschreibt Kreiter das Vorgehen. Die laufenden Kosten können über die gesamte Nutzungszeit voll geltend gemacht werden. Diese Regelungen sind klar. Zur Vorsicht rät der Steuerexperte jedoch bei der Umsatzsteuer: „Bei Käufen von Privatleuten gibt es keinen Vorsteuerabzug, da diese keine Umsatzsteuer ausweisen dürfen. Fahrzeuge von Händlern, die von diesen privat zugekauft wurden, unterliegen nur der Differenzbesteuerung. Deshalb sollten Handwerker immer nachfragen, ob Umsatzsteuer ausweisbar ist oder nicht.“

Für uninteressant hält es Kreiter, einen Gebrauchten zur privaten und dienstlichen Nutzung ins Betriebsvermögen zu nehmen und den daraus entstehenden geldwerten Vorteil vom Fahrer nach der Ein-Prozent-Regel versteuern zu lassen. Das gilt insbesondere bei teuren Verbrennern. Er nennt ein Beispiel: „Wenn für ein Auto 50.000 Euro gezahlt wurden, das laut Bruttolistenpreis 100.000 Euro kostet, richtet sich die Bemessung trotzdem nach Letzterem. Das heißt, es sind für jedes Jahr stets 12.000 Euro zu versteuern, während die Abschreibung nur von 50.000 Euro geltend gemacht werden kann.“ Bei Plug-in-Hybriden mit einem Satz von 0,5 Prozent oder reinen Elektrofahrzeugen von 0,25 Prozent sei der geldwerte Vorteil allerdings deutlich geringer und könne eher eine Überlegung sein.

Ungeachtet dessen bleiben Gebrauchtwagen für Firmen interessant. So will etwa Bosch-Service-Inhaber Uwe Fetzer für seinen Fuhrpark sowie seine gewerblichen Kunden weiter über den Remarketing-­Kanal der freien Leasinggesellschaft zukaufen. Denn die Kunden kommen jetzt noch öfter auf ihn zu als früher. „Das geschieht meist von heute auf morgen und ist nicht planbar. Wir landen dann trotzdem meist einen Treffer und können schnell Fahr­zeuge besorgen.“

Marktentwicklung: Gewerbliche Käufe gebrauchter Pkw

Der Blick geht ins Gebrauchtwagensegment: Aufgrund des vorherrschenden Halbleiter­mangels werden auch die Fuhrparkverantwortlichen kleiner Flotten kreativ – wie aktuelle Zahlen belegen.

Die Pkw-Besitzumschreibungen im relevanten Flottenmarkt – ohne Rentals, Kfz-Hersteller und -Handel – sind 2021 gestiegen. So erwarben die gewerblichen Kunden mit Fuhrparks ab einem Pkw im Bestand mehr gebrauchte Fahrzeuge als in den davorliegenden drei Jahren. Das Plus in 2021 beträgt gegenüber dem Vorjahr über sechs Prozent. „Vor allem die kleinen Flotten haben überproportional zugekauft“, konstatiert Benjamin Kibies. Der Senior Automotive Analyst des Marktbeobachters Dataforce führt weiter aus: „Nach unseren Einschätzungen ist der gesamte Zuwachs nur eine leichte Erhöhung, die hinter der tatsächlichen Nachfrage zurückbleibt. Diese konnte bei den Gebrauchtwagen nicht gedeckt werden, weil der Sektor wie das Neuwagensegment unter mangelndem Nachschub leidet.“ Er rechnet damit, dass die Lage 2022 angespannt bleibt, der Anteil des relevanten Flottenmarktes aber bei aus­reichend verfügbarer Ware erneut zulegt.

JahrBestand
2018286.643
2019279.334
2020273.995
2021291.222
Quelle: Dataforce, Januar 2022