Kfz-Plattformen Kfz-Vermittler: So kommen Sie via Online-Portal zum Firmenwagen

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Günstig Fahrzeuge kaufen, leasen oder abonnieren: Das machen spezialisierte Online-Portale mit ihren Angeboten möglich. ­Handwerksbetriebe sollten allerdings einige Aspekte beachten.

Holger Ried aus Hünstetten
Unternehmer Holger Ried aus Hünstetten hat mit den spezialisierten Portalen gute Erfahrungen gemacht. – © Tim Wegner

Enge Geschäftsbeziehungen, persönliche Ansprechpartner oder schnelle Hilfe bei Ausfall eines Firmenwagens: Die Liste, warum viele Handwerksbetriebe bei regionalen Autohäusern ihre Fahrzeuge beschaffen, ist lang. Doch spezialisierte Online- Plattformen (siehe Download) und ihre Kfz- Leasing– sowie Kauf-Angebote führen dazu, dass die KMU immer öfter bekannte Pfade verlassen. Und: Sie holen dort nicht nur Angebotsvergleiche ein, sondern beschaffen über die Portale auch Firmenfahrzeuge.

Ein Betrieb, der die virtuellen Vermittler gezielt nutzt, ist Ried Blitzschutz in Hünstetten. Dabei setzt Geschäfts­führer Holger Ried für die insgesamt 24 Pkw und 16 Transporter starke Flotte nur auf Leasing inklusive Wartung und Verschleiß. Bei einer bevorzugten Ver­tragslaufzeit von 48 Monaten muss er zehn bis zwölf Firmenfahrzeuge pro Jahr zurückgeben und durch neue Modelle ersetzen. Seine ­Suche nach passenden An­geboten startet er auf drei Platt­formen: Vehiculum , Getyourdrive und Leasingmarkt.de .

Mehr Preistransparenz

Auf die beiden erstgenannten ist Ried vor rund fünf Jahren durch Werbung und Recherche gestoßen. „Da ich für digitale und technische Neuerungen immer offen bin, habe ich mich getraut, die ersten Fahr­zeuge über die Plattformen zu leasen“, sagt der Kaufmann. Inzwischen hat er 18 Fahrzeuge über Vehiculum und zehn über Getyourdrive bezogen. Sein Zwischenfazit: „Die Plattformen haben mir einen neuen Grad an Freiraum verschafft, weil Konfigurationen, Kalkulationen und Bestellungen außerhalb von starren Geschäfts­zeiten machbar sind. Die Konditionen für die jeweiligen Kombinationen aus Laufleistung und -zeit sind online sofort sichtbar und ändern sich in Echtzeit.“ Daneben erhält er immer wieder Anregungen zur Beschaffung von Modellen, die für ihn interessant sind und vorher nicht auf der Einkaufsliste standen. Ein weiterer Pluspunkt: „Sobald die Entscheidung für einen Abschluss gefallen ist, kommt der Leasingvertrag innerhalb von 24 Stunden.“

Den größten Vorteil sieht der Unternehmer in der gewonnenen Preistransparenz und den Einsparungen , die er plattformübergreifend erzielt. Diese belaufen sich nach seinen Berechnungen je nach Kfz-Typ über die gesamte Vertragslaufzeit von 48 Monaten mit einer Laufleistung von 20.000 Kilometern pro Jahr auf 4.800 bis 10.000 Euro netto. „Gerade bei Transportern, die wir vorher nur über lokale Händler geleast haben, gab es eklatante Unterschiede in den Leasingraten – teilweise bis zu 250 Euro pro Monat für das gleiche Modell. Im Moment sind die Preise wieder angestiegen, aber wir sind lange nicht mehr dort, wo wir waren.“

Die messbaren Verbesserungen durch die neue Beschaffungsstrategie begeisterten Ried. Deshalb recherchierte er anfänglich bundesweit nach den besten Offerten und fuhr zu jedem Händler, der das Fahrzeug über die jeweilige Plattform anbot.

Auf regionalen Radius begrenzt

Inzwischen hat der Unternehmer den Umkreis jedoch auf maximal 200 Kilometer vom Firmensitz beschränkt. Aus diesem Grund ist er seit Kurzem auch Kunde von Leasingmarkt.de. „Hier kann ich meine Online-Suche gleich regional mit einem Kilometerfilter begrenzen. Bei den anderen kläre ich den Sitz des Autohauses vorab, wenn mich ein Fahrzeug interessiert“, erläutert Ried. Hauptgrund für den reduzierten Radius ist die Rückgabe der Leasingrückläufer, von denen er bisher rund 20 abgeschlossen hat. Seiner Erfahrung nach wollen die Händler diesen Prozess mit jemandem abwickeln, der dazu bevollmächtigt ist. Im Fall der Ried Blitzschutz ist das wieder der Chef selbst. „Einfache Fahrten von 500 Kilometern sind dann einfach zu viel, um das an einem Tag managen zu können. Denn neben der Fahrzeit muss man gut zwei Stunden für die Rückgabe einrechnen“, so Ried. Dadurch entstehen für ihn indirekte Kosten, die ebenfalls in die Betrachtung einfließen müssen.

Rückgabe und Serviceagreements

Verursacht die Kfz-Rückgabe im Vergleich zum vorherigen Prozess beim örtlichen Händler auch höhere direkte Kosten, wenn man nicht aufpasst? Diese Frage verneint Ried. Er begründet: „Bei den Händlern und Leasinggesellschaften im Hintergrund handelt es sich um seriöse Unternehmen, die mit Gutachtern und definierten Rückgabekriterien arbeiten. Wir haben zwar gewisse Zahlungen für Schäden zu leisten, aber diese liegen in der Regel bei den Pkw unter 1.000 Euro.“ Bei den Transportern gebe es schon immer mal größere Diskussionen und Kosten aufgrund des Einsatzes. Die Rück­lagen für diese Aufwendungen bezieht er in die Betrachtung der Gesamtkosten allerdings im Vorfeld mit ein. Demnach fährt er unterm Strich bei den Nutzfahrzeugen über die Plattformen ebenfalls günstiger.

Gleichwohl arbeitet Ried mit den Autohäusern in der Region zusammen. Dazu hat er beispielsweise mit Händlern zweier Marken ein Serviceagreement abgeschlossen. „Ich frage dort im Vorfeld auch regelmäßig Angebote an. Aber meist können sie leider mit den Platt­formen bei Weitem nicht mithalten, obwohl ich bereit wäre, dort einiges mehr zu zahlen als über den digitalen Weg.“

Dass auch für die Autohäuser als ­Kooperationspartner der Plattformen die Zukunft im digitalen Vertrieb liegt, merkt Florian Härtl jeden Tag. Der Verkaufs­leiter im Autohaus Jepsen und sein Team am Standort in Neutraubling vermarkten vor allem Neu- und Jahreswagen über die unterschiedlichen Portale wie Leasingmarkt.de , Leasingtime.de und Null- Leasing.com . Deren Reichweite im Internet bringt Kunden, die immer mehr der insgesamt rund 2.600 vermarkteten Neu- und fast 4.700 Gebrauchtwagen pro Jahr abnehmen. „Schon vor der Pandemie ist die Online-Nachfrage gestiegen. Corona hat dem Trend noch mal Schub verliehen“, sagt Härtl. Deshalb finden sich nun in der eigenen Börse unter auch Leasingpakete.

Bevorzugte Beschaffungsform über die Plattformen ist mit einem Anteil von rund 80 Prozent das Leasing . „Je unsicherer die Zeiten, desto größer das Risiko des Wertverlustes bei Kauf. Aus diesem Grund schwenken die Kunden zunehmend zum Leasing, das eine kalkulierbare fixe Rate über die Vertragslaufzeit gewährleistet“, erklärt Härtl die steigende Quote. Unter den Kunden befinden sich viele Unter­nehmen. Laut Härtl sind rund 50 Prozent, die über die Plattformen kommen, Frei­berufler und KMU. Davon kommt wiederum ein Drittel aus dem Handwerk .

Das zieht KMU auf die Portale

Was die Kunden nach Ansicht des Verkaufsleiters vor allem schätzen: „Wir können alles komplett kontaktlos abwickeln, einschließlich der Auslieferung. Entweder wir fahren dem Kunden das Auto direkt vor die Tür oder übermitteln ihm einen Code zur Abholung, mit dem ihm an unserer Ausgabestelle der Schlüssel ausgeworfen wird.“ In Gesprächen mit Unternehmern erfuhr er ferner, warum sie online ihre Firmenwagen ordern: „Zum einen loben sie neben den attraktiven Angeboten die höhere Transparenz, zum anderen die Zeitersparnis.“ Für Jepsen selbst ist es 2020 ebenfalls von Vorteil gewesen, online präsent zu sein und die Prozesse bereits voll digitalisiert zu haben. „Dadurch haben wir unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen unser Geschäft normal weiterbetreiben können“, so Härtl.

Prinzip der virtuellen B2B-Geschäfte

Das Matching von Kfz-Angeboten der Händler mit der Nachfrage am Markt sieht Rechtsanwalt Konstantin Malakas als zentrale Funktion der Online- Plattformen. Sie agieren in der Regel als Vermittler, die bei Vertragsabschluss Provision von Anbieterseite erhalten. „Für Unternehmer ist es daher im ersten Schritt wichtig, zu identifizieren, mit wem sie es genau zu tun haben. Dazu empfiehlt es sich immer, das Impressum zu prüfen und zumindest die ersten Abschnitte der AGB zu lesen“, sagt der IT-Spezialist mit Kanzleien in Würzburg und bei Aschaffenburg.

Grundsätzlich stellt er für gewerbliche Kunden keinen Unterschied zwischen persönlichen Geschäften im Autohaus und denjenigen über Fernkommunikationsmittel wie das Internet fest. Er erläutert: „Die Verträge, die abgeschlossen werden – sei es ein Kauf-, Miet- oder Leasingvertrag – bleiben immer die gleichen und die Bedingungen für diese ändern sich nicht.“

Im B2B-Bereich gibt es zudem kein Widerrufsrecht, das der Gesetzgeber bei geschlossenen Online-Verträgen für Verbraucher vorsieht. „Deshalb sollte man, wenn man diese Verträge online schließen will, darauf achten, ob möglicherweise freiwillig vonseiten des Anbieters auch Unternehmern gegenüber ein solches ­Widerrufsrecht gewährt wird“, so Malakas. „Ist das nicht der Fall, sollte man zum Hörer greifen und versuchen, sich das Rückgaberecht einräumen zu lassen.“

Ungeachtet dessen rät Malakas, sich mit den Webseiten der Portal-Betreiber genau zu beschäftigen: „Wenn Angaben, beispielsweise in den FAQ oder Werbeaussagen, dann zu einem Abschluss führen, sollten diese entweder via Download oder Screenshots dokumentiert werden.“ Der Lehrbeauftragte an der TU Aschaffenburg erwartet aber vielmehr rechtliche Risiken in der Praxis, weil keine Besichtigung vor dem Erwerb stattgefunden oder der Handwerker nicht im Blick hat, was bei Fahrzeugbeschädigungen gilt. Er nennt ein Beispiel: „Darf ein Regalsystem in einem geleasten Transporter verschraubt und dafür die Karosserie beschädigt werden, ohne horrende Summen bei der Rückgabe als Ausgleich zahlen zu müssen? Solche Sachverhalte sollten geregelt sein.“

Markenübergreifende Angebote

Noch vor den rechtlichen Fragen interessiert viele KMU der Fahrzeugpreis. Nicht selten belaufen sich die beworbenen Nachlässe auf 30 und mehr Prozent gegenüber dem Listenpreis. „Über die Plattformen erhalten Kunden zwar teilweise größere Rabatte als im Handel, sie haben aber auch weniger Konfigurationsmöglichkeiten“, bemerkt Professor Dr. Niels Biethahn, der an der DHBW Heilbronn einen Studiengang spezialisiert auf Autohandel verantwortet. Nach seinem Dafürhalten sind die Angebote speziell für Handwerker aus einem weiteren Grund weniger attraktiv: „Die Betriebe haben im Vergleich zu Privatkunden höhere Anforderungen an die Kulanzbereitschaft und den Service, beispielsweise bei Sofortreparaturen im Schadensfall.“ Im Zweifelsfall gingen die Unternehmer daher zum Händler vor Ort, weil sie regional geprägt sind und dort die Verfügbarkeit mit kaufen können. Gleichwohl bringen die digitalen Vermittler gemäß Biethahn einen Vorteil: „Es werden online markenübergreifend Angebote abgebildet, die einen bundesweiten Überblick über die Preise und deren Entwicklung schaffen.“

Künftige Chancen für KMU

Mit Prognosen darüber, welche Möglichkeiten die Portale in den kommenden Jahren noch eröffnen, hält sich Biethahn zurück. Nur so viel: „Wir befinden uns in einer starken Disruption hin zur Digitalisierung, Transparenz und Stärkung der Marktmacht des Kunden. So entstehen schnell neue Player im Kfz-Online-Vertrieb oder verschwinden wieder.“ Andererseits bleiben die Handwerksbetriebe heterogen mit unterschiedlichen Ansprüchen an ­Firmenwagen und das Flottenmanagement. Seiner Ansicht nach werden daher längerfristig diejenigen Anbieter für KMU Mehrwerte liefern, die digital, flexibel und dezentral ansprechbar sind.

Tipps: Online-Portale strategisch nutzen

KMU sollten bei der Beschaffung ihrer Fahrzeuge via Plattformen einige Kriterien berücksichtigen. Welche das sind, erläutert Florian Härtl, Verkaufsleiter der ­Autohausgruppe Jepsen am Standort Neutraubling.

  1. Ermitteln Sie vor der Suche Ihre Anforderungen an das Fahrzeug. Analysieren Sie auf dieser Basis die bestehenden Offerten respektive konfigurieren Sie die Fahrzeuge – gegebenenfalls auf den Herstellerseiten – und nehmen Sie anschließend die Kalkulation auf den Portalen vor.
  2. Vergleichen Sie stets Modelle mit denselben Leistungsmerkmalen wie Ausstattung und Motorisierung. Dann erhalten Sie die optimalen Preise gemäß Ihren Ansprüchen.
  3. Relevante Größe für die Kalkulation der Leasingrate ist der Bruttolistenpreis. Anhand dieses Wertes können Sie in Kombination mit den Laufzeiten und -leistungen der Verträge das bestmögliche Preis-Leistungs-Verhältnis finden.
  4. Beschäftigen Sie sich grundsätzlich mit den verschiedenen Angeboten . Die günstigste Rate ist nicht zwangsläufig die beste Lösung. Subventionen der Hersteller, staatliche Förderungen und Restwerte beeinflussen die Höhe. Manchmal bekommen Kunden beispielsweise für zehn Euro mehr in der monatlichen Leasingrate ein Modell, das im Vergleich zum günstigeren eine Mehrausstattung von 15.000 Euro mitbringt.
  5. Beachten Sie die indirekten Kosten: In Ihre Kalkulation sollten auch stets Aufwendungen wie die Transportkosten einfließen.