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Hohe Hürden für Steuerabzug Doppelte Haushaltsführung: So sparen Sie Steuern beim Auswärts-Einsatz

Wenn Paare zwei Wohnsitze haben, weil einer auswärts arbeitet, empfinden das viele als Luxus. Doch das Finanzamt sieht bei der doppelten Haushaltsführung genau hin. Was es zu beachten gilt, damit das Modell rund läuft.

Topic channels: TS Liquiditätsmanagement und TS Steuerstrategien

Der Kläger war einst Single und wohnte im Rheinland. Dann heiratete er und zog weiter nach Norden. Seine bisherige Wohnung behielt er, weil er dort seinen Arbeitsplatz hatte. Nach seinem Umzug in die neue Heimat – also seinen neuen ersten Wohnsitz – machte der Steuerzahler für drei Monate entsprechend der doppelten Haushaltsführung Verpflegungspauschbeträge geltend. Das ging beim Finanzamt nicht durch, aber die Richter des Bundesfinanzhofs (Az: VI R 7/13) akzeptierten das.

Hohe Hürden für Steuerabzug

Wann sich die Aufwendungen für einen zweiten Wohnsitz absetzen lassen, führt immer wieder zu Streit zwischen dem Fiskus und dem Steuerzahler. Und das aus gutem Grund: Denn es geht, wie auch der Fall des Steuerzahlers zeigt, um viel Geld. Die Kosten für die doppelte Haushaltsführung summieren sich jedes Jahr auf mehrere Tausend Euro – oft schon allein durch die Miete, ebenso aufgrund der Fahrtkosten am Wochenende bis hin zur Einrichtung des Zweitwohnsitzes oder Verpflegungsmehraufwendungen.

Der Fiskus aber setzt die Hürden für den Steuerabzug hoch an. Die Vorgaben sind kompliziert, sie sind nicht immer eindeutig auf die jeweilige Situation anzuwenden. Für Handwerksunternehmer ist es deshalb wichtig, hier die Regelungen im Blick zu behalten. Ende 2020 hat das Bundesfinanzministerium wieder einiges neu bestimmt, nachdem der Bundesfinanzhof mehrfach zugunsten der Steuerzahler entschieden hatte. Deshalb gab es ein neues Schreiben des Bundesfinanzministeriums (Az: IV C 5 - S 2353/19/10011 :006).

Lebensmittelpunkt zählt

Prinzipiell müssen Pendler gegenüber dem Finanzamt nachweisen, wo sich ihr Lebensmittelpunkt befindet. Das kann schon richtig schwierig sein. Normalerweise ist der Lebensmittelpunkt dort zu finden, wo die persönlichen Bindungen am engsten sind. Heißt: Der erste Wohnsitz ist jener, der gemeinsam mit der Hauptbezugsperson – also dem Partner – bewohnt wird. Ehepaare müssen einen solchen benennen, wenn sie in unterschiedlichen Städten wohnen und arbeiten. So entschied es das Bundesverwaltungsgericht (Az.: 1 C 25.98). Wichtig: Der Pendler muss sich hier in der Regel mindestens sechsmal im Jahr blicken lassen bzw. dort hinfahren, um die Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung geltend zu machen.

Bei Singles lohnt sich Heimweh

Wie aber sieht es bei Singles aus? Bei ihnen geht das Finanzamt erst einmal davon aus, dass sie nur einen Wohnsitz halten – und zwar da, wo sie arbeiten. Hier sind dann auch die Lebensinteressen. Alleinstehende aber fühlen sich häufig der Heimat verbunden. Oft kommt zum Beispiel der Junior am Wochenende nach Hause, wenn er beispielsweise im weiteren Umkreis extern praktische Erfahrung sammelt. Er behält seine Freunde, den Kontakt zum Sportverein. Deshalb zählen in solchen Fällen andere Kriterien. Zum Beispiel die Anzahl der Heimfahrten: Wenn der Single mindestens zweimal im Monat pendelt, ist das Indiz dafür, dass der Lebensmittelpunkt bleibt. Als Beleg für regelmäßige Wochenendfahrten legen die Pendler detaillierte Aufstellungen über die Fahrtzeiten, Zugtickets, Tankquittungen oder Inspektionsrechnungen vor.

Nachweise sammeln

Singles sollten dem Fiskus überdies zeigen, dass sie enge persönliche Beziehungen am Erstwohnsitz pflegen. Um soziale und kulturelle Kontakte zu dokumentieren, sind Barabhebungen am Heimatort, Arztbesuche oder Einladungen zu Feiern gefragt. Vorteilhaft ist auch die Mitgliedschaft im Verein, um den Lebensmittelpunkt zu untermauern. Einladungen oder die Bescheinigung über Vereinszugehörigkeiten bewahrt der Steuerzahler also als Beleg auf.

Misstrauisch reagieren Finanzbeamte, wenn Singles ihren Erstwohnsitz unter einem Dach mit Familie oder Freunden haben. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs (Az.: VI B 38/14) können Zeugenaussagen gefragt sein. Wichtig: Die Zweitwohnung sollte nicht größer und komfortabler sein als die Erstwohnung. Dann geht der Fiskus davon aus, dass der Lebensmittelpunkt verlegt wurde. Wenn der Sohn im Haus der Eltern ein 30-Quadratmeter-Apartment unterhält und am Arbeitsort eine Wohnung von 60 Quadratmetern, lässt sich keine doppelte Haushaltsführung mehr geltend machen – egal, wie sich die Umstände gestalten.

Singles im mittleren Alter, die bei ihren Eltern wohnen, haben es einfacher. Nach einem BFH-Urteil (Az.: VI R 76/13) handelt es sich um doppelte Haushaltsführung, wenn sie am Arbeitsort eine wenig komfortable Bleibe haben. Die Richter gehen davon aus, dass die Kinder an der Haushaltsführung ihrer Eltern stark engagiert sind, womöglich sogar in puncto Pflege. An den Haushaltskosten seines ersten Wohnsitzes muss sich der Pendler beteiligen – möglichst mit mindestens zehn Prozent der regelmäßigen, laufenden Kosten für Miete, Nebenkosten oder den Aufwendungen für die Lebensmittel. Wer weniger zahlt, kann als Ausgleich etwa einen gemeinsamen Urlaub oder das Auto finanzieren.

Ohne einen eigenen Hausstand akzeptiert das Finanzamt keine Kosten der doppelten Haushaltsführung. Alleinstehende sollten daher nachweisen können, dass sie nicht einfach nur bei ihren Eltern am Wochenende wie ein Gast Unterschlupf finden.

BMF-Schreiben: So sieht es der Fiskus

Das Bundesfinanzminister hat sich mit Fragen der doppelten Haushaltsführung in einem Erlass (Az: IV C 5 - S 2353/19/10011 :006) beschäftigt. Hier finden Betroffene die Details, wann sie was wie in ihrer Steuererklärung geltend machen können. Eine Auswahl:

  • Wenn die Fahrt zur Arbeit vom Hauptwohnsitz aus nur bis zu einer Stunde ausmacht, findet der Fiskus das zumutbar.
  • Beträgt die Entfernung zwischen Hauptwohnung und erster Tätigkeitsstätte mehr als 50 km, ist davon auszugehen, dass sich die Hauptwohnung außerhalb des Ortes der ersten Tätigkeitsstätte befindet.
  • Die Strecke muss dann deutlich verkürzt werden: Aus Vereinfachungsgründen kann von einer beruflichen Veranlassung ausgegangen werden, wenn die kürzeste Straßenverbindung von der Zweitwohnung zum Job weniger als die Hälfte der kürzesten Straßenverbindung zwischen der Hauptwohnung und der ersten Tätigkeitsstätte beträgt. Alternativ akzeptiert es das Finanzamt, wenn sich die Fahrzeit zur ersten Tätigkeitsstätte für eine Wegstrecke halbiert.
  • Bei einer Eigentumswohnung sind die tatsächlichen Kosten wie AfA , Schuldzinsen, Reparaturkosten und Nebenkosten bis zu 1.000 Euro im Monat absetzbar. Sonst auch Miete, Betriebskosten, Reinigung und Pflege, Rundfunkbeitrag oder Stellplatzaufwendungen bis zu den Aufwendungen für den Garten bis zur Höchstgrenze. Was nicht dazu zählt: Hausrat, Einrichtungsgegenstände oder Arbeitsmittel. Das können notwendige und absetzbare Mehraufwendungen sein (Grundlage: BFH-Urteil, Az: VI R 18/17). Bis zu 5.000 Euro sollte das Finanzamt nach dem BMF-Schreiben ohne Wenn und Aber dafür akzeptieren.

Die Regeln im Schreiben werden an Beispielen erläutert, etwa diesem:

A bewohnt am Ort seiner Tätigkeit in M eine Zweitwohnung. Die Aufwendungen für die Nutzung dieser Unterkunft (Miete inklusive Nebenkosten) betragen bis zum 30. Juni monatlich 990 Euro. Ab 1. Juli wird die Miete um 30 Euro erhöht, so dass ab diesem Zeitpunkt die monatlichen Aufwendungen für die Nutzung der Unterkunft 1.020 Euro betragen.

In den Monaten Januar bis Juni können die Aufwendungen für die Nutzung der Unterkunft in voller Höhe vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet vom Arbeitnehmer bzw. Unternehmer als Werbungskosten geltend gemacht werden. Ab Juli ist grundsätzlich die Beschränkung auf den Höchstbetrag von 1.000 Euro zu beachten. Die den Höchstbetrag übersteigenden Aufwendungen von monatlich 20 Euro können allerdings mit dem noch nicht aufgebrauchten Höchstbetragsvolumen der Monate Januar - Juni (6 x 10 Euro = 60 Euro) verrechnet und insoweit steuerfrei erstattet oder als Werbungskosten geltend gemacht werden. Maklerkosten sind zusätzlich absetzbar.

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