Infektionsschutz am Arbeitsplatz Hygiene nach Corona: Wie viel Desinfektion muss noch sein?

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Wie Händewaschen richtig geht, hat durch die Coronapandemie jeder gelernt. Auch das Desinfizieren der Hände vor dem Betreten von Läden, Arztpraxen sowie öffentlichen und privaten Einrichtungen ist längst Routine. Bleibt die Frage, was die Haut auf Dauer aushält.

Hände waschen oder desinfizieren?
Desinfizieren statt Waschen verhindert Handekzeme. – © Alexander Raths-stock.adobe.com

Erst wird der Infektionsschutz kräftig zusammengestrichen, dann fällt vielerorts die Maskenpflicht und die Betriebe müssen per Gefährdungsbeurteilung selbst entscheiden, welche Maßnahmen sie zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ergreifen. Ein wichtiger Punkt dabei ist die persönliche Handhygiene. Schließlich kann zu viel Wasser und Seife der Haut auf Dauer genauso schaden wie eine allzu üppige Verwendung von Desinfektionsmitteln, die nicht umsonst als Gefahrstoffe eingestuft werden.

Hitze, Kälte, Wasser und Chemikalien: die Haut muss im Handwerk einiges aushalten

Fakt ist, dass es vor allem in den Handwerksberufen viele Faktoren gibt, die die Haut belasten. Dazu gehören das Arbeiten in feuchter Umgebung, der Umgang mit Chemikalien, mechanische Belastungen durch die Tätigkeit, aber auch Hitze oder Kälte können die Haut schädigen. Das in der Corona-Pandemie geforderte häufige Waschen und Desinfizieren der Hände wird dann zu einer zusätzlichen Belastung.

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie hatten Hautärzte gewarnt, dass es durch das häufigere Anwenden von Reinigungs- und Desinfektionsmitteln auf den Händen zu mehr Handekzemen kommen würde. Seitdem wurde allerorten an Eingangsbereichen Spender für Desinfektionsmittel installiert und Hygieneexperten erklären uns die Regeln zum richtigen Händewaschen. Doch bei der Frage, ob ein Reinigen mit Wasser und Seife oder ein Desinfizieren mit Alkoholpräparaten sinnvoller oder gar beides notwendig ist, herrscht oft Verunsicherung.

Der Hautärzteverband rät: Desinfizieren statt Waschen verhindert Handekzeme

Der Berufsverband der deutschen Dermatologen (BVDD), hat sich dazu klar positioniert. In der „Aktionswoche haut+job“ hat der Verband bereits Ende letzten Jahres vor dem ständigen Händewaschen mit Seife gewarnt. Denn das häufige Waschen fördert die Entstehung von Handekzemen, einer der häufigsten Berufskrankheiten. Seife hat zwar die gewünschte Eigenschaft, Schmutz zu entfernen, aber sie zieht gleichzeitig die schützenden Fette aus der Hornschicht der Haut heraus. Im häufigen Kontakt mit Wasser quellen zudem die Hornzellen der Haut auf, was die Haut anfälliger macht für Verletzungen und Infektionen.

Deutlich hautschonender ist daher nach den Erkenntnissen der Hautärzte das Desinfizieren der Hände verbunden mit einer konsequenten Hautpflege. Zwar löst auch der Alkoholanteil der desinfizierenden Mittel einen Teil der Fette ab, die Wirkung bleibt jedoch an der Oberfläche und der Alkohol verdunstet schnell.

Desinfizieren mit Augenmaß: das individuelle Risiko je nach Situation einschätzen

Dass die Hautärzte ein Desinfizieren positiver einschätzen als das Händewaschen bedeutet aber keineswegs, dass man nun bedenkenlos ständig seine Hände mit den alkoholischen Lösungen einreiben sollte. Wann und wo ein Desinfizieren sinnvoll ist, hängt immer von der konkreten Situation ab, dem individuellen Risiko und dem Infektionsgeschehen.

Wer vorerkrankt ist, Risikopatienten im Haushalt hat oder schon auf dem Weg zur Arbeit durch Fahrkartenautomaten oder den Haltegriff im Bus Infektionsgefahren ausgesetzt ist, hat ein höheres Desinfektionsbedürfnis. Auch für Arbeitseinsätze in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen können verschärfte Hygienevorgaben gelten. Und schließlich spielt auch eine Rolle, ob gerade in der Gegend eine Grippewelle umgeht oder eine Magen-Darm-Infektion. Denn auch ohne Pandemie werden durch Haut und Hände jede Menge Keime übertragen.

Werkzeuge und Oberflächen: ständiges Desinfizieren unnötig

In vielen anderen Fällen dürfte das ständige Desinfizieren der Hände mehr schaden als nutzen. Auch ein häufiges Desinfizieren von Oberflächen oder Werkzeugen wurde in keinem Stadium der Pandemie weder von der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung noch von den Berufsgenossenschaften gefordert. Die Berufsgenossenschaft (BG) Holz und Metall hatte etwa explizit verkündet, dass eine Händedesinfektion in Berufen der Holz- und Metallbranche „nur selten notwendig“ sei.

Regelmäßige Hautpflege: ohne Parfüm und mit rückfettenden Substanzen

Entscheidend für die Hautgesundheit ist laut Hautärzteverband, dass die Haut auch gepflegt wird. Das heißt, dass Hände und Finger – und dies gilt immer, ob nach einem Händewaschen oder einem Desinfizieren – gründlich mit einem pflegenden Mittel eingecremt werden. Dabei sollte man ein hochwertiges Hautpflegemittel auswählen. Ein gutes Zeichen ist, wenn das Produkt auf parfümierende Zusätze verzichtet. Ein Hautpflegemittel sollte zudem rückfettende Substanzen enthalten, damit die Haut schneller wieder ihre natürliche Schutzbarriere aufbauen kann.

Wichtig: Arbeitgeber müssen Hautschutz kostenlos zur Verfügung stellen

Arbeitgeber sollten wissen, dass Hautschutzmittel zwar nicht unter die strenge PSA-Definition der PSA-Verordnung fallen, aber dennoch im Arbeitsschutz der persönlichen Schutzausrüstung zugerechnet werden. Das bedeutet, dass wenn die Haut beim Arbeiten belastet wird, der Betrieb die Mittel zum Reinigen, zum Schutz und zur Pflege der Haut seinen Beschäftigten kostenlos zur Verfügung stellen muss.

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