Finanzen + Versicherungen -

Regionale Fördermittel  Niedersachsen: Gute Idee? Gute Förderung!

Gefördert wird, was Potenzial hat – in Niedersachsen stehen Beratung und finanzielle Unterstützung von Handwerksunternehmen jeder Umsatzgröße im Fokus.

Topic channels: TS Banken, TS Eigenkapital, TS Fördermittel, TS Fördermittel Bundesländer und TS KfW

Niedersachsen – Grünkohl mit Pinkel ist Nationalgericht, Lüttje Lage nennt sich die dazugehörige Schnaps-Ration, die Menschen sind engagiert – die Anti-Atombewegung fand ihren Ursprung im Wendland – und nicht nur Volkswagen gehört in das flächenmäßig zweitgrößte Bundesland Deutschlands, sondern auch jedes dritte Schwein der Republik.
Im Bundesland sind 99,6 Prozent der Unternehmen klein oder mittelständisch. Sie beschäftigen rund zwei Millionen Menschen, das sind 70 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Der Mittelstand ist wichtig für die Wirtschaftsentwicklung, „seine Stärkung steht im besonderen Fokus der Politik der Landesregierung“, schreibt Bernd Althusmann, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. Dass es der Minister ernst meint, zeigt die Einsetzung eines Mittelstandsbeauftragten, der gemeinsam mit der Landesvertretung der Handwerkskammern und den Unternehmerverbänden des Handwerks ein Handlungskonzept zur Stärkung der Unternehmen erarbeitet. Dabei stehen unter anderem Fachkräftepotenziale, berufliche Bildung, Digitalisierung, Innovationen und Technologietransfer, Gründungen und Start-ups, Energiewende und Klimaschutz im Fokus. Rund 818 Millionen Euro wurden im Jahr 2018 als staatliche Fördermittel über das Förderinstitut NBank vergeben – in 2019 werden es wohl noch mehr gewesen sein.

Viel Unterstützung erhalten

Eine Nutznießerin der Aktivitäten des Ministers ist Jaqueline Kroll, Schornsteinfegermeisterin aus Wittingen. „Ich habe mich 2018 selbstständig gemacht und dafür den MikroStarter-Kredit der niedersächsischen Förderbank erhalten“, erzählt sie. Ihren Weg in die Selbstständigkeit hat sie intensiv vorbereitet. Sie war bei ihrem Vater angestellt, als er seinen Betrieb 2018 aufgab. „Ich habe mich sofort um seinen Kehrbezirk beworben und einen Businessplan erstellt“, erzählt Jaqueline Kroll. Die Finanzierungsmöglichkeiten hatte sie bereits zuvor recherchiert: „Im Internet bin ich schnell auf den MikroStarter-Kredit gestoßen, er bot mir alles, was ich brauchte: Finanzierung bis 25.000 Euro, vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeit, unkomplizierte Abwicklung“, sagt sie. Sie setzte sich mit der NBank in Verbindung, dort gab es eine umfassende Beratung, die durch eine Beratung der Hausbank ergänzt wurde. Als sie die Zusage für ihren Kehrbezirk erhielt, beantragte sie online den MikroStarter-Kredit: „Das Ausfüllen des Antrags war nicht so einfach, mithilfe der NBank gelang es dann aber doch und innerhalb von einer Woche hatte ich mein Geld auf dem Konto.“ Als Verwendungsnachweise für den Kredit reichte der NBank eine Bestätigung des Steuerberaters, „das war wirklich unkompliziert“.

Ihr Tipp für Gründer: „Pusten Sie Ihre Investitionen nicht größer auf als notwendig. Werkzeuge kann man gut gebraucht kaufen. Und nehmen Sie den Businessplan ernst. Ich fand ihn am Anfang überflüssig, aber er beinhaltet eine Liste, die genau aufführt, in welchem Jahr ich welche Investition tätige. An diese Liste halte ich mich, das sorgt für Stabilität. Deshalb stehe ich heute finanziell besser da, als geplant. Vielleicht schaffe ich so die Schuldenfreiheit schon im vierten Betriebsjahr.“

Konkrete Maßnahmen

Auch die Förderung der Digitalisierung im Handwerk ist ein Anliegen der Landesregierung: Wer Geschäftsprozesse oder Produkte digitalisiert oder seine digitalen Daten sichert, kann mit Unterstützung rechnen. So gibt es den Digitalbonus Niedersachsen, der – mit einer Digitalberatung verknüpft – zu einer beschleunigten digitalen Transformation führen soll. Per Zuschuss und Kredit werden Investitionen gefördert. Ansprechpartner für Unternehmer ist die Digitalagentur Niedersachsen, die am Innovationszentrum angegliedert ist. Sie prüft die Förder- und Unterstützungsangebote und nennt die richtigen Ansprechpartner (digitalagentur-niedersachsen.de). Michael Kiesewetter, Vorstand der NBank, sagt: „Der Anfang September 2019 gestartete Digitalbonus.niedersachsen erfreut sich starker Nachfrage. In den ersten Monaten wurden mehr als 1.500 Anträge bei der NBank gestellt. Pro Unternehmen ist ein Zuschuss von bis zu 10.000 Euro möglich.“

Das Handwerk nutzt die Förderung

Insgesamt ist Kiesewetter zufrieden mit der Nutzung der Fördermittel durch das Handwerk: „Wir verzeichnen auch in der Niedrigzinsphase eine rege Nachfrage nah unserem Förderangebot – und das, obwohl auch die Hausbanken gute Konditionen bieten. Im Förderjahr 2019 dürften wir das Ergebnis des Jahres 2018, als die NBank 818 Millionen Euro auszahlte und bereits einen starken Förderjahrgang hinlegte, noch einmal übertreffen“, fasst er zusammen.

Als intensiv genutztes Fördermittel nennt er die Meisterprämie für das Handwerk. „Das Programm soll dazu animieren, die Meisterprüfung abzulegen“, was offenbar gelingt. „Förderungen, die auf die Gründung abzielen, werden gleichfalls gut nachgefragt. Hier ist besonders der MikroStarter-Kredit zu nennen. Hiermit werden Existenzgründungen von Kleinstgründern mit einer maximalen Fördersumme von 25.000 Euro angeregt. Hierfür ist übrigens keine bankübliche Besicherung erforderlich“, wirbt Kiesewetter für das Angebot seines Förderinstituts. Sein Tipp für Handwerksunternehmer: „Wichtig ist es, unsere Beratungsangebote und unser Netzwerk zu nutzen. Im Gespräch mit unseren Beratern ergeben sich Ideen, wie wir unterstützen können. Unser Netzwerk bieten wir in allen Landesteilen Niedersachsens an. Hierauf zu bauen heißt auch, über Kontakte Erfolg zu generieren.“

Weiterbildung wird wichtiger

Wichtig ist ihm auch das Programm Weiterbildung in Niedersachsen – WIN. „Es fördert individuelle Weiterbildungsmaßnahmen – ein Thema, das für Unternehmen und jeden Einzelnen immer wichtiger wird. Dies merken wir an den Anträgen“, so Kiesewetter. Denn dieses Förderprogramm wird zunehmend nachgefragt.

Der Weg zur Förderung

Wer sich für eine staatliche Förderung interessiert, bekommt mit der Tabelle einen guten Einstieg, eine vollständige Auflistung liefert sie aber nicht. Alle Programme und ihre Details zu Fördervoraussetzungen finden sich auf der Homepage der NBank. Grundsätzlich gilt: Hausbanken, Kammern, Berater der NBank und auch freie Fördermittelberater – Vorsicht: letztere kosten – helfen bei Identifizierung und Beantragung der passenden Programme. Und nicht vergessen: Förderanträge müssen grundsätzlich vor dem Beginn des Vorhabens gestellt werden.

Beratung & Eigenkapital: Das Angebot der NBank

Fehler sind teuer. Wer sie vermeiden will, kann die kostenlose Beratung der NBank bei der Planung seiner Vorhaben nutzen – und über ihr Netzwerk auch an Eigenkapital zur Finanzierung kommen. Ein Überblick über die wichtigsten Programme.

  • Finanzierungsberatung
    Dient der Vorbereitung von Finanzierungsgesprächen. Beraten wird auf Basis der aktuellen wirtschaftlichen Situation. Auch die einzureichenden Unterlagen und Konzepte werden besprochen.
    nbank.de/Unternehmen/Investition-Wachstum/Finanzierungsberatung/index.jsp
  • Business-Angel-Netzwerk
    Kleine oder mittelständische Unternehmen werden durch die Bereitstellung von Beteiligungskapital durch Privatinvestoren gefördert. Das Netzerk bietet eine Plattform zur Kontaktaufnahme.
    nbank.de/Unternehmen/Investition-Wachstum/Business-Angel-Netzwerk/index.jsp
  • Innovationsaudit
    Handwerksunternehmer können prüfen lassen, wie es um die Fertigkeit ihres Unternehmens bestellt ist, Innovationen umzusetzen, und welche Prozesse verbessert werden können. Die Innovationsexperten bieten eine unabhängige Prüfung der Innovationsfähigkeit des Unternehmens an. Sie geben Impulse zu Aspekten wie Prozesse, Markteinführung, Technologiebeobachtung oder Internationalisierung.
    nbank.de/Unternehmen/Innovation/Innovationsaudit/index.jsp
  • Innovationsberatung
    Wer plant, innovative Vorhaben durchzuführen, erfährt, welche Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten in Niedersachsen, im Bund und in der EU existieren. Die NBank stellt ihr Netzwerk zur Verfügung, um andere Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsförderer kennenzulernen.
    nbank.de/Unternehmen/Innovation/Innovationsberatung/index.jsp
  • Förderdienstleistung NCapital
    Eine regelmäßig stattfindende Matching Veranstaltung mit dem Ziel, Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten durch Beteiligungskapital zu eröffnen. Gleichzeitig bietet NCapital Investoren Zugang zu interessanten Unternehmen.
    nbank.de/Unternehmen/Investition-Wachstum/NCapital/index.jsp
  • NBeteiligung
    Kleine oder mittlere Unternehmen, die Kapitalengpässe überwinden und Wachstumschancen jetzt und für die Zukunft optimal nutzen wollen, können die Bereitstellung von Beteiligungskapital über NBeteiligung nutzen.
    nbank.de/Unternehmen/Investition-Wachstum/NBeteiligung/index.jsp
Weitere Downloads zu diesem Artikel
  • Landesfördermittel Niedersachsen (PDF, 103 kB)

    Marktüberblick über die regionalen Fördermittel in Niedersachsen, die von Handwerksunternehmern genutzt werden können. Gründer, Nachfolger und Digitalisierung stehen im Fokus. Aber auch die Innovations- mehr...

© handwerk-magazin.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen