Sysmartec nutzt den Opel Vivaro-e Geschäftsmodell Elektromobilität: Solaranlagen, Ladeinfrastruktur und E-Beratung aus einer Hand

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Sein Aufgabengebiet heißt „Sonne, Wallbox, Auto“. Jochen Wink sieht sich und sein Unternehmen Sysmartec als Elektropionier. Dabei war alles ganz anders geplant.

Neuling im Fuhrpark: Der Opel Vivaro-e schleppt mitunter zehn Solarmodule überei­­nander zur Montagestelle.
Neuling im Fuhrpark: Der Opel Vivaro-e schleppt mitunter zehn Solarmodule überei­­nander zur Montagestelle. – © Andreas Liebschner

Sanfte Hügel, sattgrüne Felder und imposante Wälder. Wäre da nicht das nahe Werk der Basalt-Actien-Gesellschaft mit reichlich Kipperverkehr auf den Zufahrtsstraßen, man könnte angesichts des Dörfchens Oberwiesen, das in einem Tal nahe Kirchheimbolanden im Städtedreieck von Mannheim, Mainz und Kaiserslautern liegt, von einer Idylle sprechen. Diese Idylle aber steht seit drei Jahren unter Strom: 2019 hat sich in seinem Heimatort der heute 39-jährige Kfz-Technikermeister Jochen Wink mit der Firma Sysmartec selbstständig gemacht.

Inzwischen beschäftigt er sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, hängen auf dem Betriebshof drei Autos an den Kabeln der Wallboxen: ein E-Pkw, ein Plug-in-Hybrid und ein Opel Vivaro-e. Davon gibt’s noch nicht so viele. Und gedacht war ohnehin alles ganz anders.

Mit Händen und Kopf

Die Pfiffigkeit des Firmenchefs zeigt schon der Weg zum Firmennamen: Wink fand ihn über eine Internetausschreibung. Das Kunstwort Sysmartec setzt sich aus den drei Begriffen „System“, „smart“ und „Technic“ zusammen. Eigentlich wollte der Gründer Kabelsätze für spezielle Anwendungen herstellen, schließlich hat er Kfz-Elektriker gelernt. „Ich wollte was Handwerkliches machen, mit Händen und Kopf.“ Beim ersten Firmenwagen griff er zu einem Plug-in-Hybrid. Der Teilzeitstromer löste eine Kettenreaktion aus. Denn wie kommt der Strom zum E-Auto? Mit dem damaligen dürren Wallbox-Angebot gab sich Wink nicht zufrieden: „Ich hatte den Traum, eine eigene Wallbox zu erfinden, die alles kann.“ Doch aufwendige Zertifizierungen und Fertigung kosten zunächst viel Zeit und Geld, bei Banken stieß der frischgebackene Firmenchef damals auf Widerstand. Zu hohe Hürden für den Jungunternehmer.

Das während der Entwicklung gesammelte Wissen wollte er aber nutzen, weshalb er sich beim Dekra zum zertifizierten Berater für Elektromobilität ausbildete. Seitdem gibt Wink seine Kenntnisse an Handwerker, Autohausverkäufer und deren Endkunden weiter. Dazu gehört folgerichtig auch der nächste Schritt: Wie kommt der Strom zur Wallbox? Tunlichst vom Himmel über eine Solaranlage. Also folgte die Weiter­bildung zum Solar-Fachberater. Zur Beratung gesellte sich der Verkauf, zunächst über Partnerfirmen. Inzwischen hat er Fachkräfte eingestellt: drei Dachdecker, einen Elektrikermeister. Und nun gibt’s alles aus einer Hand: Beratung einschließlich Infos zur Förderung, Solar­anlage und Wallbox oder Ladesäulen sowie Lademanagement. Ein Freund mit einer Tiefbaufirma setzt die Fundamente für die gefragten Ladesäulen.

Lademanagement am Handy

Angesichts deftiger Sprit- und Strom­preise „steht das Telefon nicht mehr still“, freut sich der rege Nordpfälzer, „die Leute haben gemerkt, wir müssen was tun“. Zu seinen Kunden zählen ebenfalls Handwerksbetriebe, „da sagen viele, das ist mir zu kompliziert“. Dabei ist die Angelegenheit faszinierend: „Ich habe die Möglichkeit, meinen Kraftstoff selbst zu erzeugen, und die Tankstelle steht auf dem Hof.“ Jochen Wink zückt sein Smartphone und zeigt das Lade­management für seine drei Stromer, damit alle Fahrzeuge rechtzeitig zum Dienstantritt geladen sind und die Stromzufuhr trotzdem nicht überlastet wird. Eines ist ihm wichtig: „Ich will, dass die Kunden verstehen, wenn ich sie am Ende des Tages wieder verlasse.“ Deshalb erklärt er mit ein­fachen Worten, malt die Zusammen­hänge gerne auf.

Intensive Testwoche

Wink selbst ist Beispiel für seine Kunden, auch mit seinem Transporter, dessen ­Tachostand beim Besuch nach vier Monaten exakt 3.062 Kilometer anzeigt. Dem Jungunternehmer war bei der Auswahl von Beginn an klar: „Wir brauchen eine Batterie von mehr als 50 kWh.“ Den Opel Vivaro-e gibt es als Kastenwagen mittlerer Größe mit 75 kWh – passt. Wirklich? Sein Autohändler überließ ihm den Opel eine Woche zum Test. Sowohl Wink als auch seine Mitarbeiter fuhren den Transporter in dieser Zeit. Ergebnis: „Das ist ein Traum.“ Und die Reichweite? Härteprüfung war die Tour zu einem Zulieferer, 115 Kilometer entfernt, mit hohem Autobahnanteil. Dabei war der Opel beim Start nicht mal vollgeladen. Ohne zeitraubende Zwischenladung ging’s zurück. Knapp war’s, sehr knapp, hat aber gepasst. Wink: „Mir war wichtig auszuprobieren, was das Auto kann.“

Er kann viel, deshalb ist der Vivaro-e inzwischen „Mädchen für alles“, vor allem die „fahrende Werkzeugkiste“ (Wink) für die drei Dachdecker des Betriebs. Manchmal schleppt der Opel zehn Solarmodule übereinander zur Montagestelle. „Da kommt noch eine Anhängerkupplung dran“, erläutert Jochen Wink. Der Stromer darf eine Tonne ziehen, eine Ausnahme unter seinesgleichen. Häufig wird er nur einmal in der Woche geladen, „freitags reinigen, dann an die Wallbox“, erklärt Wink.

Sein Tipp an Kollegen: „Wenn ein Transporter neu angeschafft wird, versuch’s mit E-Mobilität. Schreib auf, wie viele ­Kilometer du fährst. Man muss sich trauen, bei einem Großteil der Handwerksbetriebe funktioniert’s.“ Das System in Kurzform: „Sonne, Wallbox, Auto.“ Furcht vor Technikproblemen nach längerer Zeit hat er nicht: „Da würde ich mir bei einem Diesel mit dessen komplizierter Abgasreinigung mehr Gedanken machen als bei einem E-Fahrzeug.“

Das Geschäft läuft

Banken haben inzwischen verstanden, dass Jochen Wink mit seiner Firma Sysmartec ein funktionierendes Geschäftsmodell aufgebaut hat. Und weil Material knapp ist – FI-Schutzschalter, Wechselrichter, Solarmodule und mehr – und gleichzeitig das Geschäft läuft, ordert er Solarmodule zum Beispiel inzwischen „sattelzugweise“. Der Betrieb läuft, ob mit Solaranlagen, mit Komplettlösungen für die Infrastruktur von Elektromobilität, mit E-Beratung. Deshalb muss jetzt ein zusätzlicher Pritschenwagen her. Batterieelektrisch angetrieben, versteht sich. Da ist die Auswahl zurzeit noch sehr begrenzt. Nach den guten Erfahrungen mit dem Vivaro-e – „wir sind absolut zufrieden“ – liegt es nahe: Es könnte der neue Opel Movano-e werden.

Ich sehe mich als Pionier in der Region“, erklärt Jochen Wink, während draußen die Sonne scheint und elektrische Energie erzeugt. Und was hat er selbst für eine Solaranlage? Die Anlage auf seinem Haus leistet 10 kW, aufs Firmendach „sollte eine 15-kW-Anlage als Referenz“. Problem: „Die habe ich schon zweimal verkauft“, lacht Jochen Wink, „ein Kunde hat Batteriespeicher und Wechselrichter.“ Der Mann steht wirklich unter Strom. Nur für seine Ursprungsidee, die Kabelsätze, „haben wir keine Zeit mehr“.

Unternehmer Jochen Wink mit seinem Opel Vivaro-e. Der Betriebsinhaber aus Oberwiesen testete mit seinem Team eine Woche lang den Stromer – und reizte auch die reale Reichweite voll aus.
Opel Vivaro-e – © Andreas Liebschner

Opel Vivaro-e: Leistung hoch, Preis unten

2021 erhielt der Opel Vivaro-e die renommierte Auszeichnung „Van of the Year“. Ein paar Fakten zum prämierten E-Transporter:

Im Unterschied zu den meisten E-Transportern ist der Opel Vivaro-e in zahlreichen Varianten verfügbar: Kastenwagen, Kastenwagen-Doka, Kombi und Fahrgestell mit Plattformrahmen.

Klassiker ist der Kastenwagen in zwei Radständen und drei Längen von 4,61 über 4,96 bis 5,31 Meter. Die Kurzausführung fährt mit einer 50-kWh-Batterie, die beiden Langausgaben optional mit 75 kWh. Die Motorleistung beläuft sich auf maximal 100 kW/136 PS, das maximale Drehmoment auf 260 Nm. Da es vom Start weg voll zur Verfügung steht, erzielt der Vivaro-e beachtliche Fahrleistungen.

Fahrer können zwischen drei Fahrprogrammen und zwei Rekuperationsstufen wählen. Je nach Ausführung beläuft sich die Nutzlast auf rund 850 bis gut 1.100 Kilogramm.

Der Nettopreis für den Kastenwagen beginnt bei 36.950 Euro ohne Förderung. Kein Geheimnis: Baugleiche Modelle gibt es ebenfalls von Citroën, Fiat, Peugeot sowie Toyota.