Steigende Energiekosten Checkliste: Wie Betriebe den Gasverbrauch reduzieren können

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Energieeffizienz und Energiesparen

Um alternative Energiequellen führt künftig kein Weg vorbei. Doch was können Betriebe auch kurzfristig unternehmen, um ihren Betrieb im Ernstfall ohne oder mit weniger Gas versorgen zu können? Frank-Peter Ahlers, Beauftragter für Innovation und Technologie im Zentrum für Umweltschutz der Handwerkskammer Hannover, hat eine Checkliste für das handwerk magazin erstellt.

Wie Betriebe sich auf den kalten Herbst einstellen – und Geld sparen können. – © ChBsc – stock.adobe.com

Wie können Betriebe jetzt für den Herbst vorsorgen, um Gaskosten zu sparen und auch für den Ernstfall vorzusorgen?

Wer seinen Betrieb über Gas versorgt, hat kaum Möglichkeiten, sich schnell davon unabhängig zu machen. Um seine Räume zu heizen, falls es tatsächlich kein Gas mehr geben wird, kann ein Betrieb versuchen, wo immer es geht, auf Strom zurück zu greifen. Hierzu lässt sich zum Beispiel ein Infrarotstrahler als Übergangslösung einsetzen.

Benötigt ein Betrieb das Gas nicht nur, um seine Räume zu beheizen, sondern auch um die Produktion sicher zu stellen, muss er beizeiten seine Verträge prüfen. Hat er zu wenig Gas zur Verfügung, um die Produktion aufrecht zu erhalten, droht im ungünstigsten Fall die Gefahr einer Konventionalstrafe. Diese gilt es durch eine entsprechende Vereinbarung in den Verträgen auszuschließen.

Welche Maßnahmen sollten neben diesen Übergangslösungen jetzt schon für die Zukunft ergriffen werden?

Schon jetzt sollten Betriebe sich nach erneuerbaren Energiequellen umsehen und ihr Gebäude zum Beispiel mit einer Photovoltaik-Anlage und Wärmepumpen ausrüsten. Das hat den großen Vorteil, langfristig wirklich energieautark wirtschaften zu können. Von einer überstürzten Umstellung ist abzuraten: Denn eine schlecht geplante Anlage kann einen Betrieb langfristig weit mehr kosten als ein 200-prozentiger Gaspreisanstieg für eine Heizsaison. Deshalb sollten sich Betriebe vorher damit auseinandersetzen, was sie langfristig brauchen und erst dann handeln.

Mit welchen Maßnahmen lässt sich Energie beim Heizen sparen?

Über Angebote, wie das kostenfreie E-Tool, kann man einzelne Verbräuche erheben. Das Werkzeug ist eine kooperative Entwicklung der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz sowie dem Zentralverband des Deutschen Handwerks. Die Anwendung ist einfach anzuwenden und bringt zuverlässige Ergebnisse. Eine Überprüfung bringt oft Wärmeverbrauchsquellen hervor, die nicht wirklich gebraucht werden. Da kann die Temperatur heruntergeregelt werden und das spart viel Geld. Gerade größeren Betrieben empfehlen wir außerdem, einen internen Abschaltplan zu erstellen, worin festgehalten ist, welche Geräte im Ernstfall am wenigsten gebraucht werden.

Einen weiteren Effekt kann man erreichen, indem ein hydraulischer Abgleich vorgenommen wird. Dieser führt dazu, dass alle Heizkörper in einem Gebäude passend aufeinander abgestimmt sind und die Energie gleichmäßig umverteilt wird. Ist das nicht der Fall, erwärmen sich diejenigen Heizkörper zuerst, die sich der Wärmequelle am nächsten befinden. Heizkörper, die weiter entfernt liegen, werden dann erst nachrangig versorgt.

Wie steht es um die Möglichkeit, in gemischten Quartieren untereinander Energie auszutauschen?

Die Abwärme des Nachbarn für sich zu nutzen, kann theoretisch gut funktionieren. Dennoch ist dabei zu beachten, dass daraus eine gewisse Abhängigkeit folgt. Benötigt ein Betrieb noch Energie, während der andere bereits im Wochenende ist oder aus anderen Gründen geschlossen hat, treten erste Probleme auf. Reibungslos geht es vor allem dann, wenn es sich bei zwei Betrieben um den gleichen Eigentümer handelt.