Aktienmärkte legen zu Börsen-Ausblick 2022: Jubel trotz Krisen überall

Zugehörige Themenseiten:
Geldanlage, Kapitalmarkt, Liquiditätsmanagement und Vermögensaufbau

Das zu Ende gehende Börsenjahr war ein gutes: rund 13,5 Prozent legte der Deutsche Aktienindex DAX zu (Stand 9. Dezember 2021). Für das kommende Jahr sind die Experten weiterhin optimistisch: Bis zu 17.000 Punkten werden für den Leitindex prognostiziert. Aktuell sind es rund 15.600 Punkte. Doch sie warnen auch vor globalen politischen Risiken – und vor Inflation. Ein Ausblick auf 2022.

Aktienmärkte 2022
Plus 13,5 Prozent Wertsteigerung für den DAX im Jahr 2021 (Stand 9. Dezember 2021) – trotz Corona und vieler globaler Krisenherde entwickelten sich die Börsenkurse im Zick-Zack nach oben. – © ipopba – stock.adobe.com

Franz-Josef Leven bringt Chance und Risiko für das Börsenjahr 2022 auf den Punkt: „Es ist einfach so viel Geld im Umlauf“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Deutschen Aktieninstituts. Viel Geld, das in Konsum, Investition oder Vermögensaufbau fließen kann. Davon profitiert die Wirtschaft, die Gewinne steigen – und mit ihnen die Kurse an den Börsen. Das ist die Chance.

Das Risiko heißt Inflation: Wenn die Notenbanken ihre Politik des Nullzinses aufgeben, um die Inflation zu dämpfen, sinkt die Attraktivität von Aktieninvestments. Zinspapiere würden dann wieder Erträge bringen, was Anleger zum Kauf von Anleihen – nicht Aktien – motiviert.

Wichtige Treiber für die Börsen

  • Europa: Die Europäische Union hat mit dem Aufbauplan NextGenerationEU (NGEU) 750 Milliarden Euro zum Auf- und Umbau der Volkswirtschaften budgetiert. Zusammen mit dem langfristigen EU-Haushalt ist es das größte Konjunkturpaket, das je aus dem EU-Haushalt finanziert wurde: Zwei Billionen Euro sollen Europa nach Corona auf die Beine bringen. Das Ziel: grüner, digitaler und krisenfester werden. „Darin steckt viel Potenzial für Wirtschaft und Börse“, sagt Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa der DWS.
  • Inflation: Sie ist mit 5,2 Prozent so hoch wie seit 1993 nicht. Das liegt einerseits daran, dass im vergangenen Jahr die Mehrwertsteuer abgesenkt war. Dieser Effekt läuft von alleine aus. Andererseits führt die CO2-Abgabe zu – politisch gewollten – Preissteigerungen bei fossilen Brennstoffen. Ziel ist es, die Verwendung klimaschädlicher Energien zu reduzieren. Und die enorme Geldmenge, die die Notenbanken durch ihre Anleihekaufprogramme und Corona-Unterstützungsmaßnahmen in den Markt geben, sorgt dafür, dass die Preise steigen. Franz-Josef Leven meint: „Der beste Schutz vor Inflation sind Aktien, Immobilien und andere Sachwerte.“
  • Zinsen: Die Europäische Zentralbank (EZB) geht davon aus, dass die aktuell hohen Inflationsraten im kommenden Jahr wieder erkennbar zurückgehen. „Es deutet sich keine mehrjährig anhaltende Inflationswelt an, sodass die EZB an ihrer Politik der günstigen Finanzierungsbedingungen festhalten wird“, sagt Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der DekaBank, und ergänzt: „Ich gehe deshalb davon aus, dass die Leitzinsen bis 2025 auf den aktuellen Tiefstständen verharren werden.“ Anleihen und Sparanlagen, werfen daher weiterhin keinen Ertrag ab, was den Geldfluss an die Börse stützt.

Wichtige Bremser für die Börsen

  • Lieferengpässe: Die Lieferengpässe sorgen für eine zurückgefahrene Produktion, etwa in der Automobilindustrie und auf dem Bau. Deutschland treffen diese Engpässe hart, die Wirtschaft wächst nur mit drei Prozent in ­diesem Jahr. „Doch für 2022 rechnen wir mit 4,5 Prozent“, prognostiziert Moryson. Voraussetzung: Das Angebot kann der starken Nachfrage, die nach Corona wirksam wurde, wieder nachkommen.
  • Löhne: Die Bevölkerung schrumpft, rund zehn Prozent der Erwerbsfähigen gehen in den nächsten zehn Jahren in Rente. Ein massiver Mangel an Arbeitskräften folgt, was die Produktion behindert. Unternehmer werden mit steigenden Löhnen um Mitarbeiter kämpfen. Parallel fordern die Gewerkschaften aufgrund der hohen Inflation bereits heute steigende Löhne – sie drücken auf die ­Gewinne der Betriebe.
  • China und die Welt: Für deutsche Unternehmen ist China ein wichtiger Handelspartner. Das dortige Bruttoinlandsprodukt wird künftig mit knapp fünf Prozent hinter der Dynamik der letzten Jahre zurückbleiben. „Aktu­elle Bremseffekte für die chinesische Konjunktur sind beschränkenden Regulierungen für Tech-Unternehmen und Immobilienfinanzierer sowie den rigiden Corona-Maßnahmen geschuldet“, meint Bahr. Doch China bleibe in den kommenden Jahren ein Wachstumstreiber. Weitere geopolitische Risiken sind Russland und die Ukraine, Polen und Ungarn im Streit mit der EU – „das sollten die Anleger im Blick behalten“, warnt Moryson.

Eine gute Depotstruktur

Wie ein gut strukturiertes Depot 2022 aussieht, verrät Vermögensverwalter Mirko Kohlbrecher von Spiekermann & Co in Osnabrück: „Aktien sollten gut 50 Prozent des Anlagevermögens ausmachen. Gold gehört als Inflations- und Krisenschutz mit 15 Prozent ins Depot. Immobilien als Fonds oder Immobilienaktienfonds (REITs) sollten zehn Prozent und die Liquidität 25 Prozent betragen.“