Beim Verarbeiten von Fleisch bestehen erhebliche Verletzungsrisiken durch scharfe Werkzeuge und leistungsstarke Maschinen. Dazu kommen Lärm, Kälte und ergonomisch herausfordernde Tätigkeiten. Neben den Anforderungen an Tierschutz und Hygiene muss die Fleischereibranche zahlreiche Vorgaben aus dem Arbeitsschutz beachten. Eine neue Branchenregel liefert dazu einen verständlichen und praxisnahen Überblick.

Die Branchenregeln der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) bringen nicht zwingend neue Vorgaben oder schärfere Vorschriften mit sich. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, die diversen Vorgaben aus den Vorschriften- und Regelwerken des Staates und der Unfallversicherung zu bündeln. Das vorhandene komplexe – und oft in unterschiedlichen Rechtstexten verteilte – Arbeitsschutzrecht wird damit für die jeweilige Branche verständlich zusammengefasst.
Risiken im Fleischbetrieb frühzeitig erkennen
Neu erschienen als DGUV Regel 110-011 ist die Branchenregel "Fleischwirtschaft – Handwerk“. Sie soll die Verantwortlichen dabei unterstützen, Risiken im handwerklichen Fleischbetrieb frühzeitig zu erkennen und Lösungen und Ansatzpunkte für guten Arbeitsschutz aufzuzeigen. Das 124 Seiten starke neue Dokument ersetzt die DGUV Regel 110-008 "Arbeiten in der Fleischwirtschaft". Dass die neue Branchenregel nicht mit neuen oder zusätzlichen Anforderungen verbunden ist, betont auch Katja Kästner von der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN). Als Fleischermeisterin und Ingenieurin für Lebensmitteltechnologie kennt sie die Abläufe und Herausforderungen in Fleischbetrieben und hat die neue DGUV Regel gemeinsam mit praxiserfahrenen Branchenkennern verfasst.
Arbeitsschutz für Fleischer: Von der Anlieferung bis zum Verkauf
Nach einer Einführung zu den Grundlagen für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz geht es in den folgenden Abschnitten um übergreifende Anforderungen an Arbeitsplätze und Arbeitsmittel der Branche. Alle branchentypischen Arbeitsplätze und Tätigkeiten werden mit ihren Gefährdungen und Maßnahmen betrachtet – vom Entladen der Tiere in der Schlachtstätte über das Betäuben, Entbluten, Brühen und Enthaaren, Enthäuten und Ausschlachten bis zu den unterschiedlichen Stufen und Formen der Fleischbearbeitung und -zerlegung.
Verletzungsrisiken durch Maschinen und Werkzeuge minimieren
Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Fleischereibetrieb sind eine komplexe und vielschichtige Herausforderung. Denn die unterschiedlichen Aufgaben wie Wolfen, Kuttern, Füllen, Clippen, Frittieren, Pökeln, Würfel oder Streifen schneiden, Fleisch mürben, Garen und Räuchern bringen unterschiedliche Gefährdungen mit sich: Schnitt- und Stichverletzungen, Quetschungen, Stolper-, Rutsch- und Sturzunfälle, Verbrennungen und Verbrühungen, dazu biologische Risiken, chemische Belastungen sowie Lärm, Kälte und Vibrationen. Bis das Fleisch- oder Wurstprodukt als verkaufsfertiges Lebensmittel in Theke oder Kühlregal liegt, sind oft viele Arbeitsschritte notwendig, die alle sicher, hygienisch und gesundheitsgerecht erfolgen müssen. Die Branchenregel geht auf die einzelnen Tätigkeiten mit ihren spezifischen Gefährdungen ein. Im Fokus stehen dabei die jeweils eingesetzten Arbeitsmittel. Denn ob gasbetriebenes, handbetätigtes Abflammgerät oder Beil, Pökelspritznadel und Bandsäge – das Risiko von Verletzungen ist allgegenwärtig.
Arbeitsschutz muss nicht teuer sein: Smarte Hilfen für das Fleischerhandwerk
„Investitionen in den Arbeitsschutz rechnen sich", ist BGN-Expertin Katja Kästner überzeugt. Schließlich müssen geeignete Lösungen nach ihrer Erfahrung keineswegs immer viel Geld kosten. Dazu nennt die Präventionsexpertin zwei Beispiele:
- Schneidbretterhöhungen, die auch groß gewachsenen Mitarbeitern ein ergonomisches Arbeiten ermöglichen
- rutschfeste Anti-Ermüdungsmatten für Arbeitsplätze, an denen lange oder häufig stehend gearbeitet werden muss
Solche smarten Lösungen erfordern keine hohen Investitionen, beugen aber nachhaltig Muskel- und Skelettbeschwerden vor. Wer hier die Folgekosten von Krankmeldungen und Ausfalltagen gegenrechnet, wird an derlei ergonomischen Hilfsmitteln nie wieder sparen wollen.
Fazit: Verständliches Nachschlagewerk für die Branche
Positiv ins Auge fallen die vielen Farbfotos in der Branchenregel. Sie veranschaulichen anhand typischer Situationen in realen Arbeitsumgebungen, wie gut umgesetzter Arbeitsschutz aussehen kann. Durch die gebündelte und strukturierte Übersicht zu Gefährdungen und geeigneten Schutzmaßnahmen lässt sich die DGUV Regel 110-011 wie ein Lexikon nutzen. Konkrete Lösungsmöglichkeiten lassen sich jederzeit nachschlagen. Gerade kleinere Handwerksbetriebe sollen laut DGUV davon profitieren.
Download
Die neue DGUV Regel 110-011 „Branche Fleischwirtschaft – Handwerk" steht hier kostenlos zum Download bereit
