In einer Zeit, in der Gräber immer kleiner werden, geht Andreas Magera einen völlig anderen Weg. Der Steinmetz aus Ahlen setzt auf eine konsequente Nischenstrategie: hochgradig individuelle Grabzeichen aus regionalem Naturstein. Mit diesem mutigen Konzept und cleverem Social-Media-Marketing sichert der Handwerksmeister die Zukunft seines Familienunternehmens und zieht Kunden aus ganz Deutschland an.

Fast wäre Andreas Magera Künstler geworden. Doch dann zog es ihn zurück in seine Heimatstadt Ahlen, direkt in den familieneigenen Betrieb. Eine Entscheidung, mit der er heute im Reinen ist. „Gott sei Dank hat mir das Leben gezeigt, dass mein Weg woanders ist“, sagt der 42-Jährige rückblickend.
Dieses „woanders“ hat Magera für sich klar definiert: Er stellt individuelle Grabzeichen her. Wer ihm zuhört, spürt sofort den Ernst und die Demut vor dieser Aufgabe. „Es geht darum, etwas zu schaffen, was vorher noch nicht da war und was für die Leute und mein Team total sinnstiftend ist“, erklärt er seinen Antrieb. Er hat für sich die perfekte Schnittstelle zwischen freier Kunst und klassischem Handwerk gefunden.
Der Weg zur perfekten Nischenstrategie
Vor 35 Jahren von seinem Vater Ulrich gegründet, führt Magera das Unternehmen nun in zweiter Generation. Der Betrieb ist gesund gewachsen: Heute verteilen sich elf Mitarbeiter auf vier Standorte. Doch nicht nur die Größe hat sich verändert, sondern vor allem die Ausrichtung. Magera hat eine Nischenstrategie entwickelt, die sein Unternehmen unverwechselbar macht.
Statt auf standardisierte Importware aus Indien oder China zu setzen, verarbeitet er ausschließlich regionale Natursteine. Der Prozess beginnt weit vor dem ersten Hammerschlag in der Werkstatt – nämlich im intensiven Gespräch mit den Hinterbliebenen. Magera hört genau zu, macht sich erste Skizzen und fährt anschließend oft selbst in den Steinbruch, um exakt den Rohling auszuwählen, der zur Geschichte des Verstorbenen passt.
Mondfisch und Feuerwehrmann: Handwerk ohne Kompromisse
In der Werkstatt wird der rohe Stein dann zum fertigen Unikat. Die Individualität kennt dabei kaum Grenzen. Passend zum Leben der Verstorbenen modelliert Mageras Team auch detaillierte Bronzefiguren. Ob ein Feuerwehrmann, ein Mondfisch oder eine Einradfahrerin – jedes Grabzeichen erzählt eine eigene, persönliche Geschichte. Dabei profitiert Magera von seiner doppelten Qualifikation: Er ist nicht nur Steinmetzmeister, sondern auch Steinbildhauermeister.
Diese spitze Positionierung spricht sich herum. Mageras Kunden nehmen für einen Beratungstermin, der ausschließlich nach vorheriger Vereinbarung stattfindet, teilweise Anfahrtswege von bis zu drei Stunden in Kauf. Wer diesen Weg auf sich nimmt, sucht keine Massenware von der Stange. Das spiegelt sich auch in der Preisbereitschaft wider. „Die schauen nicht nach dem Geld“, stellt der Handwerksmeister fest. „Ich habe noch nie erlebt, dass einer gesagt hat, das ist aber teuer.“

Wie Instagram das Geschäft beflügelt
Dass dieses Geschäftsmodell wirtschaftlich hervorragend funktioniert, belegen die Zahlen. Mittlerweile generiert der Betrieb rund 60 Prozent seines Gesamtumsatzes genau über diese hochindividuellen Aufträge. Den entscheidenden Schub für diese Entwicklung brachte ausgerechnet Social Media.
Über Instagram präsentiert Magera seine Arbeiten, gibt Einblicke in den Entstehungsprozess und zeigt Gesicht. Das war nicht immer einfach: Anfangs kostete es den 42-Jährigen große Überwindung, sich selbst vor die Handykamera zu stellen. Doch der Mut zahlte sich aus. Die digitale Sichtbarkeit bringt nicht nur überregionale Kundenaufträge. Sie hilft dem Betrieb auch immens bei der Suche nach jungen Talenten. So hat der Betrieb durchgehend Auszubildende – ein unschätzbarer Vorteil in einem Gewerk, das stark unter Nachwuchsmangel leidet.
Mit der Nischenstrategie Wachsen in einem schrumpfenden Markt
Die Erfolgsgeschichte des Ahlener Betriebs ist umso bemerkenswerter, wenn man sich das Branchenumfeld ansieht. Die Bestattungskultur in Deutschland wandelt sich massiv. Gräber werden tendenziell kleiner, pflegeleichte Kolumbarien wachsen stetig und immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Beisetzung im Friedwald.
Trotz dieses Trends zu anonymeren Grabstätten hat Andreas Magera einen Weg gefunden, der sein Unternehmen trägt und zukunftssicher aufstellt. Er beweist, dass eine gut durchdachte Nischenstrategie auch in schwierigen Märkten funktioniert. Wenn man ihn nach seiner Perspektive für die nächsten Jahre fragt, ist die Antwort klar. „Mein Traum hat erst vor anderthalb Jahren begonnen“, sagt er, „und ich möchte ihn noch lange leben.“

