Sicherer Betriebsalltag Handwerkzeug: So vermeiden Sie Verletzungen beim Arbeiten mit Hammer, Meißel, Hobel und Co.

Fehlende Übung oder falsches Benutzen, Sorglosigkeit oder defektes Gerät – das Arbeiten mit vermeintlich harmlosem Handwerkzeug führt noch immer zu vermeidbaren Verletzungen. Dazu kommen Erkrankungen von Sehnen, Muskeln und Nerven, die oft schmerzhaft sind und Fehlzeiten verursachen. Wie sich das vermeiden lässt, erklärt eine neue DGUV Information.

Ein Werkzeug muss geeignet sein und sicher verwendet werden.
Handwerkzeug muss für den professionellen Einsatz im Handwerk geeignet sein und vom Benutzer sicher verwendet werden. - © Art_You - stock.adobe.com/KI generiert

Die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) komplett überarbeitete und im September 2024 erschienene Info-Broschüre „Mensch und Arbeitsplatz – Arbeiten mit Handwerkzeugen“ gibt wertvolle Tipps und Hinweise, wie sich Unfälle und Erkrankungen beim Arbeiten mit Handwerkszeugen im Alltag verhindern lassen.

Das Dokument gibt es zum Download mit dem Webcode p209001.

Prävention bei Arbeitsmitteln: Schon beim Kauf von Handwerkzeug auf die Sicherheit achten

Als Handwerkzeuge gelten laut DGUV Werkzeuge, die durch menschliche Kraft von Hand betätigt werden. Im Arbeitsschützer-Jargon sind dies typische Arbeitsmittel, somit greifen die Vorgaben der Betriebssicherheitsverordnung. Das heißt, ein Werkzeug muss geeignet sein und sicher verwendet werden. Die Basis dafür soll die Gefährdungsbeurteilung legen, die laut Betriebssicherheitsverordnung bereits vor Auswahl und Beschaffung der Arbeitsmittel zu beginnen hat. Was in der Verordnung etwas abstrakt klingt, wird durch die DGUV Information praktisch anwendbar.

Die 64 Seiten fokussieren auf gängige Werkzeugtypen wie Messer, Hämmer, Meißeln, Schraubendreher, Schraubenschlüssel, Zangen, Scheren, Feilen, Beitel, Hobel und Sägen. Ebenfalls betrachtet wird das Verwenden von Arbeitshilfen und Arbeitsmitteln, die – wie etwa Schraubzwingen, Handklemmen und Gripzangen – in Kombination mit Handwerkzeugen genutzt werden, um das Arbeiten sicherer und ergonomischer zu gestalten. Gesondert betrachtet werden in einem letzten Kapitel Ziehklingen und Schaber zur manuellen Oberflächenbearbeitung, Handwerkzeuge für Arbeiten unter Spannung sowie funkenarme Werkzeuge für den Einsatz bei nicht zu vermeidenden Explosionsrisiken.

Arbeitsmittel: Tipps von der Auswahl bis zur Instandhaltung von Handwerkzeug

Für alle diese Arbeitsmittel liefern die Autoren Hinweise

  • zu Auswahl und Beschaffung,
  • zum bestimmungsgemäßen Gebrauch,
  • zum ergonomischen Einsatz sowie
  • zu Pflege und Instandhaltung.

Auch grundlegende Hinweise zu Ordnung und Sauberkeit oder Tipps für eine ergonomische Körperhaltung und eine gesundheitsgerechte Beleuchtung fehlen nicht.

Über 60.000 Arbeitsfälle pro Jahr: Fehlzeiten und Schmerzen durch sorgfältige Auswahl der Arbeitsmittel vermeiden   

All dies mag wenig spektakulär klingen und bei Handwerkzeug denkt niemand sofort an Unfallrisiken oder Gesundheitsgefahren. Doch die Berufsgenossenschaften beklagen, dass Fehler beim Arbeiten mit handgehaltenen Arbeitsmitteln immer noch zu Unfällen und Erkrankungen führen. Laut aktueller Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) verursachte die Verwendung von nicht kraftbetriebenen Handwerkzeugen vergangenes Jahr 61.308 meldepflichtige Arbeitsunfälle im betrieblichen Umfeld. Die gefährlichsten manuellen Handwerkzeuge sind alle Arten von Messern. 34.605 aller Arbeitsunfälle (56 Prozent) durch nicht kraftbetriebene Handwerkzeuge entfielen 2024 auf sie. Deutlich seltener traten Verletzungen durch Gegenstände des Bauhandwerks wie Hammer (zwölf Prozent), Schraubenschlüssel (fünf Prozent), Schraubenzieher (zwei Prozent) oder andere Werkzeuge wie Handsägen, Zangen oder Meißel auf.

Beispiel: Das Cuttermesser für Linkshänder unter den Azubis

Gerade für Ausbilder liefert das Dokument eine Fülle von Details, die den Auszubildenden zu vermitteln sind. Darunter sind viele Kleinigkeiten, die leicht übersehen werden. So muss etwa beim Einsatz von Messern mit unsymmetrischen Griffen stets die Händigkeit des Benutzers beachtet werden. Das gilt auch für Cuttermesser, deren Klinge seitlich mit dem Daumen herausgeschoben wird. Für einen Linkshänder ist die Standardausführung solcher Werkzeuge ungeeignet. Denn das Bedienen fällt schwer, die Ergonomie ist ungünstig, das saubere und sorgfältige Arbeiten wird verzögert und verkompliziert. In der Summe dieser Faktoren steigt nicht nur der Frust des Auszubildenden, sondern auch seine die Verletzungsrisiken. Genau solche Aspekte müssen in der Ausbildung vermittelt und umgesetzt werden.

Handwerkliche Fähigkeiten beim Umgang mit Handwerkzeug von Anfang an sicher erlernen

Fazit: Das neue DGUV-Dokument bringt weder zusätzliche Sicherheitsvorschriften noch brandneue Erkenntnisse zum Unfallschutz. Vieles ist bekannt und wird in den Betrieben umgesetzt. Doch in der Fülle der hier genannten Punkte dürften auch versierte Handwerkzeugnutzer den einen oder anderen interessanten Hinweis finden oder an einen speziellen Sicherheitsaspekt erinnert werden. Insbesondere Ausbilder können sich aus einer breiten Fundgrube bedienen. Denn ob Jugendliche in der Ausbildung oder beim Anlernen von Hilfskräften – die Inhalte dieser DGUV Information lassen sich prima immer dann einsetzen, wenn jemandem handwerkliche Fähigkeiten beigebracht werden müssen.

Zugehörige Themenseiten:
Arbeitsschutz und Gesundheit, Ausstattung, Berufskrankheiten, Risikomanagement und Werkzeug und Maschinen