Leihe statt Kauf Werkzeug-Mietmodelle im Überblick: Wer Geräte nur im Bedarfsfall anschafft, spart Platz und Geld

Platzsparend, flexibel, nachhaltig: Werkzeug-Mietmodelle haben für Handwerksbetriebe eine Reihe von Vorteilen. Und sie können unter immer mehr Anbietern mit unterschiedlichen Sharing-Konzepten wählen.

Stefan Kühberger
Stefan Kühberger (li.), Inhaber von Kühberger Malerarbeiten und Bodenbeläge in München, bietet mit dem Leihwerk zusätzlich eigene Werkzeug-Mietmodelle an. - © Lisa Hörterer

Handkreissäge, Rüttelplatte, Führungsschiene: In der geräumigen Lagerhalle im Leihwerk im Münchener Stadtteil Ober­sendling stehen Hunderte von Geräten. Kleine, große, schwere Helfer, die im Handwerkeralltag zum Einsatz kommen. „Viele dieser Geräte nutzen Handwerksbetriebe nur sehr selten im Jahr“, weiß Geschäftsführer Stefan Kühberger. Er deutet auf ein hüfthohes Airless-Spritzgerät, das bei großflächigen Streicharbeiten Zeit spart. Kühberger verleiht es an Ma­lerbetriebe in ganz Deutschland: „Viele Betriebe gehen heute dazu über, Spezialwerkzeuge zu leihen statt zu kaufen“, stellt der Leihwerk-Chef fest. In diesem Jahr hat er gut 500 Betriebe mit Geräten versorgt. Mehr als je zuvor.

Mieten statt kaufen – die Beziehung auf Zeit gab es im Handwerk schon, als die Sharing-Economy und Firmen wie Airbnb oder Spotify noch nicht erfunden waren. Gerade in Städten wird Lagerplatz aber immer teurer, Handwerker brauchen zunehmend komplexe Maschinen und in Spitzenzeiten zusätzliche Helfer, für die oft kein eigenes Gerät vorhanden ist. Der externe Maschinenpark kann sich da als ein wahrer Segen erweisen.

Ungenutzte Geräte stehen im Weg

Sperrige und kostspielige Maschinen für den Betrieb zu kaufen und dann wenig zu nutzen ist ein Problem, das auch Stefan Kühberger kennt. Auf dem Terrain, auf dem auch das Leihwerk beheimatet ist, führt er seit 2013 einen Betrieb für Malerarbeiten und Bodenbeläge. „Im Winter, wenn es kalt ist, benötigen wir Trocknungsgeräte für unsere Arbeiten, doch im Sommer stehen uns die Geräte im Weg“, sagt er. Die Lösung lag für den Handwerkschef darin, die Maschinen nicht zu kaufen, sondern bei verschiedenen Verleihanbietern auszuleihen – da­runter auch das Leihwerk. Damals befand sich die Verleihfirma noch in anderen Händen, bis sie Kühberger im Frühjahr 2019 übernahm. „Ein rentables Geschäft“, bilanziert er. In seinem Lager stehen heute rund 600 Geräte.

Mit dem Zukauf hat der Handwerkschef zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Welche Geräte er auch immer für die Arbeit seiner Maler- und Bodenlegerfirma benötigt – er kann sie sich direkt aus dem Lager des Leihwerks besorgen. Das hat den Platz in seinem Malerbetrieb erheblich vergrößert. Noch dazu profitiert er von einem schönen ­Nebeneffekt: „Im Gegensatz zu früher, als viele Maschinen und Werkzeuge auf Baustellen plötzlich unauffindbar waren, wissen wir heute genau, wo die einzelnen Maschinen stehen.“ Die Geräte sind über eine Verleih-Software auf dem Computer erfasst und werden darüber auch gleich in Rechnung gestellt: mit Mietgebühren, Kaution und gegebenenfalls Lieferkosten.

Werkzeug-Mietmodelle gehen häufig schneller

Die meisten Kunden stammen aus dem Umkreis seines Standorts, doch es gibt auch etliche Betriebe, die fernab von München ansässig sind und auf die Geräte des Verleihers per Versand oder Transport zugreifen. Ein häufiger Grund dafür ist, dass die eigenen Ressourcen plötzlich knapp werden, etwa wenn Maschinen ausfallen oder saisonbedingt mehr Aufträge eingehen. Oder wenn Projekte anstehen, die spezielle Geräte erfordern – wie zum Beispiel eine Schuttrutsche. Als der Betrieb K&R Ausbauteam aus dem niederbayerischen Hohenau, der sich vorwiegend um Innenausbau kümmert, mit dem Ausbau eines Hotels in München beauftragt wird, hat er eine solche Rutsche nicht vorrätig. Diese wird am Gerüst befestigt, um Materialien aus dem Haus zu befördern. Was nun?

Dijana Saiger, die als Teamassistentin die Münchener Betriebsstätte des Innenausbauers managt, fragt das Gerät kurzerhand beim Leihwerk an. Wenig später benötigt sie für ihr Team vor Ort eine Akku-Kartuschenpresse, um einzelne Dehnfugen in der Fassade zu befüllen. Erneut wendet sich Saiger ans Leihwerk – holt sich aber eine Absage ein: Obwohl er über ein solides Grundsortiment an Geräten verfügt, hat Kühberger die Presse nicht da. Doch nimmt er sie kurzfristig ins Programm. „Zwei Tage später konnten wir sie schon abholen“, freuen sich Saiger und die Geschäftsführer Timo Rödler und Werner Krenner über das Entgegenkommen der Firma. Zuvor haben die drei gemeinsam darüber nachgedacht, das Gerät selbst zu kaufen. „Die Lieferzeit dafür betrug mehrere Wochen“, berichtet Saiger. „Diese lange Wartezeit wäre ein großes Problem für uns gewesen.“

Auch große Hersteller bieten Werkzeug-Mietmodelle an

Dass Kühberger die Kartuschenpresse so schnell ins Sortiment aufgenommen hat, liegt auch am scharfen Wettbewerb im Markt. Neben Verleihfirmen, die meist Geräte von unterschiedlichen Marken in petto haben, bieten auch Hersteller wie Hilti Maschinen auf Zeit an. Hier ist allerdings ein umfassender Vertrag für ein sogenanntes Flottenmanagement nötig. Und: Auch in vielen Baumärkten hat sich der Trend längst herumgesprochen, Werkzeuge zu mieten.

Werkzeug-Mietmodelle: Vorteile und Herausforderungen

Wer Werkzeuge ausleiht statt sie zu kaufen, profitiert von vielen Vorzügen, muss aber auch einige Stolpersteine berücksichtigen. Die Übersicht klärt auf:

Vorteile:
  • Geringere Fixkosten: Anschaffungen großer oder selten genutzter Werkzeuge entfallen oder sinken.

  • Mehr Platz im Lager: Statt aufgrund von vielen Maschinen und Werkzeugen den Überblick zu verlieren, ist es sinnvoller, mehr Platz innerhalb der eigenen vier Wände zu schaffen.

  • Nachhaltigkeit: Wenn jeder Betrieb seine eigenen Maschinen und Werkzeuge anschafft, steigt parallel dazu der CO2-Footprint. Werden die Geräte dagegen geteilt, lässt sich gemeinsam viel für den Klimaschutz tun.

  • Flexibilität: Tools bei Bedarf, auch kurzfristig ausleihbar. Anpassung an Projektgröße und Größe des Betriebs.
Herausforderungen:
  • Verfügbarkeit und Qualität: Werkzeuge müssen gepflegt werden, müssen funktionieren; beschädigte oder leicht abgenutzte Geräte erleichtern Nutzung nicht.

  • Kostenmodell und Wirtschaftlichkeit: Mietpreise versus Anschaffungskosten müssen im Verhältnis attraktiv sein.

  • Transport, Logistik, Rückgabezeiten: Wie werden Werkzeuge zwischen Baustellen und Stationen transportiert? Anlieferung? Rückgabe?

  • Haftung und Versicherung: Wer haftet bei Schäden, Verlust, unsachgemäßem Gebrauch?

  • Nutzerakzeptanz: Bei Handwerkern oft wichtig, Werkzeuge immer verfügbar und zuverlässig zur Hand zu haben. Werkzeug-Mietmodelle müssen da überzeugen.
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