Wohlstand für alle? DIW schlägt „Grunderbe“ vor: So könnte das Startkapital vom Staat aussehen

Zugehörige Themenseiten:
Altersvorsorge, Erbschaftsteuer, Finanzierung für Gründer und Nachfolger und Vermögensaufbau

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) hat gerechnet – und kommt zu einem ungewöhnlichen Ergebnis: Mit einem Grunderbe für alle 18-Jährigen könnte die Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich verringert werden. Die Finanzierung könnte durch vermögensbezogene Steuern erfolgen. So sieht der Vorschlag des DIW aus.

Extreme Ungleichheit führt zu gesellschaftlichen Spannungen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) liefert mit dem „Grunderbe“ einen Lösungsansatz. – © fran_kie – stock.adobe.com

„Ein Grunderbe in Höhe von bis zu 20.000 Euro für alle 18-Jährigen und deren Finanzierung durch Erbschaftsteuer oder Vermögensteuer würde die Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich reduzieren“, schreibt Stefan Bach, verantwortlicher Wissenschaftler für die Simulationsberechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zur Behebung der Vermögensunterschiede in Deutschland. Je nach Ausgestaltung von Grunderbe und vermögensbezogener Steuer, würde der Gini-Koeffizient um fünf bis sieben Prozent sinken. Er ist das Standardmaß, mit dem die Ungleichheit gemessen wird.

Startkapital mit Verwendungsauflagen

Im jetzigen Koalitionsvertrag seien Maßnahmen vorgesehen, die die Vermögensbildung unterstützen sollen, wie die Förderung des Wohneigentums, die Verbesserung der betrieblichen und privaten Altersvorsorge sowie die Erhöhung des Sparerpauschbetrags bei der Einkommensteuer. „Das geht in die richtige Richtung, dürfte aber die große Ungleichheit bei den Vermögen nur moderat und sehr langfristig senken“, erläutert Studienautor und DIW-Steuerexperte Stefan Bach. „Charmanter wäre die Idee eines Grunderbes, bei dem alle 18-Jährigen ein Startkapital vom Staat geschenkt bekommen – natürlich nicht cash, sondern mit Verwendungsauflagen. Beispielsweise für Aus- und Weiterbildung, Erwerb von Wohneigentum, Selbstständigkeit oder Unternehmensgründungen.“

So geht das Grunderbe-Modell

Bei einem Startkapital von 20.000 Euro für alle Volljährigen würde dieses Grunderbe rund 15 Milliarden Euro im Jahr kosten. Einschließlich weiterer Förderprogramme und Entlastungen bei der Grunderwerbsteuer ließe sich das durch die Erhöhung von vermögensbezogenen Steuern finanzieren. Infrage kämen eine Reform der Erbschaftsteuer, eine höhere Besteuerung von Immobiliengewinnen und eine Vermögensteuer für Hochvermögende. „Vor allem die Erbschaftsteuer ist bei vielen unbeliebt – obwohl die wenigsten davon betroffen sind. Wenn die Steuererhöhungen für ein Grunderbe verwendet würden, wären die Steuererhöhungen für Reiche sicher leichter zu vermitteln“, meint Studienautor Bach, der die Berechnungen im Auftrag des Forum New Economy durchgeführt hat.

Verschiedene Szenarien berechnet – Grunderbe ist die beste Lösung

Bach hat verschiedene Szenarien zu höheren Vermögensteuern mit unterschiedlichen persönlichen und betrieblichen Freibeträgen durchgerechnet. Deren langfristige Wirkungen auf die Ungleichheit werden anhand einer Vermögensabgabe aufgezeigt, die hohe persönliche Freibeträge von mindestens einer Million Euro und auch Vergünstigungen für Unternehmensvermögen vorsieht. Das Ergebnis: Die Vermögensungleichheit würde, gemessen am Gini-Koeffizienten, lediglich um ein bis zwei Prozent sinken. Werden die Einnahmen aber für das Grunderbe ausgegeben, würde die Vermögensungleichheit um fünf bis sieben Prozent reduziert. Vernachlässigt wurden bei diesen Berechnungen mögliche Ausweichreaktionen bei den Betroffenen.

„Wenn wir wirklich in absehbarer Zeit ,Wohlstand für alle‘ schaffen wollen, dann sollten wir die hohe Vermögensungleichheit in Deutschland durch Umverteilung reduzieren: indem die besitzlose Hälfte ein Grunderbe zum Vermögensaufbau erhält, das über Steuern auf hohe Vermögen finanziert wird.“

Stefan Bach, DIW