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Siri, Alexa und Google Assistant Voice Search: Chancen für Handwerker durch virtuelle Sprachassistenten

Mit Siri, Alexa oder dem Google Assistant erobern immer mehr virtuelle Sprachassistenten die Haushalte. Allerdings ist nur jedes vierte Unternehmen auf veränderte Suchgewohnheiten seiner Kunden vorbereitet. Wer als Handwerksunternehmer seinen Internetauftritt an die neuen Anforderungen anpasst, hat beste Chancen mehr Kunden zu erreichen.

Topic channels: TS Digitalisierung, TS IT-Trends, TS Onlinemarketing, TS Smartphone und TS Zukunftsperspektiven im Handwerk

„Hey Google, wo ist der nächste Dachdecker?“ – immer mehr Menschen befragen virtuelle Sprachassistenten wenn sie auf der Suche nach Informationen sind. Die Geräte erkennen und analysieren die Suchanfragen und spucken anschließend passende Antworten aus. Das ist praktisch, denn ihre Nutzer können sich nebenbei ganz anderen Dingen widmen – Kochen, zum Beispiel, oder Aufräumen. Besonders gerne werden die Sprachassistenten außerdem unterwegs genutzt: Wer Informationen zu einem Geschäft um die Ecke braucht und selbst unterwegs ist, erspart sich das mühsame Tippen und damit Zeit, wenn er einfach kurz das Smartphone befragt.

Allerdings bedeutet die steigende Zahl der Sprachsuchen auch, dass sich die Kriterien ändern, die eine gute Suchmaschinenplatzierung versprechen. Wir verraten, was Handwerksbetriebe im Hinblick auf ihre Website und Internetadresse beachten müssen – und ob sich eine Anpassung an Voice Search überhaupt lohnt.

Besonders beliebt sind Voice-Search-Anfragen, die sich auf lokale Unternehmen beziehen

Bislang sind die Meinungen zur Sprachsuche unterschiedlich: Während manche Experten sie für einen überschätzten Hype halten, sind andere der Überzeugung, dass sie die klassische Suche früher oder später ersetzt. Das Marktforschungsunternehmen Comscore schätzt sogar, dass ab diesem Jahr bereits die Hälfte aller Suchanfragen sprachbasiert sein wird. Fest steht: Die meisten Menschen wissen, was Sprachassistenten sind, und die Zahl ihrer Nutzer steigt. Laut einer Studie des Unternehmens uberall gab es 2018 allein in US-amerikanischen Haushalten rund 118 Millionen dieser Geräte. Im selben Jahr besaßen in Deutschland etwa 57 Millionen Menschen ein Smartphone – und auf denen sind mit Cortana, Siri oder Bixby ebenfalls virtuelle Sprachassistenten verfügbar.

Dass zurzeit laut einer GfK-Studie rund 30 Prozent der Deutschen Sprachassistenten nutzen, ist daher keine Überraschung. Besonders gerne werden Anfragen gestartet, die sich auf lokale Unternehmen beziehen: Mit dem Smartphone können Informationen bequem unterwegs abgerufen werden; dadurch steigt die Zahl der Suchanfragen, die sich auf das unmittelbare Umfeld einer Person beziehen. Gerade Unternehmen, bei denen sich die wichtigsten Fragen um Geschäftszeiten, Termine, Reservierungen oder den Status von Aufträgen drehen, sollten sich also mit dem Thema Voice Search auseinandersetzen.

Sogar in den technologieaffinen USA ist nur jedes vierte Unternehmen vorbereitet

Tatsächlich aber zeigt die Studie von uberall, dass nur jedes vierte Unternehmen auf die sich verändernden Ansprüche potentieller Kunden vorbereitet ist. Befragt wurden insgesamt 73.000 Unternehmen aus dem Raum Boston – vom kleinen Geschäft bis hin zum Konzern. Und obwohl sich die Studienergebnisse auf die USA beziehen, besitzen sie auch einige Aussagekraft für Deutschland: Die USA sind regelmäßig Vorreiter bei neuen Technologien und stellen sich besonders früh auf Trends ein – zu denen auch Voice Search zählt. Betrachtet man den geringen Anteil der Unternehmen, der auf die Sprachsuche vorbereitet ist, besteht zumindest der Verdacht, dass diese Zahlen in Ländern wie Deutschland, in denen Voice Search noch weniger verbreitet ist, nicht besser sind.

Dabei sind Unternehmen, die über die Sprachsuche gefunden werden können, Wettbewerbern gegenüber im Vorteil: 22 Prozent der in der uberall-Studie befragten Internetnutzer gaben an, regelmäßig – und nicht nur gelegentlich – Sprachsuchen durchzuführen. Von den Nichtnutzern gab rund ein Viertel an, dass sie nicht an Sprachassistenten gewöhnt sind und deswegen auf die klassische Suche zurückgreifen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Sobald ein Gewöhnungseffekt eingetreten ist, könnte die Sprachsuche auch hier zum Mittel der Wahl werden. Insgesamt halten fast 60 Prozent der Befragten Voice Search für ein wichtiges Zukunftsthema. Es macht also durchaus Sinn, wenn Handwerksbetriebe sich mit den Möglichkeiten der Sprachsuche auseinandersetzen.

4 Veränderungen durch die Sucher per Voice Search

Wer in den Suchergebnissen der digitalen Assistenten auftauchen möchte, sollte sich vor allem auf die Veränderungen einstellen, die die Sprachsuche im Gegensatz zur getippten Variante mit sich bringt:

  1. Gesprochene Suchanfragen sind länger als ihre getippten Varianten.
  2. Gesprochene Suchanfragen klingen natürlicher. Nutzer richten sich an Sprachassistenten, als würden sie mit echten Menschen sprechen.
  3. Gesprochene Suchanfragen haben oft einen lokalen Bezug. Nutzer von Sprachassistenten fragen zum Beispiel nach Wegbeschreibungen oder Öffnungszeiten von Geschäften in ihrer Nähe.
  4. Die Darstellung der Suchergebnisse ändert sich. In jedem Fall müssen sie dafür geeignet sein, vorgelesen zu werden.

Das bedeutet Voice Search für Domains:

Domains sind die Internetadressen, unter denen potentielle Kunden die Websites von Unternehmen finden. Für Internetadressen galten bisher drei Hauptkriterien: Sie sollen gut verständlich, leicht zu merken und – ganz besonders – kurz sein. Allerdings verändert Voice Search die Kriterien, die eine erfolgreiche Online-Suche ausmachen. Für die Sprachsuche gilt:

1. Die Domain muss nicht besonders kurz sein

Für die Suche mithilfe der Tastatur ist eine kurze Domain sehr wichtig. Zum einen, weil sich mögliche Besucher der zugehörigen Website eine kurze Adresse besser merken können; zum anderen, weil sie nicht so viel tippen müssen, wenn sie den Namen direkt in die Adresszeile ihres Browsers eingeben. Wer selbst eine Internetadresse registrieren will, hat allerdings schon seit ein paar Jahren das Problem, dass kurze und trotzdem sinnvolle Namen – besonders unter Internet-Endungen mit hohen Registrierungszahlen wie .com und .de – kaum noch frei sind.

Für die Sprachsuche spielt die Kürze einer Domain glücklicherweise keine Rolle. Laute einer Studie von SEMrush sind die Antworten, die Sprachassistenten auf an sie gestellte Fragen geben, durchschnittlich 41 Wörter lang – sie fassen sich also selbst nicht sonderlich kurz. Eine Adresse wie "besterholzblasinstrumentenmacherin.berlin" wird dadurch auf einmal zur eingängigen Domain, obwohl sie recht lang und schwer zu lesen ist. Ihr Vorteil ist, dass wie ein normaler Satz ausgesprochen werden kann.

2. Die Domain sollte natürlich klingen

Wer mithilfe einer Tastatur auf der Suche nach Informationen ist, tippt wahrscheinlich keine ganzen Sätze ein, sondern lediglich die relevantesten Stichwörter – zum Beispiel „betonbauer hamburg“. Die Sprachsuche hingegen wurde nicht erfunden, um Computern die Verarbeitung von Daten zu erleichtern, sondern damit Menschen möglichst bequem Antworten auf ihre Fragen bekommen. Deshalb ist Voice Search auch an das natürliche Sprechverhalten angepasst.

Wer einen Sprachassistenten besitzt, spricht mit ihm, als würde sich dabei um einen echten Menschen handeln. Der Nutzer eines digitalen Helfers wird ihm also kaum einzelne Stichwörter entgegenwerfen, sondern in ganzen Sätzen kommunizieren: „Wer ist der beste Betonbauer in Hamburg?“ Damit eignen sich sogar Internetadressen für die Sprachsuche, die aus ganzen Sätzen bestehen, weil sie das Sprechverhalten von Menschen imitieren: "wirsinddiebestenbetonbauerin.hamburg". Natürlich sind auch kurze Adressen möglich, die bereits einen vollständigen Satz bilden – zum Beispiel "wirbauen.hamburg". Mit etwas Kreativität ist es möglich, Adressen zu registrieren, die sowohl für die Sprachsuche als auch die getippte Variante gut funktionieren.

3. Die Domain sollte leicht verständlich sein

Damit ein Sprachassistent eine sinnvolle Antwort ausspucken kann, benötigt er eine eindeutige Anfrage. Domains wie "gschäfd-inbayern.de" können so leicht zur Stolperfalle werden – vor allem, wenn ein Nutzer seinem Sprachassistenten die Adresse einmal diktieren sollte: An welcher Stelle stand der Bindestrich? "Gschäfd" ist Dialekt – versteht der Sprachassistent das? Internetadressen mit Abkürzungen oder speziellen Schreibweisen sind damit für die Sprachsuche weniger geeignet. Die bessere Alternative ist eine Adresse wie "geschäft.bayern".

Falls Unsicherheit besteht, ob die eigene Internetadresse für Sprachassistenten verständlich ist, gibt es einen einfachen Test: Die Adresse einfach per Sprachnachricht an einen Freund oder Bekannten schicken und ihn bitten, das Gehörte per Textnachricht zurückzuschicken. Wenn die Adresse fehlerfrei zurückkommt, wird sie sicher auch von Sprachassistenten verstanden.

4. Es ist sinnvoll, wenn die Domain den Standort enthält

Das Unternehmen BrightLocal hat in einer 2018 durchgeführten Studie herausgefunden, dass 58 Prozent der Nutzer ihre Sprachassistenten befragt haben, um Informationen zu ihrem direkten Umfeld zu bekommen. Dabei ist der Vorteil der Sprachsuche, dass Nutzer unmittelbar und ohne Zeitverzögerung an die gewünschten Informationen gelangen. Wer beispielsweise einen Wasserrohrbuch in der Wohnung entdeckt, wird sich kaum die Zeit für eine aufwendige Online-Suche via Tastatur nach Installateuren in der Nähe nehmen wollen. Einfach den Sprachassistenten nach einem geeigneten Reparaturservice zu fragen, geht viel schneller.

Für lokal agierende Unternehmen ist es deshalb sinnvoll, wenn schon die Internetadresse Aufschluss über den Standort gibt. Das ist zum einen möglich mit Adressen wie "installateur-in-berlin.de", es geht aber auch kürzer: "installateur.berlin". Neben .berlin und .hamburg gibt es in Deutschland bisher die Domain-Endungen .koeln .ruhr, .saarland, .nrw und .bayern. Sie zeigen den Standort eines Unternehmens direkt anhand der Endung und fügen sich in die Domain ein, ohne sie unnötig zu verlängern.

Checkliste Voice Search von dot.berlin

Das bedeutet Voice Search für Websites:

Prinzipiell gelten für Websites die gleichen Kriterien wie für Internetadressen. Das heißt, ihre Inhalte sollten sich an der „normalen“ Alltagssprache orientieren und hochwertig sein. Die Texte einfach mit möglichst vielen Keywords zu spicken, funktioniert nicht – allerdings ist diese Vorgehensweise ja auch für die getippte Suche nicht mehr empfehlenswert. Außerdem spielen folgende Kriterien eine Rolle:

1. Die Website sollte für Featured Snippets optimiert sein

Ein Featured Snippet ist ein ausgewähltes Suchergebnis, das Google an oberste Stelle vor allen anderen Ergebnissen platziert. Dieser kurze Textauszug steht also noch vor Position 1 an Position 0 – und wird damit auch vor Websites angezeigt, die eigentlich ein höheres Ranking haben. Damit möchte die Suchmaschine erreichen, dass Suchende auf ihre Fragen noch schneller eine passende Antwort finden und die Website mit dem eigentlich Inhalt gar nicht mehr besuchen müssen. Für die Sprachsuche ist das Featured Snippet deshalb so relevant, da dessen Inhalt oftmals die Antwort ist, die ein Nutzer von einem Sprachassistenten auf seine Frage erhält.

Featured Snippet Voice Search von dot.berlin

Websites, die eine Chance haben, Position 0 einzunehmen, machen es Nutzern leicht, eine Lösung für ihr Problem zu finden. Wer also zum Beispiel wissen möchte, wie richtiges Lüften und Heizen funktioniert, wird seine Antwort von einer Website bekommen, die genau das Schritt für Schritt erklärt. Handwerksbetriebe, die Internetnutzern auf diese Weise einen Mehrwert bieten möchten, können gut mit einem FAQ-Bereich auf der Website arbeiten, der häufig gestellte Fragen bündelt. Sinnvoll sind auch Blogbeiträge, denn hier ist es möglich, zusätzlich weiterführende Informationen anzubieten. In jedem Fall sollte es der Suchmaschine leicht gemacht werden, einzelne Informationen ausfindig zu machen und zu übernehmen – Absätze, Zwischenüberschriften, Listen und Stichpunkte helfen dabei.

2. Die Inhalte der Website sollten einem Markup unterzogen werden

Markups sind kleine Code-Schnipsel, die Suchmaschinen quasi den Aufbau einer Website erklären. Mit ihrer Hilfe können die Inhalte einheitlich strukturiert und von der Suchmaschine leichter verarbeitet werden. Das bedeutet, dass zum Beispiel ein Rezept anders strukturiert ist als ein Event, eine Auflistung von Produkten anders als die Unternehmensgeschichte usw. Diese Kennzeichnung von Inhalten dürfte bereits vielen bekannt sein, die sich mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigen.

Mittlerweile gibt es auch ein Markup, das extra für die Sprachsuche ausgelegt ist. Hier können Inhalte gekennzeichnet werden, die sich besonders gut dafür eignen, von Sprachassistenten vorgelesen zu werden. Darunter fällt zum Beispiel der FAQ-Bereich, Kontaktdaten und Öffnungszeichen, Inhalte mit lokalem Bezug oder auch Definitionen zu Fachbegriffen. Momentan befindet sich das Markup, das auf die Kennzeichnung von Inhalten für Voice Search ausgelegt ist, allerdings noch in der Testphase.

3. Die Website muss schnell laden

Egal ob jemand mithilfe der Tastatur oder der Stimme auf der Suche nach Informationen ist – die Ladezeit spielt eine wichtige Rolle. Kein Internetnutzer will Ewigkeiten warten, bis eine Website geladen hat – eher sieht er sich nach Alternativen um. Genauso erwarten auch die Nutzer von Sprachassistenten, schnell eine Antwort auf ihre Frage zu bekommen. Dementsprechend wird diese von einer Website gezogen, deren Ladezeiten kurz sind. Handwerksbetriebe, für die die Sprachsuche interessant ist, sollten also dafür sorgen, dass ihre Website möglichst schnell lädt. Das können sie unter anderem erreichen, indem sie die Bilder und Videos auf ihren Seiten minimieren.

4. Responsiveness: Die Website muss auch auf Smartphones und Tablets gut aussehen

Wie bereits erwähnt, erfragen Nutzer besonders gerne Informationen zu den Geschäften in ihrer Nähe, wenn sie gerade unterwegs sind. Deshalb ist es wichtig, dass Websites auf mobilen Endgeräten wie dem Smartphone oder Tablet gut funktionieren. Nötig ist dafür zum einen die schon angesprochene schnelle Ladezeit; zum anderen müssen Websites responsiv sein. Das bedeutet, dass sich ihre Inhalte an verschiedene Bildschirmgrößen anpassen, ohne dass die Nutzerfreundlichkeit darunter leidet. Eine Website, die nicht responsiv ist, wird in den Suchmaschinenergebnissen schlechter platziert und hat dementsprechend schlechtere Chancen, über die Sprachsuche gefunden zu werden.

Fazit: Die Vorbereitung auf den Voice-Search-Trend lohnt sich!

Ob die Sprachsuche irgendwann einmal tatsächlich die Suche per Tastatur ersetzen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht allerdings: Sprachassistenten sind mehr als nur ein kurzweiliger Trend und bringen große Veränderungen mit sich. Wer sich auf die neuen Bedürfnisse seiner (potentiellen) Kunden anpasst, ist auf Voice Search gut vorbereitet.

*Über Autorin Ann-Kathrin Gräfe

Ann-Kathrin Gräfe ist Pressereferentin bei der dotBERLIN GmbH & Co. KG . Das IT-Unternehmen betreibt die .berlin-Internetadressen, die seit 2014 zusammen mit über 1.000 neuen Internet-Endungen wie .hamburg, .koeln und .bayern das Internet erweitert haben, und organisiert regelmäßig Workshops rund um dazu passende Themen. Aktuell beschäftigt sich dot.berlin hauptsächlich mit Voice Search.

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