Kolumne "Professioneller Bauablauf" von Andreas Scheibe, 58. Folge VOB: 3 Spielregeln, mit denen Handwerkschefs Verluste vermeiden

Die Welt der VOB-Projekte wird immer komplexer: Zu lange Leistungsverzeichnisse, unklare Vereinbarungen und schlampig geplante Ausschreibungen führen dazu, dass Handwerksbetriebe oft Zeit und Geld verlieren. Andreas Scheibe, VOB-Trainer, macht klar: Wer diese drei Dinge kennt und strategisch vorgeht, kann viele Verluste vermeiden.

Diese drei Spielregeln sollte jeder Handwerksbetrieb kennen.
Wie Sie Verluste vermeiden? Ohne drei grundlegende Spielregeln geht es am Bau nicht weiter! - © MdAnower - stock.adobe.com

Erfolgreiche VOB-Projekte sind kein Zufall. Sie hängen davon ab, ob Handwerker einige grundlegende Spielregeln kennen – und sie konsequent anwenden. Nur so können Betriebe Verluste vermeiden. Diese drei Punkte sollten Auftragnehmer unbedingt beachten:

1. Vorbemerkungen gründlich auf rechtliche Unwirksamkeit checken

Oft enthalten Leistungsverzeichnisse seitenlange Vorbemerkungen, in denen Begriffe wie „inklusive“ oder „einschließlich“ mehrfach auftauchen – mit der Folge, dass Leistungen erwartet werden, die später gar nicht vergütet werden.

Der Knackpunkt: Rund 80 Prozent solcher Texte sind rechtlich häufig unwirksam, weil sie gegen das AGB-Recht verstoßen oder zu unklar formuliert sind. Wer hier nicht aufpasst, verliert unter Umständen berechtigte Zahlungsansprüche.

2. Vollmachten für die Freigabe von Stundenlohnarbeiten prüfen

Der Stundenzettel ist eines der ältesten und wichtigsten Werkzeuge auf dem Bau – aber nur dann, wenn er korrekt unterschrieben ist. Laut Paragraf 2 Abs. 10 VOB/B müssen Stundenlohnarbeiten ausdrücklich vereinbart werden – und zwar mit einer Person, die dazu bevollmächtigt ist.

In der Praxis gehen viele Bauleiter oder Architekten davon aus, sie dürften Stundenlohnarbeiten freigeben. Tatsächlich fehlt diese Vollmacht jedoch häufig. Ohne eine schriftliche Bevollmächtigung des Auftraggebers besteht später kein Zahlungsanspruch.

3. Bieterfragen clever einsetzen und strategisch Verluste vermeiden

Ein weiterer zentraler Punkt ist der strategische Umgang mit Bieterfragen. Nach Paragraf 3 VOB/A muss eine Ausschreibung vollständig und eindeutig sein. Ist das nicht der Fall, liegt die Verantwortung beim Auftraggeber.

Auftragnehmer sollten daher gezielt nachfragen: Gibt es eine freigegebene Ausführungsplanung? Wann werden die Pläne geliefert? Bleiben Antworten aus, können die eigenen Kalkulationsannahmen im Formular EFB 221 festgehalten werden – das schafft Sicherheit, falls der Aufwand später steigt. Fehlen Antworten oder sind sie offensichtlich falsch, sollten Handwerker zusätzlich eine Rüge einreichen. Wer Vorbemerkungen prüft, Stundenlohnarbeiten sauber absichert und Bieterfragen gezielt nutzt, ist auf VOB-Baustellen klar im Vorteil.

Über den Autor Andreas Scheibe:
© Continu-ING GmbH - © Continu-ING GmbH

Andreas Scheibe hat selbst als Planer und Projektleiter in großen Firmen gearbeitet, später den väterlichen Handwerksbetrieb übernommen und umgekrempelt. Seine Erfahrung bezahlte er laut eigener Aussage mit viel „Schweiß und Blut“, aber auch viel Geld. Es entstand die Idee zum „professionellen Bauablauf“!

Mit der Continu-ING GmbH (vob.de) verfolgt er heute als Coach und Mentor eine Mission: Das Handwerk muss wieder für seine Leistung anerkannt und entsprechend vergütet werden. Schluss mit dem „Sozialhandwerker“, der sich nicht zu wehren weiß und auf Kosten sitzen bleibt. Vom Handwerker als Getriebener zum aktiven Projekttreiber. Wichtige Fragen sollen endlich geklärt werden: Was sind meine Rechte, was meine Pflichten? Wie sieht es mit den
Pflichten anderer aus? Was kann und muss ich fordern, um störungsfrei arbeiten zu können? Wie gelingt der Sprung vom letzten, missachteten Glied im Bauablauf zu einer Position auf Augenhöhe mit Fachplaner und Auftraggeber? Andreas Scheibe möchte neue Sichtfelder für Handwerker eröffnen.

"Stark im Handwerk – das Buch für Handwerker im VOB-Projektgeschäft"

Im August 2021 ist das erste Buch "Stark im Handwerk" von Andreas Scheibe erschienen. Darin beweist der Experte, dass die in der VOB viel Potenzial und auch viel Geld für Handwerker steckt. Aus der Praxis weiß handwerk-magazin-Kolumnist Scheibe, dass das Bild, welches Auftraggeber, Architekten und Planungsbüros oft vom Handwerker haben, meist kein ruhmreiches ist. Zwar sind die ausführenden Firmen nach deutschen Standards sehr gut ausgebildet und wissen technisch bestens Bescheid, doch von einer Sache hat man Ihnen nichts erzählt: Welche Rechte sie haben! Und auch nicht, dass sie eigentlich und zuallererst auf Augenhöhe mit Auftraggeber und Fachplaner stehen. "Der Handwerker ist zwar der letzte in der Reihenfolge bezogen auf den Bauablauf, aber der letzte Depp ist er noch lange nicht", erklärt Andreas Scheibe.

In diesem Zusammenhang kommt der Autor in seinem Buch sowohl auf die Rechte und Pflichten eines Handwerkers als auch auf die Rechte und Pflichten der anderen Projektbeteiligten zu sprechen. Denn genau diese sind im Detail in der VOB geregelt. Die Formulierungen klingen jedoch oft kompliziert und die Anwendung ist daher auch sehr unbeliebt – zu Unrecht, wie der Autor findet. Das Buch von Andreas Scheibe weckt nicht nur Interesse für das Projektgeschäft, sondern auch für das Durchsetzen von Rechten und Einfordern von Pflichten, sowie den spielerischen Umgang mit Paragrafen. Das Ziel: Handwerk muss wieder Spaß machen, gerecht bezahlt werden und zu alter Stärke zurückfinden.

stark-im-handwerk.de

Neues Buch: "Der professionelle Bauablauf – Das Schritt-für-Schritt System um deine Liquidität nachhaltig zu sichern"

Im August 2023 erschien das bereits dritte Buch von Andreas Scheibe „Der professionelle Bauablauf“. In diesem Buch sind viele Jahre Erfahrung in der Durchführung und auch Beratung von hunderten Handwerksunternehmen eingeflossen. Daraus entstanden ist ein praxiserprobtes und sofort umsetzbares Schritt-für-Schritt System welches mehr Klarheit und Sicherheit im Bauablauf für Handwerker verspricht. In diesem Buch geht es um notwendige Fähigkeiten um standardisierte Ablaufpläne zu erstellen, hochprofitable Nachträge durchzusetzen und berechtigte Forderungen darzulegen, zu begründen und zu verhandeln.

In seinem Buch geht Andreas Scheibe auch auf die 47 häufigsten und teuersten Fehler in VOB-Projekten ein, und wie sich diese verhindern lassen. Am Ende geht es darum, einen standardisierten Schriftverkehr einzuführen und Projekte strukturiert und profitabel abzuwickeln. Und das nach den Spielregeln der VOB.

der-professionelle-bauablauf.de

Zugehörige Themenseiten:
Auftragsabwicklung, Baurecht, Professioneller Bauablauf – Kolumne von Andreas Scheibe und Vergaberecht