Kolumne "Professioneller Bauablauf" von Andreas Scheibe, 64. Folge VOB: Handwerker kalkulieren, übernehmen aber nicht die Planung

Bauprojekte dauern oftmals länger als eigentlich notwendig. Wenn die Planung zum Beispiel ständig neu aufgerollt wird, entstehen unnötige Verzögerungen. Eine mögliche Stellschraube hierfür wäre eine bessere Zusammenarbeit zwischen Fachplanern und Handwerkern. Doch wie könnte eine enge Kooperation den Prozess beschleunigen? Unser Kolumnist Andreas Scheibe, auch VOB-Trainer, verrät es Ihnen in dieser neuen Folge von „Professioneller Bauablauf“.

Kolumne „Professioneller Bauablauf“ Folge 64, von Andreas Scheibe
Die Zusammenarbeit zwischen Planern und Handwerkern führt oft zu unnötigen Verzögerungen auf der Baustelle. Andreas Scheibe verrät, wie Sie an der Stellschraube Planung drehen und so Prozesse beschleunigen können. - © Crystal - stock.adobe.com

Schaut man in die HOAI, findet man die Vorgabe, dass in der vorgelagerten Leistungsphase 5 – und das betrifft sowohl Fachplaner als auch Architekten – die Ausführung bereits gedanklich vorausgeplant und detailliert beschrieben sein sollte. Erst wenn dies abgeschlossen ist, kann die Leistungsphase 6 beginnen. Die vorherigen Leistungsphasen setzen somit voraus, dass Architekt und Fachplaner ihre Arbeit miteinander koordinieren. Das wiederum bedeutet: Wenn das Leistungsverzeichnis (LV) auf dem Markt ist und man es für sich entschieden hat, bekommt man als Handwerksbetrieb alle erforderlichen Unterlagen und das Leistungsverzeichnis ist auch korrekt. Das zumindest besagt Paragraf 3 Absatz 1 der VOB/B.

(Fast) alles läuft gemäß der Planung

Die VOB dient als Grundlage für einen jeden Handwerksbetrieb und die HOAI wiederum für alle Planer – beide Normen greifen sinnvoll ineinander. Für den idealen Ablauf hat man sich entsprechend schon ein paar Gedanken gemacht. Aber wie es in der Baupraxis nun mal leider oft der Fall ist, beginnen Bauprojekte nicht immer nach Plan oder mit fertigem Plan. Hinzukommt, dass der Auftraggeber während der Bauphase nicht selten noch Zusatzwünsche einbringt.

Doch wichtig ist: Sie als Handwerker planen nicht, Sie kalkulieren lediglich. Und wenn es geänderte oder zusätzliche Leistungen gibt, muss der Planer wieder zum Bauherrn und klären, was eben nun gewünscht ist. Anschließend muss eine neue Planung erstellt werden – und zwar bei jeder Änderung! Das bedeutet schließlich, dass die Planung immer wieder in die Leistungsphase 5 zurückkehrt, wo eine vollständige, mangelfreie Planung stattfinden sollte.

Anspruch auf Entschädigung?

Jede Anpassung, so wie sie sich gehört, führt dazu, dass ein Nachtrags-Leistungsverzeichnis entsteht, welches am Ende bei Ihnen als Handwerker landet. Ihre Aufgabe bleibt dann stets dieselbe: kalkulieren und ausführen. Es ist ein permanenter Kreislauf! Aus dem wiederum folgt: Wenn die HOAI und VOB strikt eingehalten werden, kann das den Bauprozess erheblich in die Länge ziehen. Und Sie verlieren sinnlos viel Zeit – mit dem Ergebnis: Bauzeitverlängerung. Sie melden also Behinderung nach Paragraf 6 Absatz 1 VOB/B. Und für Verzögerungen gibt es laut Paragraf 642 BGB einen Anspruch auf Entschädigung.

Wie lässt sich dieser Prozess also nun beschleunigen und gleichzeitig auch effizienter gestalten? Sie als Handwerker könnten durchaus in den Planungsprozess mit einbezogen werden. Es muss nicht immer über das Planungsbüro laufen, aber planen sollten Sie als Handwerker nur mit Haftungsausschluss und natürlich gegen eine entsprechende Vergütung.

Über den Autor Andreas Scheibe:
© Continu-ING GmbH - © Continu-ING GmbH

Andreas Scheibe hat selbst als Planer und Projektleiter in großen Firmen gearbeitet, später den väterlichen Handwerksbetrieb übernommen und umgekrempelt. Seine Erfahrung bezahlte er laut eigener Aussage mit viel „Schweiß und Blut“, aber auch viel Geld. Es entstand die Idee zum „professionellen Bauablauf“!

Mit der Continu-ING GmbH (continu-ing.com) verfolgt er heute als Coach und Mentor eine Mission: Das Handwerk muss wieder für seine Leistung anerkannt und entsprechend vergütet werden. Schluss mit dem „Sozialhandwerker“, der sich nicht zu wehren weiß und auf Kosten sitzen bleibt. Vom Handwerker als Getriebener zum aktiven Projekttreiber. Wichtige Fragen sollen endlich geklärt werden: Was sind meine Rechte, was meine Pflichten? Wie sieht es mit den
Pflichten anderer aus? Was kann und muss ich fordern, um störungsfrei arbeiten zu können? Wie gelingt der Sprung vom letzten, missachteten Glied im Bauablauf zu einer Position auf Augenhöhe mit Fachplaner und Auftraggeber? Andreas Scheibe möchte neue Sichtfelder für Handwerker eröffnen.

"Stark im Handwerk – das Buch für Handwerker im VOB-Projektgeschäft"

Im August 2021 ist das erste Buch "Stark im Handwerk" von Andreas Scheibe erschienen. Darin beweist der Experte, dass die in der VOB viel Potenzial und auch viel Geld für Handwerker steckt. Aus der Praxis weiß handwerk-magazin-Kolumnist Scheibe, dass das Bild, welches Auftraggeber, Architekten und Planungsbüros oft vom Handwerker haben, meist kein ruhmreiches ist. Zwar sind die ausführenden Firmen nach deutschen Standards sehr gut ausgebildet und wissen technisch bestens Bescheid, doch von einer Sache hat man Ihnen nichts erzählt: Welche Rechte sie haben! Und auch nicht, dass sie eigentlich und zuallererst auf Augenhöhe mit Auftraggeber und Fachplaner stehen. "Der Handwerker ist zwar der letzte in der Reihenfolge bezogen auf den Bauablauf, aber der letzte Depp ist er noch lange nicht", erklärt Andreas Scheibe.

In diesem Zusammenhang kommt der Autor in seinem Buch sowohl auf die Rechte und Pflichten eines Handwerkers als auch auf die Rechte und Pflichten der anderen Projektbeteiligten zu sprechen. Denn genau diese sind im Detail in der VOB geregelt. Die Formulierungen klingen jedoch oft kompliziert und die Anwendung ist daher auch sehr unbeliebt – zu Unrecht, wie der Autor findet. Das Buch von Andreas Scheibe weckt nicht nur Interesse für das Projektgeschäft, sondern auch für das Durchsetzen von Rechten und Einfordern von Pflichten, sowie den spielerischen Umgang mit Paragrafen. Das Ziel: Handwerk muss wieder Spaß machen, gerecht bezahlt werden und zu alter Stärke zurückfinden.

stark-im-handwerk.de

Neues Buch: "Der professionelle Bauablauf – Das Schritt-für-Schritt System um deine Liquidität nachhaltig zu sichern"

Im August 2023 erschien das bereits dritte Buch von Andreas Scheibe „Der professionelle Bauablauf“. In diesem Buch sind viele Jahre Erfahrung in der Durchführung und auch Beratung von hunderten Handwerksunternehmen eingeflossen. Daraus entstanden ist ein praxiserprobtes und sofort umsetzbares Schritt-für-Schritt System welches mehr Klarheit und Sicherheit im Bauablauf für Handwerker verspricht. In diesem Buch geht es um notwendige Fähigkeiten um standardisierte Ablaufpläne zu erstellen, hochprofitable Nachträge durchzusetzen und berechtigte Forderungen darzulegen, zu begründen und zu verhandeln.

In seinem Buch geht Andreas Scheibe auch auf die 47 häufigsten und teuersten Fehler in VOB-Projekten ein, und wie sich diese verhindern lassen. Am Ende geht es darum, einen standardisierten Schriftverkehr einzuführen und Projekte strukturiert und profitabel abzuwickeln. Und das nach den Spielregeln der VOB.

der-professionelle-bauablauf.de

Zugehörige Themenseiten:
Auftragsabwicklung, Baurecht, Kalkulation und Professioneller Bauablauf – Kolumne von Andreas Scheibe