Verunsicherung der deutschen Verbraucher Erschwerter Marktzugang: Argumente gegen Risiken und Ängste bei der Smart-Home-Steuerung

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Sicherheit und Privatsphäre in Smart-Home-Systemen sind weiterhin das größte Hindernis für die Deutschen, sich für ein intelligent gesteuertes Zuhause zu entscheiden. Zu den größten Risiken zählen minderwertige Installationen, mit dem Internet verbundene Sprachassistenten sowie einer Vielzahl an unterschiedlichen Geräten und Systemen.

Intelligente Gebäudesystemtechnik
Steuerung per Bildschirm: Die Technik für Smart Homes regelt Heizung oder Haushaltsgeräte komfortabel und energieeffizient. – © Telematics PRO e.V.

Eine kleine Glühbirne im intelligent vernetzten Zuhause ist manchmal schuld daran, dass sich Einbrecher Zutritt ins Smart Home verschaffen. „Geräte, die mit dem Internet vernetzt sind, ermöglichen Hacking-Attacken, auch im Bereich des Smart Homes“, sagt Christian Stahn, der im Marketing bei der KNX Association tätig ist. Damit Automatisierungslösungen hohe Sicherheit bietet, ist es wichtig, dass sich Bauherren und Bewohner auf den neuesten Stand der Technik bringen .

Ob das Smart-Home- System dabei auf Cloud, Funk oder Kabel basiert, ist dabei ganz egal, denn alle drei Systeme bieten Risiken – wenn es auch nicht dieselben sind. Selbst eine Kabellösung wie der international anerkannte KNX-Standard, der als stabil und wenig störanfällig gilt und in Deutschland einen Marktanteil von 53 Prozent hält, bedeutet nicht per se die höchste Sicherheitsstufe. „Der Schutz von Geräten von KNX-Installationen ist für Planer, Installateure und Hersteller eine zunehmende Herausforderung“, räumt Stahn ein. Dazu zählen etwa sensible Verbraucherdaten, die im Smart Home erzeugt und ausgetauscht werden, zu schützen, sowie Alarm- und Schließsysteme wie zum Beispiel die Haustür vor Manipulation zu sichern .

Ziel der Hacker: Minderwertige Installationen

Die berechtigte Furcht davor, dass einzelne Geräte und Systeme gehackt werden, tragen dazu bei, dass 22 Prozent der Deutschen vernetzte Anwendungen in ihrem Zuhause kategorisch ablehnen. Mögliche Hackerangriffe sind dabei aber nur ein Grund. Die Bewohner sorgen sich auch über hohe Anschaffungskosten und eine mögliche sinkende Privatsphäre. So belegt es die Studie Smart Home Monitor2021 von Splendid Research .

Dass ein kabelbasiertes Gebäude ungewollten Zugriff von außen erhält, liegt Stahn zufolge häufig an einer minderwertigen Installation. Die KNX Association bietet daher Handbücher, Flyer und Webinare an und stellt zudem Sicherheitsstandards zur Verfügung, um das Zuhause zu schützen: Während KNX Data Secure die Verschlüsselung des Telegrams innerhalb der Installation vor fremden Blicken abschirmt, gelingt das über KNX IP Secure außerhalb der Installation über IP. Bei beiden Sicherheitsstandards wird das eigentliche Kommando, zum Beispiel „Jalousie runter“ verschlüsselt , womit die Kommunikation zwischen den KNX-Teilnehmern sicher abläuft. Zudem können manipulierte Telegramme verhindert werden, mit denen sich Hacker Kontrolle über das System verschaffen wollen.

Sprachassistenten hören mit und werten private Daten aus

Ein weiteres Angriffszenario eröffnet sich über Sprachassistenten, die in deutschen Gebäuden Einzug halten. „Alexa, mach den Fernseher an“ – dieser Befehl ist heute immer häufiger zu hören, zumal laut Smart Home Monitor der Bereich Entertainment und Kommunikation ganz oben auf der Beliebtheitsliste der Deutschen steht, wenn es um intelligente Haussteuerung geht. Darauf folgen Energiemanagement mit 55 Prozent, Gebäude- und Wohnsicherheit mit 31 Prozent, Hausautomation und Komfort mit 28 Prozent sowie Gesundheit mit elf Prozent.

So bequem und unterhaltsam die Smart-Home-Steuerung über einen Sprachassistenten wie Amazon Echo auch ist, bringt er auch Sicherheitsrisiken mit sich. „Über den Skill für einen Sprachassistenten wie Amazon Echo steht das Haus offen“, stellt Christian Kiefel, CEO bei ProKNX SAS. Der Skillserver, dessen Zugang samt Zugangsdaten liege schließlich im Verantwortungsbereich des Gateway Herstellers. „Der Gateway-Hersteller bietet dem Kunden den sicheren Zugang zum Haus – den er aber auch selbst jederzeit hat“, sagt Kiefel mit Blick auf die Datenlese von Amazon fest.

In der Tat verfügt Amazon über 40 Millionen Kundenkonten in Deutschland, sammelt Kontakte aus dem Mobiltelefon, ermittelt den Standort, zeichnet die gesprochenen Daten auf und wertet sie aus. Zu den Nachteilen zählt auch: Bereits ein Echo Dot erzeugt 16 kg CO2 pro Jahr für den Datentransfer. Das entspricht einer Fahrstrecke von 100 km mit einem Kleinwagen auf Basis von Benzin.

Voice-Control: Mehr Sicherheit für Senioren

Wer auf Nummer Sicher gehen will, um seine Privatsphäre vor fremden Augen schützen möchte, dem rät Kiefel zu einem Offline-Speaker. Als Option aus dem eigenen Haus stellt er den Assistenten Aragon vor, der mit Smart-Home-Techniksystemen wie Gira X1, Jung SVS, RealKNX Air, KNX proServ, Sonos und Ikea Tradfri kompatibel ist. „Die gesprochenen Daten bleiben im Haus und werden nicht aufgezeichnet“, erklärt Kiefel. Einziger Wermutstropfen: Über den Offline-Speaker sind keine Ad-hoc-Abfragen aus dem Internet möglich.

Voice-Control, um das Smart Home zu steuern und Sicherheit für die Bewohner zu bieten, gelingt natürlich über den Offline-Speaker. Vor allem für Senioren können über das intelligente Audio-Feature länger selbstständig wohnen anstatt in ein Seniorenheim übersiedeln zu müssen. Der Sprachassistent sorgt dafür, dass einzelne Ereignisse aus dem Smart Home erfasst werden, indem er etwa die Türkontakte und Aufstehzeiten wahrnimmt, weitere Bewegungen im Haus bemerkt und Aktoren für Licht und Jalousie aktiviert. Auf dieser Grundlage kann er Abweichungen feststellen und im Notfall und – nach vorheriger Bestätigung oder Einspruch des Bewohners – Alarm auslösen.

Gegenüberstellung Online-/Offline-Voice-Control

Online-Voice-Control
Privatsphäre: gesprochene Daten werden nachweislich aufgezeichnet und extern ausgewertet
Stille Updates: können zu einer unerwünschten Veränderung der Konfiguration führen
Abhängigkeit von der Cloud: bei Ausfall eines Servers oder des Internets keine oder langsame Funktion
Abhängigkeit vom Hersteller: bei Aufkündigung des Skills oder des Services vom Gateway-Hersteller keine Funktion mehr
Flexibilität: abhängig von den großen Anbietern und dem Skill-Hersteller
Zugang von außen: erforderlich (ermöglicht freien Zugang vom Gateway-/Skill-Hersteller)
CO2-Fußabduck: bereits 1 Echo Dot erzeugt 16 kg CO2/Jahr für den Datentransfer; das entspricht einer Fahrstrecke von 100 km mit einem Kleinwagen (Benzin)
ermöglicht Internetabfragen: ja

Offline-Voice-Control
Privatsphäre: keine Aufzeichnung der gesprochenen Daten
Stille Updates: keine stillen Updates: Das System arbeitet über Jahre identisch (so wie man es von KNX gewohnt ist)
Abhängigkeit von der Cloud: keine Abhängigkeit
Abhängigkeit vom Hersteller: keine Abhängigkeit
Flexibilität: Unabhängig und anpassbar
Zugang von außen: nicht notwendig
CO2-Fußabduck: erzeugt keinen Datentransfer
ermöglicht Internetabfragen: nein
(Quelle: ProKNX SAS)

Nur 18 Prozent echte Smart-Home-Nutzer

Ein Gebäude, indem alles stimmig und sicher miteinander verbunden ist, bietet letztlich auch den größten Mehrwert für den Bewohner. Nach aktuellem Stand hat den Zahlen von Splendid Research die überwiegende Mehrzahl der Smart-Home-Nutzer – und das sind 82 Prozent – lediglich einzelne Anwendungen in Gebrauch, die jedoch nicht zu einem System verknüpft sind. Daher rechnet sie die Studie auch nicht zu den „echten Nutzern“, einer in Deutschland noch recht exklusiven Gruppe mit bis dato nur 18 Prozent der Bevölkerung.

Über die gesamte Bevölkerung hinweg geblickt, haben bereits 40 Prozent aller Deutschen eine intelligente Haus-Lösung in Betrieb, weitere 38 Prozent sind daran interessiert. Das Marktpotenzial beläuft sich somit auf 7,9 Milliarden Euro. Zu den beliebtesten Anschaffungsgründen zählen Komfort, Sicherheit, weniger Heiz- und Stromkosten sowie Spaß und Technologiebegeisterung. Um den Markt weiter zu entwickeln, rät Mike Lange, Beirat bei der Smarthome Initiative Deutschland, Herstellern, Händlern und Handwerkern dazu, über Konnektivität im Gebäude gemeinsam für Mehrwert zu sorgen und dies anhand von konkreten Szenarien aufzuzeigen: „Bundlings und Kooperationen werden langfristig erfolgreich sein“, sagt er.