Die Wirtschaft schwächelt, Haushalte und die öffentliche Hand halten ihr Geld zusammen, die Zahlungsmoral lässt teilweise zu wünschen übrig und das wirkt sich massiv auf die Liquidität der Betriebe aus. Hier sind die Ergebnisse der jüngsten Umfrage der UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) und der Junioren des Handwerks (JdH).
Die Liquidität – das Herz jedes Betriebs. Sie stellt sicher, dass der Unternehmer oder die Unternehmerin ihre finanziellen Verpflichtungen jederzeit fristgerecht erfüllen kann. Rechnungen, Gehälter und Kredite bezahlen zu können, gelingt, wenn auch die Einnahmen fristgerecht fließen. Und wenn Vermögenswerte schnell in Zahlungsmittel umgewandelt werden können, um laufende Kosten zu decken und unerwartete Ausgaben zu bewältigen.
Die Zahlungsmoral der Kunden

Die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand
Die Liquiditätslage der Betriebe
Gründe für die schlechte Zahlungsmoral – und Verbesserungsvorschläge
Bei dieser Frage konnten die Teilnehmer ihre Meinung und ihre Ideen frei formulieren.
Grund 1: fehlende Kommunikation
Einfach zahlen - so wie in jedem Geschäft auch. Ware gegen Geld. "Wir leisten unsere Arbeit und bekommen dafür oft nicht den vereinbarten Lohn", schreiben etliche Umfrageteilnehmer. Für viele Befragte liegt die Lösung des Liquiditätsproblems deshalb ganz einfach in einem Einhalten der Zahlungsziele - und in einer rechtzeitigen Kommunikation, falls es Schwierigkeiten gibt. Viele Betriebe können sich für diese Fälle auch Ratenzahlungen vorstellen. Zudem wird mehr Verantwortungsbewusstsein in den Behörden und bei gewerblichen Auftraggebern gewünscht.
Grund 2: unklare Verantwortlichkeit
Bei öffentlichen Auftraggebern wird eine klarere Verantwortlichkeit in den Behörden gefordert. Auch eine "schnellere Kontrolle der Aufmaße und schnellere Weitergabe untereinander" sei ein wichtiger Aspekt, damit es letztlich zum Einhalten der Zahlungsziele kommen kann.
Grund 3: strukturelles Problem
Ein strukturelles Problem sieht diese/r Teilnehmer/in: "Aus meiner Sicht liegt das Problem weit tiefer als nur bei verspäteten Zahlungen. Wenn man es ehrlich ausspricht: Das Handwerk wird an dieser Stelle systematisch klein gehalten. Wir sind am Ende der Nahrungskette – und das spürt man, egal ob im direkten Geschäft oder mit Generalunternehmern dazwischen. Der Ton wird vorgegeben – und zwar nicht vom Handwerk. Die rechtlichen Rahmenbedingungen (VOB, teils auch BGB) sind nicht im Sinne des Auftragnehmers gestaltet. Und kommt es zum Streitfall, gewinnt nicht automatisch die Seite, die im Recht ist. Warum? Weil die Ausgangslage ungleich ist:
- schlechtere Dokumentation
- schlechtere Beweisführung
- schlechtere anwaltliche Vertretung
- weniger Ressourcen
- Abhängigkeiten: Ein öffentlich bestellter Sachverständiger weiß ganz genau, wer ihn regelmäßig beschäftigt und wer nicht. Ein großer Auftraggeber bringt jede Woche Arbeit – ein Handwerksbetrieb vielleicht zweimal im Monat. Und genau dort beginnt die Schieflage: Wo Menschen abhängig sind, wird Objektivität zur Illusion. Ich habe es selbst erlebt: Ein Sachverständiger steht mit uns auf der Baustelle, sagt im Vertrauen: „Macht euch keine Sorgen, das kriegen wir hin – so ist das nicht haltbar.“ Und später im Gutachten? Nichts mehr davon. Keine Spur der ursprünglichen Einschätzung. Einflussnahme ist spürbar – aber nicht beweisbar. Und das ist brandgefährlich. Wenn der Staat wirklich möchte, dass Gerichtsverfahren fair und unparteiisch ablaufen, dann braucht es eine klare Konsequenz: Sachverständige müssen staatlich angestellt sein – unabhängig von Marktmechanismen, frei von Auftragsabhängigkeiten. Solange das nicht passiert, bleibt die Situation für Handwerksbetriebe gleich: Wir tragen das Risiko, wir gehen in Vorleistung – und am Ende entscheiden andere über unseren Lohn für unsere Arbeit. Das ist nicht nur ein Missstand, das ist ein strukturelles Problem.
Grund 4: Steuerbelastung
Ein weiterer Aspekt sind die zu hohen Steuern: "Das hat nichts mit der Zahlungsmoral zu tun. Wir sind ALLE durch die zu hohen Steuern und Abgaben sehr hoch belastet. Die Politik muss endlich auf das Problem, das uns alle betrifft, reagieren", schreibt ein weiterer Teilnehmer.
Grund 5: Bürokratie
Auch die Bürokratie drückt auf die Zahlungsmoral: "Es ist ein wahnsinniger Aufwand, den wir mittlerweile betreiben, damit Zahlungen überhaupt pünktlich kommen. Der ganze bürokratische Aufwand die Nachweise, die wir erbringen müssen, das ist irre", schreibt ein Teilnehmer der Umfrage. Oft stehen Zahlungen offen, weil irgendwelche Bescheinigungen nicht eingereicht wurden. Ein noch größeres Übel seien Nachträge. "Sie sollten sofort auf der Baustelle erfolgen", fordert ein Teilnehmer. Doch tatsächlich fehlen dann oft erforderliche Unterschriften, was den Baufortschritt stört, weil nicht weitergearbeitet werden kann.
Dies führe entweder zu Fristverletzungen seitens des Handwerks, weil Arbeiten zu erledigen sind, die noch nicht in einem Nachtrag genehmigt sind. Oder das Handwerk arbeitet und weiß nicht, ob seine Arbeit bezahlt wird. "Für uns wäre es wichtig, dass der Bürokratieabbau gerade was Bescheinigungen, Befähigung und Nachweise angeht, reduziert wird." Auch sollten Portale von allen Seiten anerkannt werden: "Wenn ich eine Prequalifizierung habe, sollte es für alle möglich sein, die Bescheinigung dort einzusehen, sodass ich nur noch an einer Stelle etwas einreichen muss", wünscht sich eine Teilnehmerin. Und ganz wichtig sei, dass Aufträge, die keine Unterschrift eines Nachtrags haben, aber erledigt wurden, auch bezahlt werden müssen: "Sie sind ja auch angeordnet worden."
Verspätete Zahlung und Liquidität

Über die Umfrage
An dieser Online-Umfrage haben sich 100 Teilnehmer im Zeitraum vom 18.11.2025 bis 31.12.2025 beteiligt. 27 Prozent der Teilnehmer kommen aus dem Bauhauptgewerbe, 25 Prozent aus dem Ausbaugewerbe. Elektrotechnik/SHK sind mit 14 Prozent vertreten, ebenso wie die Metall/Mechanik-Branche. 20 Prozent haben sich unter 'sonstig' einsortiert.
Die Mitarbeiterstärke geben 40 Prozent mit 6 bis 20 Mitarbeiter an. 34 Prozent haben 1 bis 5 Mitarbeiter, 20 Prozent 21 bis 50 Mitarbeiter über 6 Teilnehmer haben über 50 Mitarbeiter.










