Interview mit Daniel Hübschmann Robotics im Handwerk: „Individuelle und vielseitige Anwendungsfälle“

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Damit Fachkräfte in den Betrieben ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen können, kommen immer häufiger Roboter ins Spiel. Daniel Hübschmann, Beauftragter für Innovation und Technologie an der Handwerkskammer Dresden, zeigt Erfolgsbeispiele aus unterschiedlichen Gewerken.

Daniel Hübschmann ist Beauftragter für Innovation und Technologie an der Handwerkskammer Dresden. – © Handwerkskammer Dresden
In der Handwerkskammer Dresden gibt es seit 2018 das Kompetenzzentrum Robotik im Handwerk. Halten Roboter denn verstärkt in den Betrieben Einzug?

In den vergangenen Jahren erreichen uns tatsächlich immer häufiger Anfragen der Betriebe rund um das Thema Robotik – daher haben wir uns für ein eigenes Kompetenzzentrum entschieden. Seither sind wir Anlaufstelle für Betriebe, die über unser Testfeld mit vorhandener Robotertechnologie experimentieren und sich dabei erste Impulse und Ideen holen, was sie umzusetzen können. Gemeinsam mit unseren Experten prüfen sie, was möglich ist und wo die Technologie an ihre Grenzen kommt. Wer sich für eine Roboterlösung entscheidet, dem helfen wir die richtigen Partner für die Umsetzung zu finden.

Was können Roboter, was Maschinen nicht können?

Roboter sind wie Maschinen auch ein weiteres Werkzeug für die Handwerksbetriebe. Es geht darum zu ermitteln, ob ein Betrieb überhaupt einen Bedarf für eine solche Lösung hat oder ob eventuell andere Technologien gefragt sind. Wie Maschinen auch bieten Roboter den Vorteil, dass sie den Handwerkern schwere und monotone Arbeiten abnehmen ohne sie zu ersetzen, wie viele befürchten. Ein Roboter alleine bringt nichts, selbst ein solcher, der mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet ist, muss erstmal mit Daten gefüttert werden. Dazu braucht es nach wie vor das Know-how des Handwerkers. Stand heute und morgen sind Roboter nicht in der Lage die vielseitigen Aufgaben im Handwerk allein abzudecken. Ihre Aufgabe besteht vielmehr darin, den Mitarbeitern zuzuarbeiten. Ein Beispiel aus der Praxis ist ein Glasereibetrieb aus unserer Region, in dem der Roboter Handlings-Aufgaben übernimmt: Größere und schwere Glasscheiben legt er in eine Maschine zur Weiterverabeitung ein. Das ist eine körperlich ziemlich anstrengende Arbeit, die den Mitarbeitern somit erspart bleibt und ihnen erlaubt, in der frei gewordenen Zeit ihre eigenen handwerklichen Tätigkeiten ausführen.

Wie verändern Roboter perspektivisch die Arbeit der Fachkräfte?

Gehörte es zuvor auch zu den Aufgaben der Mitarbeiter, Material von A nach B zu transportieren, haben sie dafür nun den Roboter. Auch Vorarbeiten gehören zum Aufgabengebiet der Roboter. Ein Steinmetz ist zum Beispiel gute zwei Wochen damit beschäftigt, aus Rohmaterial eine grobe Form herzustellen – das kann ebenfalls der Roboter übernehmen. Der Steinmetz selbst führt dann die Kreativleistung aus. Das ist wichtig, weil am Schlagbild zu erkennen ist, wer die Form gemacht hat. Die Beispiele zeigen, dass Fachkräfte nicht ersetzt werden, sondern entlastet. Sie können dann dort weiter arbeiten, wo wirklich Facharbeit gefragt ist.

Lohnt es sich denn auch für kleinere Betriebe, sich einen Roboter anzuschaffen?

Inzwischen kommen immer mehr Roboter im Low-Budget-Bereich auf den Markt. Einstiegspreise für simple Systeme gibt es heute schon ab 5000 Euro. Für reguläre Handlingsystem für schwere Gegenstände müssen Betriebe zwischen 50.000 bis 100.000 Euro rechnen. Gleichzeitig werden die Programmieroberflächen einfacher zu bedienen. Das schafft die Voraussetzungen dafür, um einen besseren Zugang zur Thematik zu bekommen. Wichtig ist vor allem auch, dass die Betriebe einen Roboter in ihre Prozesse einbinden. Denn so toll der Roboter auch programmiert sein mag: Wenn man im Betrieb nicht weiß, wie sich die Abläufe nahtlos gestalten lassen, inklusive benötigter Materialien und dem Personal, dann kommt kein gutes Ergebnis raus.

Wie lange dauert es bis sich die Kollegen mit dem Roboter im Betrieb anfreunden und sich die Anschaffung wirklich auszahlt?

Das ist sehr unterschiedlich und natürlich von einzelnen Personen getrieben. Unsere Erfahrungswerte zeigen aber, dass der Gewöhnungsprozess in Unternehmen, die sich intensiv mit Robotertechnik beschäftigen, schnell gelingt. Im Fall eines Feinwerkmechanikers in unserem Kammerbezirk haben sich die Kollegen gerne daran gewöhnt, dass der Roboter die Schicht für Maschinenbestückung übernimmt, und sie freuen sich auch darüber, wenn er auch noch die Nachtschicht übernimmt. Finanziell gesehen, amortisiert sich ein Roboter in vielen Fällen schon nach ein bis zwei Jahren.

Für welche Gewerke sind Roboter sinnvoll – für welche weniger?

Sicherlich gibt es Gewerke, die weniger prädestiniert sind. Man denke an einen Friseur – dort sehe ich den Einsatz noch als schwierig an. Dennoch gibt es viele, ebenso auch kleinere Betriebe vom Steinmetz über den Rohr- und Kanalreiniger bis hin zum Metallbauer, für die sich der Roboter lohnt. Wenn sich Betriebe mit uns austauschen, stoßen wir häufig auf Anwendungsfälle, die so individuell und vielseitig sind, dass man vorher nicht darauf gekommen wäre.