Udo-Herrmann-Kolumne Folge 29 Mitarbeiterführung: Wann sollten Chefs kündigen und wie ist eine Kündigung zu vermeiden?

Zugehörige Themenseiten:
Endlich alles im Lot! Mehr Freiraum und Erfolg durch bessere Organisation – Kolumne von Udo Herrmann und Mitarbeitermotivation

Die richtige Führung der eigenen Mitarbeiter bedeutet oftmals eine große Herausforderung. Wie also diese (erfolgreich) meistern, ohne dass es zu Kündigungen kommen muss? Unser Erfolgstrainer Udo Herrmann weiß hierauf die Antwort. Mehr dazu in einer neuen Ausgabe seiner Kolumne „Endlich alles im Lot! Mehr Freiraum und Erfolg durch bessere Organisation“.

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    Mit Anweisung kein Chaos
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    Mit einer richtigen Anweisung durch konsequente Mitarbeiterführung wäre das Chaos in der Werkstatt vielleicht vermeidbar gewesen.
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    Verzweifelter Handwerker, Unordnung
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    Ihr Mitarbeiter leistet gute Arbeit, ist aber unzuverlässig und hinterlässt im Lager ständig Chaos? Bevor Sie jetzt an eine Kündigung denken, lassen Sie besser beim Gespräch keine Ausreden mehr zu.

„Wie oft habe ich Dir eigentlich schon gesagt, du sollst die restlichen Pakete des Bodenbelags nach Rückkehr von der Baustelle ins Regal zu den Resten räumen? Immer muss jemand Dir hinterhergehen. Zwei Wochen geht es gut, dann lagern wieder die Materialreste irgendwo vor einem Regal mitten im Weg!“ Solche oder so ähnliche Situationen kommen in einem Handwerksbetrieb häufiger vor. Was also tun, wenn der Mitarbeiter ansonsten gute Arbeit leistet? Hierbei gibt es mehrere Möglichkeiten:

  1. Man räumt es einfach selbst auf, vernachlässigt in dieser Zeit aber womöglich andere wichtige Dinge aus dem eigenen Aufgabenbereich.

  2. Man lässt alles so wie es ist und denkt sich: „Wenn der Stapel nur hoch genug ist und der Erste darüber stolpert, wird es schon irgendjemand wegräumen.“

  3. Man gibt Anweisungen in solcher Konsequenz, dass es keine Ausreden mehr zulässt.

Mitarbeiterführung = Herausforderung

Meiner Meinung nach bedeutet das Thema ,Mitarbeiterführung‘ für Unternehmer im Handwerk eine große Herausforderung. Zu der Zeit als ich die Meisterschule im Schreinerhandwerk besuchte, gehörte diese Thematik keinesfalls zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung. Doch mit jedem zusätzlichen Mitarbeiter wuchsen die Schwierigkeiten. Zuerst reagierte ich so wie unter Punkt 1 beschrieben. Später dann mit Frust und Resignation – wie bei Punkt 2 erläutert.

Und so geht’s:

Kurz bevor mir der Restestapel und das Thema Führung dann endgültig über den Kopf wuchsen, besuchte ich ein Seminar bei einem Trainer für Führungskräfte. Er gab mir ein wertvolles Werkzeug mit auf den Weg, das ich heute gern weitergeben möchte. Und zwar: Im Erfolgsblatt 765 des „Erfolgskonzepts für Handwerker“ habe ich die Verbindlichkeitsstufen für ein konsequentes Führen genau beschrieben. Die dargestellte Vorgehensweise ist fair und nachvollziehbar und dient dazu, das Verhalten eines Mitarbeiters positiv zu verändern. Die Stufen beginnen bei dem Wunsch zu einem bestimmten Handeln. Wird dem Anliegen nicht nachgekommen, die Ansage wiederholt und mit einem Handschlag das Handeln vereinbart. Hält sich ein Mitarbeiter noch immer nicht an diese Abmachung, kommt eine schriftliche Vorgabe hinzu. In dieser wird dann unmissverständlich angewiesen, welche Aufgabe wie und bis wann zu erledigen ist. Dies ist der letzte Schritt, bevor bei einer letzten Ermahnung die Konsequenzen der Nichtbefolgung dargelegt werden. Wird dann noch immer der Anweisung nicht entsprechend nachgekommen, erfolgt die Abmahnung, welcher schlussendlich die Kündigung folgt. Wer nicht bereit ist diese Schritte konsequent bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses zu gehen, der sollte nicht mit der 3. Verbindlichkeitsstufe beginnen. Denn dann passiert ohnehin nichts! Die Suppe wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird – der Chef beruhigt sich schon wieder!

Am Ende gibt es nur zwei Möglichkeiten

Zugegeben, mir persönlich fallen diese konsequenten Schritte in Zeiten des Fachkräftemangels noch immer schwer. Zum Glück konnten aber bis jetzt durch diese Vorgehensweise viele Missstände ausgeräumt werden – ohne sich dabei von einem Mitarbeiter trennen zu müssen! Ich denke, es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder man wächst mit der Führungsaufgabe und handelt verbindlich und nachvollziehbar für das Team. Oder aber das Unternehmen wächst einem gänzlich über den Kopf. Und ich habe mich ganz klar für die erste Variante entschieden!

Ihr Udo Herrmann,

Schreinermeister und Erfolgstrainer für Handwerksbetriebe .

Udo Herrmann, Kolumne-Themenseite
© Tim Wegner

Biografie:  
Udo Herrmann, hat mit 23 Jahren seine Meisterprüfung abgelegt und führt seit 18 Jahren das Handwerksunternehmen „Herrmann Parkett.Möbel.Räume.“ (
www.herrmann-parkett.de ) im unterfränkischen Bürgstadt, das mehrfach bundesweit ausgezeichnet wurde. Seit mehr als 10 Jahren ist er Vorstand einer Handwerkskooperation, die ganzheitliche Konzepte für Ihre Kunden entwickelt. Er hat das Erfolgskonzept für Handwerker entwickelt und eine Ausbildung zum 7 SUMMITS® Strategie Coach absolviert . Der Schreinermeister trainiert Selbstständige und Führungskräfte, als Coach begleitet er Handwerksbetriebe bei der Weiterentwicklung des Betriebes. 2016 ist sein Buch „Von Nichts Kommt Niemand“ erschienen, in dem er wertvolle Tipps zum Akquirieren und binden von Fachkräften im Handwerk gibt.

Im April 2018 erschien seine neue Buchveröffentlichung“ Endlich alles im Lot: Das Profikonzept für mehr Freiraum und Erfolg im Handwerk “ mit allen ausführlichen Leitfäden, Checklisten und Arbeitsanleitungen von Udo Herrmann.   Erhältlich im Holzmann-Medienshop .

Buch-Cover
Das Praxisbuch von Schreinermeister Udo Herrmann greift all jene Probleme und Herausforderungen auf, die im betrieblichen Alltag viel Zeit und Nerven kosten. In sieben Kapiteln sind alle Tätigkeitsbereiche eines Handwerksbetriebs abgebildet. Zu jedem Bereich, zu jeder Herausforderung oder Frage gibt es verschiedene Leitfäden, Checklisten und Arbeitsanleitungen. – © Holzmann Medien