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Fachkräftemangel Mit diesen Zusatzleistungen punkten Sie als Arbeitgeber

Im Wettbewerb um Fachkräfte punkten Unternehmer mit betrieblichen Zusatzangeboten. Denn zusätzliche Leistungen des Arbeitgebers für die Gesundheit wissen Mitarbeiter zu schätzen.

Themenseiten: TS Fachkräftemangel, TS Mitarbeitermotivation, TS Betriebliche Altersvorsorge und TS Betriebsversicherung

Ein gutes Betriebsklima und faire Gehälter reichen heute nicht mehr aus, um Mitarbeiter für das Unternehmen zu gewinnen oder zu halten. „Auch wir als Verband müssen uns bemühen, weiterhin als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden“, sagt Johann Quatmann, seit Januar neuer Hauptgeschäftsführer beim Fachverband der Tischler Nordrhein-Westfalen (NRW) mit rund 3.700 Mitgliedsbetrieben und 50.000 Beschäftigten in Dortmund. Der Fachverband schloss daher kürzlich über die Signal Iduna ein Angebot der betrieblichen Krankenzusatzvorsorge (bKV) für seine 27 Mitarbeiter ab.

So bieten Sie Mitarbeitern Mehrwert

Die Geschäftsführung des Fachverbands entschied sich für den Tarif BKV Krankentagegeld (KT) 15. Die Krankenzusatzversicherung zahlt jetzt einen Zuschuss in Höhe von 15 Euro pro Krankheitstag nach Ablauf der sechswöchigen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. „Das zusätzliche Krankentagegeld soll erkrankte Mitarbeiter, die nach sechs Wochen nur noch Anspruch auf 70 Prozent des Bruttolohn haben, unterstützen und finanziell etwas entlasten“, erklärt Hauptgeschäftsführer Quatmann.

Der Fachverband zahlt in diesem Tarif pro Mitarbeiter knapp zwölf Euro Beitrag im Monat. Die Angestellten müssen diesen Beitrag des Arbeitgebers zwar als geldwerten Vorteil versteuern, trotzdem akzeptierte fast die gesamte Belegschaft des Fachverbandes die Zusatzleistung.

„Das Angebot der betrieblichen Krankenzusatzvorsorge wird sehr positiv aufgenommen. Die Mitarbeiter sehen, dass ihr Arbeitgeber was bietet, was andere nicht bieten“, erklärt Marlene Güttler, bKV-Expertin bei der Signal-Iduna. Gerade mit einer betrieblichen Krankneversicherung könnten Handwerksbetriebe sich auch gegen die Industrie und Wettbewerber im Kampf um Fachkräfte positionieren.

„Das Thema ist noch relativ neu und längst nicht so verbreitet wie die betriebliche Altersversorgung. Und die Beiträge sind geringer. Eine bKV ist bereits ab 20 bis 30 Euro möglich, was das Angebot auch für kleinere Handwerksunternehmer attraktiv macht“, erklärt die Versicherungsfachwirtin. Bei der Signal-Iduna können Betriebe ab drei Mitarbeitern eine bKV abschließen.

Etwa 20 private Krankenversicherungen bieten die Kollektivverträge für Arbeitgeber an. Und knapp die Hälfte der Mitarbeiter würde dieses Angebot des Unternehmens mehr schätzen als gewöhnliche Sachwerte wie ein Diensthandy oder Tickets für den regionalen Nahverkehr. Das ergab eine Umfrage der Marktforscher des ­INSA-Instituts (Institut für neue soziale Antworten).

Bei den Bausteinen einer ­betrieblichen Krankenzusatzvorsorge würde sich die Mehrheit der Beschäftigten mit 83 Prozent für einen Zuschuss für Zahnersatz oder Zahnbehandlungen entscheiden. Auf Platz 2 mit 70 Prozent der Befragten rangiert die Chefarzt-Behandlung im Krankenhaus, gleichauf mit einer Auslandsreisekrankenversicherung.

Nachfrage von Unternehmen nach Zusatzversicherungen steigt

An zusätzlichen Sozialleistungen für Fachkräfte kommt heute kaum noch ein Arbeitgeber vorbei. Der gut eingeführte Klassiker ist hier die bereits erwähnte betriebliche Altersvorsorge (bAV), mit der Mitarbeiter ihre Rente aufstocken. Relativ neu am Markt ist dagegen die betriebliche Krankenzusatzvorsorge. Während die Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge leicht vermittelbar sind, weil sie von Steuern und Sozialabgaben befreit ist, hat das Finanzministerium die Freibeträge für die betriebliche Gesundheitsvorsorge Ende 2013 wieder gestrichen. Nach dem Wegfall der steuerlichen Anerkennung erklärten viele Marktbeobachter das Angebot für tot.

Das Gegenteil ist aber der Fall. „Der Druck auf die Unternehmen wächst, qualifizierten Fachkräften zusätzliche Leistungen anzubieten, um sie an die Firma langfristig zu binden. Im Bereich der betrieblichen Krankenversorgung verzeichnen wir heute zweistellige Zuwachsraten“, erklärt dazu Christian Phillipps, Leiter Vertrieb im Bereich betriebliche Krankenversorgung (bKV) bei Axa in Köln. Statt eines „Steuersparmodells für Unternehmen kommunizieren wir die Mehrwerte für Betriebe wie Mitarbeiterbindung und -findung und Gesundheitsförderung der Belegschaft“, so Phillipps.

Vielfältige Leistungen der Krankenzusatzversicherung möglich

Der Leistungskatalog einer betrieblichen Krankenzusatzversicherung reicht von einfachen Vorsorgeleistungen etwa für den Urlaub im Ausland bis hin zur vollen Absicherung eines stationären Privatpatienten mit Chefarztbehandlung im Einbettzimmer.

Wichtig: Machen viele Mitarbeiter einer Firma mit, verzichten viele Versicherungen auf eine ­zusätzliche Gesundheitsprüfung. Die Signal Iduna verzichtet auf eine Gesundheitsprüfung der Angestellten, bei Axa entfällt die Gesundheitsprüfung ab einer Mitarbeiterzahl von zehn Personen. Mitarbeiter und ihre Angehörigen erhalten einen Krankenversicherungsschutz, den sie privat oft so nicht kaufen oder bezahlen könnten.

Gestaltung der Zusatzleistungen ist Chefsache

Im Detail unterscheiden sich die Leistungen der Versicherungsgesellschaften deutlich. Das gilt zum Beispiel für die vereinbarten Selbstbeteiligungen und für die Beiträge pro Mitarbeiter. Marlene Güttler von der Signal Iduna rät Handwerksunternehmern, die betriebliche Gesundheitsvorsorge als Baukastensystem zu betrachten: „Grundsätzlich gilt das Gleichbehandlungsprinzip für alle Mitarbeiter eines Betriebs. Der Arbeitgeber definiert klare Kriterien, an die er sich dann auch hält. So kann der Versicherungsschutz individuell auf die Mitarbeiter abgestimmt werden. Bürokräfte haben z.B. andere Bedürfnisse als handwerklich tätige Mitarbeiter.“

Vor der Einführung einer betrieblichen Krankenzusatzvorsorge für die ­Belegschaft braucht der Chef vor allem Zeit zur Vorbereitung. „Das Angebot ist komplex und braucht vielfach Erklärungen über die Kondi­tionen und individuellen Leistungen“, betont Güttler. „Die bKV ist eine Versicherungssparte für Spezialisten. Unternehmer sollten im Vorfeld den Markt sorgfältig sondieren, und dabei auch auf die Größe der Anbieter und die entsprechenden Serviceleistungen achten“, empfiehlt Phillipps. Für eine ­kostenlose Erstberatung durch den Versicherer sollte das Handwerksunternehmen eine bis 1,5 Stunden einplanen, so der bKV-Experte.

Welche Zusatzleistungen Mitarbeitern wichtig sind

Für welche Optionen, sich Mitarbeiter bei der betrieblichen Krankenzusatzvorsorge entscheiden würden:

Zuschuss für Zahnersatz/ -Behandlung 83 Prozent
Chefarzt-Behandlung im Krankenhaus 70 Prozent
Auslandsreisekrankenversicherung 70 Prozent
Anspruch auf Heilpraktikerleistungen 69 Prozent
Ambulante Kostenerstattung 65 Prozent
Ein-/ Zweibettzimmer im Krankenhaus 61 Prozent
Krankentagegeld 52 Prozent
Zuschuss für Sehhilfen 47 Prozent
Pflegezusatzversicherung 40 Prozent

Mitarbeiter richtig überzeugen

Bei einer individuellen Erstberatung sollten sich Unternehmer die Möglichkeiten einer betrieblichen Krankenzusatzvorsorge, die Konditionen und individuelle Leistungen der Versicherungsangebote genau erklären lassen. Denn im zweiten Schritt muss der Arbeitgeber der Gesellschaft vorgeben, was er seinen Mitarbeitern genau anbieten will, was ihm bei den Konditionen wichtig ist und wie hoch die monatlichen Beiträge pro Mitarbeiter sein dürfen. „Bei der Entscheidung über die Beitragshöhe sollte der Unternehmer auch seinen Steuerberater einbinden“, rät Versicherungsexpertin Güttler.

Wichtig ist dann die richtige Information und Kommunikation des Arbeitgebers gegenüber seiner Belegschaft. Nur wenn der Chef von dem neuen Angebot überzeugt ist, die Leistungen richtig erklärt und seinen Angestellten Raum und Zeit zur Verfügung stellt, sich auch in Einzelgesprächen zu den Leistungen der Versicherungsexperten beraten zu lassen, kann der Chef mit den zusätzlichen Sozialleistungen auch punkten. Und somit kann der Betrieb einen Imagegewinn als wichtigen Wettbewerbsvorteil für sich verbuchen.

Checkliste: Zusatzleistungen richtig vorbereiten

Eine gute Vorbereitung zahlt sich für den Unternehmer aus: Für die Einführung von betrieblichen Zusatzleistungen brauchen Chefs im Vorfeld Zeit, Informationen und kompetente Unterstützung. Was Arbeitgeber dabei beachten sollten und an wen sie sich wenden können.

  • Experten einschalten: Reden Sie zuerst mit einem Spezialisten für Arbeitsrecht oder Ihrem Steuerberater, der Ihnen Möglichkeiten und steuerliche Vorteile genau erklärt. Tipp: Holen Sie Infos bei Ihrem Landesinnungsverband oder Kollegen aus Ihrer Branche ein.
  • Mitarbeiter befragen: Fragen Sie in Gesprächen ihre Angestellten oder auf einer Betriebsversammlung Ihre Belegschaft nach Wünschen oder Anforderungen für die private Vorsorge. Tipp: Wenn Sie im Unternehmen einen Betriebsrat haben, binden Sie frühzeitig die Arbeitnehmervertreter ein. Das erleichtert später die konkrete Einführung der betrieblichen Zusatzleistungen.
  • Beratung einfordern: Lassen Sie sich kostenlos von spezialisierten Versicherungsgesellschaften über das mögliche Leistungsspektrum beraten.
  • Auswahl treffen: Ob Leistungen zur Altersvorsorge oder betriebliche Krankenzusatzvorsorge, Sie gehen eine langfristige Bindung mit einem Anbieter ein. Tipp: Wichtige Kriterien für die Auswahl sind die Unternehmensstärke und die Flexibilität des Vertrags.
  • Mitarbeiter informieren: Die Belegschaft sollte auf einer Betriebsversammlung umfassend über die neuen Leistungen des Arbeitgebers informiert werden. Tipp: Wenn die Mitarbeiter zwischen verschiedenen Angeboten wählen können, erhöht das die Akzeptanz der angebotenen Arbeitgeber-Leistungen deutlich.
  • Zeit geben: Ihre Belegschaft muss sich über das neue Angebot informieren. Stellen Sie Ihren Mitarbeitern Raum und Zeit zur Verfügung, sich auch in Einzelgesprächen zu den Leistungen von Ihrem Versicherungsexperten beraten zu lassen.

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