Die Baumann-Kolumne "Neues von der Werkbank" Kommentar: Vertrauen Sie auf Ihr unternehmerisches Bauchgefühl!

Viele Chefinnen und Chefs glauben, alles in Tabellen und Zahlenreihen ausreichend abbilden zu können. Dieser vermeintlich richtige Weg ist aber laut unserer Kolumnistin Ruth Baumann nicht allein der richtige. Manche Instinkte oder ein Bauchgefühl, fernab der Sichtbarkeit, seien durchaus angebracht. Zeit, sich anhand dieser Folge von "Neues von der Werkbank" daran zu erinnern und diese zu nutzen.

Ruth Baumann Landesvorsitzende UFH Baden-Württemberg
Ruth Baumann, Landesvorsitzende ufh Baden-Württemberg, sieht jeden Unternehmer dazu aufgefordert, mit seinem eigenen Bauchgefühl die Segel auf Zukunft zu setzen. - © privat

Das Jahr 2025 verabschiedet sich: ein Jahr mit Hoffnungen, Versprechen und mitunter neuen Wegen. Manche Erwartungen, die geweckt wurden, wurden erfüllt, andere wurden „eingekürzt“ oder in die Schublade gelegt. Dennoch: Aufgeschoben ist nicht zwangsläufig aufgehoben.

Mit vier Wegbegleitern werden Herausforderungen leistbar: Demut, Anstand, Fleiß und Klarheit. Wer nicht selbstverliebt und ich-bezogen alles für gegeben hält, wird sich wieder anstrengen. Aufträge, Kundenzufriedenheit, gelebte Lieferantenbeziehungen und wirtschaftlicher Erfolg müssen sich Unternehmerinnen und Unternehmer jedes Jahr aufs Neue verdienen. Mittlerweile sind selbst Ausbildungs- und Arbeitsplätze fragil und auch Wahlen sind keine Selbstläufer mehr. Dennoch gilt: annehmen und Leistung zeigen.

Jeder Zahlung sollte eine entsprechende Leistung vorausgehen

Für manchen mag Anstand ein Fossil aus alten Tagen sein, für mich ist es ein Wert, den man selbst lebt und nicht nur von anderen einfordert. Man gibt keine Versprechen, die man nicht einhält. Eine Auftragserteilung findet im Bezahlen der Leistung oder der Ware ihren fairen Abschluss. Ob Löhne, Lieferanten, Steuern, ja auch Mitgliedsbeiträge: Man bezahlt, was man bestellt. Verzicht wäre sonst die Option.

Im Umkehrschluss gilt aber auch: Jeder Zahlung sollte eine entsprechende Leistung vorausgehen. Es ist unanständig, wenn man erwartet, dass der höchste Anspruch mit dem niedrigsten Preis abgegolten werden kann. Wer glaubt, ohne eigenen Einsatz auf Dauer von dem stets nährenden Staat durch sein Leben begleitet zu werden, wird in absehbarer Zeit bemerken, dass dies nicht (mehr) möglich sein wird. Schon der einstige Vizekanzler Guido Westerwelle warnte vor der spätrömischen Dekadenz, die sich bereits abzeichnete. Einst belächelt, heute für seine  Weitsicht bewundert. Leider ist die Geschichte voller Beispiele, in denen Warner zu ihren Lebzeiten als „Miesepeter“ diskreditiert wurden, anstatt sich mit deren Inhalten auseinanderzusetzen. Der moralische Ablasshandel in Nachrufen soll dann die Wertschätzung, die man zu Lebzeiten verweigert hat, ersetzen. Es ist nicht jedem gegeben, eigene Fehler einzugestehen und Anstand zu leben. Es bleibt eine lebenslange Fleißaufgabe, wenn man sich dieser stellen will.

Riesterrente, Hotlines, Wohnungsnot, Mobilität, Innenstädte und Unternehmensausrichtung – Bauchgefühl war in der Vergangenheit oft richtig

Doch warum wähle ich auch Klarheit als meinen Begleiter für das neue Jahr? Klarheit hat mit Wahrheit zu tun und ich bin in einem Alter, in dem man dies, nicht zuletzt aufgrund eigener Lebenserfahrung, benennen darf. Sind die Dinge klar, kann man Ursache und Wirkung erkennen, loben oder kritisieren. „Sie haben mir aus der Seele gesprochen“, ein Kompliment, das zeigt, dass man mit seinen Gedanken nicht alleinsteht.

Meine Zweifel an der Riesterrente, einst belächelt, heute reicht ein Blick auf die Höhe der Auszahlungen. Meine verschwendeten Stunden in Warteschleifen von Hotlines, sicherlich kein Einzelfall. Wohnungsnot aus dem Blickwinkel privater Vermieter, ein Appell. Mobilität als Luxusgut, Realität. Leere Innenstädte, nicht mehr nur eine Prognose. Unternehmensausrichtung gemäß Kernkompetenz und nicht Produktdiversifikation, ein Überlebensgarant. Energiekosten, Rohstoffabhängigkeit, Sozialversicherung, bürokratische Fesseln – sie werden über die Wettbewerbsfähigkeit eines Standortes entscheiden. Klarheit kann schmerzen, bietet zugleich viele Chancen und Lösungsansätze. Unternehmerisches Bauchgefühl – begrenzt messbar, dennoch Seismograf für Zukunft.

Nicht auf Wertschätzung warten, sondern auf das Bauchgefühl vertrauen

Warten Sie nicht auf Wertschätzung, die oft zu spät kommt, sondern hören und vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl. Likes und arrangierte Bilder in Social Media haben ein kürzeres Verfallsdatum als Gewährleistungsansprüche. Wenn unternehmerisches Leben noch nach mehr als 50 Jahren für wertschätzende Gespräche sorgt, war es im wahrsten Sinne des Wortes „nachhaltig“. Das durfte ich selbst bereits mehrfach erfahren. Und was der Uropa vorlebte, führt nun die vierte Generation fort. Gewappnet mit den erlebten und erlittenen Facetten von Wertschätzung, dem Kampf des gesunden Menschenverstands oder der Vergänglichkeit von Einschätzungen anderer. Jeder ist gefordert, mit seinem eigenen Bauchgefühl die Segel auf Zukunft zu setzen, allen Lächlern und Blendern zum Trotz. Die Folgen, ob gut oder schlecht, hat eh jeder selbst zu tragen.

Nicht staatstragend, aber daran beteiligt, den Staat zu tragen

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien Gesundheit, viele und gute Aufträge und Kunden, die zahlen. Wir alle sind nicht staatstragend, aber bringen unseren Anteil an dem, was den Staat trägt. Ich wünsche Ihnen eine besinnliche Adventszeit und einen energiegeladenen Start ins neue Jahr 2026!

Über Autorin Ruth Baumann:

Bei Ruth Baumann war es ein zart gehauchtes "Ja", das sie in einen mittelständischen Straßenbaubetrieb und damit ins Handwerk brachte: Seit ihrer Hochzeit führt sie gemeinsam mit Ehemann Martin Baumann die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. Trotz ihres abgeschlossenen Hochschulstudiums entschied sie sich damals bewusst, in den Familienbetrieb einzusteigen und bekräftigte dies durch eine weitere Ausbildung zur Bürokauffrau. Zunächst im Ehrenamt bei den Unternehmerfrauen im Handwerk Freiburg, später als Präsidentin des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, war es ihr immer ein besonderes Anliegen, die Mitglieder mit einem gesunden Selbstbewusstsein und Stolz auf das Handwerk auszustatten. Sie sieht die Unternehmerfrauen als Wirtschaftsverband und vertritt dies auch in der Öffentlichkeit.

Ihre betriebliche Erfahrung wurde in der Folgezeit auch verstärkt in der politischen Theorie nachgefragt und stieß – zu ihrer eigenen Überraschung – auf immer mehr Resonanz. Es folgten unterschiedliche Kommissionen und Funktionen in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, die sie mittlerweile auch auf Bundesebene ausführt. In Interviews, Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund um das Handwerk gibt sie parteiübergreifend Einblicke in die Sorgen und Nöte von Familienbetrieben. Jüngst wurde sie in den Bundesvorstand der CDU gewählt und ist dort als "Handwerk mit Mundwerk und akademischem Grad" Mittler zwischen unterschiedlichen Welten.

Zugehörige Themenseiten:
Auftragsabwicklung, BWA-Kennziffern, Forderungsmanagement, Liquiditätsmanagement und Risikomanagement