Elektrisch angetrieben und gespickt mit spannenden Details: Kia PV5 Cargo und Renault Trafic E-Tech haben beide diese Eigenschaften. Doch was bieten die Newcomer dem Handwerk?
So baut man E-Transporter: Die zurzeit aufregendsten Neuheiten in diesem Segment kommen mit dem Renault Trafic E-Tech und dem Kia PV5 Cargo aus Frankreich und Korea.Die Neulinge haben viel gemeinsam, anderes trennt sie. Die Redaktion hat hingeschaut und Maß genommen. Gemeinsam ist beiden neuen Transportern eine reine E-Plattform, Verbrenner sind weder vorgesehen noch möglich. Renault geht auf Nummer sicher und fertigt weiter den bisherigen Trafic mit Dieselmotor. Transporter-Neuling Kia setzt, auch mangels Möglichkeiten, auf Risiko und voll auf E-Mobilität.
Kia PV5 Cargo und Renault Trafic E-Tech: Front vs. Heck
Wenn zwei das Gleiche tun, ist’s indes noch lange nicht dasselbe. Kia verwendet bei seiner sogenannten E-GMP.S-Plattform, die vom Pkw abgeleitet ist, Elektromotor und Antrieb vorn. Das schafft konstruktive Freiheit für alle Komponenten nach dem Fahrerhaus und führt außerdem zu einer extrem flachen Ladekante des Kastenwagens von nur 419 Millimetern im Heck. Renault dreht den Spieß um. E-Motor und Antrieb sind hinten angesiedelt, das ergibt einen lupenreinen Heckantrieb sowie eine Ladekante von immer noch niedrigen 510 Millimetern.
In Sachen Batterie nutzen beide Hersteller einen identischen Dreh. So kommen in der Grundausführung günstige wie langlebige, aber überschaubare LFP-Batterien (Lithium-Eisenphosphat) zum Einsatz, bei Kia mit 51,5, bei Renault mit 60 kWh. Damit sind nach Norm gut 300 Kilometer Reichweite drin. Darf’s etwas mehr sein? Dann sind im Kia 71,2 und im Renault 81 kWh große Lithium-NMC-Batterien (Nickel-Mangan-Kobalt) an Bord. Macht rund 100 Kilometer mehr Strecke. Großer Unterschied: Die Koreaner nutzen eine kostengünstige 400-Volt-Architektur, die Franzosen gönnen ihrem Transporter das Doppelte.
Renault Trafic E-Tech ist deutlich schneller an der Ladesäule
Was sich unter anderem in der Ladeleistung widerspiegelt: Kia zieht maximal 150 kW an der Schnellladesäule, Renault dagegen je nach Ausführung 160 oder gar rasante 240 kW. Bei Kurzstrecken egal, bei Langstrecke und hohen Belastungen wichtig. Der Trafic E-Tech bringt außerdem serienmäßig eine stromsparende Wärmepumpe mit, sie kostet für den PV5 Cargo extra. Die Motorleistung beläuft sich im Renault auf 150 kW/204 PS und 345 Nm. Der Kia-Stromer ist je nach Batterie mit 89 kW/122 PS oder 120 kW/163 PS motorisiert, Drehmoment jeweils 250 Nm.
Kia PV5 Cargo und Renault Trafic E-Tech: Bullig vs. elegant
Verblüffend ist der Blick auf die Karosserie. Bullig der Kia, elegant der Renault, indes in ihrer Grundform nahe beieinander. Ultrakurze Überhänge vorn sind typisch für konsequente E-Fahrzeuge, ebenso der Verzicht auf den überflüssigen großen Kühlergrill.Beide tragen die Tagfahrlichter in markanter Optik hoch oben, setzen mit schwarzglänzenden Bändern und großen Van-Fenstern auf ein One-Box-Design und Visieroptik. Das ergibt schicke Vans mit dem Können von Transportern. Wobei der Kia die Gürtellinie zugunsten von mehr Licht und weniger Blech tiefer setzt. Ebenfalls augenfällig ist beiderseitig der aerodynamische Feinschliff von der Luftführung vorn bis zu Abreißkanten hinten. Das senkt den Stromverbrauch und erhöht somit die Reichweite.
Kia PV5 Cargo und Renault Trafic E-Tech: Leicht- vs. Mittelgewicht
Indes wird deutlich, dass die Transporter in unterschiedlichen Klassen antreten, Mittelgewicht gegen Leichtgewicht. Beide sind jeweils nahezu exakt 1,9 Meter breit und hoch. Der Kia misst in der Länge 4,7 Meter, der Renault 4,87 Meter. Die Koreaner nennen 4,4 Kubikmeter Laderaum, die Franzosen 5,1 Kubikmeter – wird da mit zweierlei Maß gemessen? Ein wichtiges Plus zeigt der Renault mit 3.150 zu 2.995 Millimeter Radstand. Das hat Folgen, denn eine Europalette passt seitlich in den Kia angesichts der nur 775 Millimeter breiten Schiebetür nicht hinein. Der Renault ist an dieser Stelle mit rund 950 Millimetern besser proportioniert.
Spannend ist auch die Kehrseite: Nachteil der extrem tiefen Ladekante des Kia ist ein Abstand zwischen den Einbauten rund um die Radkästen von nur 930 Millimetern. Die Europalette passt daher nur längs hindurch. Ausweg bietet ein Zwischenboden, dann treffen sich die Kontrahenten mit jeweils gut 1.300 Millimetern Abstand zwischen den Radkästen. Anders an der Waage. Der Trafic E-Tech wird bis zu 1,25 Tonnen stemmen, der Kia PV5 Cargo macht bereits bei 790 Kilogramm Schluss. Noch größer fällt die Differenz der Anhängelast mit bis zu zwei Tonnen (Renault) gegen 750 Kilo (Kia) aus.
Kia PV5 Cargo und Renault Trafic E-Tech: Zahlen vs. Farben
Bleibt ein Blick ins Cockpit. Beide sind geräumig, große Fahrer haben genug Platz. Kia präsentiert auf einem kleinen Monitor reichlich Zahlen, Renault einen größeren und farbenfrohen Bildschirm. In der Mitte informiert jeweils ein üppiger Touchscreen. Auch bei den Ablagen knausert das Duo nicht. Wobei der Kia mit Fächern im Boden sowie einem geschlossenen Fach unten in der Mittelkonsole etwas raffinierter wirkt.
Kia PV5 Cargo ist ab 32.933 Euro netto erhätlich
Doch welchen nun nehmen? Das hängt neben den Transportern von der Aufgabe ab, von Garantien und Service, digitalen Helfern, nicht zuletzt vom Preis. Der Kia PV5 Cargo fährt ab netto 32.933 Euro vor, der Tarif des Renault Trafic E-Tech ist noch nicht bekannt. Denn während der Kia bereits zu den Händlern rollt, trommelt Renault zwar kräftig, lässt sich aber noch fast ein Jahr Zeit. Anhaltspunkt: Der bisherige Trafic E-Tech steht mit netto 38.000 Euro in der Liste. Auch aufregend, na klar.








