Projekt Unilever Holz und Moos: Wohlfühlatmosphäre durch natürliche Baustoffe

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Baustoffe, Digitalisierung, Gewerbebau und Nachhaltigkeit

Echtes Moos sorgt für frisches Raumklima – und dämpft den Schall: Im neuen Bürokomplex des Konsumgüter-Konzerns Unilever in Hamburg haben die Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit Handwerksbetrieben wie der Tischlerei Mehlig aus Moorrege viel Wert aufs Wohlfühlen gelegt. Zur neuen Arbeitskultur zählen auch viele digitale Elemente.

Der Eingangsbereich des neuen Unilever-Gebäudes Neue Burg
Der Eingangsbereich des neuen Unilever-Gebäudes Neue Burg. – © Unilever

Damit hat Sven Wischhusen nicht gerechnet. Als der Holztechniker und Tischlermeister erfuhr, dass im neuen Unilever-Bürogebäude Mooswände angelegt werden sollen, hat er an Kunstmoos gedacht. Stattdessen wurde palettenweise echtes Moos angeliefert, in dem sogar noch einige Baumnadeln steckten. „Die Pflanzen mit Holz zu verbauen war recht aufwändig“, schildert Wischhusen, der als Projektleiter bei der Tischlerei Mehlig aus Moorrege in Schleswig-Holstein für den Innenausbau des Gebäudes im Nikolaiviertel in Hamburg zuständig war.

Angefangen beim Eingangsbereich, einem Tresen mit Holzverkleidung, der direkt ins Herzstück der „Neuen Burg“ führt. Der sogenannte Social Space bietet gut 170 Co-Working-Plätze an Tischen, die ebenfalls ganz aus Naturholz mit Metall und Kunststein beschaffen sind. Genauso mitgewirkt hat die Tischlerei bei der Gestaltung des Konferenzraums und der Büroräume. „Alle Möbel sind Einzelanfertigungen„, sagt Wischhusen. „Auf die Umweltzertifizierung der Möbel hat Unilever großen Wert gelegt.“

Bestandsmobilar zieht mit ein

Ziel des 6500 Quadratmetern großen Gewerbebaus ist es, so umweltverträglich und CO2-neutral wie möglich zu agieren – und dabei eine Wohlfühlatmosphäre für die rund 700 Mitarbeiter zu schaffen. Neben der Entwicklung neuer Möbel aus Naturmaterialien hat Unilever auch bereits vorhandenes Mobiliar aus dem ehemaligen Firmengebäude mitgenommen. Zur Ökobilanz trägt außerdem bei, dass die übrig gebliebenen Möbel – zum Beispiel die nicht höhenverstellbare Schreibtische – ein zweites Leben an einem anderen Ort bekommen haben.

Die nachhaltige Bauweise findet sich auch in den Böden wieder. Da sie überwiegend aus recycelten Materialien bestehen, können sie komplett in den Kreislauf zurückgeführt werden. Für die Luftqualität im Inneren des Gebäudes sorgen Pflanzen auf über 250 Quadratmeter, davon entfallen 150 Quadratmeter auf die Mooswände, die zudem akustisch wirksam sind. Einmal verbaut, soll das Moos dort langlebig blühen, wofür eine beständige Bewässerung sorgt.

Zum Aushängeschild des naturnahen Biophilic-Designs – wie die Verbindung zwischen Gebäudeinneren mit der natürlichen Umwelt genannt wird – zählt auch ein Lichtkonzept, das dem biologischen 24-Stunden-Rhythmus des menschlichen Körpers folgt und sich über Sensoren selbst steuert. Die natürliche Lichtqualität soll Mitarbeitenden helfen, Wohlfühlen und konzentriertes Arbeiten in Einklang zu bringen. Für den Bau mit Öko-Strom und LED-Leuchttechnik hat Unilever eine LEED Gold-Zertifizierung erhalten.

Räume wirken sich aufs Wohlbefinden aus

Dass Umwelt und Raum großen Einfluss auf das Wohlbefinden haben und eine neue Kultur in die Wege leiten, darin ist sich Alexandra Heinrichs, Personalleiterin bei Unilever sicher. „Indem wir die Mitarbeiter in den Prozess eingebunden haben, möchten wir eine neue Wir-Kultur fördern.“ 60 freiwillige Mitarbeiter konnten mit einem fixen Projekt-Budget von insgesamt gut neun Millionen Euro von Anfang an planen, wie sie das Bürogebäude mit der hellen Natursteinfassade im Inneren gestalten möchten. Im August 2020 feierten die Mitarbeiter nun die Einweihung ihrer Großen Burg – aufgrund der Corona-Pandemie allerdings nicht vor Ort, sondern virtuell über Microsoft Teams.

Das virtuelle Arbeiten während der Pandemie hat auch viele kleine Details mit sich gebracht. So gibt es in der Neuen Burg keine fixen Arbeitsplätze mehr: Jeden Tag suchen sich die Mitarbeiter ihren Platz unter statischen Pulten, im Co-Working-Space sowie auf agilen Arbeitsflächen und in Meetingräumen aus. Ein großer Timer an der Wand soll dabei helfen, die Zeit der Meetings knapp zu halten. Digitale Kommunikationstools werden stärker als bisher herangezogen, um den Austausch anzuregen, egal, ob sich der Mitarbeiter im Büro oder im Home Office befindet.

Während viele von Zuhause aus arbeiten, sorgt ein neues Mobilitätskonzept dafür, dass die Mitarbeiter auch in Bewegung bleiben, wenn sie ins Büro gehen. Im Gegensatz zum alten Firmengebäude, indem doppelt soviel Fläche zur Verfügung stand, gibt es im neuen keine Parkplätze, keine Kantine, und auch kein Fitnessstudio mehr. Schließlich befindet sich das Gebäude nun mitten in der Stadt, direkt beim Rathaus. Das Kalkül dahinter geht laut Unilever auf: Die Mitarbeiter kommen heute mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln – das Auto, das die CO2-Produktion ankurbelt, bleibt in der Garage.