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Prognose für das Wirtschaftsjahr Handwerkskonjunktur 2021: Auf und ab in der Corona-Achterbahn

Die Corona-Krise hat das Handwerk ganz schön gebeutelt. Aufgrund der globalen Pandemie fällt auch die Prognose fürs Wirtschaftsjahr 2021 schwer.

Topic channels: TS Branchencheck, TS Konjunktur, TS Zukunftsperspektiven im Handwerk und TS Coronavirus

Die Corona-Krise hat dem heimischen Handwerk 2020 einen heftigen Ritt in der Achterbahn aufgezwungen. Ging es zu Jahresbeginn noch konjunkturell steil nach oben, folgte mit dem Lockdown im März der freie Fall nach unten. Schlimmer noch: Die sich anschließende gute Erholung über den Sommer wurde rüde vom Teil-Lockdown im November abgebremst und durch den Lockdown ab Mitte Dezember endgültig abgewürgt. Rauf und runter, rauf und runter – um im Rummelplatz-Bild zu bleiben. Beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) weiß man um die große Herausforderung. „Wir befinden uns in einer schwierigen Gemenge­lage. So eine Situation hat es noch nie gegeben“, erklärte Holger Schwannecke im Dezember 2020(ausführliches Interview hier). „Wir haben in diesem Jahr im Handwerk eine konjunkturelle Achterbahnfahrt erlebt“, führte der ZDH-Generalsekretär weiter aus.

Auch der Sachverständigenrat unter dem Vorsitz von Prof. Lars P. Feld betonte kürzlich in seinem Jahresgutachten 2020/21, dass die Pandemie zu einer der schwersten Rezessionen der Nachkriegszeit geführt habe. Die fünf Wirtschaftsweisen prognostizieren für dieses Jahr ­einen Rückgang des realen Brutto­inlandsprodukts von 5,1 Prozent. Ein heftiger Abschwung, der natürlich auch nicht vor dem Gesamthandwerk haltmachte. Fürs Jahr 2020 rechne man mit einem ­Umsatzminus von vier Prozent, sagte Schwannecke. Zum Hintergrund: Erstmals seit 2013 verzeichnet der bisher gut geölte „Wirtschafts­motor Handwerk“ ein Umsatzminus.

Fragiles Fundament

Teil-Lockdown, Lockdown, steigende Infektions­zahlen und Kontaktbeschränkungen – der Blick ins Wirtschaftsjahr 2021 fällt schwerer denn je. Demnach verwundert es kaum, dass der Sachverständigenrat aufgrund des Pandemieverlaufs die wirtschaftliche Lage als fragil beschreibt. „Die Erholung dürfte sich mit einem Wachstum von 3,7 Prozent im kommenden Jahr verlangsamt fortsetzen“, hieß es Ende 2020 aus Wiesbaden. Und auch ZDH-Generalsekretär ­Schwannecke fiel in Anbetracht dieser fragilen Situation eine 2021er-Prognose schwer: „Die Lage wird unsicher bleiben“, so seine Einschätzung. „ Es wird nicht die Planungssicherheit geben, die die Betriebe brauchen.“

Optimismus in vielen Branchen

Die von handwerk magazin durchgeführte Umfrage bei ausgewählten Handwerksbranchen zeigt dennoch einen vergleichsweise optimistischen Blick auf das ungewisse Jahr 2021 (siehe Branchen­portäts weiter unten). Reinhard Quast, Präsident beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe, rechnet zwar für 2021 mit einem leichten Umsatzminus von einem Prozent, sieht aber im weiter wachsenden Wohnungsbau den Stabilitätsanker für die Baukonjunktur: „Die Perspektive für das Jahr 2021 bleibt insgesamt aufwärtsgerichtet.“ Während Elektro, Sanitär Heizung Klima sowie die Nahrungsmittelgewerke ähnlich positiv auf 2021 blicken, ist die Stimmung im Kfz-Gewerbe genauso verhalten wie im Zulieferbereich.

Branchenporträts

Baugewerbe: Weiter mit Volldampf
  • Konjunktur: Dank hoher Auftragsbestände zu Jahresbeginn ist die Branche mit einem Umsatzplus von zwei Prozent gut durchs Corona-Jahr gekommen. Für 2021 erwartet ZDB-Präsident Reinhard Quast ein Umsatzplus von einem Prozent. Verantwortlich dafür ist vor allem der Wohnungsbau, für 2021 sind 300.000 neue Wohnungen geplant.
  • Themen & Trends: Nachhaltiges, wertbeständiges und sozialverträgliches Bauen ist im nächsten Jahr mehr denn je gefragt. Für die Branche ist auch günstiges Bauen kein Problem, wenn die ökologische Messlatte entsprechend angepasst wird. Sorge bereitet der Investitionsstau der Kommunen. Deren Aufträge braucht die Branche, um die im Wirtschaftsbau wegbrechenden Aufträge auszugleichen.
Elektro Stark wie zuvor
  • Konjunktur: Ende September war der Geschäftsklimaindex nahezu so hoch wie vor Corona, entsprechend optimistisch blickt die Branche ins neue Jahr. Die Betriebe melden wieder vermehrt offene Stellen. Dank der neuen, an die Digitalisierung angepassten Ausbildungsordnungen, hoffen die Betriebe, ihre Azubizahlen weiter auf dem Niveau der Vorjahre halten zu können.
  • Themen & Trends: Für 2021 rechnet die Branche wieder mit einem stärkeren Fokus auf den Klimaschutz. Erneuerbare Energien, Fotovoltaik, Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, Energiemanagement und Smart Home sind weiterhin die großen Themen der nächsten Jahre.
Kfz-Gewerbe: Erholung in Sicht
  • Konjunktur: Obwohl die Lockdown-Rückstände beim Neuwagenverkauf und im Werkstattgeschäft bis Jahresende nicht aufgeholt werden konnten, rechnet die Branche für 2021 mit einer wirtschaftlichen Erholung. Auch der dieses Jahr um zehn Prozent eingebrochene Ausbildungsmarkt soll sich 2021 wieder auf Vorniveau stabilisieren.
  • Themen & Trends: Wichtigste Themen für 2021 sind der Transformationsprozess hin zu alternativen Antriebstechnologien sowie neue Formen der individuellen Mobilität. Der Aufbau des Qualitätsmanagementsystems AÜK und die digitale Zulassung sind weitere Schwerpunkte.
Sanitär Heizung Klima: leichtes Wachstum
  • Konjunktur: Während die Branche für 2021 ein leichtes Plus von drei Prozent beim Umsatz und ein Prozent bei den Beschäftigten erwartet, wird bei der Zahl der Betriebe mit einem einprozentigen Rückgang gerechnet.
  • Themen & Trends: Hygiene, Bad und Pflege sowie Energieeffizienz und Heizungsmodernisierung sind ebenso wichtige Branchenthemen wie die Digitalisierung der Prozesse, Datensicherheit und der Wettbewerbsdruck durch Onlinehändler.
Metallbauer + Zulieferer: Gemischte Gefühle
  • Konjunktur: Während die im Bau- und Ausbau tätigen Metallbaubetriebe aufgrund der sich abzeichnenden positiven Entwicklung im Wohnungsbau hoffen, 2021 wieder Vorkrisenniveau erreichen zu können, bleibt die Situation bei den im Zulieferbereich tätigen Feinwerkmechanikern weiter sehr angespannt. Branchensprecher Karlheinz Efkemann bezeichnet den Druck „als extrem und teilweise existenzgefährdend“. So hätten viele Betriebe umfangreich in neue Technologie investiert, was den Kostendruck zusätzlich erhöht.
  • Themen & Trends: Automatisierung und Digitalisierung zählen für das Metallhandwerk genauso zu den zentralen Herausforderungen wie der Fachkräftemangel. Trotz aller Anstrengungen hatten rund 40 Prozent der Betriebe Schwierigkeiten, 2020 ihren Ausbildungsbedarf zu decken.
Bäcker und Fleischer: Hohes Niveau halten
  • Konjunktur: Wenn die Café-Betriebe zeitnah im neuen Jahr wieder öffnen können, hofft das Bäckerhandwerk auf ein ähnliches Umsatzniveau wie 2020. Im Gegensatz zu den Fleischern, deren Auslastung 2020 nach Aussage des Fleischerverbands in Frankfurt „am Limit“ gewesen ist, kann der reine Ladenverkauf den Umsatzverlust durch das zeitweise fehlende Café-Geschäft nicht ausgleichen. Die Fleischer rechnen zwar auch damit, dass sich mit den größeren Möglichkeiten der Außer-Haus-Verpflegung das Umsatzwachstum in den Ladengeschäften wieder normalisiert, gehen aber insgesamt von weiterhin hohen oder sogar steigenden Umsätzen aus.
  • Themen & Trends: Fleischer und Bäcker profitieren gleichermaßen vom Trend zur gesunden Ernährung, bei dem der lokale Einkauf und regional erzeugte Produkte deutlich in der Verbrauchergunst gestiegen sind. Das wird nach Einschätzung beider Branchen auch 2021 genauso bleiben wie die Schwierigkeiten der Betriebe, genügend Nachwuchs zu finden.

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