Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) Betriebliche Gesundheitstage: Gesundes Betriebsklima und motivierte Mitarbeiter

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Betriebliche Gesundheitstage machen Spaß und motivieren Mitarbeiter, sich aktiv um ihr Wohlbefinden zu kümmern. Das stärkt den Teamgeist und reduziert teure Fehlzeiten. Den größten Effekt erzielen Betriebe, wenn es gelingt, aus der Einmal-Aktion langfristige Maßnahmen zu etablieren.

Sandra Mauderer
Sandra Mauderer, Chefin im Malerbetrieb Mauderer in Neumarkt, versorgt die Mitarbeiter jede Woche mit Bio-Obst. – © Stephan Minx

Rücken frei, Daumen her oder einmal kräftig pusten: Wie viel Spaß Gesundheitsvorsorge machen kann, wenn sie als zwanglose Betriebs-Challenge organisiert ist, haben die zehn Mitarbeiter des Malerbetriebs Max Mauderer aus Neumarkt in der Oberpfalz im Herbst 2019 erlebt. Zusammen mit der Innungskrankenkasse IKK classic führte der Betrieb einen Gesundheitstag zum Thema Allgemeine Gesundheit und Fitness durch. Los ging es mit einem Vortrag eines IKK-Experten in der zum Besprechungsraum umfunktionierten Werkstatt. Danach tourten die Mitarbeiter, inklusive des Chefs Max Mauderer, seiner Ehefrau Sandra und den drei Söhnen, abwechselnd durch die verschiedenen Stationen: zum Wirbelsäulen- und Haltungs-Check mit freiem Oberkörper, der natürlich diskret in der Umkleide stattfand, zum Lungenfunktionstest oder auch zum Blutzucker-Check.

„Jede Station konnte man auf einem Kärtchen abhaken“, erinnert sich Sandra Mauderer, die sich im Familienbetrieb ums Kaufmännische kümmert. Zusätzlich füllten alle einen Fragebogen aus, auf dem Alter, Gewicht oder Gewohnheiten wie Rauchen abgefragt wurden. „Am Ende hat jeder eine Auswertung seiner Ergebnisse bekommen und Tipps, wie sich bestimmte Punkte verbessern lassen“, sagt Mauderer. So zeigte etwa ein IKK-Mitarbeiter, wie man sich rückenschonend bücken oder schwere Eimer heben kann und führte einige Übungen zur Rückenschule vor. Ergänzt durch ein gemeinsames Essen wurde die Aktion zum gelungenen Team-Event. „Den Mitarbeitern hat es total Spaß gemacht, sie waren offen und wirklich interessiert“, sagt Sandra Mauderer. „Es war für uns alle schön, dass man Sachen, die man im Alltag schnell vergisst, auffrischt und Tipps bekommt, worauf man achten muss.“

Aufklären statt mahnen – Krankmeldungen als Indiz für Schwachpunkte

Wie wichtig regelmäßig Vorsorge ist, merken Chefs spätestens dann, wenn sich Krankmeldungen und Ausfalltage häufen. Damit es gar nicht erst dazu kommt, sollten Risiken schon vorher minimiert werden. Ein Gesundheitstag punktet hier gleich mehrfach: Der Mix aus Information, Fitness-Checks und Mitmach-Angeboten motiviert das Team, sich aktiv um die Gesundheit zu kümmern. Gleichzeitig wird die Wertschätzung des Betriebs für die Mitarbeiter herausgestellt, was beim Aufbau einer starken Arbeitgebermarke ein wichtiger Baustein ist.

Für die Wahl eines geeigneten Themas hilft ein Blick auf die Krankmeldungen: Wodurch entstehen die häufigsten Ausfallzeiten? Gibt es besondere Herausforderungen, etwa Zeitdruck und hohe psychische Belastungen, was das Thema Stressbewältigung in den Fokus rückt? Oder starke körperliche Belastung, monotone Arbeiten sowie einseitige Beanspruchungen? Auch gesunde Ernährung oder der Umgang mit Zigaretten, Feierabendbier & Co. können Thema sein, schließlich sind laut Statistischem Bundesamt mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig und bis zu 15 Prozent der Beschäftigten nach Auskunft der Deutschen Hauptstelle für Sucht­fragen von Suchtproblemen betroffen.

Obstkorb statt Schokoriegel

Betriebe sollten sich jedoch auf ein Thema fokussieren: „Nicht alle Themen in einen Tag packen, sondern lieber mehrere Gesundheitstage durchführen“, empfiehlt Susanne Bley, Gesundheitsmanagerin der IKK Classic. Entscheidend für den Erfolg sei zudem die Vorbereitung: „Mitarbeiter sollten wissen, was sie erwartet, etwa, dass sie beim Wirbelsäulenscreening den Rücken frei machen müssen“, sagt Bley. Zudem sollte der Gesundheitstag während der Arbeitszeit erfolgen und die Teilnahme ausdrücklich begrüßt werden.

Bei der Organisation können Krankenkassen oder Berufsgenossenschaften mit Workshops oder Gesundheits-Checks – meist kostenfrei – unterstützen. Beim Malerbetrieb Mauderer sind die Folgeworkshops zwar wegen Corona verschoben, doch die gesunde Ernährung steht jeden Montag wieder neu auf der Agenda: Dann wird eine regionale Bio-Obstkiste geliefert, aus der sich die Mitarbeiter frisches und auf der Baustelle leicht zu verzehrendes Obst nehmen können.

Leitfaden: So gelingt der Gesundheitstag

Ein Gesundheitstag braucht einiges an Vorbereitung. Während Sie als Chef vor allem bei Fehlzeitenanalyse und Ermittlung der Mitarbeiterwünsche gefragt sind, können Sie bei der Durchführung etwa auf die Unterstützung der Krankenkasse zählen.

  1. Ist-Zustand analysieren
    Wie gesund ist Ihr Betrieb und wo liegen Schwachstellen? Hinweise liefern etwa die Auswertung von Krankheitstagen und Diagnosen, die Analyse der Altersstruktur sowie Gefährdungsbeurteilungen. Fragen Sie zudem Ihre Mitarbeiter, welche Angebote sie sich wünschen.
  2. Ziele setzen und Thema wählen
    Was wollen Sie mit dem Gesundheitstag erreichen? Ein höheres Bewusstsein für arbeitsplatzbezogene Gefährdungen? Strategien zur Stressbewältigung etablieren? Den Startschuss für regelmäßige Angebote, etwa Fitness am Arbeitsplatz, geben? Wählen Sie ein Schwerpunktthema und behandeln Sie weitere Themen bei Folgeveranstaltungen.
  3. Zielgruppe und Budget festlegen
    Bei kleinen Betrieben richtet sich ein Gesundheitstag an alle, in größeren Unternehmen können eigene Veranstaltungen für Büro und Werkstatt sinnvoll sein. Legen Sie unbedingt ein Budget fest.
  4. Planen und Organisieren
    Holen Sie sich Unterstützung von Kooperationspartnern, etwa Kranken­kassen, Berufsgenossenschaften oder Gesundheitsmanagern aus der Privatwirtschaft. Diese stellen entweder Bausteine oder ein komplettes Programm zur Verfügung. Natürlich können Sie die verschiedenen Angebote auch selbst organisieren, indem Sie Fachleute aus Ihrem örtlichen Umkreis mit ins Boot holen. Oft ergeben sich hier auch Kontakte über Mitarbeiter.
  5. Mitarbeiter einladen und zur Teilnahme motivieren
    Um möglichst hohe Teilnehmerzahlen zu erreichen, wählen Sie einen für alle günstigen Termin und finden Sie eine attraktive Arbeitszeit­regelung. Laden Sie Ihre Mitarbeiter rechtzeitig ein, weisen Sie auf Besonderheiten, etwa das Mitbringen von Sportkleidung, hin.
  6. Event durchführen
    Sorgen Sie dafür, dass alle Räume und Stände rechtzeitig vorbereitet und alle Akteure vor Ort sind. Stellen Sie das Programm gut sichtbar aus, so sehen alle, was wann und wo stattfindet. Die Begrüßung und Verabschiedung sollte jeweils durch den Chef oder die Geschäftsleitung erfolgen. Bedanken Sie sich bei allen für ihre Teilnahme und Unterstützung.
  7. Auswerten und weiterführen
    Holen Sie sich nach der Veranstaltung Feedback von Ihren Mitarbeitern: Was hat ihnen gut oder weniger gut gefallen? Welche Themen wünschen sie sich für Folgeveranstaltungen? Welche Maßnahmen sollen im Betrieb vertieft werden? Entwickeln Sie daraus einen Fahrplan für künftige Gesundheitstage und nach Möglichkeit auch regelmäßige Gesundheitsangebote sowie die Verbesserung betrieblicher Bedingungen.