Neugründung Frauen im Handwerk: So positionieren Sie sich von Anfang an als Expertin

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Frauen im Handwerk und Zielerreichung

Im Handwerk zu gründen, ist immer noch weitgehend Männersache. Sébastien Briclot, Geschäftsführer von Sales by Women verrät, wie sich auch Frauen in der Handwerksbranche erfolgreich etablieren.

Frauen sind als Chefinnen im Handwerk noch unterrepräsentiert. – © stock.adobe.com – Gorodenkoff

Jeder fünfte Betrieb wird laut den Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks heute von einer Frau geführt. Das scheint angesichts der männerdominierten Zunft zunächst ein guter Schnitt zu sein. Doch sieht Sébastien Briclot, Geschäftsführer von Sales by Women, das Entwicklungspotenzial von Frauen noch lange nicht ausgeschöpft. „Vielen Frauen fehlt noch das nötige Selbstbewusstsein, um ein eigenes Unternehmen zu gründen. Dabei müssen sie sich wirklich nicht vor den männlichen Gründern verstecken“, erklärt der Business-Mentor für Frauen. Für handwerk magazin zählt er die fünf wichtigsten To Do´s für Frauen, die sich nun selbständig im Handwerk machen möchten, auf:

1. Die eigene besondere Nische finden

Jede qualifizierte Handwerkerin kennt das: Am Telefon wird sie für die Frau des Chefs gehalten, bei Terminen vor Ort erntet sie seltsame Blicke. Leider ist eine Frau im Handwerk für viele Kunden immer noch eine Exotin. Umso wichtiger ist es, sich als Expertin zu positionieren. Je spitzer die Nische, umso besser. Als Elektrikerin ist es zum Beispiel clever, sich erst als Solar-Elektrikerin für Privathaushalte einen Namen zu machen. Eine Dachdeckermeisterin kann sich beispielsweise als Dachdeckerin für Gewerbeanlagen einer bestimmten Branche positionieren. Eine klare Spezialisierung weckt beim Kunden nicht nur Vertrauen, sie erleichtert auch die Neukundenakquise. Wenn der Kundenstamm dann wächst, kann die Angebotsstruktur durch andere Leistungen erweitert werden.

2. Handwerksleistungen als Abo bieten

Auch die Preisstruktur ist ein wichtiger Bestandteil der Positionierung. Bestandskundenpflege ist günstiger als Neukundengewinnung und besonders im Handwerk bietet es sich an, Kunden durch Abo-Modelle zu binden. Anlagen müssen regelmäßig gewartet, Fahrzeuge durchgecheckt und auch Frisuren müssen bei der Friseurin gepflegt werden. Ein Abo bietet für beide Seiten Vorteile: Die Kunden müssen sich nicht jedes Mal um einen neuen Handwerker bemühen und für Handwerksbetriebe garantieren Abos Planungssicherheit und regelmäßigen Cashflow.

3. Expertenstatus über Social Media manifestieren

Marketing sollte heute zu 100 Prozent digital sein. Flyer oder sogar Kaltakquise am Telefon haben einen viel zu hohen Streuverlust, während digitales Marketing auf Social Media potenzielle Kunden direkt erreicht. Social-Media-Marketing lohnt sich nicht nur für landes- oder sogar weltweit agierende Unternehmen und auch nicht nur für den Online-Handel. Ganz im Gegenteil: Betriebe, die lokale Dienstleistungen anbieten, gewinnen sogar leichter Sichtbarkeit, da ihre Beiträge den Menschen in einer bestimmten Region angezeigt werden. Diese Möglichkeiten des digitalen Marketings sollte sich kein aufstrebender Betrieb entgehen lassen.

Portale wie Facebook, Instagram, TikTok oder YouTube eignen sich hervorragend, um den eigenen Expertenstatus zu festigen und durch hilfreiche Tipps Kunden zu gewinnen. Ebenfalls wichtig ist es heute, das Marketing auf Social Media mit Recruiting zu verbinden. Fehlen einem Betrieb qualifizierte Mitarbeiter, können Aufträge nicht zeitnah ausgeführt werden, Kunden landen in der Warteschleife. Das spricht sich herum und ist keine gute Werbung. Daher ist es wichtig, Social Media auch zur Mitarbeitergewinnung zu nutzen, das ist effektiver als Zeitungsinserate oder Anfragen beim Arbeitsamt.

4. Für Weiterempfehlungen sorgen

Für alle Unternehmen gilt, dass nur Umsätze generiert werden können, wenn Aufträge hereinkommen. Hierzu müssen die Betriebe stets präsent sein, Bestandskunden halten und für neue sorgen. Eine Möglichkeit, die nicht ungenutzt bleiben darf, ist, die eigenen Kunden als Marketingtool zu nutzen. Heißt nichts anderes, als dass die bereits bestehenden Kunden für neue Kunden sorgen können, indem sie die Betriebe weiterempfehlen.

Hierzu gibt es heute teils vollautomatisierte Prozesse. In Werbeanzeigen, die den Bestandskunden ausgespielt werden, kann beispielsweise mit Benefits beworben werden. Zum Beispiel: „Für jede Weiterempfehlung erhalten Sie bei Ihrer nächsten Beratung XY on top. Klicken Sie hierzu auf das Formular und empfehlen Sie uns an einen Bekannten weiter, der ebenfalls von uns profitieren kann.“

5. Familie und Business optimal vereinen

Wer als Frau seine Selbstständigkeit erfolgreich aufbauen und halten möchte, sollte zunächst dafür sorgen, dass im Background alles gut organisiert ist. Ein großes Thema bei den meisten Menschen ist hier die Familien- und Kinderplanung. Wenn eine Betriebsinhaberin trotz Kindern ihr Business weiterhin erfolgreich halten möchte, ist es vor allem wichtig alle Prozesse so weit wie möglich zu automatisieren. Alles, was noch manuell erledigt wird, muss durch digitale Prozesse automatisiert und damit zum Selbstläufer werden. Das funktioniert in fast allen Bereichen, wie Marketing, Backoffice, Buchhaltung oder Forderungsmanagement.

Wenn die Inhaberin während der Schwangerschaft oder wenn später die Kinder einmal krank sind, ausfällt, muss das Unternehmen weiter funktionieren. Daher gilt es, Mitarbeiter richtig auszubilden und ihnen Verantwortung zu übertragen.

Zur Person:

Sébastien Briclot ist der Inhaber und Geschäftsführer von Sales by Women. Das Unternehmen hat es sich auf die Fahne geschrieben, Beraterinnen, Coaches und Dienstleisterinnen dabei zu unterstützen, sich optimal im Markt zu positionieren, sichtbar zu werden und ihre Kundengewinnung zu digitalisieren.