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Digitalisierung und Betriebsklima Digitaler Generationenkonflikt: So führen Sie "Digital Natives" und "Digital Immigrants"

Bis zu 50 Jahre – so groß ist in manchen Handwerksbetrieben der Altersunterschied zwischen den Mitarbeitern. Entsprechend verschieden sind oft deren Lebens- und Arbeitsstile. Das stellt Chefs zuweilen vor eine große Herausforderung. So lösen Sie den digitalisierungsbedingten Generationenkonflikt zwischen Jung und Alt.

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"Diese Digital Natives, die lassen sich nur schwer führen. Von denen macht jeder sein eigenes Ding." Solche Klagen hört man immer noch oft von Führungskräften im Handwerk. Dabei meinen sie mit den sogenannten "Digital Natives" in der Regel die jungen Mitarbeiter bis Ende 20 – die nach 1990 geboren wurden, mit den digitalen Technologien aufwuchsen und deshalb mit ihnen vertraut sind.

Von ihnen werden meist die "Digital Immigrants" abgegrenzt, die vor 1990 geboren wurden – also bevor mit den PCs und Handys der Siegeszug der digitalen Technologien auf breiter Front begann. Deshalb mussten sie den Umgang mit dieser Technik oft noch im Erwachsenenalter erlernen, weshalb sie hierin nicht selten recht unsicher, zuweilen sogar ängstlich sind.

Digital Natives ist Selbstverwirklichung wichtiger als die Arbeit?

Den Digital Natives wird häufig unterstellt, sie mäßen der Arbeit weniger Bedeutung als die Digital Immigrants bei. Wichtiger als das Karrieremachen sei ihnen die Selbstverwirklichung. Das mag für manche Digital Natives stimmen. Vielleicht sind sie aber auch nur jünger als ihre Kollegen und spüren noch nicht so viel Last auf ihren Schultern, wie beispielsweise eine Familie zu ernähren.

Gesellschaftlicher Wandel beeinflusst Haltungen der Generationen im Betrieb

Dessen ungeachtet haben sich, seit vor fast 30 Jahren die ersten Digital Natives geboren wurden, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stark verändert (globalisierten Welt und digitales Zeitalter). Und diese Rahmenbedingungen prägen ihre Einstellungen und ihr Verhalten. Hinzu kommt ein großes Plus der nach 1990 geborenen Digital Natives bzw. Angehörigen der Generationen Y und Z: Es gibt relativ wenige von ihnen. Entsprechend stark werden speziell die gut ausgebildeten unter ihnen von den Unternehmen umworben. Zudem stammen nicht wenige aus wohlsituierten Familien mit nur ein oder zwei Kindern. Deshalb wissen sie schon heute: Irgendwann erbe ich beachtliches Vermögen. Auch das beeinflusst ihre Einstellung zur Arbeit und ihr Verhalten.

Diese bis zu fünf Generationen finden Sie in Ihrem Team:

Fakt ist, aufgrund der höheren Lebenserwartung und des steigenden Renteneintrittsalter arbeiten heute in vielen Unternehmen bereits Menschen zusammen, deren Altersunterschied bis zu 50 Jahren beträgt. In diesen Betrieben prallen bis zu fünf von den Soziologen definierte "Generationen" aufeinander:

  1. Die Traditionalisten (vor 1950 geboren), die heute in der Regel nur noch als Senior-Chefs in den Unternehmen präsent sind.
  2. Die Babyboomer (ca. 1951 bis 1964 geboren), von denen die älteren Jahrgänge bereits das Rentenalter erreicht haben.
  3. Die Generation X (1965 bis 1980 geboren), die heute weitgehend das mittlere und obere Führungspersonal stellt.
  4. Die Generation Y (1981 bis 2000 geboren), von denen viele bereits zu den etablierten Leistungsträgern zählen.
  5. Die Generation Z (ab 2001 geboren), der schon viele Auszubildende angehören.
Dabei gilt die Faustregel: Je größer der Altersunterschied ist, umso unterschiedlicher sind die Lebens- und Erfahrungshorizonte, was natürlich dementsprechend oft zu Reibungsflächen führt.

Tipp: Nutzen Sie die verschiedenen Denk- und Arbeitsstile als Gewinn für den Betrieb

Die unterschiedlichen Denk- und Arbeitsstile erfordern von allen Beteiligten die Bereitschaft, sich wechselseitig zu verstehen. Dieses Verständnis gilt es zu fördern, zum Beispiel indem man Foren schafft, wo sich die Mitarbeiter generationsübergreifend besser kennen und verstehen  lernen – und sei dies nur bei einem Grillabend.

Besteht ein solches Verstehen können die Stärken, die den einzelnen "Generationen" zugeschrieben werden, gezielt genutzt werden – zum Beispiel die Technologie-Affinität der "Ypsiloner", der Wunsch, etwas zu bewegen, der Generation X und die aus Erfahrung resultierende Gelassenheit der Babyboomer. Dann wird aus der Vielfalt ein Gewinn fürs Unternehmen und die Mitarbeiter.

Neue Führungsprobleme: Sie sind jünger als Ihre Mitarbeiter?

Die veränderte demografische Struktur sorgt im Bereich Führung noch für weitere Probleme und Chancen: Die alte Hackordnung "Der Chef ist älter als seine Mitarbeiter" ist in vielen Betrieben passé. Heute stehen die Führungskräfte oft vor der Herausforderung, außer erheblich jüngeren, auch ältere Mitarbeiter zu führen. Auch dies macht die Führungsaufgabe schwieriger, weil altersbedingt außer den Bedürfnissen der Arbeitnehmer, auch ihre Art, Aufgaben anzugehen, oft sehr verschieden ist. Wie Sie diese Herausforderung als junger Chef meistern können, sehen Sie bei der handwerk magazin-Aktion #achsiesindhierderchef.

*Über Autorin Barbara Liebermeister

Barbara Liebermeister leitet das Institut für Führungskultur im digitalen Zeitalter (IFIDZ) in Frankfurt am Main. Sie ist unter anderem Autorin des Buchs "Digital ist egal: Mensch bleibt Mensch – Führung entscheidet".

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  • Führungstipps Generation Z (PDF, 82 kB)

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