Andrea Eigel leitet zahlreiche Erfa-Gruppen – und ist somit ganz nah dran am Handwerk. In ihrer Kolumne beantwortet die Beraterin Fragestellungen aus der Praxis. Folge 32: Warum viele gute Handwerksbetriebe im Internet plötzlich schlechter gefunden werden – und weshalb die KI-Suche und GEO für digitale Sichtbarkeit eine immer größere Rolle spielt.

„Die Nadel im Heuhaufen finden“ hat, seit das Internet-Zeitalter begonnen hat, eine neue Bedeutung bekommen. Beim Suchen von Handwerksbetrieben helfen Interessenten schon lange die bekannten Suchmaschinen. Doch Achtung – hier verändert sich seit kurzem etwas grundlegend. Denn immer mehr Menschen nutzen nicht mehr nur die klassische Google-Suche, sondern stellen ihre Fragen an die KI. Und sie formulieren sie anders. Statt wie in Google mit Schlagworten („Elektriker Musterstadt“) wenden Sie sich an die KI zum Beispiel so: „Nenne mir die zehn Elektriker in Musterstadt, die Photovoltaik installieren.“ Die KI durchsucht das Netz und schlägt Betriebe vor. Genau an dieser Stelle wundern sich manche Betriebsinhaber plötzlich: Warum tauchen wir im KI-Modus nicht mehr so weit oben im Suchergebnis auf?
Der Chef eines Malerbetriebs erzählte mir kürzlich genau von dieser Erfahrung. Er hatte das Gefühl, dass er sein Angebot stärker vermarkten sollte und beriet sich dazu mit mir. Die Aufträge liefen zwar noch ordentlich – aber es könnten durchaus mehr sein. Also begann er sich intensiver damit zu beschäftigen, wie Kunden heute nach Handwerksbetrieben suchen.
Mein Beratungskunde wunderte sich: „Wie kann der vor mir stehen?“
Persönliche Empfehlungen spielen bei ihm weiterhin eine große Rolle. Doch gerade viele Neukunden kommen inzwischen über den Onlinekontakt. Ich erklärte ihm deshalb, dass Kunden heute nicht nur über Google suchen, sondern auch KI-Systeme fragen, wenn sie einen Betrieb finden möchten. Der Chef probierte das direkt aus. Seine Frage lautete: „Nenne mir die fünf besten Maler in [seiner Heimatstadt].“
Das Ergebnis überraschte ihn. Sein Betrieb tauchte zwar auf – aber erst auf Platz fünf. Vor ihm standen drei sehr kleine Betriebe und einer, den er fachlich, ehrlich gesagt, nicht besonders hoch einschätzte. Seine spontane Reaktion: „Das kann doch nicht sein!“ Denn ein Handwerksmeister denkt bei so einer Liste automatisch: Hier wird handwerkliche Qualität bewertet. Doch genau das passiert nicht.
Wie Suchmaschinen und KI digitale Sichtbarkeit schaffen
Algorithmen können nicht beurteilen, ob ein Betrieb besonders sauber arbeitet, ein perfektes Ergebnis liefert oder kreativ besonders stark ist. Sie bewerten deshalb keine Handwerkskunst – sondern digitale Hinweise (auch „Signale“ genannt) darauf, wie sichtbar und vertrauenswürdig ein Betrieb im Netz wirkt. Dazu gehören u. a. die Anzahl und Aktualität von (Google-)Bewertungen, ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil, klar beschriebene Leistungen auf der Website und eindeutige Standortangaben. Auch erklärende Inhalte – etwa Antworten auf typische Kundenfragen oder beschriebene Projekte – helfen Suchsystemen zu verstehen, wofür ein Betrieb steht.
Ein kleiner Betrieb mit vielen aktuellen Bewertungen, klar strukturierten Leistungsseiten und regelmäßig gepflegten Profilen kann deshalb online durchaus vor einem fachlich stärkeren Betrieb erscheinen. Nicht weil er besser arbeitet – sondern weil er digital leichter einzuordnen ist und der KI mehr „Futter“ bietet.
Fünf praktische Tipps für digitale Sichtbarkeit
Wer online gefunden werden will, sollte seine digitale Präsenz so aufbauen, dass Suchmaschinen und KI sie gut verstehen können. Zentrale Punkte sind:
- Leistungen klar darstellen: Jede wichtige Leistung sollte eine eigene Seite auf der Website haben – etwa „Fassadensanierung“, „Innenputz“ oder „Altbausanierung“ bei unserem Malermeister. So erkennt das System eindeutig, wofür der Betrieb steht.
- Google-Unternehmensprofil vollständig pflegen: Ein gepflegtes Profil mit Adresse, Öffnungszeiten, Leistungsbeschreibung, Fotos und gelegentlichen Updates liefert wichtige lokale Signale für Suchmaschinen.
- Bewertungen aktiv einholen: Algorithmen berücksichtigen vor allem die Anzahl, Aktualität und den Durchschnitt von Bewertungen. Wer zufriedene Kunden gezielt um Feedback bittet und die Anzahl der guten Bewertungen stark vermehrt, stärkt seine Sichtbarkeit.
- Projekte verständlich erklären: Neben Fotos helfen kurze Beschreibungen von Projekten – etwa Problem, Lösung und Ergebnis. Dadurch wird für Suchsysteme klar, welche Kompetenz im Betrieb vorhanden ist.
- Kundenfragen beantworten: FAQ-Bereiche oder kurze Ratgebertexte zu häufigen Fragen („Was kostet eine Fassadenanstrich?“ oder „Wie lange dauert eine Dachsanierung?“) helfen Suchsystemen, den Betrieb als fachliche Quelle einzuordnen.
Gute Arbeit in gute digitale Sichtbarkeit übersetzen
Der Betriebsinhaber aus meinem Beispiel schaute sich seine Website danach genauer an. Sein Fazit war ernüchternd: Für die Logik der KI war seine Onlinepräsenz schlicht zu dünn. Wenige Bewertungen, kaum erklärende Inhalte und Leistungen nur knapp beschrieben. Also begann er nachzubessern, Schritt für Schritt: Profil pflegen, Bewertungen sammeln, Leistungen klarer darstellen, FAQs nachrüsten.
Gute handwerkliche Arbeit bleibt die Grundlage jedes Betriebs. Doch wer im Internet gefunden werden will, muss diese Qualität hier sichtbar machen. Dazu muss man die Spielregeln beachten, nach denen die digitalen Suchassistenten, besonders heute der KI-Modus, die betrieblichen Websites durchforsten und bewerten. Oft genügen schon überschaubare Änderungen an der Internetpräsenz, um wieder ganz vorn in der Suchliste dabei zu sein – und damit als die Nadel aus dem Heuhaufen herauszuragen, zu der der potenzielle Kunde greift. Also – nicht länger warten, sondern die Website KI-gerecht warten!
Wie sichtbar ist Ihr Handwerksbetrieb im Internet – auch für KI-Suchen? Haben Sie schon ausprobiert, ob Ihr Betrieb in solchen Empfehlungen auftaucht? Lassen Sie von sich hören!
Über Kolumnistin Andrea Eigel:
Andrea Eigel unterstützt Unternehmerinnen, Unternehmer und Führungskräfte im Handwerk dabei, Kunden und Mitarbeitende zu gewinnen und nachhaltig zu binden – und dabei auch selbst bei Lust und Laune zu bleiben.
Sie hält Vorträge, macht Workshops und Coachings, moderiert Veranstaltungen und leitet seit vielen Jahren Erfa-Gruppen. Nebenberuflich ist sie Dozentin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

