Hier muss niemand schwarzsehen: Der frisch überarbeitete Citroën E-Berlingo macht sich fürs Handwerk stark – etwa für Schornsteinfeger wie Manuel Kossok. Fakten von der Testrunde.

Prüfend blickt Manuel Kossok in den Laderaum des Citroën E-Berlingo, von Citroën neckisch ë-Berlingo getauft. Was er sieht, gefällt ihm. Die Schublade und die offene Ablage darüber für Filter und Kleinteile der Bott-Einrichtung zum Beispiel. Auch die praktische Durchlademöglichkeit bis ins Fahrerhaus – wenn auch beim Testwagen durch die Einrichtung zugebaut – hat er gleich entdeckt. Ebenso das Lochraster mit zahlreichen Aufhängungspunkten – ein Testwagen mit etwas anderen Haken und Ösen. Citroën schnürt seit Jahren besondere Pakete für Kaminkehrer. Die Ausstattung des Laderaums ist variabel – es müssen nicht immer Regale links und rechts sein.
Der 30-jährige Manuel Kossok hat als Schornsteinfegermeister seinen Bezirk in Sindelfingen und Böblingen unweit von Stuttgart. Für den Treff hat er sich im Wortsinn zünftig angezogen. Wir lernen: Traditionell tragen Auszubildende des Berufsstands schwarze Knöpfe an der Jacke, jene der Gesellen sind silbern. Gold ist den Meistern vorbehalten. Der Citroën Berlingo im Schornsteinfeger-Outfit verzichtet weitgehend auf Schmuck. Weißer Lack, schlichte Stoßfänger, die Berufskleidung beschränkt sich auf die Beklebung.
Citroën E-Berlingo überzeugt mit munterem Elektro-Antrieb
Sein Plus: In dem Kleinen steckt die Technik des großen Bruders Jumpy. Zum Beispiel der neue E-Motor mit 100 kW/136 PS Leistung und 270 Nm Drehmoment. Auch die Batterie mit einem nutzbaren Inhalt von 46 kWh. Munter schnurrt das Pummelchen los, beschleunigt flott auf Tempo 100, zeigt auch bei der Zwischenbeschleunigung von 60 auf 80 oder 100 km/h den Kollegen mit Verbrennungsmotor die Rücklichter. Arbeitet nochmals leiser als seine größeren E-Geschwister und katapultiert sich wie sie auf 135 Sachen. Dann ist Schluss, die Selbstbeschränkung reicht zum Mitschwimmen im Verkehr, spart Strom und auch Nerven.
Nerven werden übrigens vor allem dann gespart, wenn der stromernde Berlingo voll beladen unterwegs ist. Schornsteinfeger haben eher leichtes Gepäck, hier aber hat die Redaktion zum Test beim Baustoffhändler 19 Pakete Fliesenkleber à 25 Kilo ins Heck gewuchtet. In der Folge sinkt der Berlingo tief ein und das generell schon sanftmütige Fahrverhalten des E-Berlingo mit kurzem Radstand und schraubengefederter Torsionsachse wird noch weicher und schaukeliger – nichts für empfindliche Mägen.
Schlichtes und etwas düsteres Cockpit
Das knapp bemessene Cockpit wirkt etwas düster, als hätte es sich der Berufskleidung der Kaminkehrer angepasst. Ohne fesche Goldknöpfe, die verwendeten Materialien sind eher schlicht. Eine Ausnahme ist der kuschelige Fahrersitz, eingeführt anlässlich des jüngsten Facelifts. Sitz und Fahrwerk zusammen erinnern an vergangene Citroën-Zeiten. Der Beifahrer-Doppelsitz jedoch taugt nur sehr bedingt für zwei, die Plätze sind schmal, die Mittelkonsole raubt Beinfreiheit. Dort hat der Autobauer die Bedienung dezent überarbeitet, auch deren Tasten entsprechen dem großen Bruder Jumpy. Das gilt auch für den Start per Zündschlüssel oder die Rekuperations-Paddel hinter dem Lenkrad und ihre Wirkungsweise. Im Normalbetrieb verzögert der Elektriker ähnlich wie mit Motorbremse. Zwar kann er nicht leichtfüßig dahingleiten, beherrscht indes den Einpedal-Modus, Geschmackssache. Wobei der wenig feinfühlige Übergang zwischen Rekuperation und Reibbremse arg ruckelig erfolgt.
Eingebettet in die Armaturenlandschaft ist das digitale Cockpit, seine Ansicht wechselt auf Tastendruck. Die Säulen für Batteriestand und Leistungsabfrage oder Rekuperation wirken etwas schmächtig. Aber es ist alles drin und dran. Ein wenig versteckt: die Tasten für Nebenfunktionen.
Citroën E-Berlingo
- Abmessungen (L/B/H): 4.403/1.921/1.840 mm
- Radstand: 2.785 mm
- Wendekreis: 11.300 mm
- Laderaum (L/B/H): 1.817–3.090/1.733/1.270 mm
- Breite zw. Radkästen: 1.229 mm
- Ladekapazität: 3,3–3,8 m³
- Leergewicht Testwagen: 1.860 kg
- Nutzlast: 595 kg
- Zulässiges Gesamtgewicht: 2.455 kg
- Anhängelast bei 12 % Steigung: 750 kg
- Zul. Zuggesamtgewicht: 3.205 kg
- Batterie: Lithium-Ionen, netto 46 kWh
- Aufladung: Wallbox 11 kW, Schnellladung max. 100 kW
- Motor: E-Motor, 100 kW/136 PS
- Getriebe: Einganggetriebe, feste Übersetzung
- Höchstgeschwindigkeit: begrenzt auf 135 km/h
- Verbrauch: 17,4–21,7 kWh/100 km WLTP
- CO2-Emission: 0 g/km
- Teststrecke beladen:17,3 kWh/100 km
- Testverbrauch min./max.: 12,7–26,2 kWh/100 km
- Grundpreis: 30.550 Euro netto
Sinnvoller Digi-Innenspiegel
Ein Kapitel für sich ist der Blick nach draußen. Die A-Säulen laufen wie eh und je sehr breit nach unten aus. Geht so, wären da nicht die mickrigen Außenspiegel, vor allem das rechte Exemplar ist annähernd untauglich. Citroën kontert mit Technik, einer Kamera im Spiegelfuß. Sie spielt ihr extrem weitwinkeliges Bild auf den digitalen Innenspiegel ein, unterstützt beim Abbiegen, ist sonst kaum hilfreich. Die Anzeige des Digi-Innenspiegels setzt den nachfolgenden Verkehr ins Bild, irritiert nur nachts mit einem milchigen Bild.
Knapp unter dem WLTP-Verbrauch
Viel bessere Noten verdient sich der E-Berlingo zwischen den Stopps an Ladesäulen oder Wallbox. Im gemischten Einsatz mit wenig Ballast kommt er mit etwa 15 kWh auf 100 Kilometer aus. Beladen und nach strengen Vorgaben auf der standardisierten Teststrecke gefahren, setzte er im Schnitt 17,3 kWh um. Die Spanne lag zwischen 13 kWh auf Kurzstrecken und gut 26 kWh im gestreckten Galopp. Macht rund 250 Kilometer Reichweite. „Das genügt für einen Tag“, urteilt Schornsteinfeger Manuel Kossok. Merke: Kaminkehrer arbeiten nicht nur ganze Straßenzüge ab, manchmal wechselt der Einsatz zwischen entfernten Ortsteilen, das verlangt nach sicherer Reichweite.
Der Laderaum von gut drei Kubikmetern reicht allemal für Kossoks Ausrüstung. Die knapp mögliche Beladung mit einer Palette quer im Heck dürfte ihn kaum interessieren. Eher die einfachen Aufsteller, die nach der ersten Betätigung nicht mehr einrasten – zum Ausrasten. Die halbe Tonne Nutzlast plus Eigengewicht des schlanken Meisters passt problemlos, ebenso die überschaubare Anhängelast von einer Dreivierteltonne. Praktisch für die Baustelle ist das Ausstattungspaket namens Worksite-Kit mit Allwetterreifen, Motorschutzabdeckung und einem besonderen Traktionsprogramm. Ohnehin mangelt es nicht an verlockenden Ausstattungspaketen, die den Grundpreis treiben.
Manuel Kossok hat im Moment andere Probleme. Ebenso wie sein Kollege Karsten Patzig, mit dem er sich in Renningen nahe Stuttgart den Büroflur teilt. Beide suchen dringend Mitarbeiter. Die Dienstwagen? Man wird sehen.


