Testfahrt Opel Movano: Renovierter Diesel-Klassiker mit geringem Verbrauch

Opel Movano im Test: Mehr als 1.000 Kilometer Reichweite, weit mehr als 1.000 Kilo Nutzlast – beachtlich. Doch was bietet der große Transporter mit Dieselmotor Handwerksbetrieben sonst noch?

Opel Movano: geglättete Frontpartie, angedeuteter, schwarz glänzender Opel-„Vizor“.
Opel Movano: geglättete Frontpartie, angedeuteter, schwarz glänzender Opel-„Vizor“. - © Randolf Unruh

Einsteigen, Zündschlüssel ein­stecken, Diesel starten. Erster Blick auf die Instrumente: Der Opel Movano prognostiziert gut 1.000 Kilometer Reichweite. Es folgt die Fahrt zur Waage. Trotz guter Ausstattung kommt der 3,5-Tonner auf lediglich 2,22 Tonnen. Macht knapp 1,3 Tonnen oder 1.300 Kilo Nutzlast für Fahrer und Fracht. Ein ­echter Tausendsassa also. Heißt: Auf zum freundlichen Baustoffhändler, hinein ins Heck mit einer Palette Schnellbeton. Vorn nimmt der nicht ganz zart gebaute Fahrer Platz.

Den Opel in der stämmigen Ausführung 35 Plus irritiert das wenig. Der Zusatz bedeutet im Unterschied zum gewöhnlichen 3,5-Tonner verstärkte Federn. Ergebnis sind vorn 2,1, hinten 2,4 Tonnen maximale Achslast und 3,0 statt 2,5 Tonnen Anhängelast. Leer steht der Apparat angesichts dieser Reserven hinten hoch, unter voller Last knickt er nicht ein. Die Kehrseite: Ohne Fracht an Bord markiert der Testwagen den harten Burschen. Tanzt auf kurzen Bodenwellen einen temperamentvollen Rock ’n’ Roll. Teilt den Straßenzustandsbericht unerbittlich mit. Kontrast dazu ist die sensibel abgestimmte Lenkung. Zielgenau, weder zu schlabbrig noch zu stramm – prima.

Opel Movano bietet eine Top-Raumausnutzung

Die straffe Parabelfeder an der Hinter­achse hievt die Ladekante auf 615 Millimeter Höhe. Gut, dass der Testwagen an den Ladeluken über kräftige Haltegriffe verfügt. Unten sind Boden und Radkästen sorgfältig umbaut. Oben glänzt der Opel mit einem Baldachin und LED-Flutlicht. Recht optimistisch ist die Angabe von 11,5 Kubikmetern Laderaum. Trotzdem: Die Raumausnutzung ist hervorragend.

Der Movano ist ein Stellantis wie die baugleichen Transporter von Citroën, Fiat und Peugeot. Sie fahren im praktisch unveränderten Karosseriekleid bereits seit 2006. Also zählt der Movano mit seinem graumetallischen Lack in jeder Hinsicht zu den Silberrücken. Damals war Opel von den heutigen Markenkollegen so weit entfernt wie die Erde von der ­Sonne und in Sachen Transporter mit ­Renault verheiratet. Seit der Geburt des großen Transporters scheppern die Türen des Fahrerhauses ins Schloss, wirkt manches Blech in den Ecken des Frachtraums überschaubar ambitioniert eingesetzt.

Renovierte Armaturentafel

Wie auch das Fahrerhaus. Die Sitz­position wirkt für Hünen am Steuer unglücklich froschig, die Seiten der Sitz­fläche drücken und die Längsverstellung ist etwas knapp. Das Lenkrad ist nur längs verstellbar, sein Kranz verdeckt einen Teil der Instrumente. Und die Streifen nackten Blechs an den Türen sind keine Augenweide. Der Beifahrerplatz aber ist recht bequem. Und die Lehne des Mittelsitzes entpuppt sich mit seinem ­herausklappbaren Schwenktisch plus ­Ablagen als wahrer Zauberkasten.

Aufmerksamkeit verdient die renovierte Armaturentafel. Als Bestandteil ­eines Zusatzpakets bringt der Movano volldigitale Instrumente mit, programmierbar und mit einem großen roten Rundtacho plus Digitalanzeige sehr ansehnlich. Wäre da nicht der verkorkste Drehzahlmesser, der seine digitalen ­Striche nur in Fünfhunderter-Schritten anzeigt. Was Ablesbarkeit betrifft, haben also die schlichten, aber klaren Serien­instrumente deutliche Vorzüge.

Der Motor des Opel Movano überzeugt durchaus

Opel liefert die Digital-Instrumente in Verbindung mit einem großen mittigen Monitor. Der ist mit perfekt ablesbaren Klarschrift-Anzeigen eine Augenweide und lädt zu intensiverer Beschäftigung ein. Siehe da, die Assistenzsysteme im Movano lassen sich sowohl ein- und ausschalten als auch in ihrer Intensität regeln, einschließlich der akustischen Warnungen. Das macht das Leben an Bord angenehm, denn wie im richtigen Leben erfüllt nicht jeder Assistent seine Aufgabe zur Zufriedenheit. So drängt der aktive Spurhalte­assistent den Testwagen bei schmalen Landstraßen ohne Mittelstreifen in Richtung Gegenverkehr. Ein sattsam bekanntes und leidiges Thema breiter Transporter. Und den Verkehrszeichenassistent könnte man zum Sehtest schicken, da er zeitliche Einschränkungen von Tempobegrenzungen nicht erkennt und verblichene Nato-Schilder an Brücken missdeutet.

Unten in der Mittelkonsole ist Platz für diverse Stecker. In der Nähe lassen sich ohne lästige Fummelei in Menüs die Grundfunktionen der Klimatisierung einstellen, ebenso die Lautstärke des Audiosystems. Hinzu kommt die simple Bedienung des Radios über Tasten auf der Rückseite der Lenkradspeichen.

Die Lautstärke an Bord ist so eine ­Sache, sagt doch der 2,2-Liter-Diesel recht deutlich seine Meinung. In der Leistungsstufe von 103 kW/140 PS und 350 Nm Drehmoment gibt er den Allrounder. So wedelt der Movano mit seinen kompakten Maßen munter durch Stadt und Land, galoppiert über Autobahnen. Erst an langen Steigungen geht ihm die Puste aus. Die Maschine fühlt sich bei mittleren Drehzahlen wohl, wirkt tief unten etwas matt, oben zugeschnürt. Das heißt häufig schalten, beim Testwagen im Unterschied zu früheren Testwagen der Stellantis-Baureihe eine etwas zähe Angelegenheit.

Wenig Diesel-Durst

Belohnt wird der Fahrer mit einem exzellenten Verbrauch. Vollgepackt gibt sich der 3,5-Tonner bei achtsamer Fahrweise auf Kurzstrecken mit weniger als acht ­Litern auf 100/km zufrieden. Im Überland­betrieb ist es nur wenig mehr und auf gelassen absolvierten Autobahnetappen sind’s knapp über neun Liter. Auch der Verbrauch im Full Flight von 12,6 Litern ist angesichts des Movano-Formats ein guter Wert. Der Bordrechner zeigt den Konsum auch farbig an, ähnlich dem Band­tacho im Opel Rekord der frühen Sechziger. Insgesamt landete der Movano bei lediglich 8,8 Liter/100 km – ein herausragend guter Wert für einen beladenen 3,5-Tonner. Ergibt zusammen mit dem 90-Liter-Tank die riesige Reichweite. Fahrer dieses ­Movano bunkern Energie, wenn sie wollen, nicht wenn sie müssen.

Da zahlt sich ganz offensichtlich die verbesserte Aerodynamik aus. Sie wird an der nun weitgehend geschlossenen Front sichtbar – der die Trittstufen zum Scheibenreinigen zum Opfer gefallen sind. Eine Kühlerjalousie soll die Windschlüpfrigkeit ebenso verbessern wie die geriffelten Gehäuse der großen Außenspiegel.

Unterm Strich beweist sich der Opel Movano als Klassiker der Moderne. Ohne den Premium- und Perfektionsanspruch teurerer Fabrikate. Aber mit praktischen Vorzügen vor allem unter der Motor­haube und im Laderaum.

Daten: Opel Movano 35+ L2H2

  • Abmessungen (L/B/H): 5.431/2.050/2.539 mm
  • Radstand: 3.450 mm
  • Wendekreis: 13.900 mm
  • Laderaum (L/B/H): 3.120/1.870/1.932 mm
  • Breite zw. Radkästen: 1.422 mm
  • Ladekapazität: 11,5 m³
  • Leergewicht Testwagen: 2.220 kg
  • Nutzlast: 1.280 kg
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Anhängelast bei 12 % Steigung: 3.000 kg
  • Zul. Zuggesamtgewicht: 6.500 kg
  • Motor: Turbodiesel
  • Hubraum: 2.184 cm³
  • Leistung: 103 kW/140 PS
  • Drehmoment: 360 Nm
  • Getriebe: Sechsgangschaltgetriebe
  • Antrieb: auf die Vorderachse
  • Höchstgeschwindigkeit: 153 km/h
  • Verbrauch WLTP: 7,5­–9,1 l/100 km
  • CO2-Emissionen: 198–239 g/km
  • Teststrecke beladen: 8,8 l/100 km
  • Testverbrauch beladen: min./max. 7,3/12,6 l/100 km
  • Testverbrauch Adblue: 0,18 l/100 km
  • Preis (exkl. MwSt.): ab 37.900 Euro
  • Bild 1 von 4
    Einfach mal einladen: viel Platz und hohe Nutzlast – her mit der Palette.
    © Randolf Unruh
    Einfach mal einladen: viel Platz und hohe Nutzlast – her mit der Palette.
  • Bild 2 von 4
    Hilfe beim Einstieg: Stramme Federn heben das Heck, der Griff ist willkommen.
    © Randolf Unruh
    Hilfe beim Einstieg: Stramme Federn heben das Heck, der Griff ist willkommen.
  • Bild 3 von 4
    Renovierte Armaturentafel
    © Randolf Unruh
    Renovierte Armaturentafel: Programmierbar und mit einem großen roten Rundtacho plus Digitalanzeige sehr ansehnlich.
  • Bild 4 von 4
    Digital-Instrumente in Verbindung mit einem großen mittigen Monitor: perfekt ablesbare Klarschrift-Anzeigen.
    © Randolf Unruh
    Digital-Instrumente in Verbindung mit einem großen mittigen Monitor: perfekt ablesbare Klarschrift-Anzeigen.
Zugehörige Themenseiten:
Autotest, Dieselfahrzeuge, Fuhrpark und Transporter