Glaubt man, mit verbaler Oberflächenkosmetik könne man die greifbare Realität „frisieren“ oder spricht man dem Adressaten schlichtweg die eigene Intelligenz ab, dieses Spiel zu durchschauen? Viele Menschen sind laut unserer Kolumnistin Ruth Baumann sprachliche Umwidmungen auf unterschiedlichen Gebieten einfach leid – wie etwa bei "Schulden" von "Vermögen" zu sprechen. Sie ist der Meinung, dass man so keine Zukunft gestaltet, sondern sie dadurch vielmehr verhindere und schlägt in dieser Folge „Neues von der Werkbank“ mit deutlichen Worten Alarm: "Für die Politik gelten die gleichen Gesetze wie für alle anderen auch."

Wer mehr Geld ausgibt wie er einnimmt, reduziert entweder seine Rücklagen oder macht Schulden. Diese einfache Tatsache ist anscheinend in der Politik nicht bekannt. Eine weitere Wahrheit lautet: Wer Schulden macht, muss diese auch irgendwann einmal zurückzahlen. Es reicht nicht, jedes Jahr mit Hängen und Würgen gerade so die Zinsen aufzubringen.
Jeder, der im Betrieb oder privat mal ein Darlehen benötigte, kennt Bankgespräche und deren Verlauf. Nur in der Politik scheinen andere Vorgaben zu gelten. Es ist ein Verschiebebahnhof in verschiedenste Richtungen und der Eindruck drängt sich auf, dass die Akteure selbst den Überblick verloren haben.
Sprachliche Umwidmungen bei Verteidigungsausgaben und Steuerentlastungen
So werden aus Verteidigungsausgaben Infrastrukturmaßnahmen, Steuerentlastungen mutieren zu staatlich verordneten Lohnerhöhungen, aus der Heizungswende – mit dem Preis einer Kugel Eis – nur ein Probelauf, wie weit man Ideologie treiben kann. Erst wird das Diesel-Aus verkündet, dann muss es wieder verhindert werden. Selbst die heilige Kuh der Transformation findet überall statt, nur bei uns nicht so richtig.
Wer sich täglich über Electricity Maps informiert, sieht, dass wir die Co²-Vorgaben nicht im Griff haben. Jeden Tag kaufen wir aus dem Ausland hinzu, um von unseren eigenen „Kohleschleudern“ abzulenken. Bei den Co²-Zahlen können wir nur mithalten, wenn möglichst viel „grüner“ Strom aus dem Ausland „hinzufrisiert“ wird. Wettbewerbsfähig war einmal, jetzt haben Produkte "Made in Germany" ein Herstellungsproblem und zwar durch „falschen“ Strom. Für was zahlen wir seit 2021 Co²-Abgaben? Wohin fließt überhaupt das Geld? Warum wird Überkapazität nicht in Wasserstoff oder E-Fuels transformiert?
Überlastete Systeme
Bei der Einführung der Sozialsummenschätzung wurde unseren Betrieben ein Darlehen eines gesamten Monats abverlangt. Kommt da noch etwas retour? Ist der Solidaritätszuschlag unsterblich? Wo sind die vielen Facharbeiter, die uns wortreich ans Herz gelegt wurden? Bereits 2015 wussten viele Betriebsinhaber, dass die Menschen, die zu uns kommen, Facharbeiter werden können, es aber noch nicht sind. Dies wurde anfangs belächelt, dann übertüncht und heute stöhnt der Arbeitsmarkt, der Wohnungsmarkt und nicht zuletzt: die Sozialversicherungen. Unternehmer reiben sich verwundert die Augen und gehen auf die Bremse. Es ist Zeit für eine ehrliche Inventur!
Vertrauen in Bildung und Infrastruktur schwindet
Wer konsumiert statt investiert, wird dies irgendwann einmal bitterlich bereuen. Nicht nur bei Bildung und dem Zustand jeglicher Infrastruktur ist das Vertrauen der Leistungsträger geschwunden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber wollen keine politischen „Homestories“, sondern konkrete Pläne, die auch noch am nächsten Tag Bestand haben. Wer keine Antworten liefert, zeigt, dass er keine Ziele oder Lösungen vor Augen hat. Das ewige Hin- und Herschichten des Staates spiegelt eine Art Hilflosigkeit wider.
Zusammenhänge erkennen statt sprachlicher Umwidmungen
Es gilt Zusammenhänge zu erkennen, zu entwirren, zu vereinfachen und zu handeln. Können wir umweltschonend und wettbewerbsfähig Strom erzeugen? Warum wird der Bürokratieabbau seitens der Politik bewusst verhindert? Welche Betriebsgrößen wollen wir hierzulande in Zukunft überhaupt noch haben? Welche Rahmenbedingungen können wir Facharbeitern und Firmen bieten? Ja, bieten, denn sie müssen nicht zu uns kommen oder hier produzieren, wenn es in anderen Ländern bessere Voraussetzungen gibt. Die Abwanderungen und Schließungen zeigen dies deutlich. Wo Bildung fehlt, wird KI es auch nicht allein richten können.
Und für mandatierte Entscheidungsträger noch das tägliche Mantra: Wer hat mich gewählt? Warum wurde ich gewählt? Und wer bezahlt mich eigentlich? Statt jedem Unternehmen Dokumentationspflichten zu Lieferketten auf den Schreibtisch zu schieben, wäre es sinnhafter gewesen, diese Nachweise bei Eintritt in den EU-Raum rechtsverbindlich abzufragen. Stattdessen erschöpft sich Politik in der Einführung des „umweltfreundlichen“ Plastikdeckels einer Flasche, die sich beim Trinken in die Nase bohrt…
Sprachliche Umwidmungen erkennen und auf die eigene Wahrnehmung vertrauen
Seien Sie mutig und stellen Sie solche Fragen. Denn die innere Emigration mag zwar Nerven schonen, aber nicht Zukunft gestalten. Vertrauen Sie auf Ihre Wahrnehmung, denn sprachliche Umwidmungen nerven: Schulden sind kein (Sonder-)Vermögen! Und wie gesagt: Ehrlich währt immer noch am längsten, denn die Wahrheit kommt doch ans Tageslicht.
Über Autorin Ruth Baumann:
Bei Ruth Baumann war es ein zart gehauchtes "Ja", das sie in einen mittelständischen Straßenbaubetrieb und damit ins Handwerk brachte: Seit ihrer Hochzeit führt sie gemeinsam mit Ehemann Martin Baumann die Baumann & Co. Straßenbaugesellschaft mbH in Freiburg. Trotz ihres abgeschlossenen Hochschulstudiums entschied sie sich damals bewusst, in den Familienbetrieb einzusteigen und bekräftigte dies durch eine weitere Ausbildung zur Bürokauffrau. Zunächst im Ehrenamt bei den Unternehmerfrauen im Handwerk Freiburg, später als Präsidentin des Landesverbandes der Unternehmerfrauen im Handwerk Baden-Württemberg, war es ihr immer ein besonderes Anliegen, die Mitglieder mit einem gesunden Selbstbewusstsein und Stolz auf das Handwerk auszustatten. Sie sieht die Unternehmerfrauen als Wirtschaftsverband und vertritt dies auch in der Öffentlichkeit.
Ihre betriebliche Erfahrung wurde in der Folgezeit auch verstärkt in der politischen Theorie nachgefragt und stieß – zu ihrer eigenen Überraschung – auf immer mehr Resonanz. Es folgten unterschiedliche Kommissionen und Funktionen in der Mittelstands- und Wirtschaftsunion, die sie mittlerweile auch auf Bundesebene ausführt. In Interviews, Vorträgen und Podiumsdiskussionen rund um das Handwerk gibt sie parteiübergreifend Einblicke in die Sorgen und Nöte von Familienbetrieben. Jüngst wurde sie in den Bundesvorstand der CDU gewählt und ist dort als "Handwerk mit Mundwerk und akademischen Grad" Mittler zwischen unterschiedlichen Welten.
