Trotz hoher Klimaziele steht der Gebäudesektor derzeit unter Druck wie seit Jahren nicht mehr, Kostenreduzierung ist nach Einschätzung von Franz Wudy, Leiter Sicherheit und Gesundheit beim Gebäudetechniker Caverion, das Gebot der Stunde. Doch wie gelingt "Arbeitsschutz-Kosten senken – ohne daran zu sparen" – also optimaler Arbeitsschutz mit schmalen Budgets im teils chaotischen Baugeschäft? Fünf konkrete Expertentipps für den Alltag auf der Baustelle.

1. Tipp zum Arbeitsschutz-Kosten senken: 60-Sekundenregel vor jedem Gang zur Arbeitsstelle
Vor Beginn eines jeden Projekts muss für Führungskräfte, Handwerker oder auch Auszubildende gelten: Eine Minute zum Checken letzter Risiken ist immer drin!
Wenn folgende vier Fragen vor dem Betreten der Baustelle mit „Ja“ beantwortet werden, kann es losgehen. Wird auch nur eine einzige Frage mit „Nein“ beantwortet bedeutet das automatisch: Arbeiten werden nicht begonnen, Vorgesetzte und Betrieb informiert, Lösungen abgestimmt. Erst dann kann und darf die Arbeit losgehen. Plakate und Hinweise in Scheckkartenformat können an der Baustelle bereits das Bewusstsein für Sicherheit stärken:
- Verstehe ich die Aufgabe und bin ich mit örtlichen Gegebenheiten und Gefahrenquellen vertraut?
- Weiß ich genau, wo mein Verantwortungsbereich liegt und welche Handlungen damit einhergehen?
- Sind Sicherheitsrisiken und Handlungsoptionen bekannt?
- Wer muss im Falle eines Arbeitsunfalles informiert werden?
2. Tipp zum Arbeitsschutz-Kosten senken: Nicht vorhersehbare Gefährdungen berücksichtigen
Hektische Notdiensteinsätze, ungeplante Reparaturarbeiten – quasi täglich können am Bau ungeplante Gefährdungen auftreten. Die Beteiligten zur Planung und Umsetzung von Projekten werden so mit hoher Wahrscheinlichkeit ad-hoc unter permanenten Stress gesetzt.
In diesen Fällen ist es wichtig, sich auf die neue Situation einzustellen und mindestens folgende Maßnahmen durchzuführen:
- Situation analysieren und neue Gefährdungen erkennen:
Damit werden Risiken identifiziert und im akuten Gefährdungsfall sofort bearbeitet. - Rücksprache mit Vorgesetztem halten:
Somit werden, falls nötig, Kompetenzen gebündelt und Spezialisten hinzugezogen. - Fehlende Informationen zur Erhöhung des Arbeitsschutzes einholen:
So werden auch Kolleginnen und Kollegen für Risiken sensibilisiert. - Schutzmaßnahmen entsprechend des STOP-Prinzips umsetzen:
Ein verfeinertes, gesetzliches Anforderungsprofil, das erforderliche Schutzmaßnahmen priorisiert.
3. Tipp zum Arbeitsschutz-Kosten senken: Das STOP-Prinzip berücksichtigen
Priorisierung von Arbeitssicherheit ist zwar laut Arbeitsschutzgesetz (Paragraf 4) gesetzlich verankert.
Paragraphen und komplexe Formulierungen versperren aber oft die Sicht auf das Wesentliche:
S = Substitution: Gefahrenquellen lokalisieren, beseitigen oder ersetzen
T = Technische Schutzmaßnahmen: technische Lösungen nutzen, um Gefährdungsrisiken zu minimieren (etwa technisches Lüften bzw. Ablüften, Einhausungen, Kapselungen)
O = Organisatorische Schutzmaßnahmen: möglichst vollständige Beseitigung von Restgefahren, etwa durch zusätzliche Unterweisungen, Definition von Arbeitsverfahren mit geringerer Gefährdung, Arbeitsplatzrotation oder Einführung besser geeigneter Arbeitszeitmodelle
P = Persönliche Schutzmaßnahmen: Beschäftigte mit persönlicher Schutzausrüstung ausstatten, in der korrekten Verwendung unterweisen und die richtige Anwendung prüfen
4. Tipp zum Arbeitsschutz-Kosten senken: Maßnahmen zur Verhinderung von Unfällen beim Umgang mit Druckgasflaschen
Einer der traditionell am meisten unterschätzten Gefahrenquellen am Bau bleiben Arbeiten mit Druckgasflaschen. So können etwa Schweißgas-Druckgasfalschen oder Sauerstoffflaschen bis zu 200 bar Druck aufweisen. Ungeprüfte oder stark beanspruchte Armaturen, Verbindungsschläuche sowie defekte Druckprüfer können bei Missachtung von Arbeitsschutzvorschriften große Risiken mit sich tragen.
Die klassischen Fehlerquellen im Umgang mit Druckgasflaschen
- Fehlende Beachtung von Bedienungs-, Wartungsanleitungen oder Herstellerangaben
- Druckminderer falsch ausgewählt oder nicht auf Nenndruck der Anlage eingestellt
- Ungenügende Sicherungsmaßnahmen beim Transport, Abstellen oder Positionieren von Druckgasflaschen
Die wichtigsten Maßnahmen im Umgang mit Druckgasflaschen:
- Regelmäßige Prüfung von Armaturen und Schläuchen durch Fachfirmen oder dazu befähigte Personen
- Regelmäßige Unterweisung zum Umgang mit Druckgasflaschen
- Richtige Auswahl, Bedienung und Einstellung des Gasdruckminderer
- Bei Zischgeräuschen Arbeit einstellen und Druckgasflasche schließen
- Herstellerangaben für Austausch der Armaturen und Schläuche beachten
Wichtig beim Transport: Die Flaschen immer vor Umfallen, Wegrollen oder Stößen sichern, bei großen Flaschen Transportgestell verwenden und auf Belüftungsöffnung, Ladungssicherung und zulässige Menge im Fahrzeug achten.
5. Tipp zum Arbeitsschutz-Kosten senken: Keine Sicht auf den Boden – SRS-Unfälle verhindern
Last but not least: Die Ursachen für Sturz- Rutsch- und Stolperunfälle (SRS-Unfälle), hängen sehr oft mit menschlichen Fehlerquellen zusammen. Unachtsamkeit oder Unkonzentriertheit aufgrund von Stress, Müdigkeit oder Ablenkung sind für eine Vielzahl von Unfällen verantwortlich. Auch die infrastrukturellen Gegebenheiten, also Bodenbeschaffenheit sowie etwaige Stolperfallen wie Höhenvorsprünge, Schläuche oder verschüttete Flüssigkeiten können Unfälle wahrscheinlicher machen.
Stürze vermeiden: Die wichtigsten Maßnahmen
- Mängel melden
- Stolperfallen beseitigen und für eine ausreichende Beleuchtung sorgen
- Blick stets auf den Weg beziehungsweise den Verkehrsweg richten
- Auf Kennzeichnung und Bodenbeschaffenheit achten
- Beim Telefonieren und Lesen von Nachrichten stehen bleiben
