Jubiläum! Zum 30. Mal verlieh handwerk magazin gemeinsam mit seinen Partnern, der R+V Versicherung und Würth Modyf, den Preis für besondere Leistung, für besonderes Engagement – auch im Ehrenamt –, für aufrechte Haltung in schwierigen Zeiten und für unternehmerischen Erfolg. Ausgezeichnet als Unternehmerfrau im Handwerk 2026 wurden Jacqueline Ahlert (Kategorie "Unternehmerin im Handwerk") und Corinna Frey (Kategorie "Heldin im Handwerk"). Rückblick auf einen besonderen Abend im thüringischen Eichsfeld.

93 erfolgreiche, engagierte und herausragende Frauen haben sich beim diesjährigen Wettbewerb "Unternehmerfrau im Handwerk 2026" von handwerk magazin beworben. Vielen Dank dafür! Es zeigt: Frauen sind eine selbstbewusste Macht im Handwerk.
Jede Bewerbung haben wir uns intensiv angeschaut und gestaunt, was für krasse Herausforderungen die Frauen gemeistert haben. Respekt! Auf die Shortlist für die Jury kamen jene Frauen, die noch ein bisschen größere Herausforderungen zu bewältigen hatten. Und die noch ein wenig mehr Leistung und Engagement aufbringen mussten, um erfolgreich zu sein. Bei den Unternehmerinnen haben wir uns dafür auch die wirtschaftliche Lage des Betriebs angesehen.
Die aus dem Auswahlprozess entstandene Shortlist mit immer noch bis zu 15 Bewerberinnen pro Kategorie ging dann an die Jury-Mitglieder. Sie haben in einer Sitzung jeweils drei, zwei und einen Punkt für ihre drei Favoritinnen je Kategorie vergeben – und dann wurde diskutiert.
Die Jury-Mitglieder
Letztlich musste und konnte sich die Jury einigen. Denn nur zwei erfolgreiche Frauen konnten den Wettbewerb "Unternehmerfrau im Handwerk 2026" gewinnen. Jede von ihnen erhielt 2.500 Euro Preisgeld sowie einen professionellen Imagefilm über ihr Unternehmen. Die Jury bestand aus:
- Katja Lilu Melder, Bundesvorsitzende der UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH), mehrfache Meisterin, geschäftsführende Gesellschafterin, Dozentin und Speakerin
- Prof. Dr. Birgit Ester, Leiterin des itb in Karlsruhe
- Alice Brammertz, Prokuristin der Schreinerei Brammertz und "Heldin im Handwerk" 2024
- Evelyn Spitzenberg, Vorsitzende AK Eichsfeld der UnternehmerFrauen im Handwerk und Prokuristin Spitzenberg Bau
- Melanie Röger, Geschäftsführerin Würth Modyf
- Verleger Alexander Holzmann, Holzmann Medien
- Chefredakteur Patrick Neumann, handwerk magazin
- Yvonne Döbler, Redakteurin handwerk magazin
Die Ehrung auf dem UFH-Bundeskongress – auch die UnternehmerFrauen im Handwerk feiern Jubiläum!
Vorweg: Wir gratulieren den UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) sehr herzlich zum 50-jährigen Bestehen. 50 Jahre Einsatz für die Sichtbarkeit von Frauen. 50 Jahre, in denen sich das Netzwerk im gesamten Bundesgebiet fest verankert hat. Die UFH engagieren sich für ihre Unternehmen und die Frauen im Handwerk. Sie werden gehört – auch in der Politik. Der Bundesvorstand sitzt in diversen Gremien und Ausschüssen, er ist laut, er ist erfolgreich.
Die UFH haben ihr Jubiläum in Teistungen im thüringischen Eichsfeld gefeiert – und damit einen wunderbaren Rahmen für die Ehrung der zwei Siegerinnen unseres Wettbewerbs geschaffen: Katja Lilu Melder, Bundesvorsitzende der UFH, hielt eine bewegende Laudatio auf die Gewinnerin in der Kategorie "Unternehmerin 2026". Die rund 240 anwesenden UFH-Frauen – und einige wenige Männer – hielt es nicht auf den Plätzen, als die Siegerin auf die Bühne gerufen wurde. Standing Ovations für eine Frau, die ihr Unternehmen und ihr Leben meisterlich führt.
Siegerin "Unternehmerfrau im Handwerk 2026" in der Kategorie "Unternehmerin": Jacqueline Ahlert, Roland Würstchen GmbH, Tornesch
Jacqueline Ahlert lebt das Handwerk – mit Herz, mit Verstand und mit einer guten Portion norddeutschem Humor. Sie ist die Powerfrau hinter der Roland Würstchen GmbH in Tornesch. Ihr Lebenslauf liest sich atemberaubend. Sie ist Fleischermeisterin, Industriefachwirtin, Geschäftsführerin, Mutter von drei Töchtern und, wie es sich für ihr Handwerk gehört, auch Expertin für das perfekte BBQ.
Sie ist zwischen Würstchen aufgewachsen – die Familienfleischerei war von Anfang an nicht nur Arbeitsplatz, sondern Identität. Schon früh wusste sie: „Das ist mein Weg.“ Doch dieser Weg führte zunächst durch die kaufmännische Ausbildung zur Industriekauffrau, weiter zur Industriefachwirtin und dann direkt ins Büro – mit Zahlen, Organisation und Verantwortung. Aber: „Wer den Betrieb führen will, muss das Handwerk selbst beherrschen“, sagte sie sich. Und das war keine Floskel, sondern ein Startschuss.
Zwischenprüfung im achten Schwangerschaftsmonat, Gesellenprüfung zwei Monate nach der Geburt
Im August 2015 begann sie ihre Ausbildung zur Fleischerin gleich im dritten Lehrjahr. Die Bedingung des Obermeisters: Nach der Hälfte der Zeit musste sie die Zwischenprüfung der Azubis aus dem zweiten Lehrjahr bestehen, um weitermachen zu dürfen. Das war eine harte Anforderung. Und wie es im echten Leben so ist, erfuhr sie am ersten Tag: Sie ist schwanger. Manch einer hätte den Plan geändert – Jacqueline Ahlert zog das Kettenhemd an und zerlegte Schweine – im achten Monat mit Babybauch gelang die Zwischenprüfung, die Gesellenprüfung zwei Monate nach der Geburt, zwischen Rinderzerlegung und Stillpausen. Jahrgangsbeste, versteht sich.
Parallel sicherte sie die Unternehmensnachfolge – und das war erst der Anfang. Die Meisterprüfung folgte 2018, das zweite Kind, die Hochzeit, und dann kam Corona. Die Großkunden fielen weg, erstmals Kurzarbeit. Aufgeben? Nicht mit Jacqueline Ahlert. Sie brachte ihre Wurst in den Supermarkt, mit einer selbst gestalteten Kühltruhe – schnell wurden aus einem Markt viele. Heute sind ihre Produkte an bis zu 30 externen Standorten erhältlich. Der Betrieb hat sich nicht nur behauptet, er ist gewachsen – und das Team wurde zur Familie.
Doch bei aller Wirtschaftlichkeit und Innovationskraft – ihr Herz schlägt für das Handwerk, für die Menschen. Sie engagiert sich für den Nachwuchs, geht in Schulen, spricht auf Infotagen und zeigt jungen Menschen, wie kreativ und erfüllend dieses Berufsfeld sein kann. Sie fördert Talente, ist Prüferin bei Meisterprüfungen und sorgt dafür, dass Qualität und Zukunft ihres Berufsstandes gesichert sind. Wer bei Roland Würstchen arbeitet, weiß: Hier zählt jeder, und das ist keine Werbebotschaft, sondern gelebte Realität.
Aus der Kooperation mit Auswanderer Konny Reimann entsteht die Hotlink Sausage
Ein weiteres Highlight – die Kooperation mit Konny Reimann. Wie kommt man dazu, mit Deutschlands bekanntestem Auswanderer eine Wurst zu entwickeln? Nun, manchmal reicht ein BBQ im Freundeskreis, bei dem man sich kennenlernt. Aus einer spontanen Idee entstand die „Konnys Hotlink Sausage“, für die extra Etiketten designt und Rezepturen entwickelt wurden. Wer hätte gedacht, dass eine Wurst mit „Bumms“ nicht nur im Fernsehen – denn Jacqueline Ahlert steht auch vor der Kamera und verkauft ihre Wurst im TV – , sondern auch im Supermarkt zum Verkaufsschlager wird?
Jacqueline Ahlert ist die Schaltzentrale ihres Betriebs und ein leuchtendes Beispiel dafür, was Frauen im Handwerk leisten: Meisterin, Inhaberin, Personalchefin, Buchhalterin, Marketingfrau, TV-Gesicht und Familienmanagerin – und das alles mit einem Lächeln, das sogar die feurigste Currywurst milde stimmt.
Siegerin "Unternehmerfrau im Handwerk 2026" in der Kategorie "Heldin im Handwerk": Corinna Frey, Rollladen Frey GmbH, Jettingen
Standing Ovations gab es vom Publikum auch für die "Heldin im Handwerk 2026" – Corinna Frey. Als Verleger und Laudator Alexander Holzmann seine Rede auf die erst 24-jährige Rollladen- und Sonnenschutzmechatronikerin beendet hatte, hielt der Applaus noch sehr lange an. Denn Corinna Frey ist eine Frau, die nicht fragt, ob etwas geht – sondern wie! Schon als kleines Mädchen hat sie in der Werkstatt ihres Vaters gebastelt und dabei die Liebe zum Handwerk aufgesogen.
Der Familienbetrieb – die Rollladen Frey GmbH in Jettingen – besteht seit 1965. Er wird heute in der dritten Generation geführt. Und die vierte Generation steht schon in den Startlöchern. Corinna Frey und ihr Bruder haben sich bewusst entschieden, die Tradition fortzuführen. Und Corinna hat sich für eine beeindruckende Doppelqualifikation entschieden: zuerst die kaufmännische Ausbildung als Groß- und Außenhandelskauffrau, dann der Sprung zur Rollladen- und Sonnenschutzmechatronikerin und nun die Meisterausbildung. Wer wie unsere Heldin beides kann, der spricht nicht nur die Sprache der Zahlen, sondern auch die des Handwerks – und das mit jungen 24 Jahren.
Landessiegerin mit Onlinemarketing- und Social-Media-Expertise
Corinna Frey hat ihre handwerkliche Ausbildung als Landessiegerin abgeschlossen und wurde für das beste Fachgespräch ausgezeichnet. Wer sie kennt, weiß: Sie kann nicht nur fachlich glänzen – sie kann auch glänzen lassen, insbesondere ihren Betrieb. Denn sie hat früh erkannt, dass ein Unternehmen heute nicht nur technisch fit sein muss, sondern auch digital sichtbar. Mit viel Energie und einem klaren Blick hat sie die Webseite neu gestaltet und die Social-Media-Kanäle aufgebaut.
Die Liste ihrer Aufgaben liest sich wie das Drehbuch einer modernen Handwerksheldin: Montage von Terrassendächern und Markisen, Organisation und Buchhaltung, Personalverwaltung, Projektmanagement, Kundenbetreuung – und das alles mit einer Mischung aus Fachkenntnis und Organisationstalent. Selbst nach einem schweren Motorradunfall ließ sie sich nicht aufhalten: Sie ist unverändert drei Tage die Woche auf der Baustelle, mit Bruder und Vater, die übrigen Tage zieht sie die administrativen Fäden zusammen mit ihrer Mutter.
Nach Abschluss der Meisterprüfung in den Prüfungsausschuss
Ihr Engagement reicht bereits über den eigenen Betrieb hinaus. Im Barista-Team ihrer Gemeinde sorgt sie ehrenamtlich für guten Kaffee und noch bessere Stimmung. Und sie hat sich vorgenommen, nach Abschluss ihrer Meisterprüfung im Prüfungsausschuss des Bundesverbandes mitzuarbeiten – um die Ausbildung im Handwerk zu stärken und junge Talente zu fördern. Ein Vorhaben, das zeigt: Hier wird Verantwortung nicht nur übernommen, sondern gelebt.
Ausgezeichnet wurde Corinna Frey für ihre fachliche Kompetenz, ihre Bodenständigkeit, ihr Verantwortungsbewusstsein und ihren unternehmerischen Mut. Ihre Geschichte ist die einer modernen Unternehmerin, die Tradition und Zukunft, Technik und Menschlichkeit, Büro und Baustelle verbindet. Das Ergebnis: Ein Betrieb, der nicht nur wirtschaftlich erfolgreich ist, sondern auch für die kommenden Generationen bestens aufgestellt bleibt.
Impressionen der Preisverleihung "Unternehmerfrau im Handwerk 2026" im Victor's Residenz-Hotel Teistungenburg in Teistungen
Leidenschaft und Emotionen im Forum des Victor's Residenz-Hotels Teistungenburg im thüringischen Teistungen. Echtes weibliches Handwerk eben! Und das im passenden Rahmen: Wie gewohnt fand die Preisverleihung des Wettbewerbs "Unternehmerfrau im Handwerk" im Rahmen des Bundeskongresses der UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) statt. Gleich zweimal durften handwerk magazin sowie die Partner Würth Modyf und die R + V Versicherung dabei Frauen auszeichnen, die auf ihre ganz eigene Art und Weise ihr Unternehmen repräsentieren. Mit Freude und Begeisterung für ihr Handwerk und für ihren Betrieb – das spürte jede Besucherin und jeder Besucher vor Ort ganz deutlich. Um die Emotionen der Veranstaltung nachzuempfinden, haben wir für Sie die besten und erinnerungswürdigsten Impressionen noch einmal in einer Bildergalerie zusammengefasst. Klicken Sie sich durch und genießen Sie noch einmal die schönsten Eindrücke der Preisverleihung – auf der bis in die späten Abendstunden getanzt, gesungen und gelacht wurde:




