2025 ist voller Herausforderungen – aber auch voller Chancen für alle, die ein Unternehmen gründen wollen. Gründungsexpertin Maren Jopen erklärt im Interview, wie man die Gründung erfolgreich meistert. Sie gibt konkrete Tipps für Gründerinnen, die ihre Ideen in einem schwierigen Markt umsetzen möchten. Ein spannender Blick auf die Zukunft der Selbstständigkeit. Präsentiert vom Münchener Verein.


handwerk magazin: Frau Jopen, Sie begleiten als Unternehmensberaterin seit Jahren Frauen in die Gründung. Könnten Sie einen Einblick in Ihre tägliche Arbeit geben?
Maren Jopen: Gerne. Ich bin Gründerin von „Jopenau – dein Ort zum Gründen“, einer Plattform, die Frauen auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Unser Konzept besteht aus Online-Programmen, die sowohl Gruppen - als auch individuelle Elemente enthalten. Wir helfen Frauen von der ersten Idee – oder manchmal auch ganz ohne Idee – bis hin zu den ersten zahlenden Kunden.
Wichtig ist uns dabei, nicht nur fachlich zu unterstützen, sondern auch Ängste und Zweifel zu adressieren. Als Gründerin und Mutter kenne ich die Herausforderungen nur allzu gut. Mir ist wichtig, zu zeigen, dass Unternehmertum auch ohne 70-Stunden-Wochen möglich ist – vorausgesetzt, man ist bereit, Prioritäten zu setzen und fokussiert zu arbeiten.
Hat sich die Gründungsszene, insbesondere für Frauen, in den letzten Jahren verändert?
Ein Wandel, der mir besonders auffällt, ist der stärkere Fokus auf marktorientierte Gründungen. Während früher viele Menschen „Herzensprojekte“ verfolgten, beobachten wir jetzt, dass Gründerinnen stärker darauf achten, welche Probleme sie tatsächlich für ihre Zielgruppe lösen können. Diese Orientierung ist auch notwendig, denn die wirtschaftliche Lage lässt wenig Spielraum für Experimente ohne tragfähiges Fundament.
Ein weiterer Wandel zeigt sich in der Vielfalt der Branchen, die Frauen erschließen. Besonders im Bereich Coaching und Beratung ist viel Dynamik zu spüren – einerseits wegen des gestiegenen Bedarfs an Unterstützung im Umgang mit Stress und psychischen Belastungen, andererseits weil viele Frauen dort ihre Stärken einbringen können.
Gibt es aktuelle Trends oder besonders gefragte Branchen?
Ja, vor allem die sogenannten Empathieberufe boomen. Dazu zählen Coaching, psychologische Beratung und Führungskräftetrainings. Der Bedarf ist riesig, da Menschen nach Strategien suchen, um mit Stress umzugehen. Auch Themen wie gute Führung und Unternehmenskultur sind gefragt – viele Angestellte sind unzufrieden mit ihren Führungskräften, was Unternehmen unter Druck setzt, in diesen Bereichen besser zu werden.
Außerdem ist ein Trend die zunehmende Spezialisierung: Statt sich als „Coach für alles“ zu präsentieren, richten sich viele auf spezifische Zielgruppen aus, wie z. B. Handwerksbetriebe, die ihre Unternehmenskultur verbessern möchten, um Mitarbeiter zu halten und neue Talente anzuziehen. Solche klaren Positionierungen machen Angebote greifbarer und erfolgreicher.
Welche Herausforderungen sehen Sie für Gründerinnen im Jahr 2025?
Die politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten sind natürlich präsent – sei es die Inflation, globale Krisen oder der Fachkräftemangel. Aber eine ebenso große Herausforderung ist der mentale Druck, der durch die ständige Informationsflut entsteht. Viele Gründerinnen fühlen sich von negativen Nachrichten erdrückt, was es schwer macht, den Fokus zu halten.
Mein Rat: Es ist wichtig, sich bewusst Grenzen zu setzen. Man sollte sich zwar informieren, aber sich nicht so stark in globale Krisen hineinziehen lassen, dass man die eigene Energie verliert. Die Kunst besteht darin, zwischen gesellschaftlichem Engagement und Selbstschutz zu balancieren.
Was raten Sie Gründerinnen, die mit Zweifeln kämpfen?
Zweifel gehören zum Prozess – ich kenne niemanden, der gegründet hat, ohne welche zu haben. Wichtig ist, die eigenen Zweifel zu hinterfragen: Sind es alte Glaubenssätze, wie „Ich bin nicht gut genug“? Dann kann ein Coaching helfen. Manchmal reicht es aber auch, sich klarzumachen, dass Zweifel menschlich sind. Sie sollten uns nicht davon abhalten, den ersten Schritt zu wagen. Durchs Tun gewinnt man Selbstvertrauen, weil man sieht, dass es funktioniert.
Hat sich in Ihrer Beratungspraxis etwas verändert?
In den letzten Jahren habe ich keine deutliche Veränderung in der Haltung der Gründerinnen bemerkt. Was jedoch konstant ist: Frauen legen oft besonderen Wert auf Vereinbarkeit – sei es mit der Familie oder einer Angestelltentätigkeit. Viele starten nebenberuflich, um finanzielle Sicherheit zu behalten, was ich sehr sinnvoll finde. Das zeigt, dass es viele Wege gibt, ein Unternehmen zu gründen, ohne gleich alles auf eine Karte zu setzen.
Gleichzeitig beobachten wir, dass Frauen sich beim Thema Verkaufen oft schwerer tun als Männer. Sie wollen nicht als „aufdringlich“ wahrgenommen werden. Wir versuchen, diese Hemmungen abzubauen, indem wir den Perspektivwechsel fördern: Wenn Ihr Angebot wirklich gut ist – und das ist es, weil es auf die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe ausgerichtet ist – dann ist es Ihre Aufgabe, darüber zu sprechen. Das ist keine Selbstbeweihräucherung, sondern ein Beitrag.
Warum ist 2025 trotzdem ein guter Zeitpunkt, um ein Unternehmen zu gründen?
Weil jede Krise auch Chancen birgt. Die zahlreichen Probleme, die uns umgeben, sind gleichzeitig Geschäftsmöglichkeiten. Wer es schafft, Lösungen für die Herausforderungen anderer zu entwickeln, wird immer eine Nachfrage finden. Es ist eine Frage der Haltung: Statt sich von den Problemen erdrücken zu lassen, kann man aktiv werden und einen Unterschied machen. Das ist das Schöne am Unternehmertum – es eröffnet Möglichkeiten, wirklich etwas zu bewegen.
Über Maren Jopen:
2010 hat Maren Jopen ihre Festanstellung an den Nagel gehängt und das erste Mal selbst gegründet: Gemeinsam mit ihrem Vater hat sie ein erfolgreiches Sozialunternehmen aufgebaut. Sie haben Strafgefangenen beigebracht, nach der Haft ein eigenes Unternehmen zu gründen. Mit großem Erfolg.
Mittlerweile begleitet sie mit ihrer Beratung Jopenau Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Zumeist sind das Frauen, die sich in ihrer Arbeit mehr Selbstbestimmung, Freiheit und Gestaltungsmöglichkeiten wünschen, aber nicht so richtig wissen, wie sie das Unternehmertum angehen sollen.

