Autotest Renault Trafic E-Tech: Sparsamer und wenig spritziger Elektrotransporter mit viel Stauraum

Kompakte Technik, hohe Nutzlast – der Renault Trafic E-Tech passt für Handwerksbetriebe mit überschaubarer ­Kilometerleistung und hohem Transportbedarf. Unser Testbericht.

Renault Trafic E-Tech: Langer Radstand, hohe Nutzlast, sparsame Technik: alles in einer schmucken Verpackung.
Renault Trafic E-Tech: Langer Radstand, hohe Nutzlast, sparsame Technik: alles in einer schmucken Verpackung. - © Randolf Unruh

Wir haben es gelernt: Die eier­legende Wollmilchsau für alle Einsätze, die gibt es unter Elektrotransportern nicht. Die einen können ohne Zwischenladung schon recht weit fahren. Die anderen schultern ordent­liche Lasten. Beides zusammen klappt in typischen Modellregionen nicht.

Der kompakte Renault Trafic E-Tech zählt zur zweiten Fraktion. Seine Technik klaubt er sich aus den Firmen­regalen zusammen. Ob E-Motor – hier mit 90 kW/122 PS Leistung –, die schmale 52-kWh-Batterie oder die lange angekündigte DC-Ladetechnik mit eher betulichen 50 kW, die Komponenten gibt oder gab es bei den Konzernkollegen vom kleinen Pkw Zoe über den bisherigen dicken Master E-Tech bis zum neuen Kompaktsportler Alpine A 290.

Für den Renault Trafic E-Tech ist bei 110 km/h Schluss

Vorteil der überschaubaren Konfiguration: Die Waage zeigt beim Trafic E-Tech mit langem Radstand, zwei Schiebetüren, Holzboden im Laderaum und ein paar leichtgewichtigen Kleinigkeiten lediglich knapp 2,1 Tonnen an – nur wenig mehr als der entsprechende Verbrenner. Davon profitieren die Fahrleistungen: Leer saust der Trafic E-Tech zum Beispiel in 13,5 Sekunden von null auf 100 Sachen. Für einen Transporter völlig ausreichend, auch wenn manche Elektriker schneller unterwegs sind. Ebenso passt die Zwischenbeschleunigung. Die auf 110 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit ist indes arg knapp bemessen und nichts für Langstrecken.

Für einen E-Transporter große Lasten möglich

Die eher knappe technische Auslegung ergibt rund eine Tonne Freiraum für Fahrer und Fracht. Damit ist der Trafic E-Tech trotz überschaubarem Gesamtgewicht im Kreis der vergleichbaren E-Kollegen ganz vorne mit dabei. Also fix zum freund­lichen Baustoffhändler, hinein ins Heck mit einer gewichtigen Palette Kalk­zementputz. Die rückenmordenden 30-Kilo-Säcke lassen in der Masse selbst den Stapler keuchen. Auch der Renault geht unter der Beladung tief in die Knie. Das leer eher sanftmütig-geschmeidige Fahrverhalten ändert sich – nun reagiert der Transporter etwas harsch auf Uneben­heiten. Auch nickt der Vorderwagen bei Bodenwellen seiner Umgebung freundlich zu. Und bei scharf gefahrenen Kurven heißt es: Vorsicht, Heck schwenkt aus. Aber die Lenkung agiert stramm und zielgenau, passt schon.

Der Renault Trafic E-Tech hat wenig Durst

Unterwegs arbeitet das vorn untergebrachte Antriebspaket flüsterleise und verhält sich rege. Nur beim Wechsel in den Schonwaschgang der Eco-Stufe lässt die Kraft arg nach. Dann stehen nur noch zwei Drittel der Spannkraft zur Verfügung, einschließlich einer Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h. Nichts für eine Tour mit voller Beladung. Sie aber absolviert der Renault mit voller Kraft, obwohl teils deftig gefordert, überraschend souverän. Beladen setzte er auf der standardisierten Redaktions-Test­runde zwischen 14,4 kWh auf 100 Kilometern auf der Kurzstrecke und 26 kWh im nicht gerade rasanten Galopp auf der Autobahn um. Macht im Schnitt 20,6 kWh. Das liegt knapp unter dem angegebenen Normverbrauch – und ist richtig gut.

Wer will, kann sich auf dem Weg zum Knauser Unterstützung aus dem Touchscreen in der Mittelkonsole holen. Darin stecken Verbrauchswerte und Fahrerbeurteilungen. So kann der Fahrer Zusatzkilometer erwirtschaften, Wertungspunkte und schließlich einen Pokal sammeln. Muss man nicht nutzen, kann aber den Ehrgeiz im Team anstacheln.

Aufladen erfordert Geduld

Bei einer Zwischenladung heißt es dann, Geduld bewahren. Denn an der Ladesäule saugte der Test­wagen ohne Schnelllademöglichkeit matt mit maximal 22 kWh. Für den stressigen gewerb­lichen Einsatz ist dies eine Zumutung und bedeutet Aufladung über Nacht im Betriebshof. Gebunkert wird links ­unten an der B-Säule, das ist verbreitet, indes nicht immer praktisch.

Die Wartezeit eignet sich für einen prüfenden Rundgang. Die Heckflügel­türen öffnen simpel und sauber auf 180 Grad. In der Trennwand gibt es eine Klappe zur Verlängerung, falls knapp drei Meter Ladelänge mal nicht genügen sollten. Etwa 2,7 Meter sind’s noch auf halber Höhe, also passen drei Paletten quer hintereinander. Gesichert an acht Zurrösen im Bodenbereich. Oben funzelt serienmäßig die Beleuchtung, LED kostet Aufpreis.

Cockpit des Renault Trafic E-Tech: Zwischen Klassik und Moderne

Zwischen Klassik und Moderne: das gepflegte Cockpit des Renault.
Zwischen Klassik und Moderne: das gepflegte Cockpit des Renault. - © Randolf Unruh

Vorne geht es mit einem gepflegten Cockpit weiter. Der Steuermann nimmt auf einem recht weich gepolsterten, aber bequemen Sitz mit etwas knapper Längs­verstellung Platz. Der Blick fällt woh­l­wollend auf die sanft schimmernde gebürs­tete Blende der Armaturentafel. Bedienung und Information mixen Klassik und Moderne. Gestartet wird per Knopfdruck, aber die mechanische Handbremse per Hebel gelöst. Ein klobiger Knauf unter der Mittelkonsole definiert die Fahrtrichtung. Es gibt analoge, gut ablesbare große Instrumente ohne Firlefanz, klar definierte Lenkradtasten.

Die Außenspiegel sind mickrig. Es folgt der unvermeidliche Hinweis auf die markentypische Kuriosität eines Weitwinkel­glases in der rechten Sonnenblende. Dann wären da praktische Drehregler für die arg laue Klimatisierung und ein mit­tiges Display, in seiner Darstellungs­qualität gestrig.

Stauraum für Alltagskram

Zahlreiche Ablagen einschließlich Schublade auf der Beifahrerseite und der geräumigen Sitztruhe nehmen Alltagskram bis zum Ladekabel auf. Als Wunderwerk der Klapp- und Falttechnik entpuppt sich die schwenkbare Rückenlehne des mittleren Sitzes. Sie dient wie gewohnt als Tisch, enthält aber im Trafic E-Tech auch ein herausnehmbares Klemmbrett und ein Versteck für den Laptop. Dies alles zusammen ist ansehnlich verpackt. Vor allem das Gesicht mit dem Chrom-Schnurrbart macht was her.

Bleibt noch ein Blick auf die Preis­liste. Sie startet sehr ambitioniert bei netto 48.500 Euro. Auch das ist gelernt: E-Transporter sind teuer. Der Renault Trafic E-Tech, wenn’s dabei bleibt, ganz besonders.

Durchgehend geöffnet: Testwagen mit langem Radstand und zwei Schiebetüren.
Durchgehend geöffnet: Testwagen mit langem Radstand und zwei Schiebetüren. - © Randolf Unruh
Vorbereitung zur Verbrauchsfahrt: Hier kann man einpacken – gewichtige Palette im Laderaum.
Vorbereitung zur Verbrauchsfahrt: Hier kann man einpacken – gewichtige Palette im Laderaum. - © Randolf Unruh

Renault Trafic E-Tech: Daten

  • Abmessungen (L/B/H): 5.480/1.956/1.967 mm
  • Radstand: 3.498 mm
  • Wendekreis: 13.200 mm
  • Laderaum (L/B/H): 2.937–4.150/1.662/1.387 mm
  • Breite zw. den Radkästen: 1.268 mm
  • Ladekapazität: 6,7 m³
  • Leergewicht Testwagen: 2.080 kg
  • Nutzlast: 990 kg
  • Zulässiges Gesamtgewicht: 3.070 kg
  • Anhängelast bei 12 % Steigung: 920 kg
  • Zul. Zuggesamtgewicht: 3.990 kg
  • Batterie: Lithium-Ionen, netto 52 kWh
  • Aufladung: Wallbox 11/22 kW, Schnellladung optional max. 50 kW
  • Motor: E-Motor vorn eingebaut
  • Leistung: 90 kW/122 PS
  • Drehmoment: 245 Nm
  • Getriebe: Einganggetriebe, feste Übersetzung
  • Höchstgeschwindigkeit: begrenzt auf 110 km/h
  • Verbrauch (WLTP): 21,3–22,1
  • CO2-Emission: 0 g/km
  • Teststrecke beladen: 20,6 kWh/100 km
  • Testverbrauch min./max.: 14,4–26,0 kWh/100 km
  • Grundpreis: 48.500 Euro netto
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