Finanzierung -

Eigen- und Fremdkapital für Handwerksbetriebe Finanzierung: 9 vielversprechende Wege zum Geld

Das Handwerk finanziert klassisch: über Kredite der Hausbank und staatliche Fördermittel. Auch die drei F – family, friends and fools – sind eine beliebte Geldquelle. Doch es gibt viele Wege mehr, die zur optimalen Finanzierung führen.

Topic channels: TS Außenstände, TS Crowdfunding, TS Factoring, TS Fördermittel und TS Liquiditätsmanagement

Erfolg ist eine Treppe, keine Tür. Und eine Stufe auf dem Weg zum Erfolg ist die Finanzierung des Betriebs. Noch nutzen Handwerksunternehmer nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken neue Quellen, etwa Crowdfunding, Venture Capital oder Business Angel eher selten. Doch sie müssen sich nach Alternativen um­sehen, denn Banken stehen vor Herausforderungen und geben Kredite nicht mehr so ohne Weiteres heraus. „Neue Auflagen sorgen dafür, dass Chefs vermehrt Sicherheiten stellen müssen“, weiß Daniel Bartsch, Vorstand des digitalen Mittelstandsfinanzierers creditshelf. „Unternehmer sollten deshalb über Vergleichsplattformen im Internet nach ­Finanzierungspartnern suchen“, wirbt Sebastian Thiemann, Mitglied der Geschäftsleitung beim digitalen Kreditvermittler Compeon, für seine Branche. Der Vorteil: Der digitale Kreditantrag ist relativ einfach auszufüllen und je nach Plattform sehen bis zu 300 Banken und andere Kreditgeber das Finanzierungsvorhaben und können dem Handwerker ein Angebot machen. Der Unternehmer kann sich dann das beste Angebot heraussuchen.

Wolfgang Sass, Inhaber der WSU Beratungsgesellschaft aus Hallbergmoos sagt: „Oft müssen die Kreditsuchenden nur ihre Betriebswirtschaftliche Auswertung, Bilanzen und Kontoauszüge der letzten drei Monate angeben.“ Hinzu kommen Business- oder Investitionsplan. Für diese gilt: Je transparenter, desto wahrscheinlicher die Darlehenszusage. Sass weist darauf hin, dass eine Auszahlung in oft nur zehn Tagen besonders für Betriebe in prekären Lagen unschlagbar sei. „Allerdings müssen auch hier Angebote und Verträge individuell geprüft werden“, warnt Hendrik Hartenstein vom Bundesverband deutscher Banken.

Ob Bankgespräch oder Plattform – Unternehmer sollten ihr Vorhaben gut planen: „Eine nicht optimal strukturierte, zu teure oder zeitlich nicht auf das Vorhaben abgestimmte Finanzierung kann Projekt und Unternehmen gefährden“, sagt Thiemann. Ecovis -Steuerberater Daniel Frischkorn aus Berlin weiß aus seiner Erfahrung: „Bei der optimalen Finanzierung hängt viel davon ab, wie schnell Personal, Auto- und Maschinenpark oder die Werkhalle zur Verfügung stehen sollen.“ Thiemann empfiehlt, sich Unterstützung von bankenunabhängigen Beratern zu holen. Sie helfen, den idealen Finanzierungsmix für das jeweilige Anliegen zu erstellen.

Trotz der Bandbreite an Optionen ist Daniel Bartsch überzeugt: „Die Hausbank bleibt zentraler Partner, ist aber oft nicht mehr alleiniger Kapitalgeber.“ Kreditsuchenden, die ins Gespräch mit Geldgebern gehen, rät Sass: „Chefs sollten ihr Vorhaben selbst vortragen und das Wort nicht dem begleitenden Berater überlassen.“ Vorbereitung und die Vollständigkeit der Unterlagen seien das A und O.

Vier Fälle aus dem Handwerk zeigen, wie Gründung, Wachstum, Krise und Nachfolge finanziert werden können – und welche Alternativen für Betriebe infrage kommen.

1. Gründung

Axel Bayer hat gleich zweimal gegründet: 2014 macht er sich als Planer für Laden- und Messebauten selbstständig. Er ist Dienstleister, der sich für die notwendigen handwerklichen Arbeiten Unterstützung bei einer Tischlerei holt. 2019 gründet er eine Tischlerei, damit er seine Aufträge unabhängig von der Kapazität der fremden Tischlereien erledigen kann. Für die erste Gründung ist der Kapitalbedarf gering, er benötigt weder teure Maschinen noch Räume – er finanziert sich selbst. Für die zweite Gründung benötigt er eine Million Euro für die Tischlerei.

Die Summe ergibt sich aus Löhnen, den Anschaffungskosten für Maschinen und dem Bau einer eigenen Werkstatt, „denn bei uns in der Region war keine existierende zu finden“, erzählt er. Bevor er sich zur zweiten Gründung entschließt, beauftragt er eine Firmenberaterin für Jungunternehmer, sein Geschäftsmodell zu kalkulieren. Ihr Ergebnis ist eindeutig, eine eigene Tischlerei wird sich rechnen. „Mir war es wichtig, dass ein Externer meine Zahlen berechnet, damit ich ein objektives Bild bekomme“, erklärt er.

Den Kauf des Grundstücks finanziert Bayer aus Eigenmitteln, für die Finanzierung aller weiteren Kosten fragt er bei seiner Hausbank an – und die ist kooperativ: „Nach wenigen Verhandlungen stand das Finanzierungskonzept“, fasst Bayer zusammen. Rund 30 Prozent der Fremdmittel werden durch einen Zuschuss der Sächsischen Aufbaubank (SAB) für das Schaffen von Betriebsstätten und Dauerarbeitsplätzen in der Region abgedeckt. Zuschuss heißt: Bayer muss das Geld nicht zurückzahlen. Gefördert werden beispielsweise Investitionskosten in die Betriebsstätte und Lohnkosten für zwei Jahre pro neuem Dauerarbeitsplatz.

Schwierigkeiten, den Kredit zu erhalten, hat er nicht, obwohl er noch keine fünf Jahre selbstständig ist. „Ich konnte die betriebswirtschaftlichen Auswertungen aus dem Ladenbau vorweisen und auch mein Eigenkapital hat geholfen“, erzählt der 40-Jährige. Schwierig war es aber, den Zuschuss der SAB zu erhalten, „das war ein erheblicher Aufwand, mit all den Nachweisen, die ich einreichen musste“, sagt Bayer. Das Problem: Beim Ladenbau ist er Dienstleister, den Zuschuss erhalten nur Gewerbetreibende. „Den Nachweis zu erbringen, dass ich mit der Tischlerei zum Produzenten werde, hat ein halbes Jahr gedauert“, sagt er.

In dieser Phase überlegt er, auf das Geld vom Staat zu verzichten. Auch die Verzögerungen und vielen kleinen Kosten für die Versorger, wie Erdgas, Elektroanschluss, Telekommunikation, nehmen ihm zwischendurch die Lust an der zweiten Selbstständigkeit. „Man ist abhängig und kommt nicht raus, das nervt.“

Heute ist Bayer froh, nicht aufgegeben zu haben: „Ich arbeite selbst und ständig, meine Familie sieht mich ein bisschen weniger, aber es ist ein wirkliches Glücksgefühl, wenn die ersten Bauteile aus der eigenen Produktion kommen“, sagt er.

Sein Tipp für Gründer: „Plant langfristig, wählt euch eure Baufirmen sorgfältig aus und brecht nichts übers Knie – Qualität braucht Zeit.“ Und zur Finanzierung meint er: „Nutzt Zuschüsse, sie sind geschenktes Geld. Und bei Krediten würde ich heute ein bisschen weniger knapp kalkulieren.“

2. Wachstum

Bernd Röck, 36, Inhaber der Ruchti-Ladenbau GmbH in Oftersheim in Baden-Württemberg, hat sein Wachstum mithilfe von zwei Beteiligungen der MBG Baden-Württemberg an seinem Unternehmen finanziert. Röck, der die Schreinerei mit vier Mitarbeitern 2011 mit jungen 27 Jahren nach dem unerwarteten Tod seines Vaters übernahm, hat einen veritablen mittelständischen Betrieb aufgebaut. 80 Mitarbeiter beschäftigt der Unternehmer heute, freut sich über einen Umsatz von 9 Millionen Euro in 2019.
Aus der kleinen Schreinerei wuchs ein interdisziplinäres Team: Seine Leute sind heute in den Gewerken Schreinerei, Tischlerei, Schlosserei, Metallbau, Trockenbau, Maler und Lackiererei sowie in der Oberflächenveredelung aktiv.

2012 legte Röck der Hausbank ein Umsatzwachstumskonzept vor. Die empfahl ihm eine Beteiligung der MBG Baden-Württemberg in Höhe eines Monatsumsatzes mit Endfälligkeit nach zehn Jahren für die Wachstumsfinanzierung. „Das war für mich der einzige Weg, meine Eigenkapitalquote in der Bilanz zu erhöhen“, sagt Röck, der mit 180.000 Euro Jahresumsatz startete und keine Sicherheiten vorzuweisen hatte. Ein halbes Jahr dauerte es, bis der Vertrag unter Dach und Fach war. „Die Größe meines Betriebs spielte keine Rolle, ich musste meine Idee verkaufen“, erinnert er sich.

Röck baute noch im selben Jahr die Schreinerei und 2014 die Schlosserei, investierte in passende Maschinen und Mitarbeiter. 2019 hat er sich erneut um eine MBG-Beteiligung gekümmert. Diesmal in Höhe der Hälfte eines Monatsumsatzes, wieder mit zehn Jahren Laufzeit, um das Bürogebäude aufzustocken. Das Kapital will er mit Endfälligkeit zurückbezahlen.

Wermutstropfen: Mit Zinsen und gewinnabhängigen Tantiemen überschlägt der Unternehmer die Kosten auf 18 bis 20 Prozent des Kapitals. Allerdings: Für Betriebe ohne Eigenkapital gibt es wenig Alternativen. Überhaupt sei diese Form der Wachstumsfinanzierung unter Kollegen recht beliebt, „auch wenn sie nicht darüber reden“. Kleinen Unternehmen empfiehlt Röck eine Beteiligung dagegen eher nicht, obwohl er selbst sich in seinen Anfängerjahren darauf stützte.

Andreas Bachmeier, Ecovis-Unternehmensberater aus Dingolfing, schwört im Fall des Wachstums auf Förderungen: „Für jedes Vorhaben gibt es einen Topf.“ Wichtig sei, die Fördermittel zu beantragen, bevor mit der Umsetzung begonnen wird. Auch müssen Investitionsfristen eingehalten und entsprechende Nachweise erbracht werden. „Darum bedarf es eines Investitionsplans“, so der Berater. Sowohl Zuschüsse als auch zinsverbilligte Kredite für Neubau, Maschinen, Fuhrpark, IT und Digitalisierung kommen infrage. „Nur das Grundstück ist nicht förderfähig“, weiß er. „Aber“, mahnt der Profi zur Vorsicht, „gelegentlich sind Kredite der Hausbank günstiger als vermeintlich günstige Förderdarlehen.“ Zumindest, wenn der Betrieb gesund ist.

3. Krise

Michael Stoll, Steuerberater aus Pforzheim, kennt sich mit Krisen aus. Er erinnert sich an einen Fall im letzten Jahr: Der Inhaber eines Malerbetriebs mit sechs Mitarbeitern, Jahresumsatz 520.000 Euro, hatte den Auftrag eines Firmenkunden über 80.000 Euro angenommen. Just zur Fertigstellung geriet der Kunde in die Insolvenz. „Im Vorfeld waren Fehler passiert“, erinnert sich Stoll. Etwa hatte der Maler weder eine Auskunft über die Zahlungsfähigkeit des Kunden eingeholt noch Abschlagsforderungen gestellt. Man kannte sich ja gut. Stoll analysierte den Status des Betriebs, wandte sich mit dem Mandanten an die Hausbank.

Die konnte nur bedingt helfen. „Banken stehen mit Filialsterben, Basel III und IV sowie der Digitalisierung selbst massiv unter Druck“, erläutert der Steuerprofi. Immerhin erhielt der Handwerkerchef die Zusage für eine Krediterweiterung über 20.000 Euro, die sich die Bank über den Fuhrpark absichern ließ.

Für die fehlenden 60.000 Euro sprang ein befreundeter Unternehmer mit einem Darlehen in die Bresche. „Wir haben zügig Verhandlungen geführt und einen Risikozins von 7,5 Prozent vereinbart“, so Stoll. „Schließlich ging es um die Gehälter der Mitarbeiter.“

Dem Handwerkerchef kam die aktuelle Zinssituation zu Hilfe: Auf dem Geldmarkt hätte der Kreditgeber die vereinbarte Höhe nicht so ohne Weiteres erzielt. Der zugrunde liegende Vertrag räumt ein Sonderkündigungsrecht von vier Wochen ein und schreibt ein monatliches Reporting fest. Hätte die Notoperation „Unternehmerhilfe aus dem Bekanntenkreis“ nicht funktioniert, wäre Stoll an eine Kreditplattform herangetreten.

Wolfgang Sass von der WSU Beratungsgesellschaft aus Hallbergmoos empfiehlt Handwerkerchefs, genau jetzt Bonität und Umsätze im Blick zu behalten und die Eigenkapitalquote keinesfalls unter 15 Prozent sinken zu lassen. Während Ecovis-Berater Bachmeier auf Akut-Förderungen in der Krise, das Sale-and-Lease-Back-Verfahren (Maschinenpark wird verkauft und zurückgeleast) oder Factoring setzt, verweist Sass auf die Option, sich um einen Business-Partner oder Kunden zu bemühen. Die Krisen-Förderung hält er für ein adäquates Instrument, schränkt aber ein: „Um Akut-Förderung zu beziehen, benötigt man eine treffliche Geschichte.“

Gut für Liquidität und Eigenkapitalquote sei es, mit Lieferanten einen Forderungsverzicht mit Besserungsschein (Vereinbarung, wann die Forderung wieder auflebt) oder ein Moratorium (Verbindlichkeiten werden gestundet und in Raten zurückbezahlt) zu vereinbaren. Nach Sass‘ Erfahrung geben Banken dann doch noch ihr Okay für den Kredit.

4. Nachfolge

Mitte 2019 ist Alexander Zimbelmann noch angestellter Zahntechnikermeister in einem Labor in Hamburg. Seit Januar 2020 ist er Unternehmer – und glücklich, den Schritt gewagt zu haben. „Ich hatte beruflich alles erreicht, aber da war noch der Wunsch, etwas entstehen zu lassen.

Er beginnt seine Suche auf laborboerse.de und findet dort drei Dentallabore in seiner Nähe, die zum Verkauf stehen. „Räumlichkeiten, Standort, ein gutes Team und eine gute Chemie mit dem Verkäufer waren meine Kriterien“, erzählt der 42-Jährige. Er schreibt die Inhaber an und erhält sofort Antwort. Mit dem ersten verabredet er sich gleich zu einem Gespräch im Labor: „Ich war ein bisschen aufgeregt, aber wir haben uns sofort gut verstanden, das war sehr wichtig für den weiteren Verlauf der Übernahme“, erzählt Zimbelmann.

Sie verhandeln noch mehrmals und werden sich einig. Da Zimbelmann die Mitarbeiter weiterbeschäftigen möchte, der Geschäftsbetrieb also ungestört weiterlaufen kann, ist die Finanzierung der Übernahme kein Problem. Über den Preis spricht der Unternehmer nicht. Aber er sagt: „Der Verkäufer hatte seinen Betrieb von der Handwerkskammer unabhängig bewerten lassen, der Preis war fair.“

Er finanziert die Übernahme zu 100 Prozent mit einem Kredit seiner Hausbank, nach zehn Jahren möchte er schuldenfrei sein. Die Bank bietet ihm die günstigen Konditionen des KfW-Unternehmerkredits und verzichtet auf die sonst übliche Bereitstellungsgebühr. „Das war eine meiner Sorgen, dass ich ab Kreditzusage Zinsen zahlen muss, obwohl ich den Kredit vielleicht noch gar nicht in Anspruch nehme“, erzählt er. Im Lauf der Verhandlung kommt ein zweiter Kredit hinzu, da er ungeplante Anschaffungen finanzieren muss – die Bank stellt das Geld anstandslos bereit. Sollte der Betrieb Extragewinne erwirtschaften, erlaubt ein Sondertilgungsrecht, den Kredit frühzeitig zurückzuzahlen.
Zimbelmanns Tipp für Nachfolger: „Achtet auf die Bewertung des Unternehmens durch einen unabhängigen Dritten und auf die Persönlichkeit des Verkäufers: Wir ziehen an einem Strang, er wollte einen funktionierenden Betrieb übergeben und er möchte in ein paar Jahren auf einen Kaffee vorbeikommen können. Mit dieser Haltung wird eine Übernahme ein Erfolg.“ Auch gute Berater, Steuerberater, eine sachliche Zahlenanalyse und sich Unterstützung zu holen, wann immer Zweifel aufkommen, seien wichtige Stufen, die auf dem Weg zum unternehmerischen Erfolg zu nehmen sind.

9 vielversprechende Wege zum Geld – die große Übersicht:

1. Selbstfinanzierung / Bootstrapping
Keine Finanzierungsvariante ist günstiger. Knapp 45 Prozent aller Start-ups finanziert sich selbst – also über Erspartes, so die Zahlen des Deutschen Startup Monitors (DSM) 2019. Sie wird auch Bootstrapping genannt. „Bootstrap“, das englische Wort für Stiefelriemen, bezieht sich auf die Geschichte von Baron Münchhausen, der sich selbst an seinen Haaren aus einem Sumpf zieht. Der Neuunternehmer verzichtet also auf externe Hilfe und finanziert seinen Betrieb eigenständig.
  • Vorteile: Volle Kontrolle über das Unternehmen, alle Gewinne fließen in die eigene Tasche. Werden später Investoren zur Finanzierung des Wachstums gesucht, sind diese oft beeindruckt von dieser Leistung.
  • Nachteile: Das Budget ist eng begrenzt, ebenso die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Meist ist deshalb auch der Zeitplan eng.
  • Tipp: Schnell operativ tätig werden, Kosten minimieren, einen frühen Break-even anstreben
  • Steuerliche Behandlung: Als Einzelunternehmer können Sie sich selbst kein Darlehen geben. Sie bringen privates Kapital in die Firma ein, beziehen dafür jedoch keine Zinsen. Anders stellt sich die Situation dar, wenn Sie Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft (UG oder GmbH) sind und Ihrer Firma ein Darlehen gewähren. Dann achten Sie darauf, dass Sie in einem Darlehensvertrag Konditionen wie unter fremden Dritten vereinbaren, andernfalls unterstellt das Finanzamt eine steuerschädliche verdeckte Gewinnausschüttung. Für Kapitalgesellschaften gilt: Zinsen sind Betriebsausgaben. Als Gesellschafter mit mindestens zehn Prozent Beteiligung sind die Zinsen Zinserträge, die Sie ohne Abgeltungsteuer mit dem persönlichen Steuersatz versteuern.
2. FFF - Family, Friends and Fools
Verfügt jemand aus Ihrem nahen Umfeld über Eigenkapita, fragen Sie, ob er sich als stiller Beteiligter bei Ihnen engagieren möchte. Stellen Sie Ihre Idee oder Ihr Projekt vor – folgt ein Investment, sollten Rechte und Pflichten vertraglich geregelt werden, vor allem die Gewinn- und Verlustbeteiligung. Laut DSM nutzen
29,3 Prozent der Gründer die Family, Friends and Fools zur Finanzierung. Gleichzeitig sagen sie aber auch, dass sie FFF-Finanzierung nicht bevorzugen würden, wenn sie andere Möglichkeiten hätten.
  • Vorteile: Die Beziehung beruht auf Vertrauen, meist wird vom Kapitalgeber weder ein Mitspracherecht noch ein Reporting über den Geschäftsverlauf gefordert. Oft wird auch keine Verzinsung erwartet.
  • Nachteile: Kann sich Ihr Unternehmen oder Ihr Projekt nicht etablieren, nimmt meist im Zuge des Kapitalverlustes auch die Beziehung Schaden. Deshalb sollten Cash, Bürgschaften und Immobilienhypotheken nicht von Personen angenommen werden, die auf ihr Kapital oder Häuschen angewiesen sind. Wer auch immer Geld gibt, muss wissen, dass es sich um Risikokapital handelt, der Totalverlust also möglich ist.
  • Tipp: Unbedingt eine schriftliche Vereinbarung treffen, die einen Zins festschreibt, selbst wenn er minimal ist. Verzichten Angehörige auf Zinsen und vereinbaren lange Laufzeiten, unterstellt der Fiskus eine Verzinsung von 5,5 Prozent. Das Darlehen tritt dann in der Bilanz nicht mit dem Rückzahlungswert auf, sondern abzüglich Zinsen. Den Gewinn muss das Unternehmen versteuern. Womöglich kommt der Sachverhalt sogar erst bei einer späteren Betriebsprüfung zum Vorschein, die fällige Steuer kostet dann für jedes Jahr zusätzlich sechs Prozent Zinsen. Je nach Verwandtschaftsverhältnis fällt womöglich sogar Schenkungsteuer an.
  • Steuerliche Behandlung: Während der Darlehensnehmer die Zinsen als Betriebsausgaben absetzen kann, bezahlt der Geber maximal 25 Prozent Abgeltungsteuer.
3. Staatliche Förderungen
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Bundesländer fördern Gründung, Wachstum, Digitalisierung und Energieeffizienz sowie Übergabe von Unternehmen mit Bürgschaften, zinsgünstigen Krediten (womöglich mit Haftungsfreistellung), nicht zurückzuzahlenden Zuschüssen und Beratungsleistung. In den ostdeutschen Ländern gibt es oft auch eine Unterstützung für Unternehmen in der Krise. Beratung und Beantragung erfolgt meist über die Hausbank, aber auch die Landesförderbanken und die Kammern bieten kostenlose Beratung an. Auch freie Fördermittelberater kümmern sich – gegen Gebühr – um die Finanzierungswünsche von Unternehmern.
  • Vorteile: Günstige Kreditkonditionen, Zuschüsse, persönliche Ansprechpartner in Banken und Kammern.
  • Nachteile: Starres, oft umfangreiches Antragsverfahren.
  • Tipp: Staatliche Mittel sind im Finanzierungsmix insbesondere durch die Zuschüsse attraktiv.
  • Steuerliche Behandlung:
    Kredite: Darlehenszinsen werden in der Bilanz berücksichtigt und sind als Betriebsausgaben absetzbar.
    Zuschüsse: Der Zuschuss landet in der Gewinn-und- Verlust-Rechnung, wirkt sich gewinnsteigernd aus und wird als Ertrag versteuert. Alternativ kann der Zuschuss von den Investitionskosten abgesetzt werden, entsprechend der Abschreibungstabelle über die jeweiligen Jahre (je nach Wirtschaftsgut). Der Steuerberater prüft, was für den Unternehmer günstiger ist. Etwa eignet sich in ertragsschwachen Jahren eine Aufnahme des Zuschusses in die Gewinn-und-Verlust-Rechnung, um die Steuerlast zu verringern. In ertragreichen Jahren empfiehlt sich eher die langfristige Abschreibung
4. Crowdfunding/ Schwarmfinanzierung
Wenn eine große Anzahl von Geldgebern in ein bestimmtes Vorhaben oder in die Gründung eines Betriebs investiert, wird das Crowdfunding genannt. Der Unternehmer oder Gründer legt eine Mindestkapitalmenge fest, die er einsammeln möchte, und startet eine Aktion auf einer Plattform. Ist das Kapital erreicht, wird die Aktion geschlossen. Jeder Kapitalgeber erhält eine definierte Gegenleistung – Zinsen, Sachleistungen, Beteiligung an Unternehmen oder Verkaufserlös, das Projektergebnis oder das finanzierte Produkt zu einem günstigeren Kaufpreis. Auf crowdfunding.de/plattformen gibt es einen Überblick über rund 120 Plattformen, die Projekte vorstellen und zur Finanzierung anbieten.
  • Vorteile: Wer eine Finanzierungskampagne startet, hat seinen Unternehmens- oder Produktplan bereits gut durchdacht. Kommt das Produkt/Unternehmen auf den Markt, hat es bereits eine gewisse Bekanntheit im Netz.
  • Nachteile: Die Vorbereitung, bis ein Projekt auf eine Plattform kommt, ist aufwendig und der Finanzierungs-erfolg ist nicht gesichert. Wer die Produkt- oder Geschäftsidee ins Netz stellt, darf keine Angst vor dem Ideenklau haben. Und die (vielen) Investoren möchten über Social-Media-Kanäle auf dem Laufenden gehalten werden – das kostet Zeit.
  • Tipp: Crowdfunding muss zum Projekt (wenig erklärungsbedürftig) und zum Unternehmer (Bereitschaft, den Geschäftsverlauf mit Bildern und regelmäßigen Posts online zu begleiten) passen.
  • Steuerliche Behandlung: Crowdfunding ist nicht gleich Crowdinvesting: Bei Darlehen (Investing) versteuert der Investor Zinsen. Tilgen Sachleistungen die Schulden, fallen Einkommen- und Umsatzsteuer an. Für eine stille Gesellschaft oder ein gewinnabhängiges Darlehen werden Umsatz- und Kapitalertragsteuer fällig.
5. Business Angels
Erfolgreiche Unternehmer investieren gern in Unternehmen. Sie stellen Kapital, Erfahrung, Netzwerk und manchmal auch die eigene Buchhaltung oder Rechtsabteilung zur Verfügung. Sie werden oft bereits in der Frühphase einer Gründung eingebunden und begleiten den gesamten Start-up-Prozess. Rund 40 Business-Angel-Netzwerke sind in Deutschland aktiv (business-angels.de). Business Angels gehören zu den wichtigsten Wachstumsbeschleunigern bei Start-ups und spielen bei Expansionsplänen eine wichtige Rolle.
  • Vorteile: Unerfahrene Gründer mit einer guten Geschäftsidee erhöhen ihre Chancen auf Erfolg, indem sie von der Erfahrung des Business-Angels profitieren.
  • Nachteile: Der Geldgeber möchte mitsprechen und engmaschig informiert werden über den operativen und strategischen Geschäftsverlauf.
  • Tipp: Bereits beim Erstkontakt die Geschäftsidee samt Businessplan fehlerfrei präsentieren.
  • Steuerliche Behandlung: Für Darlehen gilt: Der Unternehmer zieht die Zinsen als Betriebsausgaben ab, der Investor versteuert sie. Beteiligt sich der Business Angel mit Know-how oder Netzwerk, erhält er eine Vergütung oder einen Teil des Kaufpreises beim Unternehmensverkauf. Das Honorar stellt eine Betriebsausgabe dar oder mindert den Verkaufsgewinn.
6. Venture-Capital/ Wagniskapital/Beteiligung
Einige Beteiligungsgesellschaften haben sich auf Wagniskapital fokussiert. Sie investieren Kapital und Know-how in Frühphasen-Start-ups – auch Seed-Investments genannt. Ebenso investieren sie in Unternehmen, die vor einem Wachstumssprung stehen. Im Gegenzug erhalten sie Anteile am Betrieb. VC-Investoren planen den Ausstieg meist nach fünf bis acht Jahren. Dieser wird über einen Börsengang oder Verkauf ihrer Anteile an andere Investoren oder das Management des
finanzierten Betriebs angestrebt. Ihr Fokus liegt weniger auf laufender Rendite, sondern eher auf einem hohen Verkaufserlös. Die Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften (MBG) in den Bundesländern sind regionale Förderer, die auch kleine Betriebe finanzieren und nicht die eigene Gewinnerzielung in den Fokus rücken. Der Liquiditätsspielraum der Unternehmen wird erweitert, die wirtschaftliche Eigenkapitalquote erhöht und das Rating verbessert sich – die MBG mischt sich nicht ins Tagesgeschäft ein.
  • Vorteile: Venture Capitalisten sichern die Liquidität, sorgen für eine straffe Organisation und klare Gewinnausrichtung. Es müssen keine Zins- und Tilgungsleistungen gezahlt werden. Der VC haftet mit seiner Einlage.
  • Nachteile: Das Mitspracherecht der VCler bei operativen und strategischen Entscheidungen kann hoch sein. Der Fokus liegt auf einem hohen Verkaufswert – andere Werte, wie Umgang mit Mitarbeitern oder langsames, aber nachhaltiges Wachstum werden oft vernachlässigt.
  • Tipp: Regeln Sie Einstieg, Mitsprache, Reporting und Ausstieg des Investors im Detail im Gesellschaftervertrag.
  • Steuerliche Behandlung:Venture Capital kann als Eigen- oder Fremdkapital ausgestaltet sein. Häufig ist es eine Kombination. Hier gilt die Faustformel: Die Vergütung für Fremdkapital fällt unter Betriebsausgaben, Gewinnausschüttungen lassen sich hingegen nicht steuerlich absetzen.
7. Einen Kunden oder Business-Partner gewinnen
Wer eine gute Geschäftsidee hat und für ihre Umsetzung lediglich die Einbindung bestehender Kunden oder Geschäftspartner benötigt, sollte diese ansprechen. Vielleicht beteiligen sie sich und liefern auch gleich die potenziellen Kunden oder das notwendige Netzwerk mit.
  • Vorteile: Alle Beteiligten sind Branchenkenner, das erleichtert die Kommunikation und die Einigung auf Unternehmensstrategie und Umsetzung.
  • Nachteile: Ein Partner spricht bei allen Entscheidungen mit. Gelingt die Umsetzung nicht, ist oft die Geschäftsbeziehung gestört – mit negativen Folgen für das ursprüngliche Geschäft.
  • Tipp: Gute Verträge, die Regelungen bei Verlust des Kapitals und Ausstiegsklauseln beinhalten, schützen die Beziehung der Geschäftspartner.
  • Steuerliche Behandlung: Gründet der Unternehmer gemeinsam mit dem Partner ein Unternehmen, wird der künftige Gewinn geteilt. Es entstehen keine abzugsfähigen Aufwendungen für den Unternehmer, da eine Beteiligung am Eigenkapital vorlieg
8. Bankkredit
Für Gründung oder Wachstum Geld von der Bank zu bekommen ist nicht einfach. Es werden oft Eigenkapital und Sicherheiten gefordert. Die Rückzahlung erfolgt in monatlichen Raten plus Zinsen.
  • Vorteile: Der Geldgeber hat kein Mitspracherecht bei unternehmerischen Entscheidungen. Die Rückzahlung kann über einen langen Zeitraum gestreckt werden.
  • Nachteile: Bankkredite für Gründer und Wachstum sind schwer zu bekommen oder oft teuer. Zinsen und Gebühren bei Zahlungsverzögerungen können hoch sein.
  • Tipp: Nutzen Sie staatliche Fördermittel. Digitale Mittelstandsfinanzierer (FinTech) vergeben Kredite zu guten Konditionen. Meist prüfen sie auch, ob staatliche Fördermittel – und zu welchen Konditionen – nutzbar sind.
  • Steuerliche Behandlung: Zinsen und Gebühren sind abzugsfähige Betriebsausgaben.
9. Bürgschaft
Erscheint einer Bank die Zins- oder Rückzahlung eines Kredites nicht sicher, verlangt sie oft eine Bürgschaft von einem Dritten. Dies übernimmt oft die Bürgschaftsbank der Bundesländer, aber auch private Bürgen können helfen. Man unterscheidet Ausfallbürgschaft von selbstschuldnerischer oder Globalbürgschaft. Vorsicht vor selbstschuldnerischen Bürgschaften. Hier zieht die Bank den Bürgen bereits mit dem ersten Ausfall einer Kreditrate heran. Bei der Globalbürgschaft haftet der Bürge auch für künftige Kredite.
  • Vorteile: Der Kreditnehmer muss keine extra Sicherheiten stellen. In schwierigen Unternehmensphasen erleichtert die Bürgschaft den Erhalt von Krediten zu akzeptablen Konditionen. Kreditsummen können über die eigene Bonität hinaus erhöht werden.
  • Nachteile: Bürgschaften können in bestimmten Fällen gekündigt werden.
  • Tipp: Um Streit zu vermeiden, sollte bei Bürgen aus dem privaten Umfeld in einer separaten Vereinbarung geklärt werden, wie eine Entschädigung aussehen soll, wenn der Bürgschaftsfall eintritt. Generell vereinbaren die Partner die Dauer und legen einen Betrag fest, bis zu dem der Bürge maximal haftet.
  • Steuerliche Behandlung:Verlangt der Bürge eine Bürgschaftsprovision, entstehen beim Kreditnehmer Betriebsausgaben. Bürgt ein Ange-
    höriger des Unternehmers, verzichtet auf eine Rückzahlung, ist der Wegfall der Verbindlichkeiten als betrieblicher Ertrag zu erfassen. Hier könnte Schenkungsteuer anfallen. Auch wenn die Bank auf einen Teil des Kredits verzichtet, erzeugt dies einen betrieblichen Ertrag.


Verwandte Inhalte
© handwerk-magazin.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen