Geldanlage Nachhaltig investieren: In Deutschland besonders beliebt

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Der deutsche Fondsverbands BVI hat eine europaweite Studie zum nachhaltigen Investieren erstellt. Demnach ist Deutschland einer der größten Absatzmärkte für nachhaltig investierende Produkte in Europa. Besonders gefragt: Investments mit positiver Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft. So geht das Impact Investing.

Impact Investing - für Rendite mit reinem Gewissen
Impact Investing – für Rendite mit reinem Gewissen – © peter-stock-adobe.com

Der Markt für nachhaltige Geldanlage wächst – und Deutschland ist im Europavergleich dafür gut gerüstet. Das ergab eine Marktanalyse des Branchenverbands BVI, auf Basis der Daten des Researchhauses Morningstar. Nach Frankreich und der Schweiz hat Deutschland das größte Fondsvolumen in diesem Markt. „Deutschland hat sich zu einem der größten Absatzmärkte für nachhaltige Fonds in Europa entwickelt“, erklärt dazu Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. Das Vermögen nachhaltiger Fonds ist auf 129 Milliarden Euro angewachsen. Das entspricht einem Wachstum von 27 Prozent seit September 2020. Zum Vergleich: Konventionelle Fonds erzielten in dieser Zeit nur ein Plus von zwei Prozent. Das Wachstum der Nachhaltigkeitsfonds beträgt seit Ende März sogar 44 Prozent.

Entwickelte Nachhaltigkeitsmärkte

Deutschland, Frankreich und die Schweiz machen zusammen mit Schweden, den Niederlanden, England und Norwegen knapp 90 Prozent des nachhaltigen Fondsmarkts in Europa aus. Sie gelten als die entwickelten Fondsmärkte, die sich durch niedrige Produktkosten und eine über dem Schnitt liegende Rendite auszeichnen.

Marktanteile im europäischen nachhaltigen Fondsmarkt nach Herkunftsländern der anbietenden Fondsgesellschaften (Provenienz)

So stark ist der Trend zum Impact Investing in Europa
So stark ist der Trend zum Impact Investing in Europa – © Morningstar

Quelle: Morningstar, Juli 2020, Angaben in Prozent

Bei der Analyse wurden Publikumsfonds mit traditionellen Anlageklassen berücksichtigt (Aktien und Zinspapiere). Als Kriterien für die Zuordnung zu einem „entwickelten“ Absatzmarkt definiert die Studie die Fortschrittlichkeit der nationalen Regulierung und den Marktanteil nachhaltiger Publikumsfonds am inländischen und europäischen Fondsvolumen. Die deutschen Fondsgesellschaften liegen mit zehn Prozent des europäischen Marktvolumens an vierter Stelle hinter Frankreich (21 Prozent), der Schweiz (15 Prozent) und amerikanischen Anbietern (11 Prozent).

Deutschland hat niedrige Kosten

Die zusätzlichen Kosten, die nachhaltige Fonds aufgrund aufwändiger Analysen und verstärkter Datenzukäufe verursachen, scheinen die Anbieter in den entwickelten Fondsmärkten bislang nicht zu belasten. Im Gegenteil, hier punktet Deutschland mit niedrigeren Produktkosten. Das führt die Studie im Wesentlichen darauf zurück, dass viele nachhaltige Fonds erst in den letzten Jahren aufgelegt wurden, also in einem Umfeld mit hohem Preisdruck.

Darüber hinaus ist die Wertentwicklung nachhaltiger Fonds laut der Studie in den entwickelten Fondsmärkten überdurchschnittlich .

Verschiedene Nachhaltigkeitsstrategien

Als Anlagestrategien untersuchte die Studie den Einsatz von Ausschlusskriterien (z.B. keine Waffen, keine Chemie, keine Kinderarbeit), „ESG Engagement“ (Environment – Social – Governance. Heißt: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung), „ ESG-Strategien„, Themenfonds und „Impact Investing „. In fast allen untersuchten Märkten überwiegen “ ESG-Strategien“. Das sind Strategien wie der Best-in-Class Ansatz. Diese Fonds investieren also in Unternehmen, die in ihrer Branche am Fortschrittlichsten mit desn ESG-Kriterien umgehen und sich über die üblichen fundamentalen Parameter hinaus zu weiteren Nachhaltigkeitsaspekten verpflichten. Großes Wachstumspotenzial bescheinigt die Studie dem deutschen Fondsmarkt vor allem für Nachhaltigkeitsstrategien wie „Impact Investing“.

Impact Investing: Was ist das?

Impact ist das englische Wort für Wirkung. Impact Investing ist daher die Geldanlage in Unternehmen, Organisationen und Fonds, mit der ausdrücklichen Absicht, neben einer Rendite messbare, positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft zu erzielen. Die soziale und/oder ökologische Wirkung ist Teil der Investmentstrategie und diese Wirkung wird auch gemessen.

Nachhaltigkeit als dynamisch wachsendes Segment

Die BVI-Mitglieder verwalten 3.680 Milliarden Euro für ihre Kunden. Sie sind damit eine der bedeutendsten Kapitalsammelstellen in Deutschland und spielen eine Schlüsselrolle für nachhaltige Anlagen. Der Fondsbestand von über drei Billionen Euro ist über mehrere Jahrzehnte durch die Gelder institutioneller (Versicherungen, Pensionsfonds, Stiftungen) und privater Anleger gewachsen.

Das Segment der nachhaltigen Fonds ist im Vergleich noch jung, wächst in Deutschland aber rasant.. Rund 60 Prozent der 129 Milliarden Euro Vermögen der nachhaltigen Fonds liegen in Publikumsfonds – also Fonds, die von Privatanlegern gekauft werden. Auch das Neugeschäft legte kräftig zu. Bis September 2020 verzeichneten nachhaltige Fonds Nettozuflüsse von 10,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (Januar bis September 2019) entspricht das einer Steigerung von 110 Prozent.

Die Studie mit dem Originaltitel „How Far is the Sustainable Fund Market in Europe? – On the Competitive Position of the German Asset Management Industry“ kann über den Link heruntergeladen werden.