Dienstrad & Co. Mitarbeiter: Fachkräfte mit Mobilität gewinnen, binden und motivieren

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Fachkräftemangel, Fördermittel und Mitarbeitermotivation

Vom Job-Ticket über das Dienstrad-Leasing bis hin zu Mobilitätsbudgets: Mit innovativen Angeboten stärken Betriebe ihre Mitarbeiterbindung und gewinnen Nachwuchs sowie neue Fachkräfte. Dabei können Chef und Mitarbeiter durch die üppige Förderung kräftig Steuern sparen.

Carmen Klopf (Mitte, ohne Rad), Personalleiterin bei Haga Metallbau
„Die Nachfrage nach den Diensträdern ist durch Corona deutlich gestiegen“, bestätigt Carmen Klopf (Mitte, ohne Rad), Personalleiterin bei Haga Metallbau im unterfränkischen Hofheim. – © Stephan Minx

Bis zu zwei Diensträder kann sich ein Mitarbeiter der Haga Metallbau im unterfränkischen Hofheim für drei Jahre leasen. Davon macht die Belegschaft seit der Einführung im Frühjahr 2019 regen Gebrauch. „Während der Corona-Krise ist die Nachfrage unter unseren rund 300 Angestellten nochmals deutlich gestiegen“, sagt Personalleiterin Carmen Klopf. Sie liefert gleich die Gründe: „Nicht wenige verbringen hierzulande ihren Urlaub mit Radtouren und halten sich damit fit.“

45 Bikes hat der Handwerksbetrieb inzwischen beschafft, die zu rund 60 Prozent aus Pedelecs und 40 Prozent aus Rädern ohne Hilfsantrieb bestehen. Obwohl der Neuwert pro Stück bis zu 10.000 Euro betragen darf, halten die Mitarbeiter Maß. Der aktuelle Durchschnittswert beläuft sich auf rund 3.000 Euro.

Die Bikes werden vom Unternehmen, das auf die Planung, Herstellung und Montage von Fenstern, Türen und Fassaden aus Aluminium, Stahl und Glas spezialisiert ist, via Jobrad geleast. Der Nutzer kann sein Rad über alle bei der Jobrad-Plattform gelisteten Händler beziehen. Ist der Wunschhändler nicht dabei, kann er Partner bei Jobrad werden, muss jedoch für alle nicht selbst akquirierten Kunden sieben Prozent Rabatt auf den Verkaufspreis (maximal 238 Euro) gewähren. Da Jobrad jedoch schon sehr viele Händler als Partner hat, kommt dieser Fall eher selten vor, wie Carmen Klopf bestätigt: „Bisher sind alle Händler beim Dienstleister gelistet gewesen.“

Attraktiv sein als Arbeitgeber

Die Leasingrate plus optionales Servicepaket, das eine Inspektion pro Jahr beinhaltet, zahlt der Mitarbeiter via Gehaltsumwandlung aus dem Bruttolohn. Von ihm wird der geldwerte Vorteil aus der Nutzung mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als Bemessungsgrundlage versteuert. Der Arbeitgeber übernimmt die Versicherung über die Laufzeit des Leasingvertrages.

Klopf freut sich, dass das Modell angenommen wird. „Wir haben uns gefragt, was wir noch tun können, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein“, erläutert die Personalverantwortliche. Ergebnis der Debatte: die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, bei dem das Dienstrad-Leasing ein wichtiger Bestandteil ist. „Die Beschäftigten schätzen es, dass sie einen persönlichen Vorteil haben und mit dem zweiten Fahrrad auch ihren Partner ins Boot holen können“, meint Klopf. Einige seien nach der Übergabe des Rades explizit noch mal auf sie zugekommen und hätten sich bedankt. Auch kommt es in Bewerbungsgesprächen gut an, wenn sie das Angebot erwähnt.

Darüber hinaus bringt das Modell für den Betrieb auch betriebswirtschaftliche Vorteile: Durch den Abzug der Leasingrate vom Bruttolohn werden die Steuer- und Sozialabgaben gemindert. „Zugleich bleibt der Verwaltungsaufwand gering, weil ich das Dienstrad-Leasing zentral für unsere Mitarbeiter an den drei Standorten über das Portal managen und auch den Entgeltumwandlungsvertrag daraus unmittelbar generieren kann“, erläutert die Personalleiterin. Weitere Mobilitätsdienste gibt es bei Haga Metallbau derzeit nicht, das Unternehmen setzt vielmehr auf Fahrgemeinschaften.

Lastenräder für die Stadt

„Generell läuft in mittelständischen Unternehmen viel über Fahrgemeinschaften, wenn es um die Auszubildenden geht“, bestätigt Michael Schramek, Geschäftsführer von EcoLibro. Gleichwohl rät der Spezialist für betriebliches Mobilitätsmanagement, andere Möglichkeiten mitzudenken, um im Wettbewerb um Auszubildende und junge Fachkräfte zu punkten. Neben dem Dienstrad-Leasing oder dem Bike-Sharing sei vor allem in Städten das Elektro-Lastenrad eine unterschätzte Alternative. „Es ist nicht nur attraktiv, weil es oft ein vollwertiges Arbeitsmittel ist, sondern der Mitarbeiter kann damit auch nach Hause fahren.“ Das Ganze sei zudem steuerfrei, wenn es der Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt übernimmt. Zudem gebe es in einzelnen Bundesländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen extra Förderungen für Lastenräder .

Jobticket für junge Mitarbeiter

Eine andere Option stellt das Job-Ticket zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel dar: „Vor allem junge Leute ohne Führerschein sind so flexibel und können sowohl zum Arbeitsplatz als auch zu vielen Baustellen fahren.“ Denn für das Job-Ticket gibt es keine Kilometerbegrenzung.

Darüber hinaus entstehen für den ländlichen Raum mit schlechter ÖPNV-Anbindung derzeit viele neue Konzepte. Schramek verweist dabei vor allem auf das pulsierende Carsharing, bei dem mehrere Mitarbeiter gemeinsam aus entlegeneren Regionen zur Arbeit in die Stadt fahren. Dort werden die Fahrzeuge tagsüber entweder geschäftlich vom Unternehmen oder von Anwohnern genutzt. Abends kutschieren die Pendler mit dem Kleinbus dann wieder nach Hause.

Die verschiedenen Dienste können Unternehmen aber auch nach Bedarf bündeln und ein Mobilitätsbudget bereitstellen. Die Mitarbeiter haben dann die freie Wahl, für welche Fortbewegungsart sie den Betrag in Anspruch nehmen. „Arbeitgeber brauchen dafür jedoch einen Dienstleister, der sowohl die gesamten Prozesse als auch die steuerlichen Rahmenbedingungen Tool-gestützt in einer App abbildet“, meint Schramek. Als Beispiele nennt er Start-ups wie Mobiko und Lofino. Speziell Handwerkern empfiehlt er, sich die passenden Angebote aus dem Portfolio an neuen Alternativen herauszupicken.

Aus steuerlicher Sicht bergen die verschiedenen Dienste jedenfalls viele Vorteile. So sind etwa die Job-Tickets respektive Tickets im ÖPNV oder Linienverkehr für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte steuerfrei, wenn der Arbeitgeber diese zum ohnehin geschuldeten Lohn finanziert. „Die Steuerbefreiung gilt auch für das Dienstrad-Leasing, wenn das in Paragraf 37 Einkommensteuergesetz geregelte Zusätzlichkeitskriterium erfüllt ist“, sagt Steuerberater Oliver Hagen aus Berlin.

Mitarbeiter am Leasing beteiligen

In den meisten Fällen beteiligen Unternehmen ihre Mitarbeiter aber am Bike-Leasing. Entweder der Arbeitgeber zahlt einen Teil der Rate und der Arbeitnehmer leistet den anderen aus dem Nettogehalt. Oder das Leasing erfolgt über eine Bruttogehaltsumwandlung. Bei dieser Variante ist seit 2020 nur noch ein Viertel des Bruttolistenpreises als Bemessungsgrundlage für den geldwerten Vorteil von einem Prozent monatlich vom Arbeitnehmer zu versteuern.

Mobilität können Unternehmen bis zur Grenze von 44 Euro auch als Sachlohnbezug fördern. Das bietet sich für andere Alternativen zum Job-Ticket oder Dienstrad-Leasing wie zum Beispiel Bike-Sharing und Tanken an. Der Sachlohnbezug ist ebenfalls steuerfrei, wenn er zusätzlich geleistet wird. Eine Musterrechnung zeigt, wie sich die unterschiedlichen Modelle in der Lohn- und Gehaltsabrechnung niederschlagen.

Welche Bedeutung der Faktor Mobilität für die Motivation haben kann, weiß Professor Armin Trost. „Die Rekrutierung des Personals in Kleinbetrieben erfolgt meist innerhalb der Region.“ Nach Erfahrung des Lehrstuhlinhabers an der Business School der Hochschule Furtwangen sprechen sich dadurch „innovative Angebote herum und hinterlassen jenseits der finanziellen Anreize in bestimmten Zielgruppen bleibenden Eindruck“. Handwerker könnten damit im Wettbewerb um Fachkräfte durchaus punkten: „Im Vorfeld sollten die Betriebe jedoch analysieren, welche Kandidaten sie suchen und welche Leistungen für diese attraktiv sind.“ Wie immer muss der Köder natürlich dem Fisch schmecken.

Mobilität: Was Chefs ihren Mitarbeitern bieten können

Neben dem klassischen Firmenwagen können Betriebe ihre Mitarbeiter auf vielen Wegen dabei unterstützen, mobil und flexibel zu sein. Im Kommen ist dabei vor allem das Fahrrad, das inzwischen auch zum Lastentransport taugt.

  1. Bike-Leasing: Vom klassischen Fahrrad über das Rennrad bis hin zum E-Bike: Die verschiedensten Modelle sind als Diensträder in der Regel über drei oder vier Jahre bei spezialisierten Anbietern leasebar. Dazu gehören Bicicli, Bikeleasing-Service, Businessbike, Company Bike Solutions, Eurorad, Jobrad, Lease-a-Bike und Mein-Dienstrad. Auf den Webseiten wie beispielsweise bei Businessbike oder Jobrad sind auch Online-Rechner integriert, mit denen sich die Vorteile respektive Belastungen kalkulieren lassen.
  2. Bike-Sharing: In immer mehr Städten können Bewohner ein E-Bike oder auch einen E-Roller über eine bestimmte Zeit auch mieten. Anbieter sind etwa Nextbike, Ride-Abo und Swapfiets.
  3. Jobticket: Unternehmen können Streckenkarten oder Karten für Fahrten in einem Zeitraum für bestimmte Strecken oder in einem Gebiet beim regionalen oder überregionalen Verkehrsunternehmen meist zu Sonderkonditionen für ihre Mitarbeiter kaufen. Die Rabatte und Leistungen unterscheiden sich je nach Region. Auskünfte gibt es bei den jeweiligen Verkehrsverbünden oder der Deutschen Bahn.
  4. Carsharing : Unternehmen mieten bei den Anbietern Autos für ihre Mitarbeiter und bilden darüber etwa auch Fahrgemeinschaften, die damit den Weg zur Arbeit und zurück absolvieren. Wo sich welche Carsharing-Unternehmen mit Stationen befinden, ist größtenteils auf der Seite des deutschen Bundesverbandes unter carsharing.de abrufbar.
  5. Mobilitätsbudget : Hier geben Betriebe einen bestimmten Betrag pro Monat für die Mobilität des Mitarbeiters aus. Dieses Budget wird vom Nutzer je nach Bedarf für das jeweils benötigte Verkehrsmittel eingesetzt. Dienstleister, die solche Lösungen IT-gestützt managen, sind beispielsweise Benefits & more , Lofino und Mobiko .
  6. Autos für Azubis: Damit Unternehmen junge Leute für die Ausbildung gewinnen und halten können, hat etwa die Servicegesellschaft Deutsches Handwerk das Angebot „Azubi Auto“ aufgelegt. Mitglieder können bei der Einkaufsgesellschaft Kleinwagen mit Nachlässen erwerben. Der Fahrer versteuert die Nutzung mit dem geldwerten Vorteil von einem Prozent des Bruttolistenpreises.