Was ChatGPT, Claude, Gemini, Le Chat und Co. fürs Handwerk leisten können: Darüber schreibt Redakteurin Irmela Schwab in ihrer Kolumne über künstliche Intelligenz im Handwerk. Die 8. Folge von "KI-Trends im Handwerk" zeigt, wie Betriebe ihre Services und Produkte maschinenlesbar und buchbar gestalten müssen. Und zwar, bevor große Plattformen den Zugang kontrollieren.

- Folge: KI-Trends gegen den KI-Einheitsbrei
- Folge: Wie Betriebe ihre Einsatzplanung automatisieren
- Folge: Vorsicht, die Cyberkriminellen kommen!
- Folge: Los geht’s – aber wie?
- Folge: Smarte Brillen und smarte Maschinen als Unternehmensgehirn
- Folge: Mit der KI smarte Jahresziele für 2026 stecken
- Folge: KI nutzen – aber mit Köpfchen weiterentwickeln
- Folge: Agentic Commerce – mit einem Klick von der Recherche zum Kauf
Folge 8: Agentic Commerce – mit einem Klick von der Recherche zum Kauf
Wer über KI sucht, kauft schneller. Diese These hat Timo Benzin im März auf dem W&V Summit gezeigt. Internetnutzer, die sich über ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung informieren, kommen über AI Overviews und den AI Mode (die ausgewählte Resultate zusammenfassen) deutlich schneller zu einer Kaufentscheidung, so führte es der Datenexperte bei Google Deutschland aus. Seine Zahlen belegen: 77 Prozent der Nutzer entscheiden schneller, 75 Prozent fühlen sich dabei sicherer in ihrer Wahl. Was früher mehrere Klicks und Vergleiche erforderte, geschieht nun in einem einzigen Schritt.
Ein Schritt weiter – und wir sind schon mitten im sogenannten Agentic Commerce. Darüber sprach Benzin in seinem Vortrag „Future of Search & Agentic Commerce“. In dieser neuen Ära des Online-Handels treten KI-Systeme aktiv als Vermittler zwischen Recherche und Kauf auf. Wenn ein Nutzer nach einer Winterjacke sucht, erhält er direkt eine vorselektierte Produktauswahl – samt Kaufoption. Wenn er nach einer Handwerksleistung sucht, erwartet er es ebenso.
Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Wer in diesen KI-gestützten Empfehlungen nicht auftaucht, existiert für einen wachsenden Teil der Käufer schlicht nicht. Ohne "maschinenlesbare" und direkt buchbare Angebote wird ein Anbieter im Zweifel gar nicht mehr berücksichtigt. Was heißt das konkret? Hier sind die wichtigsten vier Learnings und klare To-dos fürs Handwerk:
1. Sichtbarkeit entsteht durch strukturierte Daten – nicht durch schöne Websites
KI-Agenten lesen keine Websites wie Menschen, sondern bewerten strukturierte Informationen. Um sich auf den neuen Mechanismus einzustellen, sollten Handwerksbetriebe
- Leistungen klar und standardisiert beschreiben, z. B. "Heizungswartung", "Badsanierung",
- Preise und Verfügbarkeiten transparent machen,
- und Inhalte strukturiert aufbereiten: klare Überschriften, logische Inhalte.
2. Wer nicht direkt buchbar ist, verliert Aufträge
Agenten optimieren auf Geschwindigkeit: Wenn kein direkter Abschluss möglich ist, wird der nächste Anbieter gewählt. Ziel ist es daher, den Weg vom ersten Kontakt bis zum Auftrag ohne Medienbruch ebnen. Das heißt für Handwerksbetriebe:
- Online-Terminbuchung anbieten,
- Angebote digital bestätigbar machen,
- Reaktionszeiten drastisch verkürzen.
3. Vertrauen wird algorithmisch bewertet
KI-Agenten entscheiden nicht emotional, sondern datenbasiert – wobei sie auch den Faktor "Vertrauen" bewerten. Handwerksbetriebe sollten daher
- aktiv Bewertungen sammeln und pflegen,
- Referenzen und Projekte sichtbar machen,
- Klare Leistungsversprechen formulieren
4. Standardisierung schlägt Individualangebot
Individuelle Angebote "auf Anfrage" funktionieren schlecht in automatisierten Auswahlprozessen. Besser ist es, schnell vergleichbare und buchbare Leistungen anzubieten. Und das geht so:
- typische Leistungen paketieren, z. B. Wartung, Installation, Reparatur,
- klare Preisspannen oder Richtpreise definieren,
- Angebotsprozesse vereinfachen.
5. Jetzt starten – bevor Plattformen den Zugang kontrollieren
Agentic Commerce wird oft über Plattformen und Schnittstellen laufen. Die Vergangenheit hat gezeigt: Wer zu spät kommt, wird abhängig. Das To-do fürs Handwerk lautet daher, selbst für Sichtbarkeit zu sorgen und somit die Kontrolle zu behalten:
- erste digitale Prozesse selbst aufbauen, z. B. Buchung, Angebote,
- Plattformen strategisch nutzen, aber nicht ausschließlich darauf verlassen,
- eigene Datenbasis und Kundenzugänge stärken.
Fazit: Struktur, Geschwindigkeit und Vertrauen werden durch die KI-Trends zur neuen Währung
Mit Agentic Commerce verschiebt sich der Wettbewerb grundlegend: Es reicht nicht mehr, gut zu arbeiten – man muss auch so aufgestellt sein, dass KI-Systeme einen auswählen können. Für Handwerksbetriebe bedeutet das: Struktur, Geschwindigkeit und Vertrauen werden zur neuen Währung im Wettbewerb.
Übrigens: Ein zusätzlicher Hebel, der dabei oft unterschätzt wird, liegt in barrierefreien Websites, die seit diesem Jahr für viele Firmen Pflicht sind (darüber berichten wir in der April-Ausgabe von handwerk magazin). Die Anforderungen an klare Struktur, verständliche Inhalte und saubere technische Umsetzung helfen nicht nur Menschen, sondern auch KI-Systemen, Inhalte besser zu erfassen und zu bewerten.
Folge 7: KI-Trends nutzen – aber mit Köpfchen weiterentwickeln
KI nutzen macht Spaß und bringt schnell Ergebnisse, doch kostet das auch seinen Preis: Wenn wir zulassen, dass uns ChatGPT, Gemini und andere Tools tägliche Entscheidungen abnehmen – opfern wir damit nicht unser eigenständiges Denken? Unser schwer erarbeitetes Know-how, erlernte Kompetenzen samt unserer Intuition, über die wir spüren, wenn etwas falsch läuft?
Denn diese Entwicklung läuft falsch, wenn wir sie einfach so passiv passieren lassen. Über Worst-Case-Szenarien sprachen vor Kurzem Unternehmer rund um den Globus der internationalen Konferenz DLD in München. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen aus Deutschland, den USA oder Indien – alle plagte die Frage: Was ist, wenn die generative KI menschliche geistige Fähigkeiten reduziert und uns abhängig macht?
ChatGPT und Co. dürfen keine eigenen Ziele verfolgen
Von der „Hilflosigkeit ohne Computer“ – wie es Pegor Papazian, Gründer eines Tech-Instituts in Armenien, formulierte – bis hin zur kompletten Ohnmacht, reichten die düsteren Prophezeiungen. So sei KI-Kontrolle unklar und potenziell gefährlich, verkündete Stuart Russell, der Informatik an der University of California in Berkeley lehrt. „Wir wissen nicht, wie wir diese Systeme kontrollieren. Wenn ein KI-System in Gefahr gerät, ausgeschaltet zu werden, wird es nahezu alles tun, um das zu verhindern.“
Ohne Kontrollmechanismen bestehe tatsächlich bei KI-Trends das Risiko, dass KI Handlungen ausführt, die nicht mehr menschlich steuerbar seien, so Russell, der mit seinem Buch „Künstliche Intelligenz. Ein moderner Ansatz“, das erstmals in den 1990er-Jahren erschien, als Mitbegründer der Supertechnologie gilt. Als er die erste Edition schrieb, so gestand er auf dem DLD, hatte er einen fundamentalen Gedanken nicht berücksichtigt: „Eine KI darf keine eigenen Ziele haben. Sie muss ausschließlich menschliche Interessen verfolgen.“ Ist es jetzt zu spät dazu? Oder kann man noch etwas tun, damit KI-Trends uns dienen anstatt umgekehrt?
Oliver Nimz: „Prompting ist wie tapezieren“
Nicht nur in Armenien und den USA arbeitet man an Lösungen – auch hierzulande macht man sich Gedanken. Selbst im Handwerk, wo die KI vermeintlich noch weniger Einfluss hat. In seiner täglichen Praxis als soloselbstständiger Handwerker sieht Oliver Nimz ein gefährliches Phänomen. „Wir behandeln KI wie eine neue Art von digitaler Tapete“, skizziert es der Maler, Bodenleger sowie Schimmelsanierer aus Rostock. Ein bisschen prompten hier, ein bisschen prompten da – und über die glatte Oberfläche freuen?
Nimz vergleicht diese Art des Promptens mit Tapezieren: Es macht die Optik schön, aber es sagt nichts über die Tragfähigkeit aus. „Wahre Souveränität im Handwerk erreichen wir nur durch Mauern – das ist das Engineering.“ Was er damit meint, ist, dass man die logische Statik hinter den KI-Trends verstehen muss. „Führen und anleiten“ anstatt „einfach mal machen lassen“.
Die Formel des Netto-Nutzens
Ebenso wichtig findet er es, dass KI-Trends echte Vorteile bieten sollen. KI einfach nur nutzen, schafft schließlich noch keine Erleichterung im Arbeitsalltag. „Oft wird uns KI als reiner Zeitgewinn verkauft“, sagt Nimz. Der Maler hat daher eine rechnerische Modellierung entwickelt, um die „Milchmädchenrechnungen der Software-Anbieter“ – wie er es nennt – zu entlarven. Um den wahren Wert der KI für einen Betrieb zu berechnen, rät er zur Formel: NN = G – V – K.
Die Formel NN = G-V-K
- NN steht für Netto-Nutzen
- G ist der Gewinn: Die Zeit, die rein operativ gespart wird, z. B. durch Erstellung eines Textentwurfs.
- V sind die Verifizierungskosten: Die Zeit und das Geld, das ein Nutzer aufwenden muss, um das Ergebnis auf Fehler und Halluzinationen zu überprüfen. Handwerker haften für jedes Maß und jede Zusage – die Kontrolle ist wegen dieser Haftung zwingend erforderlich, nicht optional.
- K bedeutet Kognitionsverlust: Der schleichende Abbau der eigenen Fachkompetenz und Urteilsfähigkeit durch die Delegation von Denkprozessen an die Maschine. Anders gesagt – und das gilt derzeit als größte Herausforderung: Wir verlernen unser Know-how im Kopf, wenn wir nur noch Ergebnisse konsumieren, statt sie herzustellen.
Recht auf KI-Kurskorrektur
Während Pegor Papazian auf dem DLD als Lösung das Lernen auf einem anderen Level vorstellte, in dem KI als eine Art erweitertes Wissen dient, hält sich Oliver Nimz an seine smarte Formel: „Ist V + K größer als G, ist der Einsatz von KI betriebswirtschaftlich schädlich“, folgert er. Sein Rat: „Wir müssen lernen, diesen Netto-Nutzen ehrlich zu kalkulieren, statt blind dem Hype zu folgen.“
Nicht zu wissen, wie die KI Informationen verarbeitet und uns präsentiert, war auch auf dem DLD ein großes Thema. „Es ist extrem schwierig, etwas zu kontrollieren, das intelligenter ist als wir“, sagte Stuart Russell. „Der Kern dieser Technologie ist, dass sie nicht entworfen, sondern gewachsen ist. Nurmehr Lizenznehmer von Blackbox-Systemen zu sein, das mag sich auch Oliver Nimz nicht vorstellen. Er sagt: „Wenn die KI einen Fehler macht, können wir ihn nicht korrigieren, weil wir keinen Zugriff auf die Logik haben.“
Aktiv bleiben – und motiviert dazulernen
Was jetzt? Einerseits können wir mit den KI-Trends kaum mithalten, weil KI eben schneller analysiert und auf sämtliches Wissen der Welt zurückgreifen kann. Andererseits aber sollten wir nicht passiv unseren Verstand ChatGPT übergeben und dem Output der Systeme blind vertrauen. Vielmehr sollten wir:
- die KI-Ergebnisse überprüfen – und das gelingt nur mit eingeschaltetem Hirn.
- nachfragen, falls das Ergebnis falsch erscheint: „Stimmt das wirklich?“ und dann korrigieren. Interessant: Um die Resultate zu verbessern, hat OpenAI kürzlich einen Deal mit News Corp. geschlossen. Die seriösen Verlagsinhalte sollen dafür sorgen, dass Menschen von ChatGPT zuverlässige Informationen erhalten.
- dafür sorgen, dass die KI aus ihren Fehlern lernt. Wichtig: Ein Fehler ist es allein schon, wenn sie nicht in unserem Sinne handelt, sondern eigene oder andere Ziele verfolgt.
Fazit: Mit den KI-Trends wachsen und ständig dazulernen
Wir müssen mit den KI-Trends wachsen und ständig an Know-how im Umgang mit der Technologie dazulernen. Auf dem DLD stellte Pegor Papazian dazu eine simple Gleichung in den Raum. Sie lautet: „Kompetenz bringt Motivation. Motivation bringt Kompetenz.“
Folge 6: Mit KI-Trends smarte Jahresziele für 2026 stecken
Effizienter werden, Kosten senken, schneller arbeiten – das führt bei vielen Menschen zu enormem Stress. Die Entdeckung der generativen künstlichen Intelligenz legt da noch einen Zahn zu. Oder steigert sie, ganz im Gegenteil, die Zufriedenheit und die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Ist KI gut oder schlecht? Die Haltung macht den Unterschied
Zu diesem Thema habe ich in den vergangenen Wochen mit einigen Forschern und Beratern gesprochen sowie Unternehmern, die mit der KI bereits in ihrem Alltag arbeiten. Wie immer kommt es darauf an, wie man KI als Tool nutzt, so war der Tenor der Gespräche, also die Haltung dahinter. Ein gutes Vorbild ist Markus Hörmann, Geschäftsführer eines SHK-Betriebs in Friedrichshafen, der seinen Betrieb demnächst an seine Kinder Helena und Yannik übergeben wird.
Markus Hörmann zeigt Haltung allein bei der Sorgfalt, mit der er seine Tools aussucht. Er legt großen Wert auf europäische KIs. Mit diesem Anliegen hat er sich auch an uns gewandt – wir sollten doch mehr über Alternativen zu US-amerikanischen Systemen berichten, bat er. Schließlich sollte man sich als in Europa ansässiger Unternehmer doch unabhängiger von anderen Nationen aufstellen, allein schon, um datensouverän agieren zu können. Dass wir in Deutschland unsere Daten als unser Kapital nicht aus der Hand geben sollen, damit hat Hörmann sicherlich auch recht.
KI-Strategie made in Europe: So geht Hörmann vor
- Der Familienbetrieb nutzt „Le Chat“ des französischen KI-Anbieters Mistral AI als das bisher einzige europäische LLM, das noch dazu als beste KI für Feinabstimmungen gilt. Die Hörmanns lassen sich von der Bezahlvariante des Tools Texte erstellen, etwa eine Jubiläumsrede zum 80‑jährigen Bestehen. Dazu fütterten sie ihre KI mit vielen internen Dokumenten, um den Inhalte-Output zu steuern.
- Um interne Gesprächsprotokolle zu erstellen, verwendet Markus Hörmann zusätzlich „Sally“. Das deutsche KI-Angebot transkribiert Besprechungen, erstellt objektive Protokolle und generiert automatisch Aufgaben, die direkt in den jeweiligen Planner der Mitarbeitenden laufen. „Studien zeigen, dass rund 80 Prozent der in Meetings beschlossenen Aufgaben nie umgesetzt werden – das hat sich bei uns deutlich verbessert“, freut sich der Unternehmer.
- Persönlich nutzt Hörmann die generative KI auch als Coaching‑Tool, inspiriert vom Konzept „Big Five for Life“. Dabei nutzt er die künstliche Intelligenz, um sehr tiefgehende Fragen zu Lebenszielen, Motivation und Balance zu stellen. „Ich habe ihr sogar erzählt, dass ich einen Halbmarathon laufen möchte“, erzählt Hörmann. „Prompt kam ein individueller Trainingsplan. Als ich dann ergänzt habe, dass ich 63 bin, wurde der Plan angepasst: weniger Leistungsdruck, mehr Fokus auf das eigene Wohlbefinden.“

Mehr Wohlbefinden, weniger Vollgas
Und darum geht es Markus Hörmann, wenn er KI einsetzt. Egal, ob im persönlichen Bereich oder in der Arbeit: Die KI soll Leistungen nicht immer noch effizienter machen, sondern sie soll das Wohlbefinden steigern. Zu der Einsicht kam er, weil er sich intensiv in verschiedenen Foren, Gremien und Arbeitskreisen mit der Technologie beschäftigt. Das Buch „Das kann doch jemand anderes machen!“ von Sara Weber zeigte ihm außerdem, wie sich die KI sinnvoll in den Alltag verankern lässt. „Anstatt zu schildern, wie über KI alles noch effizienter werden soll, was den Stresslevel bei vielen eher noch erhöhen mag, zeigt Sara Weber die Chancen auf, die durch Automatisierung und Rationalisierung entstehen können“, schildert der Unternehmer. Das bedeutet für ihn: mehr Menschlichkeit, bessere Kommunikation und weniger Dauerstress.
Hörmanns Wunsch ist es, über die KI ein angenehmeres Arbeitsumfeld zu schaffen als dieses permanente „Vollgas von morgens bis abends“, wie er sagt: „Entscheidend ist ja, dass man die durch KI gewonnenen Freiräume nicht sofort wieder mit neuen Aufgaben zustopft.“
Smarte Jahresziele für 2026
Für das Jahr 2026 steht sein Jahresplan zumindest schon fest. Mithilfe der KI ließ er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf Coaching-Fragen zu Betriebszielen, aber auch persönlichen Wünschen und Ambitionen antworten und daraus einen gemeinsamen Jahreszielplan entwickeln. Um sein Ziel, europäische Tools zu stärken, weiterzuverfolgen, beschäftigt er sich an Lösungen wie Open Desk als einerAlternative zu Microsoft 365. Ich bin gespannt, was diese ambitionierten Ansätze den Hörmanns einbringen werden – und wünsche alles Gute für 2026!
Folge 5: KI-Trends, smarte Brillen und clevere Maschinen – ein neues Unternehmensgehirn
Kommen die smarten Brillen nun doch? Seitdem Google 2012 mit Google Glass seine erste Brille auf Basis von Augmented Reality vorstellte, haben sich die Augenaccessoires bis heute nicht im Massenmarkt durchgesetzt. Mit Metas Ray-Ban-Brillen soll sich das ändern – so sieht es Christoph Krause, Innovationsberater beim Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk in Koblenz. Unter seinem Alias „Zukunftsmacher“ treibt er begeistert neue Technologien voran, und daher verwundert es nicht, dass er so eine Brille natürlich längst selbst besitzt – und gerne trägt. Allein schon, um auszuprobieren, was sich damit alles anstellen lässt.
Darüber, und wie die künstliche Intelligenz – die natürlich auch bei Metas Brille eingebaut ist – in Unternehmen künftig zum Einsatz kommt, habe ich mit dem Technologiefan gesprochen. Meine größten Aha-Momente daraus habe ich aufgeschrieben.
Zwei faszinierende Zukunftsszenarien und eine Gretchenfrage
- KI-Brillen bilden eine neue Ebene zwischen Mensch und Maschine. Meta hat vor Kurzem ein neues Modell herausgebracht – eine unauffällige Brille mit Display und integrierter KI, die über zwei Kameras sehen kann. Damit sieht die KI, was sich um sie herum abspielt. Für einen SHK-Betrieb im Handwerk heißt das: Wenn der Azubi die Brille trägt, sieht auch der Meister durch die KI-Augen des Lehrlings und kann ihn live dabei unterstützen, einen Fehler zu beheben. Oder aber die KI selbst hilft dabei.
„Das Problem bei Meta-Modellen ist: Die Daten landen bei Meta“, erläutert Christoph Krause. „Aber es gibt erste Open-Source-Lösungen, bei denen die Daten im Betrieb bleiben. Darauf können Sprachmodelle wie ChatGPT laufen und gesamte Maschinenhandbücher hinterlegt werden. Dann kann der Anwender die KI fragen: ´Das ist die Buderus Logano – was bedeutet Fehlercode X?´“ Noch dazu kann die KI auch vom Anwender selbst lernen, so Krause: „Wenn der Meister erklärt, wie man einen Fehler in der Praxis schneller löst, fließt das in die eigene Betriebs-KI ein. Setzt der Lehrling die Brille auf, bekommt er dieses Wissen automatisch. So entsteht ein digitaler Wissensspeicher des Betriebs.“ - Generative Künstliche Intelligenz wird künftig immer häufiger auch in Maschinen enthalten sein. Hersteller arbeiten daran, mithilfe der KI komplette Fertigungsstrecken automatisiert zu steuern: vom intelligenten Lager über Robotik bis zur CNC-Bearbeitung. So entscheidet die KI in ihrer Rolle als Unternehmensgehirn beispielsweise, welche Platte aus dem Lager geholt wird und wie man sie mit minimalem Verschnitt zuschneidet. Sie berücksichtigt sogar zukünftige Aufträge, um verschiedene Teile gleich mitzuproduzieren. Am Ende wird alles automatisch auf die richtige Palette für Küche 1, Küche 2 usw. sortiert. Krause: „Spannend ist auch: Betriebe können über ein Webinterface ihre Küche konfigurieren und bis drei Minuten vor Produktionsstart Änderungen vornehmen. Das fließt nahtlos in die Fertigung.“
Das ist übrigens nicht nur für große, sondern auch kleine Betriebe relevant, weil auch Kleinstaufträge spontan untergebracht werden können. Etwa, wenn bei einem Tischler ein Auftrag mit „drei Fensterbänken“ eingeht und dieser Auftrag noch schnell mitabgewickelt wird. - Doch natürlich stellt sich die entscheidende Frage: Will man als Handwerksbetrieb mit diesen KI-Trends arbeiten? Und sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit, künftig anders zu arbeiten? „Anders“ – das bedeutet für Krause vor allem, dass Maschinen dann per Sprache bedient werden. Eine große Umstellung: „Für viele ist es heute noch peinlich, mit einem Gerät zu sprechen – gerade in der älteren Generation“, sagt Krause. „Ich selbst übe manchmal im Wald Englisch mit einer KI, damit niemand hört, wie ich mich verspreche. Aber im Unternehmen laut zu sprechen, das ist ein Kulturthema. Die Jüngeren sind da entspannter. Trotzdem braucht es Zeit, bis Spracheingabe selbstverständlich wird.“
Fazit: Wir müssen uns mit KI-Trends noch enger befreunden
Sicher ist für Krause jedenfalls eins: Wenn KI-Trends in Unternehmen einziehen, benötigen die Mitarbeiter im Umgang mit der Technologie auch mehr Kompetenzen. Die Leute, die diese Prozesse steuern und technische Abläufe, Auftragsdaten, KI-Funktionsweisen und Produktionslogik zusammenführen, brauchen ein höheres Kompetenzniveau. Im Handwerk ist das etwa ein „Meister plus“.
Ein paar YouTube-Clips anzuschauen, reicht da nicht mehr aus, findet Krause: „Unsere Hackathons zeigen: Man muss KI-Interaktion praktisch geübt haben. Prompt Engineering lernt man erst nach 40 Durchläufen wirklich zu beherrschen. Man muss verstehen, wie Systemprompts aufgebaut sind und wie KI-Antworten einzuordnen sind. KI gibt immer eine Antwort – aber ob sie im Kontext stimmt, erkennt man nur mit Hintergrundwissen.“
Folge 4: Los geht’s – aber wie?
In Sekundenschnelle einen flüssigen Text schreiben oder ein paar Ideen fürs Brainstorming zaubern: Was für den Menschen Mühe macht, ist für die künstliche Intelligenz kein Problem. Bing – und das hat sicherlich schon jeder mal ausprobiert – stehen da die tollsten Dinge, auf die man selbst nicht gekommen wäre. Und auch noch fein säuberlich geordnet.
Vorsicht vor der Schatten-KI
Doch hat das jüngste Wunderwerk der Technik einen gewaltigen Haken: Viele Firmen lassen KI-Trends bzw. Tools noch nicht zu. Und während in ihrem Arbeitsalltag immer mehr Beschäftigte auf ChatGPT, Perplexity oder Gemini zurückgreifen, um sich schnell mal helfen zu lassen, stellen laut einer aktuellen Studie von Bitkom erst gut ein Viertel der Unternehmen die generative KI überhaupt offiziell zur Verfügung.
Bitkom spricht dabei von einer „Schatten-KI“, wenn Mitarbeiter in ihrer Lust auf KI-Trends unkontrolliert auf kostenlose KI-Dienste zugreifen – und dabei gegen die Regeln des EU AI Act verstoßen könnten. Besser, so rät es auch die Bitkom-Studie, tun Firmen also daran, Mitarbeitern eine sichere KI an die Hand zu geben und sie im Umgang damit zu schulen.
Endlich handeln: Der 6-Punkte-Plan
Warum zögern die Unternehmen dann noch? Darüber habe ich mit Marén Münstermann gesprochen, die KMU dabei begleitet, KI-Trends einzuführen und zu skalieren, um damit das Business voranzutreiben. Die sechs wichtigsten Punkte aus unserem Gespräch:
- Viele Unternehmen, die noch zaudern, haben sich selbst noch zu wenig mit ChatGPT & Co. befasst und fragen sich: Welche Daten darf ich verwenden? Sind meine Anwendungen sicher oder brauche ich dafür eine eigene Cloud? Die Antworten in Kürze: Keine personenbezogenen Daten. Und ja, eine eigene oder private Cloud-Lösung auf europäischen Servern bietet Sicherheit. Diese wichtigen Sicherheitsbedenken gilt es zu lösen – und dann kann es auch schon losgehen!
- Wo anfangen? Wo ist KI überhaupt sinnvoll? Das ist das Wichtigste, was sich Unternehmerinnen und Unternehmer fragen sollten: Was haben wir an Daten da, was können und wollen wir automatisieren? Wo haben wir die höchsten Aufwände in der Firma? „Am besten wählt man für den Anfang nicht den kompliziertesten Bereich, sondern einen, wo es sich gut testen lässt, weil man zusammenhängende Abläufe nicht stört und es das geringste Risiko gibt“, empfiehlt Marén Münstermann. Im Handwerk kommt da zum Beispiel die Optimierung der Routenplanung infrage: Um schneller von A nach B zu kommen, dringende Termine auf dem Weg einzuschieben sowie den Tag kurzfristig noch mal neu zu planen, kann KI sehr wertvoll sein.
- Auch Besprechungs- und Arbeitsprotokolle über KI zu erstellen oder KI-gestützte Ausfüllhilfen von Förderanträgen bieten eine große Zeitersparnis und eignen sich als Spielwiese, die Tools auszuprobieren. Solche Tools gibt es heute schon von verschiedenen Anbietern. Vor dem Kauf überlegen: Was will ich damit auch perspektivisch alles machen? „Also nicht einfach drauflosrennen, sondern vorher kurz überlegen, was macht Sinn?“, sagt Marén Münstermann. „Dann gelingt am Ende auch der Return on Invest und die Produktivitätssteigerung.“
- Innerhalb von acht bis zwölf Wochen sammelt eine Firma wichtige Erfahrungen – und kann einen Vorher/Nachher-Effizienzcheck durchführen. Und dabei gerne gleich die gesamte Belegschaft involvieren: Über das Ausprobieren lässt sich Sicherheit im Umgang mit den verschiedenen Tools gewinnen und gemeinsam prompten lernen, so die KI-Expertin: „Ausprobieren, Sicherheit gewinnen und dann den nächsten Schritt machen – wie beim Fahrradfahren.“
- Hat alles zufriedenstellend geklappt, lässt sich das bereits angeschaffte Tool im nächsten Schritt auf weitere Felder ausdehnen. Alternativ kann auch ein KI-Agent helfen, verschiedene Daten aus Excel- und Word-Files oder der Kundendatenbank zusammenzuführen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Chatbots handeln KI-Agenten eigenständig, sammeln Informationen in ihrer Umgebung und reagieren darauf, anstatt nur auf direkte Anweisungen zu warten. Sie können komplexe, sich wiederholende Aufgaben lösen und mit anderen Systemen oder Agenten interagieren, um ihre Ziele zu erreichen. Damit sorgen sie dafür, dass es keine Brüche zwischen den einzelnen Abläufen im Unternehmen gibt.
- Tipp: Alle Ergebnisse unbedingt noch mal von einem Menschen auf ihre Plausibilität hin checken lassen!
Folge 3: Gefährliche KI-Trends – ChatGPT macht Betriebe schlau, aber auch Hacker
Von Anthropic bis hin zu Claude und natürlich ChatGPT – immer mehr Handwerksbetriebe machen sich mit künstlicher Intelligenz smarter. Doch neben den vielen rechtlichen Hürden, die der AI Act behandelt, gibt es auch einige technische. Die schlimmste davon: der Cybercrime.
Dass dies nicht nur größere Konzerne, sondern vor allem auch kleinere Handwerksbetriebe betrifft, dazu habe ich mit Marcus Gerstmann gesprochen. Von Gerstmann, der beim Software-Hersteller Cisco den Bereich KMU betreut, habe ich viel Wissenswertes rund um die Hacker – ebenfalls „powered by KI“ – erfahren.
Unter den Hackeropfern sind auch viele kleine Betriebe
- Allen voran das Schlimmste: Pro Tag gibt es mehr als 30 Milliarden Attacken auf durchschnittlich 49 Millionen Geräten weltweit, wie Cisco beobachtet. Indem der IT-Anbieter diese Angriffe detailliert unter die Lupe nimmt, kann ergewisse Muster erkennen und darauf abgestimmt eine Sicherheitsintelligenz entwickeln.
- Genauso schlau, wie sich die Handwerkschefin oder der Handwerkschef mit generativer KI aufstellen kann, werden leider auch die Hacker immer gewiefter. „Mithilfe von Large Language Modellen können sich Kriminelle heute Softwarewissen aneignen – ohne große Vorkenntnisse“, sagt Gerstmann. Das heißt: Die Einstiegshürden, Hacker zu werden, sind geringer denn je. Auf dem Markt gibt es heute immer mehr Menschen, die mit Halbwissen versuchen, irgendwo erfolgreich zu werden und Angriffsszenarien aufzubauen – anstatt einem normalen Job nachzugehen. Indem die Kriminellen Festplatten ihrer Opfer verschlüsseln, versuchen sie, Lösegeld häufig über die Kryptowährung Bitcoins zu erpressen. In der Hoffnung, damit schnell das große Geld zu machen.
- Wer als Betriebschefin oder -chef neu startet, hat’s besser: Sie oder er beschafft sich einen Router, eine Firewall und baut sich somit nach und nach eine durchgängige, sichere und effiziente Netzwerkinfrastruktur als Basis, die den modernen Anforderungen für KI genügt. Wichtig: Diese Infrastruktur muss regelmäßig gewartet und geupdatet werden.
- Unter den Opfern? Vor allem Betriebe, die historisch gewachsen sind – wie ihr Netzwerk. „Vielleicht wurde das zum letzten Mal vor 15 Jahren angepasst und fußt auf einem alten Router, der noch seine Tätigkeit verrichtet, aber eben in der KI-Ära völlig unzureichend vor Angreifern schützt“, schildert Gerstmann die Situation vieler Handwerker. „Diese alte Netzwerkinfrastruktur ist zu vielen Zeiten offen und löchrig und angreifbar für Cybersecurity-Attacken von außen.“
- Studien belegen: Hacker greifen gerne klein- und mittelständische Unternehmen an, weil sie dort geringeren Widerstand erwarten. Für die Angegriffenen ist das desaströs, wie Gerstmann weiß: „Über 60 Prozent der Unternehmen, die Opfer von einer Cybersecurity-Attacke geworden sind, müssen danach ihren Betrieb schließen, weil Kundendaten fehlen und weil sie sich von diesem Angriff nicht wieder erholen.“
Fazit: Digitalisierung, nein danke?!
Und nein – es hilft jetzt nicht, der gesamten Digitalisierung den Rücken zu kehren. Damit stimmen wir in der Redaktion mit Marcus Gerstmann komplett überein: „Die Digitalisierung ist heute nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sondern eine existenzielle Voraussetzung dafür, dass Unternehmen die richtigen Fachkräfte bekommen. Im Handwerk fehlen 250.000 Fachkräfte pro Jahr“, so der Sicherheitsexperte. Im Klartext: Den Kopf in den Sand stecken gilt nicht! Betriebe benötigen neben einer guten Digitalstrategie eben auch ein modernes Netzwerk als Fundament für ihre Sicherheit.
Folge 2: Die KI-Trends nehmen die Digitalisierungsarbeit nicht ab
Wer sich heute mit einer generativen KI beschäftigt, braucht sich um die vielen anderen Digitalisierungsaufgaben in der Firma nicht mehr groß zu kümmern? Schön wär’s! Denn auch wenn ChatGPT & Co. schon einige Arbeiten abnehmen, arbeiten die intelligenten Helfer ja nicht direkt in unserer physischen Welt. Logischerweise brauchen sie daher eine Software, an die sie andocken können.
Beispiel Voice-KI: Der Sprachbot kann noch so wunderbar menschenähnlich jeden Anruf annehmen, knifflige Fragen beantworten und mit Terminen jonglieren – aber: Wo sollen die vielen Informationen aus dem Anruf dann hin?
Darüber habe ich mit Bastian Strauß gesprochen. Als Bauingenieur, Energieberater und vor allem als Betonbauer kennt er die Bedürfnisse des Handwerks. Heute berät er Firmen, wie sie über digitale Tools ihr Business nach vorne bringen.
Einsatzplanung im Betrieb: Warum KI nur das Sahnehäubchen ist
Als Szenario dafür, wie sich KI geschickt mit der – vielleicht schon vorhandenen – digitalen Infrastruktur verbinden lässt, haben wir uns die Einsatzplanung eines fiktiven Heizungsbauunternehmens angeguckt.
Bevor es losgeht, rät Bastian Strauß, sich zunächst „utopische Ziele zu setzen, um realistische zu erreichen“. Das heißt: Auf einem weißen Blatt Papier alles aufschreiben, was man sich in den kühnsten Träumen ausmalt, so der Berater: „Wie müsste der perfekte Prozess aussehen, damit ich mein ganzes Unternehmen automatisiert steuern könnte?“ Die Einsatzplanung ist dabei ein Baustein.
Wichtig: Diese Wunschabläufe kann nicht allesamt die KI erledigen, es gehört mehr dazu. Strauß: „Betriebe müssen anfangen, ihre Prozesse zu automatisieren, und dann können sie die KI als Sahnehäubchen obendrauf packen.“
Struktur bei der Einsatzplanung: Wie KI-Sprachbot und Software ineinandergreifen
- Zunächst wird ein Termin mit dem Kunden vereinbart: Bei der Kundin – bei Bastian Strauß heißt sie gerne „Tante Erna“ – läutet das Telefon. Der Handwerksbetrieb ist dran und fragt, wann sie Zeit für einen Wartungstermin für ihre Heizung hätte. Tante Erna wählt nach einigem Hin und Her ihre Wunschzeit und verabschiedet sich. Das alles kann eine Voice-KI erledigen. Check!
- Jetzt fängt die Arbeit im Betrieb an: Der Sprachbot muss an eine Software angebunden werden, die seine Informationen weiterverarbeitet. Für das Heizungsbauunternehmen bedeutet das: Tante Erna muss ein Monteur zugeordnet werden, der sich ihrer Heizung zum Wunschtermin annimmt. Die Planung steht!
- Nun kommt – wie so oft im Alltag – der Störfaktor ins Spiel: Der Monteur erkrankt. Die Software muss die verbleibenden Mitarbeiter neu zuordnen. Doch nach welchem Prinzip?
- Auch hier kann eine (regelbasierte) KI automatisiert helfen. „Allerdings nur, wenn man ihr zuvor gesagt hat, nach welchem Prinzip sie vorgehen soll“, merkt Strauß an. Soll der wichtigste, also umsatzstärkste Kunde bevorzugt werden? Soll der dringlichste Fall zuerst drankommen? Oder Tante Erna, die schon seit Wochen auf einen Termin wartet? Übrigens: Hier kommt keine generative KI, sondern eine regelbasierte KI zum Einsatz, also Machine Learning.
- Hat man die Prioritäten gesetzt, geht es weiter: Die KI bevorzugt den dringlichsten Kunden und ruft Tante Erna erneut an, um einen Ersatztermin zu vereinbaren. Endlich heißt es: Ende gut – alles gut!
Welche KI-Tools kommen zum Zug?
Für den Sprachbot stehen mittlerweile einige KI-Tools zur Verfügung, die in Kombination Telefonate mit Kunden führen können. Zum Beispiel:
- Twilio Voice API (für Telefongespräche), OpenAI GPT-4 (für Dialoge), Whisper oder Azure Speech Services (für Spracherkennung) und Amazon Polly oder Google Cloud TTS (für Text-to-Speech). Während sich diese Kombination perfekt für den jeweiligen Einsatz anpassen lässt, ist sie allerdings technisch ziemlich komplex.
- Eine Alternative für Echtzeit-Konversation über Telefon ist Vapi.ai. Das Tool ist in der Lage, Sprache zu erkennen und darauf sinngemäß zu antworten. Noch dazu hat es eine Anbindung an die CRM-Software oder den Outlook-Kalender.
Welche Software eignet sich, um Voice-KI anzubinden?
Viele Jahre lang galt eine Alleskönner-Software als Königsweg. Bastian Strauß plädiert dagegen für viele kleine Lösungen, die es über Schnittstellen – konkret: REST-APIs – ermöglichen, die KI anzubinden. Das bewerkstelligen natürlich auch komplexere Lösungen. Wer noch mehr selbst machen will: Über No- oder Low-Code-Tools lassen sich außerdem verschiedene Anwendungen selbst kreieren.
Wer schon über eine IT-Infrastruktur verfügt, kann natürlich ebenfalls damit arbeiten. Voraussetzung ist allerdings immer eine API.
Wie immer das Wichtigste bei KI-Trends: Testen!
Der KI-Bot ist zunächst als Praktikant zu betrachten. So erklärt es Bastian Strauß: „Wenn er telefoniert, sitze ich erst mal daneben und beobachte, wie er die Telefonate führt.“ Wenn er Fehler macht: Dann müssen die dahinterliegenden Informationen, auf die die Voice-KI zurückgreift, und auch der Prompt dahinter nochmals geprüft werden. Wenn es dann funktioniert, kann man dem Sprachbot mehr Freiheiten lassen.
Die drei großen Aha-Momente waren für mich:
- Generative künstliche Intelligenz ersetzt zwar nicht die komplexe Digitalisierungsarbeit, doch kann sie diese über ihre spielerische Natur anstoßen. Was ja auch schon mal viel wert ist.
- Die KI muss sorgfältig trainiert und anfangs immer, später immer mal wieder überprüft werden. Andernfalls enden die Abläufe im Chaos!
- Bei der Wahl der Software, die die Einsatzplanung steuert, sollte man sich als Handwerkschefin oder -chef nicht für eine schnelle Lösung entscheiden. Es lohnt sich, zuallererst die gesamten Prozesse als Ganzes sorgfältig zu überdenken, um sich dann für die beste Software oder aber Einzellösungen – z. B. zunächst nur für die Einsatzplanung – zu entscheiden.
Folge 1: KI-Trends gegen den KI-Einheitsbrei

Mensch und künstliche Intelligenz (KI) arbeiten heute als neues Dream-Team zusammen – und zwar seitdem ChatGPT und seine Kollegen immer mehr Einfluss gewinnen. Das gilt zum Beispiel für Content-Marketing, wo es darum geht, Texte für E-Mails, Webseiten, Newsletter, Blogs und Social Media zu verfassen. Gerade dabei helfen KI-Tools schon tatkräftig mit. Doch heraus kommt oft ein KI-Einheitsbrei – so erlebe ich das selbst. Bei meinem Besuch bei der Münchner Markenberatung Martin et Karczinskihabe ich es auch bestätigt bekommen.
Der eigene Wesenskern als Superkraft
In einem Workshop erklärte Peter Martin, Co-Gründer und Geschäftsführer von Martin et Karczinski, wie das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine funktioniert. Welche Stärken der eine und welche der andere hat. Die Antwort war so schlicht wie tiefschürfend: „Jeder Mensch ist anders. Sobald er seine Andersartigkeit erkennt und zum Lebensweg macht, kommt er in seine Superkraft und führt ein einzigartiges und erfülltes Leben.“
Mit diesem Leitgedanken führt Peter Martin auch seine eigene Markenberatung. In Technologie zu investieren ist für ihn das eine, das andere aber, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern, damit sie mit den Tools umgehen lernen anstatt sich von der rasanten Entwicklung überholt zu fühlen. „Das Verhältnis ist häufig 70 Prozent Technologie-Investition, 30 Prozent Mensch. Es sollte genau umgekehrt sein“, findet der Berater.
Wie lassen sich KI-erstellte Texte menschlich machen?
Der Wesenskern, der jeden Menschen ausmacht, ist daher auch das Merkmal, das sie oder ihn von der KI unterscheidet. „Die KI kann vieles, aber ihr geht eines ab: die Menschlichkeit“, bringt es Martin auf den Punkt. Das Problem ist, dass die Texte etwas hölzern wirken und von ihrem Ton her einander ähneln. Hallo, KI-Einheitsbrei! Daher sollte man die Inhalte:
- … zunächst natürlich immer auf ihre Richtigkeit hin überprüfen, indem man sich die Quellen anzeigen lässt und sie checkt.
- … undanschließend auf den eigenen Stil anpassen, der auf unsere jeweilige Identität zurückgeht. Nur so erhält der Text eine individuelle Note, die ihn lebendig und somit lesenswert macht.
Sich mit KI-Trends zu beschäftigen und den KI-Einheitsbrei zu überarbeiten, hat einen schönen Nebeneffekt
Junge Menschen – wie auch Azubis und Berufsanfänger im Handwerk – können mit KI-generierten Inhalten auf der Website, im Blog oder auf Social Media nicht nur vorgeben, etwas zu wissen, sie beschäftigen sich beim Prüfen und Gestalten der Texte auch intensiv mit ihren beruflichen Themen und vertiefen somit ihr Wissen. Und können so mit den rasanten Entwicklungen, die durch die Digitalisierung und ihre Technologien entstehen, auch besser Schritt halten.
4 schnelle Tipps fürs Handwerk
Für Handwerkschefinnen und -chefs bedeutet das konkret:
- Beschäftigen Sie sich mit Ihren Mitarbeitern gemeinsam mit KI
- Besprechen Sie, was euren Betrieb und euch als Team besonders macht, und gestaltet danach euren Content wie Website-Texte, Blogs und Social-Media-Beiträge. Die KI liefert dabei idealerweise den ersten Entwurf, den Sie dann mit Ihrer Tonalität anreichern – und damit zum Leben erwecken
- Danach erstellen Sie zum Beispiel auf ChatGPT einen Custom GPT und füttern ihn mit den bereits vorhandenen Inhalten, die er für künftige Beiträge als Vorlage nutzen soll
- Alternativ können Sie die Machart der Beiträge inklusive der Tonalität auch über Prompts vorgeben. Doch auch hier gilt: Die fertigen Posts immer auf ihre Richtigkeit und auf euren Stil hin überprüfen!
Das Gute daran ist: Das Bearbeiten eines mit ChatGPT und Co. erstellten Texts bietet nicht nur dem KI-Einheitsbrei Paroli. Es wirkt auch dem Phänomen entgegen, dass solche Inhalte von der eigenen Spezies abgestraft werden. Das heißt: In Suchmaschinen werden die KI-Texte nicht mehr gefunden, da sie als nicht so relevant eingestuft werden. Mit individuellen Texten im Gegenzug punkten Sie dagegen bei der KI-gesteuerten Suchmaschine – und machen sich sichtbarer!
Über Kolumnistin Irmela Schwab
Wie IT und Technologien das Leben verändern – und erleichtern: Das ist ein Thema, mit dem sich Irmela Schwab seit vielen Jahren beschäftigt. Bevor sie im Mai 2020 zum Handwerk Magazin kam, schrieb sie als Autorin für Fachpublikationen wie "Werben & Verkaufen" und "Marketing Kommunikation" über digitale Geschäftsmodelle und -strategien. Für die internationale Digital Business-Messe "Dmexco" hat Irmela Schwab das Konferenzprogramm erstellt und Vordenker und Manager für Vorträge über Robotics, Smart Home, Virtual Reality und Künstliche Intelligenz als Referenten geladen. Bei vielen Konferenzen wirkte die studierte Germanistin (LMU München) außerdem als Moderatorin mit.




