Arbeitsmarkt-Studie Karriere: Woran die Pläne von Frauen oft scheitern

Eine Studie zeigt: Es ist nicht die Familie, die für gescheiterte Karrierepläne von Frauen am häufigsten verantwortlich ist. Der Grund scheint vielmehr ihr Geschlecht zu sein. In der Phase, in der Karrieren gestartet werden, zwischen 30 und 39 Jahren, erleben Frauen oft, dass sie ausgebremst werden. Denn Männer entscheiden über die Karrieren von Frauen – und das ist auch heute noch ein Problem.

Frauen planen ihre Karrieren anders als Männer.
Frauen planen ihre Karrieren anders als Männer. - © starush-stock.adobe.com

"Es gibt viele Möglichkeiten, Karriere zu machen, aber der sicherste ist noch immer, in der richtigen Familie geboren zu sein", sagte Donald Trump, 45. und 47. Präsident der USA.

Wer nicht das Glück hatte, in einer vermögenden Familien aufgewachsen zu sein, muss selbst für seine Karriere sorgen. Und das erledigen Männer mit mehr Zielstrebigkeit als Frauen. So hat beispielsweise weniger als jede fünfte Frau kurzfristig einen konkreten Karriereschritt in ihrem aktuellen Unternehmen vor Augen. Bei Männern sind es immerhin jeder Vierte, der den nächsten Step auf der Karriereleiter anvisiert.

Das ist ein Ergebnis der aktuellen Arbeitsmarkt-Studie „Frauen und ihre Karrierepläne“. Sie wurde für die Königsteiner Gruppe erstellt, die 1.608 Beschäftigte, davon 1.083 Frauen befragen ließ. Demnach geben 17 Prozent der Frauen und 24 Prozent der Männer an, in naher Zukunft die nächste Stufe auf ihrer Karriereleiter erklimmen zu wollen.

Studie zu Frauen und ihren Karriereplänen

Wer sich die angestrebten Ziele näher anschaut erkennt: Frauen wollen mehr Geld und fachliche Verantwortung. Männer zielen darüber hinaus auf Führungs- und Personalverantwortung. "Ein Hauptgrund, warum viele Frauen umgekehrt auf ein berufliches Vorankommen verzichten, liegt in der höheren Gewichtung der eigenen Work-Life-Balance", schreiben die Autoren. Dies geben 53 Prozent der Frauen als Hauptgrund an, derzeit keinen Karriereschritt geplant zu haben. Mehr als ein Drittel von ihnen (36 Prozent) befürchten zudem einen zu hohen beruflichen Stress. Nur 13 Prozent verzichten zu Gunsten der Familie auf eine Weiterentwicklung im Job.

Wenn eine Frau zu sein, die Karriere ausbremst

Ein weiterer Grund, warum viele Frauen wohl auch von sich aus auf eine Karriere verzichten, sind angenommene sowie erlebte Ressentiments aufgrund ihres Geschlechts. Denn 22 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen erfuhren eigenen Angaben zufolge bereits Karrierehindernisse aufgrund der Tatsache, dass sie eine Frau sind. Besonders ausgeprägt ist diese Erfahrung im berufserfahrenen Alter zwischen 30 und 39 Jahren. Hier geben 28 Prozent derart negative Erfahrungen zu Protokoll. Dazu passt: Während 21 Prozent der Frauen das Gefühl haben, grundsätzlich aufgrund ihres Geschlechts in der Karriereplanung benachteiligt zu werden, teilen diese Auffassung nur sechs Prozent der Männer für ihr Geschlecht.

Vielfach wahrgenommene Barrieren in der Karriereentwicklung sind aus Sicht vieler Frauen ungleiche Bezahlung, die mehr als die Hälfte der Frauen (52 Prozent) in ihrem Berufsleben bereits mindestens einmal hingenommen haben, der Mangel an flexiblen Arbeitszeiten (40 Prozent) sowie fehlende Fürsprecher in ihrem aktuellen Unternehmen (39 Prozent).

Vor allem aus den Personalabteilungen fehlt vielen Frauen die notwendige Unterstützung. So fühlen sich aktuell mehr als die Hälfte der Frauen (52 Prozent) von der HR-Abteilung nicht angemessen unterstützt. Entsprechend gering ausgeprägt ist der Glauben daran, dass Personaler überhaupt etwas für sie tun können. Davon gehen nämlich nur 16 Prozent der befragten Frauen aus. Die Hoffnungen ruhen dabei eher auf der direkten Führungskraft (48 Prozent) sowie der Geschäftsführung (38 Prozent). Vor allem weibliche und jüngere Führungskräfte werden von Frauen als Karriereförderer im Unternehmen erlebt. „Unsere Studie zeigt, dass Männer in ihren Karriereplänen ein Stück weit mehr auf den `Fame` aus sind, der mit einem Karriereschritt verbunden ist. Die Übernahme von Personalverantwortung oder Führungspositionen beinhaltet mehr Bedeutung im jeweiligen Unternehmen. Weiblichen Mitarbeitern ist es dagegen erst einmal wichtig, im Gehalt aufzuschließen und sie scheuen sich auch nicht davor, mehr fachliche Verantwortung zu übernehmen – also sich im Sinn der Sache einzubringen, ohne einen neuen Jobtitel dafür einzuheimsen“, so Nils Wagener, Geschäftsführer der Königsteiner Gruppe, zu den Studienergebnissen.

Frauen wollen mehr Gehalt – und mehr fachliche Verantwortung

Wer weiblich ist, definiert seine Karriere zunächst über einen Gehaltssprung. 63 Prozent der Frauen verstehen vor allem die Erhöhung ihrer monatlichen Bezüge als wichtigen Karriereschritt. Erhalten sie im Anschluss an die Gehaltserhöhung - oder im Zuge dessen - mehr fachlicher Verantwortung, ist das für 37 Prozent der Frauen der nächste Karriereschritt. Nur 15 Prozent der weiblichen Beschäftigten streben eine Führungsposition sowie Personalverantwortung (22 Prozent) an. Zum Vergleich: 26 Prozent der ambitionierten Männer schielen auf Führungsverantwortung, 30 Prozent auf Personalverantwortung.

Ambitionierte Frauen erreichen meist ihre Karriereziele

Tatsächlich ist der Anteil der Männer, die ihre Karriereplanung als "sehr wichtig" bezeichnen, deutlich höher ist als der von Frauen. 31 Prozent der Männer bewerten die Verwirklichung ihrer beruflichen Ziele so, im Vergleich zu 21 Prozent der Frauen. Allerdings sind die Frauen, die ihre Karrierepläne als sehr wichtig bezeichnen mit den erzielten Fortschritten diesbezüglich auch zufrieden. 42 Prozent von ihnen sind in dieser Hinsicht sehr zufrieden, weitere 40 Prozent zumindest tendenziell. Nur neun Prozent haben einen gegenteiligen Eindruck.

Wenn Frauen zusätzlich zur Karriere dann noch vorausschauend für ihre finanzielle Versorgung Verantwortung übernehmen, kommt zur Karriere auch die finanzielle Unabhängigkeit hinzu.

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