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Geldanlage Jetzt noch in Aktien einsteigen?

An der Börse feiern die Kurse immer neue Rekorde und machen Aktionäre reich. Um da als Einsteiger mitzumachen, braucht man solide Informationen, Verständnis für die Welt der Kapitalmärkte und ein Gespür für aktuelle Trends.

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In der Tagesschau, in der Zeitung und im Gespräch mit Kunden: Aktien sind im Niedrigzinsumfeld ein Thema. Der Deutsche Leitindex DAX, der die Anteilsscheine an den 30 größten Börsenunternehmen des Landes abbildet, notiert so hoch wie noch nie: bei 13.000 Punkten. Gestartet ist er Ende 1987 mit 1.000 Punkten. „Kaum eine Anlageklasse schafft so eine Wertentwicklung“, sagt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut .

Angesichts von Null- und Minuszinsen für Anleihen und Bankguthaben fragen sich Handwerksunternehmer, ob sie nicht vielleicht ein paar Euro riskieren sollten. Die Antwort lautet: Ja, sofern das Geld nicht für Notfälle oder zur Liquiditätssicherung benötigt wird.

Aktien für Einsteiger

Aktionär zu werden ist auch für Anfänger nicht schwer. Es müssen aber ein paar Regeln beherzigt werden. Eine viel zitierte Vorgabe lautet: Kaufe nichts, was du nicht kennst. Was also ist eine Aktie? Juristisch gesehen, eine Beteiligung. Man kauft einen Teil eines Unternehmens – also einen Sachwert, der bewiesen hat, dass er selbst Ereignisse wie Kriege und Hyper-Inflation übersteht.

Unternehmen wie BMW, Linde oder Siemens gab es schon zu Kaisers Zeiten. Wirtschaftlich betrachtet, ist die Aktie der kleinste gemeinsame Nenner, der den Wert eines Unternehmens beziffert. In der Regel verbrieft jeder Anteilsschein das Recht an einer jährlichen Gewinnbeteiligung – der Dividende. Bei etlichen DAX-Konzernen ist allein diese Ausschüttungsrendite höher als die Minizinsen, die es derzeit für Festgeld und Anleihen gibt.

Die BMW-Aktie kostete Ende Oktober 86 Euro. Für 2017 erwarten Analysten eine Dividende von 3,50 Euro. Beides ergibt eine Rendite von vier Prozent. Einen Überblick gewährt zum Beispiel das Portal dividendenchecker.de. Obendrauf kämen Kursgewinne, die der Aktionär mit seiner Unternehmensbeteiligung macht.

Online-Depots für den Einstieg sinnvoll

Kursgewinne oder -verluste resultieren aus dem Spiel von Angebot und Nachfrage. Die meisten Aktien sind an der Börse frei handelbar. Hier kann jeder Anleger die Anteilsscheine kaufen und verkaufen. Damit es kein Gedränge an der Börse gibt, übernehmen Banken und Makler diese Aufgabe für die Privatanleger. Wer also Aktien handeln will, braucht ein Depot bei einer Bank.

Günstig und bequem sind Online-Depots. Nahezu alle Banken bieten so etwas an. Während sich ein Depot schnell einrichten lässt, bedarf die Auswahl der Aktien gründlicher Überlegung. Notwendig ist eine Analyse der wirtschaftlichen und bilanziellen Situation des Unternehmens sowie der nationalen und internationalen Rahmenbedingungen. Das ist selbst für Profis eine schwer zu lösende Aufgabe. Um die Lage eines Unternehmens beurteilen zu können, sind Kennzahlen sinnvoll.

Auf aktuelle Trends achten

Eine weitere Hilfe ist das Erkennen von aktuellen und künftigen Trends. Das ist nicht schwer. Aktuelles Beispiel: Elektroautos. Sie stoßen weniger Schadstoffe aus als Verbrennungsmotoren und gelten als vielversprechende Maßnahme im Kampf gegen die Luftverschmutzung in Städten. Einige Länder wie jetzt auch China fördern daher bereits von Batterien angetriebene Fahrzeuge.

Unternehmen springen auf diesen Zug auf und emittieren Anteilsscheine an ihrer Gesellschaft. Tesla ist dafür ein bekanntes Beispiel. Der Aktienkurs des US-Autobauers hat sich seit Anfang 2013 mehr als verzehnfacht. Hierzulande zeugt der Börsengang des Batterieherstellers Varta für ein verstärktes Interesse an neuen Antrieben. Varta ist zwar nicht im Pkw-Markt aktiv, schließt den Einstieg aber auch nicht aus. Bei Anlegern kamen die neuen Titel jedenfalls gut an: In den ersten Tagen notieren sie deutlich über ihrem Ausgabepreis.

Nachhaltigkeit ist Zeitgeist

Ein weiterer Trend ist das Thema Nachhaltigkeit. Vor einem Jahr haben die Vereinten Nationen eine globale Phase der Dekarbonisierung eingeleitet: die Umstellung der Wirtschaft in Richtung eines niedrigeren Ausstoßes von Kohlenstoff.

Die US-Regierung unter Donald Trump hält zwar nicht viel von den Beschlüssen, den Zug in Richtung einer stärker ökologisch ausgerichteten Wirtschaft kann sie aber nicht mehr aufhalten. Große Kapitalsammelstellen wie die Versicherungen Allianz und AXA sowie Milliarden US-Dollar schwere Staatsfonds haben angekündigt, kohlebasierte Geschäftsmodelle nicht mehr zu finanzieren. „Wir werden nicht mehr in Bergbau- und Energieunternehmen investieren, wenn sie mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes oder ihrer Energieerzeugung aus Kohle generieren“, betonte Allianz-Chefinvestor Andreas Gruber, der zum 1. Januar Carsten Quitter folgen wird. Damit wird klimaschädliches Verhalten für Unternehmen zu einem Risiko: Sie kommen schlechter an Finanzmittel ran. Umgekehrt können sich umweltfreundlich agierende Konzerne leichter finanzieren.

Solchen Trends können Anleger überall begegnen – abends auf dem Sofa zum Beispiel. Wer dort oft mit seinem Computer sitzt und im Internet einkauft, ist längst Teil einer tief greifenden Umwälzung: der Digitalisierung unseres Lebens. Warum also nicht ein paar Aktien von Unternehmen der Digitalen Ökonomie kaufen und abwarten, wie sie sich in den kommenden zehn Jahren entwickeln? Diese Beispiele zeigen, worauf es ankommt: Augen aufhalten, Zusammenhänge erkennen und frühzeitig aufs richtige Pferd setzen.

Investmentfonds sind für Privatanleger eine gute Alternative

Wem das alles zu mühsam ist, überlässt Profis das Aufspüren von Trends und den richtigen Aktie n. Genau dafür gibt es Investmentfonds. „Diese investieren in Dutzende, oft sogar in Hunderte von Unternehmen. Je nach Strategie weltweit und in alle Branchen, oder auf eine Region, ein Land oder ein Thema fokussiert“, erklärt Leven vom Deutschen Aktieninstitut.

Für Privatanleger ist ein breit diversifizierter Fonds in der Regel das passendere Investment als wenige Einzelaktien. Der Grund: Das Risiko eines Fehlgriffs und damit Verlustes sinkt deutlich. Allerdings muss das Fondsmanagement bezahlt werden. Das kostet einmalig zwei bis fünf Prozent des Anlagebetrages und jährlich ein bis drei Prozent des Anlagevermögens. Günstig ist der Spaß also nicht.

Einen Ausweg bieten börsengehandelte Indexfonds (Exchange Tradet Funds: ETFs). Sie bilden einen Index nahezu identisch ab, also zum Beispiel den DAX, den EuroStoxx50 mit den 50 größten Börsenkonzernen Europas oder den MSCI World mit 1.600 Einzelaktien aus 23 Ländern. Weil stets der Index nachgebaut wird, ist kein Fondsmanagement notwendig. Entsprechend günstig sind ETFs. Verbraucherschützer empfehlen sie regelmäßig. Ein Nachteil dieser sogenannten Passivprodukte: Wenn es an den Börsen abwärts geht, ist niemand da, der aussteigen könnte.

Der richtige Zeitpunkt für den Einstieg

Bleibt die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Einstieg. Wie eingangs geschildert, befindet sich der DAX – genau genommen: der Performance-DAX inklusive Dividenden – auf einem Allzeithoch. Anfang 2012 lag er nur bei der Hälfte. Ein Einstieg käme jetzt daher sehr spät. Er könnte sich sogar als typischer Anlegerfehler erweisen.

Denn im Idealfall kauft man, wenn die Kurse im Keller sind und überall negative Nachrichten verbreitet werden, dann jedenfalls ist kurz- und mittelfristig viel Luft nach oben. Aktuell ist nur mittel- bis langfristig mit noch deutlich höheren Indexständen zu rechnen. Carsten Klude, Chefvolkswirt bei der Privatbank M.M. Warburg erwartet den DAX „Ende 2018 bei 13.400 Punkten und ein Jahr später bei 14.500 Punkten“.

Wer jetzt das schnelle Geld sucht, sollte auf den nächsten starken Kursrücksetzer warten – einem saisonalen Muster folgend, könnte es an den Börsen im Mai 2018 und September 2018 runtergehen. Weniger wichtig ist der Zeitpunkt, wenn man sein Geld für zehn bis 15 Jahre investiert, zum Beispiel um Kapital für den Ruhestand aufzubauen. In diesem Fall springt am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit eine positive Rendite heraus. „Mit dem MSCI World hat man in der Vergangenheit mit dieser langfristigen Strategie noch nie Verluste gemacht“, sagt Hermann-Josef Tenhagen vom gemeinnützigen Verbraucherratgeber Finanztip.

Bei Aktien langfristig denken

Den richtigen Zeitpunkt zu finden ist selbst für Profis schwer. Schließlich kann niemand die Zukunft voraussagen. Statt sich mit Gedanken über Ein- und Ausstiegsmomente zu quälen, können Anleger mit langem Zeithorizont jeden Monat für zum Beispiel 100 Euro Fondsanteile erwerben. Das schont nicht nur die Nerven, sondern führt auch zum sogenannten Durchschnittskosteneffekt. Den erklärt Leven vom Deutschen Aktieninstitut so: „Bei höheren Kursen werden weniger und bei niedrigeren Kursen mehr Anteile erworben. Das senkt die durchschnittlichen Einstandskosten.“

Fazit:

Von den aktuell hohen Indexständen sollten sich Unternehmer nicht zu leichtsinnigen Investments verleiten lassen. Nur Geld, das in den nächsten zehn Jahren nicht benötigt wird, ist für den Aktienmarkt geeignet. Auf behutsame Weise erfolgt der Einstieg mit regelmäßigen Sparraten in einen passiven oder aktiven Fonds.

Lexikon: Kennzahlen richtig interpretieren

Auch Privatanleger können den Wert von Unternehmensaktien prüfen. Wer weiß, wie Kennzahlen der börsennotierten Konzerne zu lesen sind, entdeckt schneller die Perlen, die Kursgewinne versprechen.

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Es dividiert den Kurs durch den (erwarteten) Gewinn je Aktie. Je höher das KGV, umso teurer die Aktie. Der langjährige Durchschnitt für den DAX ist 15. Wachstumswerte haben KGVs von über 20.

Kurs-Buchwert-Verhältnis

Man teilt den Kurs durch den Buchwert je Aktie. Als Buchwert wird dabei das Eigenkapital angesehen. Die Kennzahl zeigt ähnlich wie das KGV an, ob eine Aktie günstig oder teuer ist. Der faire Wert der Aktie liegt bei einem KBV von eins. Unter eins ist die Aktie billig, aber die Börse ist auch skeptisch, ob das Unternehmen die Prognosen erfüllen kann. Über eins ist der Markt optimistisch.

Kurs-Cash-flow-Verhältnis

Der Cash-flow bzw. die Ertragskraft stellt den Einzahlungsüberschuss dar. Die Zahl zieht von den Einzahlungen, etwa aus Umsatzerlösen und Zinserträgen, die Auszahlungen ab, etwa für Löhne und Material. Der Cash-flow im Verhältnis zum Aktienkurs gibt das Kurs-Cash-flow-Verhältnis. Je niedriger es ist, umso billiger ist eine Aktie. Im Vergleich zum KGV ist das KCV aussagefähiger, weil der Cash-flow von den Unternehmen nicht so manipulierbar ist wie der Gewinn.

Eigenkapitalrendite

Geteilt wird der Nachsteuergewinn einer Gesellschaft durch das Eigenkapital. Die Kennzahl verdeutlicht, wie effizient ein Unternehmen arbeitet. Weit unter zehn ist ein Warnsignal. Werte über 20 sind sehr gut. Es hängt stark von der Branche ab, welche Renditen als gut anzusehen sind.

Dividendenrendite

Sie stellt die Höhe der Ausschüttung je Aktie ins Verhältnis zum Aktienkurs. Werte über drei Prozent sind gut. Dass das Papier auch eine gute Kursentwicklung verspricht, ist aber nicht gesagt.

Potenzialanalyse Aktienfonds mit Zukunft für Einsteiger

Mit diesen Investmentfonds setzen Privatanleger auf einen langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien. Drei Sondervermögen schütten Dividenden an die Investoren aus. Beim DJE- sowie beim Comstage-Produkt werden die jährlichen Gewinnbeteiligungen wieder im Fonds angelegt, was den Rendite-Vergleich etwas verzerrt. handwerk magazin stellt in der Übersicht Investmentfonds vor, die sich deshalb auch für Einsteiger eignen.

Produkt Emittent ISIN Fondsvermögen Rendite in % Gesamtkostenquote
(TER) in %1
5 Jahre 10 Jahre
Aktiv verwaltete globale Aktienfonds
DJE Dividende & Substanz2) DJE Kapital,
München
LU0159550150 1.313 Mio. € 62 65 1,86
StarCapital Starpoint StarCapital,
Oberursel
LU0114997082 180 Mio. € 80 40 1,76
Aktiv verwaltete globale Nachhaltigkeitsfonds
Ökoworld
Ökovision Classic
Ökoworld,
Hilden
LU0551476806 747 Mio. € 70 _3) 2,50
UniNachhaltig Aktien Global Union Investment,
Frankfurt
DE000A0M80G4 113 Mio. € 70 _3) 1,53
Passiver, börsengehandelter globaler Indexfonds (ETF)
Comstage MSCI World2)
UCITS ETF - I USD ACC
Comstage,
Frankfurt ­
LU0392494562 1.410 Mio. $ 88 _3) 0,20

1) Kosten, die jährlich zusätzlich zum einmaligen Ausgabeaufschlag anfallen, 2) Thesaurierender Fonds (= Dividenden bleiben im Fonds; keine Ausschüttung), 3) Noch keine zehn Jahre am Markt. Quelle: comdirect.de, finanzen.net; Nov. 2017

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