Bericht der Finanztransaktionsstelle Geldwäsche: 350 Prozent mehr Verdachtsfälle

Zugehörige Themenseiten:
Betriebsprüfung, Geldwäsche und Zollrecht

Innerhalb von fünf Jahren sind die Verdachtsfälle von Geldwäsche um 350 Prozent gestiegen. Insbesondere Immobilien werden genutzt, um Geld aus Drogen- und anderen illegalen Geschäften in den regulären Geldkreislauf einzubringen. In Deutschland stammen die meisten Verdachtsfälle aus Nordrhein-Westfalen: 33,6 Prozent aller Meldungen stammen von dort. Wenn es um Betrug bei den Corona-Soforthilfen geht, liegt der Anteil sogar bei 43 Prozent. Was die Finanztransaktionsstelle (FIU/Financial Intelligence Unit) des Zolls sonst noch herausfand.

Immeröfter wird schmutziges Geld aus kriminellen Geschäften in den regulären Geldkreislauf eingeschleust. – © M.Doerr-M.Frommherz – stock.adobe.com

Im Jahr 2015 registrierte die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen 32.008 Geldwäsche-Verdachtsfälle, fünf Jahre später waren es bereits 144.005 – satte 350 Prozent mehr. Alleine seit 2018 hat sich die Anzahl fast verdoppelt

Was die FIU leistet

Die FIU ist eine administrativ ausgerichtete Behörde. Seit dem 26. Juni 2017 ist sie innerhalb der Generalzolldirektion beim Zollkriminalamt angesiedelt. Die eigens dafür etablierte Abteilung D sitzt in Nordrhein-Westfahlen, in Köln-Dellbrück.

Immobilien dienen oft der Geldwäsche

Vor allem Immobilien-Investments dienen kriminellen Akteuren zur Geldwäsche.“ Schätzungen zufolge werden zwischen 15 und 30 Prozent aller kriminellen Vermögenswerte in Immobilien investiert. Das Ausmaß der internationalen Finanzströme erschwert es den Ermittlungsbehörden, nicht zuletzt in Anbetracht ihrer Ausstattung, die Delikte aufzudecken“, schreibt Raphael Lulay auf Block-Builders.de, einem Themenportal für Finanzen und Blockchain.

Besonders viele Fälle in NRW

Wirft man einen Blick auf die Geldwäsche-Verdachtsmeldungen in Deutschland, dann zeigen sich je nach Bundesland große Unterschiede. 33,6 Prozent jener Meldungen betreffen Akteure aus Nordrhein-Westfalen, in Baden-Württemberg liegt der Anteil bei 7,7 Prozent, in Bayern sind es 10,9 Prozent und in Berlin 11,3 Prozent. Bei den Verdachtsmeldungen, die im Zusammenhang mit Corona-Soforthilfebetrug stehen, ist der Anteil von Nordrhein-Westfalen mit 43 Prozent sogar noch höher.

Der internationale Vergleich

Bei etwa zwei Prozent der Meldungen liegt der Verdacht nahe, dass die Aktivitäten in Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung oder Staatsschutzbezug stehen“, Bei einem globalen Ranking des höchsten Risikos von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung liegt Afghanistan auf dem ersten Platz, gefolgt von Haiti und Myanmar.

Kryptos helfen bei der Geldwäsche

Meldungen mit Bezug zu Kryptowerten haben sich im Corona-Krisenjahr (2.050 Verdachtsmeldungen) im Vergleich zu 2019 mehr als verdoppelt. Da jedoch beispielsweise Bitcoin-Transaktionen nicht anonym, sondern pseudonym sind, können derlei Aktivitäten zwar grundsätzlich aufgedeckt werden – doch nur selten gelingt dies.

.