Kfz-Versicherungen im Vergleich Fuhrpark: Jetzt steigen die Prämien für die Flottenversicherung

Zugehörige Themenseiten:
Flottenversicherung und Fuhrpark

Die Prämien für die Flottenversicherung steigen. Die Gründe: Die Werkstätten erhöhen ihre Preise für Reparaturen massiv. Das erhöht die Kosten für die Versicherer. Zudem haben die großen Naturereignisse im vergangenen Jahr auch viele Autos beschädigt. Das hat die Assekuranz viel Geld gekostet. Nun legt sie den Mehraufwand auf ihre Kunden um. Unser aktueller Test zeigt: Unternehmer sollten vergleichen, denn Ersparnisse bis 54 Prozent sind drin. Wichtig auch: in Schadenverhütung investieren.

Alexander Kotz, Inhaber der Kotz Haustechnik GmbH in Stuttgart.
Alexander Kotz, Inhaber der Kotz Haustechnik GmbH in Stuttgart. – © Annette Cardinale

Dennis Wittkamp ist sich sicher: „Die Prämien werden ordentlich steigen.“ Der Experte der Rating-Agentur Assekurata hatte schon für 2022 einen moderaten Prämienanstieg in der Kfz-Versicherung beobachtet. Doch nun werde es schlimmer: Denn die massive Inflation von 7,5 Prozent wirke erfahrungsgemäß doppelt so stark auf die Preise für Ersatzteile. Das ist dann ein zweistelliger Wert, den die Versicherer mehr zu leisten haben. Doch letztlich geben sie ihn an ihre Kunden weiter. Sparen ist angesagt.

Sparen heißt weniger fahren. Doch wie soll das gehen bei Handwerkerflotten? Sprit sparen ist bei Privatpersonen möglich, im Handwerk jedoch berufsbedingt nicht. Die nun wieder vollen Straßen sorgen zudem für ein gestiegenes Unfallrisiko. Daher werden Betriebe wohl besonders stark und häufig von Prämienerhöhungen betroffen sein.

Die Verträge werden angepasst

Dass die Versicherer im Lockdown-Jahr 2020 rund 9,1 Prozent weniger für Schäden zahlen mussten, scheint vergessen. Immerhin sparte die Branche 2,3 Milliarden Euro, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ermittelt hat. Die Versicherer erhöhen die Prämien trotzdem. „Im Einzelfall sind Sanierungen ab einer Schadenquote von 80 Prozent möglich“, warnt Yvonne Kerpes, Bereichsleiterin Firmenkunden beim Versicherungsmakler Hoesch & Partner aus Frankfurt. Was Sanierung bedeutet: Die Versicherer gehen auf ihre Kunden mit schlechter Schadenquote zu und verhandeln (zum Zweck der Sanierung ihrer Verträge). Meist stehen ein höherer Selbstbehalt oder eine Prämienanhebung am Raum. Im schlimmsten Fall kündigen sie.

Versicherungsmakler Georg Soller aus Straubing, ebenfalls auf Flottenschutz spezialisiert, sieht dieses Vorgehen gar schon bei 75 Prozent Schadenquote. Die Schadenquote misst das Verhältnis der Schadenaufwendungen zu den Prämien ohne Versicherungssteuer. „Grundsätzlich ist der Moment, in dem der Flottenversicherer die Geduld verliert und mehr Geld haben will, von der individuellen Situation des Handwerkbetriebs abhängig“, erläutert Kerpes. Sie meint: „Die Sanierung kann auch verhandelt werden.“ Anstelle einer reinen Prämienerhöhung ist oft auch eine Gewinn- und Verlustbeteiligung vereinbar: Im Gegenzug für weniger Schäden erhält der Unternehmer Geld zurück.

Wechselsaison startet

Für die Wechselsaison 2022/2023 ist der Verhandlungsspielraum aber begrenzt. Das liegt an den Zuschlägen der Rückversicherer. Sie haben aufgrund der schweren Elementarschäden in 2021 hohe Kosten bei Kfz-Reparaturen gehabt. Diese stellen sie der Assekuranz nun in Rechnung. Zudem erhöht die allgemeine Teuerung die Kosten der Versicherer weiter. „Deshalb werden die Kfz-Versicherer diese erhöhten Aufwendungen an die Kunden weitergeben“, betont beispielsweise der DEVK-Vorstandsvorsitzende Gottfried Rüßmann. Und auch ­Signal-Iduna-Chef Ulrich Leitermann sieht keine Chance, die Kunden von höheren Beiträgen zu verschonen.

Beispielfall Haustechnik

Gut vorbereitet auf die kommende Entwicklung sieht sich die Kotz Haustechnik GmbH aus Stuttgart. Sie hat seit Jahren ihre derzeit zwölf Fahrzeuge bei der Signal Iduna unter Vertrag. Sie rechnet damit, nur die allgemeine Erhöhung mitmachen zu müssen. Grund: Aktive und passive Sicherheit werden bei der Kotz GmbH großgeschrieben. „Wir sagen bereits unseren Kunden, dass eine Fahrt durch die Großstadt einfach dauert“, so Meister Alexander Kotz. Das befreit die Mitarbeiter von Zeitdruck. Zur Gelassenheit bei der Anfahrt kommt Sicherheitstechnik hinzu: Alle Firmenwagen sind mit Freisprecheinrichtung und Rückfahrkameras ausgestattet. Die Folge: nur ein bis zwei Blechschäden pro Jahr.

Schadenverhütung hilft, Prämien zu sparen

So wie Alexander Kotz sollten aktuell alle Handwerksbetriebe über Schadenverhütung nachdenken. Denn explodierende Versicherungskosten sind nur ein Nachteil für Versicherte. Fast schlimmer ist die mögliche Weigerung der Assekuranz, eine Police anzubieten.. So akzeptieren einige Versicherer nur neue Flottenkunden, die eine sehr gute Schadenquote weit unter 80 Prozent haben. „Sie müssen als Unternehmer dem Versicherer bei hoher Schadenentwicklung eine Perspektive bieten, wie zukünftig besser gefahren werden soll“, meint Thorsten Kuhr, Geschäftsführer der Bernhard Assekuranz. Langfristig müssen Handwerker Schäden steuern und ein Risikomanagement einführen. „Das ist aber ein Investment, das erst in zwei bis drei Jahren sichtbar wird“, warnt André Vieregge, Leiter Mobility Services beim Makler Schunck.

Ein erster Schritt für Handwerker könnte sein, alte Zöpfe abzuschneiden. Konket: vom Vertreter einer einzigen Versicherung (Ausschließlichkeit) zu einem Versicherungsmakler zu wechseln. Letzterer vergleicht alle Angebote am Markt und kann so oft bessere Prämien bei gewünschtem Schutz ermitteln.

Transparenz sorgt für angemessene Prämien

Versicherungsmakler helfen dabei, die Schadenhistorie auszuwerten. Und sie erstellen eine Einzelschadenübersicht. Und das ist hilfreich. Denn sie schafft Transparenz über die Gründe einer hohen Schadenquote. Fallen hierbei bestimmte Ursachen, Schadenorte oder auch einzelne Fahrer auf, kann der Handwerker gegensteuern. Fahrertrainings wären eine gute Maßnahme. Oder auch Boni für schadenfreies Fahren. Schöner Nebeneffekt: Es entstehen weniger nicht versicherte Ausfallkosten..

Außerdem bieten Versicherungsmakler oft einen schnellen Einstieg in eine digitale Abwicklung aller Belange rund um die Flotte. Das reicht vom Antrag bis zum Schaden. Unternehmer melden dann beispielsweise neue Schäden per Smartphone direkt vom Unfallort mit Bildern und Kontaktdaten der Geschädigten. Das sorgt für Transparenz und Kosteneffizienz und beschleunigt die Abwicklung.

Auf Flottenschutz spezialisierte Versicherungsmakler bieten Portale, die online einen sofortigen Einblick in die Verträge und Schäden bieten. „Der Service kommt bei unseren Kunden sehr gut an. Sie können völlig autonom auf immer aktuelle Infos ihrer Flotten zugreifen“, sagt Vieregge.

Versicherungsmakler mit Schwerpunkt Flottenschutz

Technik sorgt für weniger Schäden

Schadenanalyse und Schadenvermeidung gehen Hand in Hand. Handwerker können Assistenzsysteme einbauen lassen. Oder sie führen ein Belohnungssystem für unfallfreie Fahrer ein. Beides zusammen sorgt für deutlich geringere Schäden. Der Rat „Fuß vom Gas“ oder „Bordsteinkanten sanft anfahren“ hilft ebenfalls: So vermeiden Unternehmer nicht versicherte Kosten, wie Verschleiß. Gleichzeitig sparen die Mitarbeiter so Kraftstoff. Und das wird zunehmend wichtig, denn der Mangel an Ersatzteilen „kann die Ausfallzeiten für den dringend benötigten Firmenwagen deutlich erhöhen“, warnt Kuhr.

Prämien: Nur der Marktüberblick sorgt für optimalen Schutz

Weiterhin gibt es in der Flottenversicherung ein gewaltiges Preisgefälle. Das zeigt unser aktueller Vergleich per Kleinflottenrechner des Beratungsunternehmens Nafi aus Höxter. Dort haben wir einen fiktiven Fuhrpark von neun Fahrzeugen für einen Bauhandwerker versichert. Alle Pkw sind Elektrofahrzeuge. Die Flotte umfasst zwei Geschäftsführerfahrzeuge Tesla Model 3, vier Mitarbeiter-Pkw VW ID.3 Pure sowie drei Lieferwagen Fiat Ducato. Die Autos haben wir mit einer Kfz-Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung sowie mit einem Schutzbrief abgesichert. Zudem haben wir speziellen E-Schutz in der Kaskoversicherung abgefragt. Achtung: Die Leistungen für E-Autos unterscheiden sich deutlich. Wer E-Autos in seiner Flotte hat, sollte sich von einem Experten beraten lassen. Relativ gleich ist bei allen Assekuranzen der All-Risk-Schutz (Allgefahren-Schutz) bei der Vollkasko.

Sparvorteile: Fast 54 Prozent

Für unseren Musterbetrieb verlangt die Württembergische bei guten Leistungen für den Flottenschutz knapp 6.800 Euro weniger als die Zurich. Der Sparvorteil liegt bei knapp 54 Prozent. Wichtig: In diesem Jahr gibt es für fast alle Fuhrparkbesitzer ein doppeltes Kündigungsrecht: das reguläre bis zum 30. November und das außerordentliche. Letzteres greift immer bei einer Prämienerhöhung. Handwerker können es bis zu einem Monat nach Eingang der Rechnung nutzen. Dieses Recht gilt auch dann, wenn nur ein Teil der Police, etwa die Kfz-Haftpflicht-versicherung, teurer wird.

Unternehmer können die Prämie oft individuell aushandeln. Ein Prämienvergleich sorgt für ein Konkurrenzangebot. Das hilft dann, den aktuellen Versicherer an den Verhandlungstisch zu bekommen. Wer mindestens zehn Fahrzeuge hat, kann beispielsweise ein Risiko-Management vereinbaren, das die Zahl der Schäden senkt. Schon im Voraus gibt es dann Nachlässe bei der Prämie. Bei sehr großen Flotten ist neben der üblichen Selbstbeteiligung für die Kasko eine Eigenbeteiligung an jedem Haftpflichtschaden möglich. Wer selbst ins Risiko geht, zahlt weniger Beitrag und weniger Versicherungssteuer.

Tarifübersicht: Hochwertiger Flottenschutz für einen Musterbetrieb

Alle Tarife enthalten einen Schutzbrief. Sie entschädigen Tierkollision und verzichten bei grob fahrlässigen Fahrfehlern sowie bei Neuteilen auf Abzüge. Das Sparvolumen pro Jahr: 6.771 Euro oder fast 54 Prozent. Für den Start zum nachhaltigen Handwerker-Fuhrpark: Alle Pkw sind Elektro-Fahrzeuge (sortiert nach Jahresprämie).

VersichererTarifHaftpflicht
in Euro (gerundet)
Kasko
in Euro (gerundet)
Jahresprämie gesamt (1)
in Euro (gerundet)
WürttembergischeKleinflotte2.4913.1655.835
AXAKleinflotte3.319 3.6547.092
GothaerKleinfottentarif3.5053.6767.307
SV Sparkassen­versicherungKleinflotte3.6624.1517.977
Alte LeipzigerFuhrparkmodell3.9543.5677.991
KravagBranchenpolice3.7734.1288.081
R+VBranchenpolice3.8624.2608.302
DialogKleinflottenmodell3.9334.9058.838
AllianzKleinflotte3.8235.3579.180
VertiKleinflotte3.3785.7059.290
SV Sachsen Kleinflotte3.907 5.1759.352
Concordia Kleinflottenmodell4.5724.7939.560
Debeka Kleinflotte4.0295.3849.636
HDI Global Kleinflotte4.3706.82811.197
Zurich Kleinflotte6.3066.31812.624
Quelle: Nafi GmbH, Kleinflotten-Rechner. Stand 08/22. 1) die Schutzbriefprämie ist in der Gesamtprämie enthalten. Versicherte fiktive Flotte: sechs Elektro-Pkw, drei Lieferwagen. 2 Geschäftsführerfahrzeuge Tesla Model 3; drei Lieferwagen Fiat Ducato; vier Mitarbeiterfahrzeuge VW ID.3 Pure, Versicherungsschutz. Haftpflicht und Vollkasko Selbstbeteiligung für Vollkasko 500 Euro; Teilkasko 150 Euro, Schutzbrief; soweit möglich E-Baustein(e); Pkw sind Leasingwagen und erhalten GAP-Schutz; Zahlungweise jährlich.

Glossar: Wichtige Leistungen der Flottenversicherung

Eine Flottenpolice, in der alle Fahrzeuge über einen Rahmenvertrag abgesichert sind, sorgt für Ordnung in der Policenverwaltung und erhebliche Reduktionen bei den Kosten. Auf diese Leistungen sollten Unternehmer achten:

  • Eigenschaden: Kollisionen zwischen eigenen Firmenfahrzeugen außerhalb des Betriebsgeländes sind versichert. Der Schutz kann auf Schäden innerhalb des Betriebsgeländes erweitert werden.
  • Tierschutz: Gute Bedingungen schützen vor der Kollision mit jedem Tier und tragen auch Tierbissschäden und ihre Folgen.
  • Grobe Fahrlässigkeit: Assekuranzen verzichten zunehmend auf Kürzungen wegen grober Fahrlässigkeit. Dies greift allerdings nicht, wenn ein Schaden unter Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen verursacht wurde oder wenn ein Diebstahl grob fahrlässig herbeigeführt wurde.
  • Werkstatt-Tarif: Wer seine Flotte bei Kaskoschäden immer in die Partnerwerkstatt des Versicherers bringt, bekommt einen Nachlass.
  • Schutz bei Betriebs-, Brems- und Bruchschäden: Versichert sind Schäden am Fahrzeug, die ihre alleinige Ursache in einem Bremsvorgang haben, beispielsweise Schäden an der Bremsanlage oder an den Reifen. Ersatz gibt es zudem, wenn ein Fahrzeug falsch bedient wurde.
  • Lückenschutz für Leasingfahrzeuge: Die Gap-Deckung (Gap = engl. Lücke) schließt bei einem Totalschaden durch Unfall oder Diebstahl eines Leasingfahrzeuges die finanzielle Lücke zwischen dem Wiederbeschaffungswert, den die Kaskoversicherung bezahlt, und dem Restleasingwert, der für das geleaste Fahrzeug noch zu zahlen ist.
  • Personen-Vollkasko-Schutz: Sinnvoll ist eine zusätzliche Fahrer-Schutz-Versicherung (FSV). Damit wird eine gefährliche Versicherungslücke gedeckt: Der Personenschaden des Fahrers nach einem selbst verschuldeten Unfall. Die Police zahlt zusätzlich zur gesetzlichen Unfallversicherung, die zudem bei Privatfahrten mit dem Firmenwagen grundsätzlich nicht zuständig ist. Eine gute FSV leistet auch für Schmerzensgeld.
  • Mehrwertversicherung: Flottentarife sollten bauliche Veränderungen am Fahrzeug und Sonderausstattungen ohne Zuschlag absichern. Oft gibt es aber eine Wertgrenze, bis zu der geleistet wird.
  • E-Schutz-Baustein: Hochwertigerer Schutz für Elektrofahrzeuge in der Kaskoversicherung durch Absicherung des Ladevorgangs und des Akkus.
  • Dauerversicherungs-Bestätigung: Heute benötigen Fahrzeughalter nur noch die elektronische Versicherungsbestätigungs-Nummer (eVB), um ein Fahrzeug anzumelden. Für die Versicherung von Flotten bieten die Assekuranzen ab einer bestimmten Fahrzeuganzahl eine sogenannte Dauerversicherungs-Bestätigung (Dauer-eVB) an. Da die Assekuranzen meist keine Einschränkung bei der Fahrzeugart vornehmen, kann jedes neue Auto sofort zugelassen werden.