Schutz vor Naturgefahren Extremwetter: Diese Versicherung brauchen Immobilienbesitzer

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Betriebsversicherung, Gebäudeversicherung und Geschäftsinhaltsversicherung

Tosen und wüten: Schäden durch extreme Naturereignisse sind weder in der Gebäude- noch in der Inhaltsversicherung abgedeckt. Nur ein Extra-Elementarschutz hilft. Er dient der Existenzsicherung von Betrieben. Was diese Policen leisten, wer sie braucht – und was sie kosten.

Elementarschutz: Damit Sie bei Extremwetter nicht im Regen stehen.
Elementarschutz: Damit Sie bei Extremwetter nicht im Regen stehen. – © fran_kie_stock.adobe.com

Immer schon haben Immobilienbesitzer ihre Gebäude gegen Schäden versichert. Und ganz selbstverständlich schützen Handwerker den Gebäudeinhalt, also vor allem ihre teuren Maschinen und Werkzeuge, vor Schäden. Ist das wirklich so? Oder ist der angenommene Versicherungsschutz größer als der tatsächliche? Denn wer kennt die Versicherungsbedingungen schon im Detail – und weiß, welche Schäden ausgeschlossen sind?

Eine gute und eine schlechte Nachricht, die gute zuerst: Wer sowohl eine Gebäude- als auch eine Sachversicherung (auch Inhaltsversicherung genannt) hat, ist gegen Schäden durch Brand, Blitzschlag, Explosion und Implosion, Leitungswasser, Rohrbruch und Frost, Sturm, Hagel und Überspannung abgesichert. Das ist schon eine ganze Menge und noch vor zehn Jahren reichte dieser Schutz aus. Doch nun kommt die schlechte Nachricht: Schäden, die durch Hochwasser, Rückstau, Schnee, Erdbeben und Lawinen sowie Starkregen entstehen, werden von diesen Policen nicht gedeckt .

„Das betrifft mich nicht“

Wer nun denkt: „Das betrifft mich nicht“, der irrt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt: „Starkregen gehört zur einer der meistunterschätzten Gefahren.“ Stark-
regen könne auch kleinste Bäche zum Überlaufen bringen und sogar Erdrutsche auslösen. Das gilt weltweit, auch für Deutschland. Denn Extremwetterereignisse , wie schwere Hagelschläge, Starkregen oder Blitzflut – mit enormen finanziellen Folgen, sind auch hierzulande längst keine Seltenheit mehr: Im Februar 2020 fegte beispielsweise der Wintersturm „Sabine“ über deutsche Dächer hinweg und erleichterte allein die Sachversicherer um etwa 600 Millionen Euro. Zwei Jahre zuvor kostete „Friederike“ sogar etwa 1,15 Milliarden Euro. Bei diesen Zahlen sind nur die versicherten Schäden erfasst. Die tatsächlichen Schäden liegen weit darüber. Und das Umweltbundesamt befürchtet, dass bei weiter steigenden Treibhausgasemissionen diese Extremwetterereignisse auch bei uns zum Normalfall werden. Wer von so einer Naturgewalt getroffen wird und nicht versichert ist, riskiert die Existenz seines Betriebes .

Ein Praxisfall

Diese Gefahr hatte Handwerksmeister Herbert Kaupp aus Horb am Necker vor Augen, als er seinen Betrieb in vollem Umfang gegen Naturgefahren versicherte. Das Betriebsgebäude liegt recht hoch, weit weg vom Fluss. Doch sein Versicherungsvertreter Daniel Pacyna, der für die Alte Leipziger arbeitet, hat ihn auf die Versicherungslücke hingewiesen. Kaupp ließ sich überzeugen und ist heute froh, den Schutz abgeschlossen zu haben: „In der Nachbargemeinde Waldachtal gab es einen Starkregen. Da ist vieles untergegangen“, sagt er. Ihm kann das nicht passieren, denn Kaupp fährt betrieblich nach der Devise, lieber einen Euro mehr aufzuwenden, als den Betrieb durch eine Naturkatastrophe aufs Spiel zu setzen. „Gebäude und Inhalt sind rund eine Million Euro wert“, schätzt der Unternehmer. Der Familienbetrieb mit derzeit elf Mitarbeiter soll künftig an die Söhne übergeben werden. „Da arbeiten wir lieber mit Null-Risiko.“ Trotzdem sei es schon verwunderlich, dass diese Naturschäden nochmals extra abgesichert werden müssten – und darin dann auch irrelevante Risiken enthalten seien. So sind die mitversicherten Erdbebenschäden in seiner Region eigentlich gar kein Thema. „Das ist schon so eine Sache mit den Versicherungen“, seufzt Kaupp. Demgegenüber sieht er den mitversicherten Schneedruck aufgrund des Hallenflachdachs als sinnvoll an.

Prüfen und prüfen lassen

Grundsätzlich gilt: „Wer seinen Betrieb ebenerdig hat, ist gefährdet“, warnt Versicherungsberater Andreas Kutschera aus Mönchengladbach. Er rät, einen Blick in die Versicherungsunterlagen zu werfen und sich Klarheit darüber zu verschaffen, ob die aktuelle Police ausreichend Schutz gewährt. Der Zusatz „Elementarschutz“ muss genannt sein – und auch die versicherten Ereignisse. Wer keine Zeit hat, die umfassenden Verträge selbst zu lesen, kann seinen Versicherungsberater um diesen Dienst bitten. Der Vorteil: Übersieht der Versicherungsexperte ein Risiko, haftet er im Falle von Schäden.

Gefährdet – oder nicht?

Leicht zu prüfen ist auch, wie stark das Unwetterrisiko für den eigenen Betriebsstandort ist. Möglich macht das der denkbar einfach durchzuführende „Naturgefahren-Check“ auf dieversicherer.de/versicherer/haus—garten/naturgefahren-check des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Wer seine Postleitzahl eingibt, erhält sofort Informationen zur Schadenhäufigkeit und zum maximalen Schadenbetrag. Auch die Gefahr durch Hochwasser kann mittels Eingabe der Adresse unkompliziert abgelesen werden.

Risiken minimieren

Doch auch wer laut GDV-Analyse heute ein geringes Risiko hat, sollte die Elementarversicherung nicht aus den Augen verlieren – der Trend hin zu mehr Naturereignissen ist klar belegt. Das sieht auch Heiko Hirtz so: „Mein Versicherungsvertreter, Thorsten Klein von der Inter Versicherung, hat mir geraten, Halle und Anlagen zusätzlich gegen alle Wettergefahren zu versichern, und das haben wir dann auch gemacht“, so der Handwerksmeister, Maschinenbautechniker und Chef der Tortechnik Hirtz GmbH & Co. KG aus dem saarländischen Überherrn. Sein Betriebsgelände liegt vor einem Naturschutzgebiet mit zwei kleinen Flüssen. „Da gibt es zwar Überlaufflächen, doch bei den aktuellen Wetterkapriolen kann man nie wissen, ob das reicht“, findet Hirtz.

Guter, günstiger Schutz

Die Notwendigkeit eines zusätzlichen Elementarschutzes von Gebäude und Inhalt ist offensichtlich, auch wenn er zusätzliche Kosten nach sich zieht. Doch laut GDV verfügen bundesweit 55 Prozent der Wohngebäudebesitzer nicht über einen Extra-Elementarschutz. Wie der Stand bei Gewerbetreibenden ist, ist nicht bekannt.

Die aktuelle Marktübersicht zeigt, dass Elementarschutz nicht teuer ist. Je nach Anbieter wird das Risiko jedoch unterschiedlich hoch bewertet, sodass auch die Konditionen sehr unterschiedlich sind. Wer vergleicht, kann sparen .

In der Risikozone

Grundsätzlich teilen die Versicherer ganz Deutschland in vier Risikozonen ein. Die höchste Risikozone „Zürs 4“ gilt als nicht versicherbar. „Nach neusten Daten entfallen auf diesen Bereich aber nur 0,4 Prozent aller Adressen“, sagt GDV-Sprecherin Kathrin Jarosch. Wer in einer solchen Zone sein Betriebsgebäude hat und Schwierigkeiten mit dem Versicherungsschutz bekommt, sollte in engem Dialog mit dem potenziellen Versicherer stehen und Schutzmaßnahmen ergreifen, etwa eine Flutwand aufbauen, damit das Risiko gesenkt wird. Doch das ist teuer. „Für kleinere Unternehmen gibt es daher wohl nur eine Lösung: Verlegen Sie ihren Betriebssitz“, rät Versicherungsexperte Kutschera.


Alle anderen Zonen sind leicht versicherbar. Wer sein Gebäude in stark bebauten Regionen hat, sollte aber genau auf den Wortlaut der Bedingungen für Extra-Elementarschutz, insbesondere bei Überschwemmungen, achten. Denn ein Grundstück kann aus vier Gründen überschwemmt werden: durch Regen, durch das Ausufern von Gewässern oder durch den Austritt von Grundwasser aufgrund einer der beiden Ursachen. Möglich ist auch, dass es zu einem Rückstau aus Abwasserrohren kommt. Alle vier Fälle müssen versichert sein. Experte Kutschera: „In den Bedingungen heißt es aber oft, dass das Oberflächenwasser zur Überflutung geführt haben muss. Der Schaden am Gebäude ist dann zeitlich nachgelagert.“ Bei Grundstücken mit 100-prozentiger Bebauung könnte sich der Versicherer möglicherweise herausreden, weil es kein Oberflächenwasser gegeben hat. Daher sollten Handwerker auf Nummer sicher gehen und sich vom Vermittler oder Versicherer schriftlich bestätigen lassen, dass Gebäudebeschädigungen auch ohne Überflutung des Grundstücks versichert sind.

So haben wir verglichen

Für den Tarifvergleich haben wir einen Betriebsstandort mit „mittlerer Gefährdung“ (Zürs 2) in Frankfurt am Main gewählt – und den Extra-Elementarschutz für die Gebäudeversicherung und die Inhaltsversicherung abgefragt.

Die Ergebnisse: Beim Gebäudeschutz beträgt der Aufschlag für Extremwetterschutz zwischen 27 Prozent (Inter Versicherung) und 138 Prozent (Signal Iduna). Die Assekuranzen bewerten das Risiko also sehr unterschiedlich. Anbieter, die wie die Gothaer im Basis-Schutz sehr günstig sind, bleiben das trotz höherem Aufschlag auch beim vollen Elementarschutz. An einer Selbstbeteiligung kommt man jedoch bei keinem Anbieter vorbei. Sehr günstig ist hier der Münchener Verein mit einer Selbstbeteiligung von 1.000 Euro. Problematisch ist, dass viele Versicherer beim gewerblichen Gebäudeschutz noch nicht bereit sind, bei größeren Schäden auf Abzüge wegen grober Fahrlässigkeit zu verzichten. Relevant ist dies besonders bei Schäden durch Brand – einen Elementarschaden selbst herbeizuführen ist wohl kaum möglich. Tipp von Kutschera: „ Beachten Sie Ihre Pflichten, wie Rückstauventil in Schuss halten oder Schneeräumung vom Dach, peinlich genau, damit es bei der Schadenregulierung keinen Ärger gibt.“

Unterschiede beim Inhaltsschutz

Auch bei der Inhaltsversicherung fallen die Zuschläge je nach Anbieter sehr unterschiedlich aus. So verlangt die Inter Versicherung lediglich 16 Prozent auf die Basisprämie, während der Volkswohlbund sage und schreibe 251 Prozent aufschlägt. Die exorbitante Prämie nennt man im Versicherungsjargon „Abwehrprämie“. Sie signalisiert, dass die Assekuranz das Risiko eigentlich nicht versichern will, was der Volkswohlbund beim Gebäudeschutz klar kommuniziert hat. Doch die volle Ablehnung ist nicht gut fürs Image. Daher arbeiten Assekuranzen immer wieder mit Abwehrprämien. Tipp: Handwerker sollten immer, wenn sie ein neues Risiko versichern, einen umfassenden Prämienvergleich durchführen. Andernfalls könnten sie, ohne es zu wissen, Opfer einer Abwehrprämie werden – und das ist herausgeworfenes Geld.

Alles in einer Hand

Handwerker Hirtz und Kaupp haben ihren Versicherungsschutz mittlerweile jeweils bei einer Assekuranz konzentriert. Der aktuelle Vergleich zeigt, dass das nicht immer die günstigste Variante ist. Doch die Schadenerfahrung in der Praxis spricht ihre eigene Sprache. So hat Unternehmer Kaupp in der letzten Zeit gute Erfahrung in Sachen Schadenregulierung gemacht. „Die Alte Leipziger ist sich wohl bewusst, was für ein guter Kunde wir geworden sind“, sagt der Handwerker. Montageschäden und ein Einbruch seien nicht nur „sang und klanglos“, sondern auch „zügig“ bezahlt worden. „Früher, als wir noch verschiedene Versicherer hatten, war das nicht immer der Fall“, ist Kaupp zufrieden.