Einkommensteuern -

Übersicht Das müssen Sie wissen zum Thema Kindergeld

Kinder kosten Geld, das wissen Eltern – und Kindern steht Geld auch zu: Nur so können sich die Sprösslinge optimal entwickeln. Für alle Eltern haben wir in Zusammenarbeit mit der ARAG Versicherung daher alles Wissenswerte zum Thema Kindergeld zusammengestellt.

Themenseiten: TS Ausbildung, TS Elternzeit und TS Studium

Wer bekommt wieviel? Oder besser gesagt: Wem steht wieviel zu? In Sachen Kindergeld können Eltern schnell den Überblick verlieren. handwerk magazin und die ARAG Versicherung helfen mit der folgenden Übersicht:

Kindergeld als Steuervergütung

Eltern, die im Inland wohnen und unbeschränkt steuerpflichtig sind, erhalten nach dem Einkommensteuergesetz (EStG) Kindergeld als Steuervergütung. Kindergeld gibt es grundsätzlich...

  • für alle Kinder bis zum 18. Lebensjahr
  • für Kinder in Ausbildung bis zum 25. Lebensjahr
  • für arbeitslose Kinder bis zum 21. Lebensjahr
Derzeit wird Kindergeld in Deutschland für rund 17 Millionen Kinder gezahlt. Es wird einkommensunabhängig gezahlt, ist allerdings nach der Zahl der Kinder gestaffelt. Es beträgt...
  • für das erste und zweite Kind monatlich 194 Euro
  • für das dritte Kind monatlich 200 Euro
  • für das vierte und jedes weitere Kind monatlich 225 Euro

Kindergeld nach Beendigung der Schule

Das Kindergeld wird unter bestimmten Voraussetzungen auch nach der Schule und über das Erlangen der Volljährigkeit mit 18 Jahren hinaus weiter gezahlt. Solange ein Kind für einen Beruf ausgebildet wird, kann das Kindergeld bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres weiterhin bezogen werden. Für Kinder, die sich nicht in einem Beschäftigungsverhältnis befinden und bei einer Agentur für Arbeit arbeitssuchend gemeldet sind, besteht ein Anspruch auf Kindergeld bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres. Will ein Kind eine Berufsausbildung aufnehmen, kann diese aber mangels eines Ausbildungsplatzes nicht beginnen oder fortsetzen, kann das Kindergeld ebenfalls bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres verlängert werden. Voraussetzung für die Verlängerung ist eine ernsthafte Bemühung nach einem Ausbildungsplatz zum frühestmöglichen Zeitpunkt.

Ebenfalls bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres kann das Kindergeld auch für Übergangszeiten von bis zu vier Monaten gezahlt werden. Das gilt beispielsweise für Zeiten zwischen Schulabschluss und Beginn der Berufsausbildung. Zwischen dem Letzten Schultag und dem Ausbildungs- oder Studienbeginn sollte sich der Nachwuchs daher nicht allzu viel Zeit nehmen, so Experten der ARAG Versicherung. Anders ist es nur, wenn das Kind nach dem Schulabschluss ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ) oder ein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert.

Kindergeld im Masterstudium

Ein Masterstudium, das inhaltlich und zeitlich auf ein Bachelorstudium aufbaut, gehört zur Erstausbildung. Daher muss auch während des Masterstudiums Kindergeld gezahlt werden und zwar selbst dann, wenn Studenten nebenher noch über 20 Wochenstunden arbeiten. In einem konkreten Fall strich die Familienkasse einem Studenten das Kindergeld, als er direkt im Anschluss an sein Bachelorstudium ein Masterstudium aufnahm. Doch die Richter des Bundesfinanzhofs waren der Ansicht, dass ein so genanntes konsekutives, also zeitlich nachfolgendes Masterstudium zur Erstausbildung gehört, wenn das angestrebte Berufsziel nur auf diesem Wege erreicht werden kann (Az.: VI R 9/15).

In diesem Zusammenhang weisen Experten der ARAG Versicherung darauf hin, dass eine Erwerbstätigkeit von regelmäßig mehr als 20 Stunden pro Woche jedoch zum Entfall des Kindergeldes führen kann, wenn die Erstausbildung abgeschlossen ist. Davon ist immer dann auszugehen, wenn das Kind durch Ausbildung oder Studium seinen geplanten Beruf ergreifen kann.

Entweder Kindergeld oder Kinderfreibetrag

Kindergeld und Kinderfreibetrag sind eng miteinander gekoppelt, um den Grundbedarf der Kinder einer Familie zu decken. Dabei gilt: Entweder Kindergeld oder Kinderfreibetrag, beides zusammen ist nicht möglich. Der Kinderfreibetrag wird anders als das Kindergeld nicht ausgezahlt, sondern ist ein Freibetrag, der vom zu versteuernden Einkommen abgezogen wird und sich bei der Berechnung der Einkommensteuer steuermindernd auswirkt. Ob die Kindergeldzahlungen oder der Kinderfreibetrag für Steuerpflichtige vorteilhafter ist, prüft das Finanzamt automatisch im Rahmen einer Günstigerprüfung. Nur wenn der Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag die Höhe des Kindergeldes übersteigt, gewährt das Finanzamt diesen.

Bei Verheirateten ergibt sich ab einem zu versteuernden Einkommen von ca. 64.000 Euro ein Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag gegenüber dem gezahlten Kindergeld, bei Alleinstehenden ab ca. 34.000 Euro. Das Kindergeld wird vom Finanzamt in jedem Fall auf den Steuervorteil aus dem Kinderfreibetrag angerechnet – egal, ob sie es erhalten haben oder nicht. Daher raten Experten der ARAG Versicherung dringend dazu, einen Kindergeldantrag zu stellen – auch wenn Sie von vorneherein wissen, dass der Kinderfreibetrag sich günstiger auswirkt.

Kindergeld kann Großeltern statt Eltern zustehen

Kann Kindergeld auch anderen Personen außer den Eltern zustehen? Ja, den Großeltern! Diese können beispielsweise für ihr Enkelkind Kindergeld erhalten, wenn Tochter und Enkelkind zwar aus dem gemeinsamen Haushalt ausziehen, das Kind aber tatsächlich überwiegend nach wie vor im Haushalt der Großeltern betreut und versorgt wird. Das geht aus einem Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz in Neustadt an der Weinstraße vom 29. August 2017 hervor (Az.: 1271 E – 7/17).

Der Kläger erhielt bis Mai 2015 für seine drei Kinder und seine Enkeltochter Kindergeld. Die drei Kinder des Klägers und auch sein Enkelkind lebten in seinem Haushalt. Sowohl seine Ehefrau als auch seine Tochter (Mutter des Enkelkinds) waren mit der Zahlung an ihn einverstanden. Im Mai 2015 zog die Tochter mit Kind allerdings in eine eigene Wohnung, wurde aber weiterhin von den Eltern beispielsweise durch Betreuung des Kindes vor und nach dem Kindergarten-Besuch bei der Erziehung unterstützt. Trotzdem wollte die zuständige Familienkasse ab diesem Zeitpunkt kein Kindergeld mehr zahlen. Begründung: Das Enkelkind gehöre nicht mehr zum Haushalt des Großvaters.

Die Neustädter Richter stellten sich aber auf die Seite der betroffenen Familie und ordneten an, dass das Kindergeld weiterhin von der Familienkasse zu zahlen sei. Durch Betreuung, Erziehung und Versorgung des Enkelkinds sei zwischen Großeltern und Enkelkind eine elternähnliche Beziehung entstanden, die durch den Auszug der Tochter nicht geendet habe. Vielmehr beweise der Verzicht der Tochter auf das Kindergeld das hohe Gewicht der Betreuungsleistungen der Großeltern. Maßgeblich sei aber generell allein, in welchem Haushalt das Kind überwiegend versorgt und betreut werde.

Düsseldorfer Tabelle: 2018 Anhebung der Einkommensgruppen

Leben die Eltern getrennt, steht dem Kind Unterhalt zu. Diese Beträge der Mindestunterhaltsverordnung finden sich in der vom Oberlandesgericht Düsseldorf regelmäßig herausgegebenen "Düsseldorfer Tabelle". Der Mindestunterhalt beträgt für Kinder bis zum sechsten Geburtstag (1. Altersstufe) dann 348 Euro statt bislang 342 Euro. Kinder vom siebten bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres (2. Altersstufe) erhalten 399 Euro statt bislang 393 Euro. Für ältere minderjährige Kinder (3. Altersstufe) gibt es 467 Euro statt 460 Euro. Nur hinsichtlich des Bedarfs volljähriger Kinder bleibt die Tabelle in 2018 unverändert. Sie bekommen in der untersten Einkommensstufe weiterhin 527 Euro.

Die Bedarfssätze der höheren Einkommensgruppen der Düsseldorfer Tabelle bauen auf dem Mindestunterhalt auf, das heißt Eltern, deren Einkommen höher ist, müssen laut der Tabelle entsprechend mehr Unterhalt zahlen. Bei den Einkommensgruppen hat es nun zum ersten Mal seit 2008 Veränderungen gegeben. Die neue Tabelle beginnt mit einem Nettoeinkommen von "bis 1.900 Euro" statt bislang "bis 1.500 Euro". Die zweite Einkommensgruppe geht nun von 2.301 Euro bis 2.700 Euro statt bisher von 1.501 bis 1.900 Euro. Entsprechend wurden auch die weiteren Einkommensgruppen angehoben. Die höchste Einkommensgruppe endet danach bei bis zu 5.500 Euro statt - wie bislang - bei bis zu 5.100 Euro.

Neue Einkommensgruppen können sich negativ auf Unterhalt auswirken

Je nach Nettoeinkommen des getrennt lebenden Elternteils können sich diese neuen Einkommensgruppen nachteilig auf den Unterhaltsanspruch des Kindes auswirken. Ein Beispiel: Ein unterhaltspflichtiger Vater eines vierjährigen Kindes hat ein bereinigtes Nettoeinkommen von 1.800 Euro. Bislang galten für den Bedarf des Kindes die Unterhaltssätze der zweiten Einkommensstufe der Düsseldorfer Tabelle, sprich 360 Euro für ein Kind in der 1. Altersstufe. Seit Januar 2018 fällt der Vater mit seinem Nettoeinkommen in die erste Einkommensgruppe. Laut Tabelle hat das vierjährige Kind dann nur noch den (Mindest-) Unterhaltsbedarf von 348 Euro.

Kindergeld ist auf Unterhalt anzurechnen

Geändert haben sich auch die in der Tabelle ausgewiesenen Zahlbeträge. Sie errechnen sich aus den Unterhaltssätzen abzüglich des hälftigen Kindergeldes bei minderjährigen und des vollen Kindergeldes bei volljährigen Kindern. Der Gesetzgeber hat zum 1. Januar 2018 das Kindergeld angehoben: Für ein erstes und zweites Kind gibt es 194 Euro, für ein drittes Kind 200 Euro und ab dem vierten Kind 225 Euro (siehe oben). Entsprechend wurden die tatsächlich zu zahlenden Unterhaltssätze neu berechnet.

Kleiner Ausblick: Für 2019 hat das Bundeskabinett am 27. Juni 2018 beschlossen, das Kindergeld um zehn Euro zu erhöhen. Ab 2021 soll es sogar weitere 15 Euro mehr geben.

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