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Geldanlage Börse im Corona-Jahr 2021: Keine Angst vor Kursverlusten

Die Talfahrt der Börse zu Beginn der Coronavirus-Pandemie war heftig. Anleger haben mit Verkäufen reagiert und Kursverluste realisiert. Wie Sie den Fiskus beteiligen und sich für 2021 clever aufstellen.

Topic channels: TS Altersvorsorge, TS Geldanlage, TS Indexfonds, TS Unternehmensanleihen und TS Coronavirus

Die Börse ist keine Einbahnstraße. In diesem Jahr war sie gar eher eine Achterbahn. Nach einem leichten Auf und Ab zu Beginn des Jahres, folgte die coronabedingte, rasante Talfahrt des größten Deutschen Aktienindex DAX: Am 11. Februar lag er noch bei 13.750 Punkten. Am 17. März hatte er seinen Tiefpunkt mit 8.442 Punkten erreicht. Ein Minus von knapp 40 Prozent in gut einem Monat.

Wer Geld in Aktien oder Fonds investiert hat, konnte in dieser Phase vielleicht nicht gut schlafen, mancher wird seine Aktien verkauft haben, um den Verlust zu begrenzen. „So ein Verkauf macht nur dann Sinn, wenn Anleger spekulative Einzelaktien gekauft haben. Wer einer langfristigen Strategie folgt und seine Wertpapiere strategisch gut gewählt hat, sollte Kurstäler aussitzen“, erklärt Rolf Kieckebusch, Vorstandsvorsitzender der Kirix Vermögensverwaltung AG aus Kassel.

Steuerliche Verlustverrechnung

Aus steuerlicher Sicht sind Verluste kein Problem: Wer Aktien im Privatbesitz hält, kann realisierte Verluste mit realisierten Kursgewinnen aus Aktien steuerlich verrechnen. „Das macht die Bank ganz automatisch, wenn Verluste und Gewinne bei ihr anfallen“, erklärt Saidi Sulilatu, Finanzexperte bei Finanztip.de. Eine Angabe in der Steuererklärung ist nicht notwendig.

Anders ist es, wenn Kursgewinne und -verluste bei verschiedenen Banken anfallen. „Dann muss der Anleger bei seiner Bank bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung beantragen und kann diese der Steuererklärung – Anlage KAP – beifügen. Sind keine Gewinne zum Verrechnen da, werden die Verluste ins nächste Jahr vorgetragen“, so der Experte.

Zwei Spezialfälle

Noch anders ist der Fall, wenn ein Anleger Aktien gekauft hat, deren Wert auf nahezu null fällt – wie etwa die Aktien von Wirecard. Die Bank bucht diese Wertpapiere dann als wertlos aus, der Verlust kann steuerlich angerechnet werden (Finanzgericht Rheinland-Pfalz, Az: 2 K 1952/16). Das Finanzamt muss die Verluste auch dann anerkennen, wenn keine Bankbescheinigung vorliegt. Allerdings sind die Banken erst seit diesem Jahr zur Ausweisung solcher Verluste verpflichtet. Für Anleger heißt das: Für das Jahr 2019 müssen Sie eventuelle Verluste dieser Art selbst beim Finanzamt geltend machen. Wer 2020 eine wertlose Aktie im Depot hat, sollte darauf achten, dass die Bank den Verlust korrekt ausweist.

Kursgewinne mit Gold und Xetra-Gold (eine mit Gold hinterlegte Anleihe der Deutschen Börse) sind für Anleger steuerfrei, wenn der Investor die Wertanlage mindestens ein Jahr hält. Vielen Anlegern dienen Gold-Investments als Beimischung zu ihrem Depot. „Es wirkt stabilisierend auf das Portfolio, da Gold oft dann im Kurs steigt, wenn die Börsenkurse fallen“, sagt Rolf Kieckebusch.

Erfolgreich in der Krise

Eine Studie der Schweizer Großbank UBS hat belegt: Hochvermögende Investoren haben trotz fallender Börsenkurse ihr Vermögen in diesem Jahr mehren können. Der Grund: Sie sind ihrer Anlagestrategie, die verschiedene Anlageklassen (wie etwa Aktien, Anleihen, Immobilien und Gold) in einem bestimmten Verhältnis (je nach Risikoneigung des Anlegers) mischt, treu geblieben. „Durch die Kursverluste hat sich die Zusammensetzung ihres Depots verändert, was die Vermögenden nach kurzer Zeit dafür genutzt haben, Aktien so nachzukaufen, dass ihr Mischungsverhältnis im Depot wieder der Anlagestrategie entspricht“, erklärt Rolf Kieckebusch. Und genau das rät er anderen Privatanlegern auch: „Entwickeln Sie eine Anlagestrategie, die Ihr Vermögen über verschiedene Länder und Anlageklassen diversifiziert. Und dann halten Sie diese Strategie durch – auch wenn es an der Börse mal kracht.“

Saidi Sulilatu stimmt dem zu: „Manche Anleger setzen auf Timing, sie versuchen also, ihre Aktien möglichst günstig einzukaufen. Doch das gelingt fast nie.“ Wer seine langfristige Strategie im Blick hat, fährt mit ‚Kaufen und Halten‘ besser.

Drei Szenarien für 2021

Für das kommende Jahr sehen die Experten drei mögliche Szenarien, die unterschiedliche Wirkung auf den Börsenverlauf haben würden.
  1. Corona ist unter Kontrolle: „Dann entwickelt sich die Börse relativ stabil, sie wird vermutlich an alte Höchststände anknüpfen – mit den üblichen Schwankungen“, meint Sulilatu. Rolf Kieckebusch sieht vor allem Nachholeffekte als Grund für steigende Kurse.
  2. Corona bleibt ein existenzielles Risiko: „Dann wird es vermutlich vermehrt zu Firmenpleiten auch von großen Unternehmen kommen. Hinzu kommt die starke Verschuldung der Staaten, die zu einer mehrjährigen Talfahrt an den Börsen führen könnte“, erklärt Kieckebusch.
  3. Andere Themen drängen in den Vordergrund: „Corona ist bereits in den Kursen eingepreist. Wenn wir jetzt beispielsweise eine steigende Inflation bekommen, ziehen die Preise an, Sparguthaben wird entwertet und Staaten sowie Unternehmen droht die Insolvenz, da sie so hoch verschuldet sind, dass sie nur mit niedrigen Zinsen leben können“, so Sulilatu.

Zwei Experten, zwei Tipps für 2021

Rolf Kieckebusch rät Anlegern zu folgender Strategie: „100 minus Lebensalter sollte der breit gestreute Aktienanteil im Depot sein – wenn es zur Persönlichkeit des Anlegers passt. Und Saidi Sulilatu meint: „Alles was an Zinsanlagen da ist, ist langfristig nicht rentabel, etwa Versicherungen und Anleihen. Mit einem Exchange Traded Fonds kann Vermögen diversifiziert investiert werden.“

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