Bauverzögerungen, knappe Termine, und dann zahlt der Kunde nicht oder nur schleppend? Das kostet Sie Nerven und Cash! Aber es gibt eine effektive Waffe dagegen: Die Bauhandwerkersicherheit nach § 650f BGB. Und die ist im B2B-Geschäft Gold wert, wie Andreas Scheibe, VOB-Trainer, in der neuesten Ausgabe seiner Kolumne „Der professionelle Bauablauf“ zusammenfasst.

Sie haben einen Auftrag mit einem Volumen von 1,5 Millionen Euro. Die Bauzeit ist auf zehn Monate angesetzt. Eigentlich ein gutes Projekt – doch wie so oft kommt es anders. Entweder verzögert sich die Vergabe oder der Baubeginn verschiebt sich, zum Beispiel weil die Planung fehlt oder andere Gewerke noch nicht fertig sind. Das Ergebnis: Sie können mit Ihrem Team nicht starten, obwohl Sie bereit sind.
Der Bauherr bekommt Druck
Später merkt der Auftraggeber, dass das Projekt nicht rechtzeitig fertig wird. Ihm drohen Schadenersatzforderungen, weil der Bau nicht bezugsfertig ist. Das passiert häufig – gerade im B2B-Bereich, also wenn Sie nicht für private Bauherren, sondern für Unternehmen oder Investoren arbeiten. Wichtig: Beim öffentlichen Auftraggeber greift das Thema „Bauhandwerkersicherheit“ nicht. Hier gibt es andere Wege, die das Gesetz bietet. In unserem Fall geht es aber um rein gewerbliche Bauprojekte.
Der erste Schritt: Bauverschiebungsnachtrag
Sie starten also ganz zu Beginn des Projekts mit einem Nachtrag wegen Bauzeitverschiebung. Sie wollen damit deinen Aufwand ausgleichen, weil Sie nicht wie geplant anfangen können. Doch dieser Nachtrag wird vom Bauherrn abgelehnt oder ignoriert.
Erste Rechnungen – und die ersten Probleme
Sie beginnen mit der Arbeit und stellen die erste Abschlagsrechnung. Bald folgt die zweite. Jetzt merken Sie: Der Bauherr zahlt nicht zuverlässig. Die erste Rechnung wird verspätet bezahlt – und nur zur Hälfte. Die zweite wird noch später beglichen, und zwar nur zu 20 Prozent. Jetzt ist klar: Hier stimmt etwas nicht.
Unbezahlte Rechnungen: Absichern mit der Bauhandwerkersicherheit nach § 650f BGB!
Wenn Sie merken, dass Ihr Auftraggeber nicht zahlungsfähig ist, greifen Sie zu einem wichtigen Instrument: § 650f BGB. Das ist Ihr Recht auf Bauhandwerkersicherheit. Sie fordern diese Sicherheit schriftlich an und setzen eine Frist von 14 Tagen.
Kommt die Sicherheit nicht fristgerecht, ist das Ihr Zeichen: Jetzt können Sie den Vertrag aufheben. Das Gesetz steht auf Ihrer Seite. Denn der Auftraggeber hat ja auch schon belegt, dass er nicht genug Geld hat, um Sie sicher zu bezahlen. Das ist in der heutigen Zeit keine Seltenheit – vor allem im Wohnungsbau. Viele Bauherren haben große Probleme mit ihrer Liquidität. Sie wollen sparen. Zum Beispiel bei der Planung, die später unvollständig übergeben wird.
Frühzeitig handeln, Bauhandwerkersicherheit einfordern – und Risiken minimieren
Durch frühzeitiges Handeln und Einfordern der Bauhandwerkersicherheit können Handwerker ihr Risiko durch zahlungsunfähige Auftraggeber auf ein Minimum reduzieren. Und sie steuern den Prozess so, dass sie keine langfristigen Schäden davontragen. Gerade im B2B-Bereich ist das entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg.
Über Autor Andreas Scheibe:

Andreas Scheibe hat selbst als Planer und Projektleiter in großen Firmen gearbeitet, später den väterlichen Handwerksbetrieb übernommen und umgekrempelt. Seine Erfahrung bezahlte er laut eigener Aussage mit viel „Schweiß und Blut“, aber auch viel Geld. Es entstand die Idee zum „professionellen Bauablauf“!
Mit der Continu-ING GmbH (vob.de) verfolgt er heute als Coach und Mentor eine Mission: Das Handwerk muss wieder für seine Leistung anerkannt und entsprechend vergütet werden. Schluss mit dem „Sozialhandwerker“, der sich nicht zu wehren weiß und auf Kosten sitzen bleibt. Vom Handwerker als Getriebener zum aktiven Projekttreiber. Wichtige Fragen sollen endlich geklärt werden: Was sind meine Rechte, was meine Pflichten? Wie sieht es mit den
Pflichten anderer aus? Was kann und muss ich fordern, um störungsfrei arbeiten zu können? Wie gelingt der Sprung vom letzten, missachteten Glied im Bauablauf zu einer Position auf Augenhöhe mit Fachplaner und Auftraggeber? Andreas Scheibe möchte neue Sichtfelder für Handwerker eröffnen.
"Stark im Handwerk – das Buch für Handwerker im VOB-Projektgeschäft"
Im August 2021 ist das erste Buch "Stark im Handwerk" von Andreas Scheibe erschienen. Darin beweist der Experte, dass die in der VOB viel Potenzial und auch viel Geld für Handwerker steckt. Aus der Praxis weiß handwerk-magazin-Kolumnist Scheibe, dass das Bild, welches Auftraggeber, Architekten und Planungsbüros oft vom Handwerker haben, meist kein ruhmreiches ist. Zwar sind die ausführenden Firmen nach deutschen Standards sehr gut ausgebildet und wissen technisch bestens Bescheid, doch von einer Sache hat man Ihnen nichts erzählt: Welche Rechte sie haben! Und auch nicht, dass sie eigentlich und zuallererst auf Augenhöhe mit Auftraggeber und Fachplaner stehen. "Der Handwerker ist zwar der letzte in der Reihenfolge bezogen auf den Bauablauf, aber der letzte Depp ist er noch lange nicht", erklärt Andreas Scheibe.
In diesem Zusammenhang kommt der Autor in seinem Buch sowohl auf die Rechte und Pflichten eines Handwerkers als auch auf die Rechte und Pflichten der anderen Projektbeteiligten zu sprechen. Denn genau diese sind im Detail in der VOB geregelt. Die Formulierungen klingen jedoch oft kompliziert und die Anwendung ist daher auch sehr unbeliebt – zu Unrecht, wie der Autor findet. Das Buch von Andreas Scheibe weckt nicht nur Interesse für das Projektgeschäft, sondern auch für das Durchsetzen von Rechten und Einfordern von Pflichten, sowie den spielerischen Umgang mit Paragrafen. Das Ziel: Handwerk muss wieder Spaß machen, gerecht bezahlt werden und zu alter Stärke zurückfinden.
Neues Buch: "Der professionelle Bauablauf – Das Schritt-für-Schritt System um deine Liquidität nachhaltig zu sichern"
Im August 2023 erschien das bereits dritte Buch von Andreas Scheibe „Der professionelle Bauablauf“. In diesem Buch sind viele Jahre Erfahrung in der Durchführung und auch Beratung von hunderten Handwerksunternehmen eingeflossen. Daraus entstanden ist ein praxiserprobtes und sofort umsetzbares Schritt-für-Schritt System welches mehr Klarheit und Sicherheit im Bauablauf für Handwerker verspricht. In diesem Buch geht es um notwendige Fähigkeiten um standardisierte Ablaufpläne zu erstellen, hochprofitable Nachträge durchzusetzen und berechtigte Forderungen darzulegen, zu begründen und zu verhandeln.
In seinem Buch geht Andreas Scheibe auch auf die 47 häufigsten und teuersten Fehler in VOB-Projekten ein, und wie sich diese verhindern lassen. Am Ende geht es darum, einen standardisierten Schriftverkehr einzuführen und Projekte strukturiert und profitabel abzuwickeln. Und das nach den Spielregeln der VOB.
