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Prävention Absturzunfälle vermeiden: Wie Chefs und Mitarbeiter mit Leitern sicherer arbeiten

Mehr als 60 Unfälle mit Leitern registrieren die Berufsgenossenschaften jeden Tag. Gerade weil die Aufstiegshilfen in fast jedem Handwerksbetrieb zur Standardausrüstung gehören, werden die Unfallrisiken massiv unterschätzt. Was Chefs tun können, damit die tägliche Routine nicht zu schweren Unfällen führt.

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Das Arbeiten mit und auf einer Leiter ist immer gefährlich! Wer das für übertrieben hält, braucht sich lediglich die Zahlen zu den Absturzunfällen anzuschauen. Hier rangiert die Leiter ganz oben, noch vor Gerüsten, Dächern oder Treppen. Bei fast jedem dritten meldepflichtigen Absturzunfall stürzt das Opfer von einer Leiter laut Statistik der Deutschen Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), das kommt in Deutschland im Schnitt jeden Tag gut 60-mal vor. Und da sind die vielen leichteren Leiterunfälle, wo Mitarbeiter weniger als drei Tage ausfallen, noch nicht mal mitgezählt. Dazu kommt, dass die Unfallfolgen oft schwer und vielfach auch bleibend sind. Etwa jede achte Unfallrente, die aufgrund eines Arbeitsunfalls gezahlt wird, geht auf einen Unfall mit einer Leiter zurück.

Risikofaktor Mensch: Die drei typischen Fehler beim Leitereinsatz

Nur selten hat ein Leiterunfall rein technische Ursachen wie Materialermüdung, viel häufiger ist der Unfallfaktor Mensch verantwortlich. Typische Fehler, die leicht zu Unfallursachen werden, sind:

  • Die Leiter ist falsch aufgestellt und nicht standsicher, etwa weil der Untergrund uneben oder weich ist.
  • Die Leiter wird falsch belastet, weil man sich etwa seitlich weit hinauslehnt und der Körperschwerpunkt nicht im Bereich zwischen den Holmen bleibt.
  • Die Leiter ist für die Tätigkeit nicht geeignet, etwa weil ein hoher Krafteinsatz nötig ist, der die Stabilität der (ungesicherten) Leiter aushebelt.
Wichtig: Absperren und sichern auch bei kurzen Einsätzen Pflicht

Entscheidend ist auch, eine Leiter nur dort anzulegen, wo dies weder für sich noch für andere ohne Gefahr möglich ist. Vorsicht vor Glasscheiben, Spanndrähten oder beweglichen Teilen wie Schiebetoren usw. Bei Leitern auf Fahrwegen oder vor unverschlossenen Türen muss der Bereich zuvor abgesperrt werden. Auch ein „nur mal eben kurz“ schützt nicht vor schweren Unfällen und somit langen Ausfallzeiten des Unfallopfers.

Unterweisung: Die besten Tipps für sicheres Arbeiten mit Leitern

Zu den weiteren Verhaltensregeln, die jeder Mitarbeiter durch die vorgeschriebene Unterweisung kennen und lernen sollte, gehören die folgenden Maßnahmen:

  • Stets die Leiter wählen, die für die vorgesehene Aufgabe am besten geeignet ist. Jeder Leitertyp wie Anlegeleiter, Stehleiter, Schiebeleiter, Podestleiter, Seilzugleiter usw. hat seine Vor- und Nachteile.
  • Bei Anlegeleitern den Anstellwinkel richtig wählen, er sollte zwischen 65 und 75 Grad liegen.
    Praxistipp Ellbogenprobe: Leiter an die Wand anlegen und sich seitlich daneben gerade hinstellen, Fuß am Holmende, Oberarm seitlich abwinkeln. Wenn nun der Ellbogen gerade den Holm berührt, stimmt der Anlegewinkel
  • Geeignetes Zubehör nutzen wie Erdspieße, Holmverlängerungen, Fußverbreiterungen usw.
  • Leitern niemals freihändig besteigen, eine Hand muss stets am Leiterholm bleiben.
  • Anlegeleitern niemals ganz nach oben klettern, die drei obersten Sprossen dürfen nicht betreten werden.
  • Arbeitsmaterialien vor dem Herunterfallen sichern, etwa durch Zubehörschalen für Kleinteile und Einhängeboxen für Werkzeuge.

Jede gewerblich genutzte Leiter muss in regelmäßigen Abständen durch eine dazu befähigte Person a uf ihren ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden. Doch auch jeder Nutzer sollte seine Leiter vor Verwendung kurz in Augenschein nehmen und gewohnheitsmäßig die folgenden Punkte checken:

  • Sind die Leiterholme verformt oder beschädigt, bei Holzleitern ohne Risse oder übergroße Abnutzung?
  • Sind die Leiterfüße in gutem Zustand, d. h. Gummistopfen vollständig, unbeschädigt und sicher befestigt?
  • Sind die Stufen oder Sprossen in Ordnung, ohne Schäden, Verformungen oder scharfe Kanten?
  • Sind alle Stufen, Sprossen und Trittflächen sicher mit dem Holm verbunden, sind Niete, Schraubverbindungen oder Schweißnähte einwandfrei?
  • Funktioniert (bei Stehleitern) die Spreizsicherung und ist sie fest angebracht?
  • Ist eine Kurzform der Gebrauchsanleitung auf der Leiter gut erkennbar angebracht, etwa durch Piktogramme?

Wichtig: Bei Schäden gehört die Leiter aussortiert und fachgerecht repariert. Ist das nicht machbar, muss die Leiter unbrauchbar gemacht und entsorgt werden.

Faustformel: Nie länger als zwei Stunden auf der Leiter

Grundsätzlich gilt im Arbeitsschutzrecht : Eine Leiter darf nur dann als sogenannter hoch gelegener Arbeitsplatz verwendet werden, wenn die Gefährdung gering ist und der Leitereinsatz keine Dauerlösung ist. Spätestens wenn länger als zwei Stunden von einer Leiter aus gearbeitet werden müsste, sollte man sich nach anderen Lösungen umsehen und etwa auf Podeste, Hubsteiger oder Fahrgerüste umsteigen.

  

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  • Gefährdungsbeurteilung Bau (PDF, 2187 kB)

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