Interview zum 70. Jubiläum Handwerksjuniorin Sara Hofmann: "Der Kostendruck steigt in vielen Gewerken an"

Zum 70. Jubiläum der Handwerksjunioren wünscht sich die Vorstandsvorsitzende Sara Hofmann bessere politische Rahmenbedingungen fürs Handwerk. Trotz alledem sei das bundesweite Nachwuchs-Netzwerk wichtiger denn je fürs Handwerk.

Sara Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Junioren des Handwerks e.V.
Sara Hofmann, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Junioren des Handwerks e.V. - © martinjoppen.de
handwerk magazin: Die Handwerksjunioren Deutschland feiern dieses Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie?

Sara Hofmann: Unser Jubiläum zeigt, dass unser bundesweites Nachwuchs-Netzwerk auch 70 Jahre nach dessen Gründung von zentraler und dauerhafter Bedeutung für das Handwerk ist. Mehr noch: Es ist heute stärker denn je. Das zeigt sich am spürbar gesteigerten Zulauf bei unseren Ortsnetzwerken und an den vielen Anfragen allein in den letzten Wochen aus weiteren Kammerbezirken, in denen die Gründung neuer Juniorennetzwerke angestrebt wird. Die mittlerweile deutlich gesteigerte Sichtbarkeit der Handwerksjunioren in den Medien, der Handwerksorganisation und der Gesellschaft ist der Ausgangspunkt für eine nachhaltige und starke Interessenvertretung der jungen Handwerksgeneration auch in den kommenden Jahrzehnten.

Auf dem Bundeskongress der Handwerksjunioren Ende September wurden erstmals die „Junghandwerkerin 2026“ und der „Junghandwerker 2026“ ausgezeichnet. Welche Botschaft soll mit dem neuen Award transportiert werden?

Mit den Auszeichnungen wollen wir junge Talente im Handwerk sichtbar machen und zeigen, wie viel Leidenschaft und
Tatendrang das junge Handwerk mitbringt. Wir wollen damit besondere Leistungen und herausragendes Engagement junger Handwerkerinnen und Handwerker unter 30 würdigen. Kosmetikmeisterin Aminata Amoruso und Metallbauermeister Justus Brandt wurden auserkoren, weil sie bereits in jungen Jahren ein eigenes Unternehmen gegründet haben, ihre Liebe zum Handwerk über Social Media nach außen tragen und als Dozenten mit ehrenamtlichem Einsatz junge Menschen für Handwerksberufe begeistern.

Auch das Thema KI wurde auf dem Bundeskongress behandelt: Wie könnte KI das Handwerk verändern? Und wie sieht das in Ihrem eigenen Betrieb aus?

Handwerksberufe werden auf abseh­bare Zeit nicht durch KI ersetzt werden. Sowohl KI als auch Robotik fügen sich heute schon immer mehr unterstützend in den Handwerksalltag ein, ohne die Menschen im Handwerk zu verdrängen. Wir merken, dass die verstärkt wahr­genommene Zukunftsfestigkeit des Handwerks mit Blick auf den Jobmarkt sehr attraktiv für junge Menschen ist. Zusammen mit meinem Mann sind wir gerade mitten im Übernahmeprozess des Familienbetriebs. Insbesondere bei Recherche, Bürokratie und Organisation nutzen wir die gängigen KI-Tools, um Zeit bei administrativen Prozessen zu sparen.

Was ist Ihre größte Sorge und größte Hoffnung fürs Handwerk?

Meine größte Sorge gilt den politischen Rahmenbedingungen. Trotz vereinzelter positiver Veränderungen für Handwerksbetriebe blickt gerade das junge Handwerk angesichts des steigenden Kostendrucks in vielen Gewerken mit gemischten Gefühlen in die Zukunft. Meine größte Hoffnung ist, dass sich die junge Generation im Handwerk dennoch nicht unterkriegen lässt und dieses Land auch in Zukunft am Laufen hält.

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Social Media und Zukunftsperspektiven im Handwerk